Kindred: The Embraced

zz16 Auch heute gönne ich mir eine Serie, die fleißige Leser meiner „SF TV Guides“ bereits kennen. Es ist aber durchaus spannend, sie aus großer zeitlicher Entfernung noch einmal zu begutachten.

Die freie Adaption des Rollenspiels „Vampire: The Masquerade“ startete 1996 mit ziemlichen hohen Erwartungen, einer profilierten Produktionsfirma (Spelling) und einem sexy Cast. Mark Frankel hatte sich in der unterhaltsamen, aber leider geflotten Agentenserie „Fortune Hunter“ bewiesen, Stacy Haiduk war der aparte Rotschopf aus „Superboy“, Kelly Rutherford kannte man aus der Kultserie „The Adventures of Brisco County jr.“ (mit Bruce Campbell), und C. Thomas Howell war in den 80er ein waschechter Kinostar gewesen.

Nach nur acht Folgen wurde die Serie eingestellt.

Ich bin rückblickend überzeugt, dass „Kindred“ seiner Zeit voraus war – oder hinterher hinkte, ganz wie man es sehen will. Die klassische Seifenoper, von der „Kindred“ eine ungewöhnliche Variation war, hatte in den 90ern nichts zu melden. „Dallas“, „Denver“ und „Falcon Crest“ waren längst Geschichte und das Publikum genoss gerade einen neuen, anspruchsvolleren Erzählstil wie bei „ER“ und „New York Cops“. Seifigere Elemente waren die Domäne jünger zielender Serien wie „Beverly Hills 90210“ und „Melrose Place“. Versuche, die Soap Opera mit „Titans“ und „Savannah“ neu zu beleben, scheiterten. Es war einfach nicht das richtige Jahrzehnt.

Außerdem waren Vampire zu dem Zeitpunkt, als „Kindred“ auf Sendung ging, nicht gerade beliebt. Die einzige nennenswerte Vampirserie dieser Jahre war die billig herunter gekurbelte kanadische Krimiserie „Nick Knight“. Ein anderes „bissiges“ Melodrama, „Dark Shadows“, war 1991 bereits gescheitert, es galt die These, dass sich die banal-nachvollziehbaren Mechanismen der Seifenoper einfach nicht tauglich mit phantastischen Elementen unter einen Hut bringen ließen.

Zu guter Letzt mag es keine brillante Idee gewesen sein, „Kindred“ im April zu starten – einer Zeit, in der die meisten anderen Serien schon in die Zielgerade ihrer Saison gehen. Gerade angesichts der düsteren Thematik und der vielen Nachtaufnahmen wäre ein Herbststart vermutlich hilfreich gewesen.

Andere Gründe können es kaum gewesen sein, denn die Serie erlaubte sich inhaltlich wenige Schnitzer – es war tatsächlich eine aufwändige Seifenoper mit dem richtigen Gespür für Horror und Pathos:

Wäre „Kindred“ fünf Jahre später gestartet, vielleicht wäre alles anders gekommen. Ein Jahr nach der Absetzung der Serie (und dem Tod des Hauptdarstellers bei einem Motorradunfall) debütierte „Buffy“ – und löste einen bis heute anhaltenden Genreboom aus, der mittlerweile auch diverse Vampirserien in seinem Fahrwasser mitgeschleppt hat („Angel“, „True Blood“, „Vampire Diaries“). Besonders die „Vampire Diaries“-Ablegerserie „The Originals“ wirkt manchmal wie ein Aufguss von „Embraced“.

Schaut man sich die alten Folgen heute noch einmal auf DVD an, wirken sie (abgesehen vom typischen, etwas ausgewaschenen Look ihrer Zeit) absolut frisch und spannend.

Ein klarer Fall von dumm gelaufen.

Morgen sehen wir doppelt – whoa!



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WortvogelDirk-M.aZrael Recent comment authors
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Ha, die kannte ich diesmal! Habe ich schon des längeren auch auf DVD – aber da ich früher auch Vampire gemeistert habe als Rollenspiel-Meister, kannte ich das natürlich. Danke für das Schmankerl und die schöne Analyse!

Dirk-M.
Dirk-M.

Sicher, dass die Serie abgesetzt wurde? Meiner Infos nach (soweit ich mich richtig erinnere) hatte das unerklärliche Ende der Serie eben den Grund, dass der Haupdarsteller im Mid-Season-Interval der Serie starb. Und ohne den wollten die Macher der Serie (verständlicherweise) nicht weitermachen, da sich die ganze Serie auf ihn gestützt hat. Lieg ich da falsch?