Heute tauchen wir mal wieder brettfett in die Science Fiction und so mancher von euch wird sich wundern, wenn ich sage, dass es diesmal um eine der teuersten Weltraumserien der 90er geht, die ihr TROTZDEM nicht kennt.

Willkommen zu

Mercy Point

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Mit dieser Serie wollte UPN wirklich die Sau rauslassen – teurer als „Star Trek: Voyager“, mit einem hochkarätigen Cast und fotorealistischen Spezialeffekten, wie sie erst wieder von „Enterprise“ und „Battlestar Galactica“ einige Jahre später erreicht wurden.

Ich kann mir nur grob vorstellen, wie dick die Eier des Produzenten gewesen sein müssen, als er breit grinsend das Konzept beim Sender pitchte. Es klingt so einfach, so naheliegend, so brillant und gleichzeitig spannend:

„E.R. in space!“

Ein Genre-Mix. Eine Krankenstation im Weltraum, bei der es nicht nur um Menschen geht, sondern um Aliens, deren Anatomie und Krankheiten den Ärzten teilweise völlig unbekannt sind. Wo die Sprachbarriere nicht mexikanisch, sondern klingonisch ist.

Und genau das wurde es dann auch:

„Mercy Point“ war einer der Hoffnungsträger der TV-Saison, wurde massiv beworben, hatte Produzenten von „Remington Steele“, „MacGuyver“ und „Gilmore Girls“ an Bord – und floppte brutal mit nur sieben ausgestrahlten Episoden.

In Deutschland lief die Serie wohl kurioserweise zuerst auf TV Berlin. Auf DVD gibt es sie gar nicht offiziell.

Ich will es mir nicht zu einfach machen – „eine saublöde Idee“ greift als Erklärung zu kurz. Schließlich war „E.R.“ eine der erfolgreichsten Serien der 90er und UPN brachte ein science fiction-affines Publikum mit. Auch die Drehbücher und die Spezialeffekte von „Mercy Point“ können überzeugen. Es ist ja nicht so, dass Genre-Mixes grundsätzlich nicht funktionieren können.

Aber vielleicht setzt man sich manchmal zwischen alle Stühle, wenn man zwei Zielgruppen erreichen will, von denen die eine die andere negiert. Vielleicht war die Idee, parasitenverseuchte Aliens zu sehen, den „E.R.“-Zuschauern zu albern – und vielleicht wollten Trekker keine „disease of the week“-Plots.

Jahre später pitchte mir eine Freundin mal einen ähnlichen Mix: „Traumschiff Enterprise“. Damit war nicht die Bully-Verarsche gemeint, sondern die Idee, ein Enterprise-ähnliches Schiff zum Mittelpunkt von abgeschlossenen Einzelepisoden mit immer neuer Besetzung zu machen. Ein galaktisches Kreuzfahrtschiff, Love Boat in Space – wie wir das ja auch in „Fifth Element“ und dem beschämend schlechten deutschen SF-Flop „Die Sturzflieger“ gesehen haben.

Kennt man sich in der Branche ein wenig aus, klingt das im ersten Moment ziemlich plausibel: Man kann eine große Bandbreite an Geschichten erzählen, der wechselnde Cast hält die Kosten klein, das Traumschiff hat eine so große Tradition wie Trek und jung und alt werden gleichermaßen angesprochen.

Im zweiten Moment muss einem klar werden, was für ein Unfug das ist. Die Strickjacken- und Bundfalten-Fraktion vom „Traumschiff“ wird schon bei der Erwähnung des Raumschiffs wegschalten und die SF-Nerds lassen sich mit wechselnden Liebesgeschichten sicher auch nicht ködern. Manchmal wächst was nicht zusammen, weil es nicht zusammen gehört. Man würde ja auch die BRAVO und die Apotheken-Umschau nicht zusammen legen, nur weil beide eine große Leserschaft haben.

Und so mag „Mercy Point“ zwar ein bemühter, aber letztlich von vorne herein zum Scheitern verurteilter Versuch gewesen sein. Ich gebe aber zu, dass ich die Serie gerne noch mal sehen würde.

Morgen wird’s pervers. Und paradox.



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Howie MunsonperseusThorstenheino Recent comment authors
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heino
heino

Das klingt stark nach der Romanserie um das Krankenhausraumschiff, deren Titel mir mal wieder nicht einfallen will. Der Autor hieß James White, glaube ich

Thorsten
Thorsten

Kann ich Dir sagen, ich hab einige von den Büchern. Sector General ( dt. Orbit-Hospital) Ich fand die schon nicht schlecht, Aber als SF-Nerd und ehemaliger Militärsanitäter sind die ja wie für mich geschrieben

perseus
perseus

Die Sturzflieger, auch bekannt als Die Sideboobs von Anja Kling.

Btw. Doppelung bei „weil es nicht nicht zusammen gehört.“

Howie Munson
Howie Munson

„Die letzte Diagnose“ vom Orbit Hospital hab ich mehrfach gelesen, aber ich glaube auch nicht das es E.R.-Fans angesprochen hätte.