Ich hatte ja neulich schon erklärt, dass die 90er die Hoch-Zeit der Syndication-Serien war. „Babylon 5“ und „Hercules“, „Baywatch“ und „Deep Space Nine“ – in 22er-Packs wurden Serien produziert und dann an die einzelnen lokalen Stationen verhökert. Ein lukratives Geschäft, wenn es klappte, ganz besonders dann, wenn man es auf mehr als 100 Folgen brachte. Das galt nämlich als magische Grenze, ab der eine Serie nicht mehr nur zur wöchentlichen Ausstrahlung, sondern auch zur täglichen Wiederholung geeignet war. Den Weg in die Dauerschleife zu finden, war der goldene Gral.

Das Problem der Syndication war die Vorfinanzierung – in den meisten Fällen konnten Presales die Produktion der ersten Staffel nicht komplett decken, darum mussten die Produzenten eigenes Geld zuschießen und auf lukrative Deals zur zweiten Staffel hoffen. Trotzdem wollten selbst etablierte Erfolgsproduzenten, die bei den Networks gut beschäftigt waren, ein Stück vom Kuchen haben – eben weil sie über die Erstausstrahlung hinaus die Verwertungsrechte behalten konnten und diese nicht an das beauftragende Network abgeben mussten.

„Renegade“ hatte ich ja schon erwähnt – das war ein erfolgreicher Versuch von Stephen J. Cannell, sich ein Stück vom Syndication-Kuchen abzuschneiden. Es sollte nicht sein einziger bleiben. John Woo versuchte es von Kanada aus mit „Once a thief“. Und selbst Network-Legende Aaron Spelling, der mehr Fernsehserien über einen längeren Zeitraum produziert hat als jeder andere, wollte mal einen Zeh in das Syndication-Wasser stecken. 1994, als bei der Syndication alle Dämme brachen, brachte er zwei Serien auf den noch jungen Markt – „Heaven help us“ und „Robin’s Hoods“. Beide solide produziert und gut besetzt, aber zu blass, um ohne die Promo-Power eines Networks wirklich durchzustarten.

Zwei Jahre später war Cannell wieder dran, diesmal mit

Two

twoIn Deutschland bekannt als „Gejagt – Das zweite Gesicht“. Das Setup ist wieder denkbar simpel: Der brave Gus stellt fest, dass er einen bösen Zwillingsbruder names Booth hat, der seine Verbrechen so begeht, dass nur Gus als Täter in Betracht kommt. Gus taucht unter und hat nun zwei sich oft in die Quere kommenden Ziele – nicht geschnappt werden und Booth als Killer entlarven.

Genau genommen ist das natürlich nur eine weitere „Renegade“-Variation des alten Themas „Unschuldiger auf der Flucht“, und es ist leicht zu sehen, was Cannell daran reizte: Das Flucht-Motiv erlaubt ständige preiswerte Außendrehs in und um Vancouver, es müssen keine teuren Sets im Studio gebaut werden, die grundlegenden Investitionen sind überschaubar.

Ob das Zwillings-Motiv „Two“ jetzt spannender macht als „Renegade“, sei dahin gestellt. Ich persönlich fand die Twists, die „Nowhere Man“ (eine Serie, die ebenfalls in diese Reihe gepasst hätte) aus dem Thema zog, deutlich überzeugender. Ob der Täter ein Zwilling ist oder nicht, hat letztlich minderen Belang – es reicht, dass man Gus für den Mörder hält.

Obwohl „Two“ darüber hinaus gut produziert war und durchaus Überraschungen in Sachen Regie (Anthony Hickox!) und Drehbuch (Tim Minear!) mitbrachte, schaffte es die Serie nicht über die Staffel hinaus. Ich würde unterstellen, dass das am „übergreifenden Mystery“ lag. Syndication-Serien wurden traditionell zu den unmöglichsten Zeiten ausgestrahlt, Folgen wurden gerne durcheinander gebracht oder weg gelassen – da galt die goldene Regeln, auf in sich geschlossene Episoden zu setzen.

Eine besondere Erwähnung ist allerdings Hauptdarsteller Michael Easton wert, der in den 90ern lange Zeit als nächster Serien-Superstar gehandelt wurde (wie Robert Urich und Nathan Fillion vor und nach ihm). Der Grund ist leicht erkennbar: Easton ist der TV-Keanu. Er sieht Reeves nicht nur ähnlich, sondern hat auch dessen Stil und Manierismen perfekt kopiert. Und so wurde er erst durch „VR.5“, dann „Two“, dann „Total Recall 2070“ und ein halbes Dutzend weitere Serien gereicht. Zum Fernsehstar hat es am Ende doch nicht gereicht, aber bis heute ist Easton lukrativ im Geschäft – als Soap-Darsteller.

In Deutschland lief „Two“ auf ProSieben – und hat auch heute noch seine flammenden Verteidiger, wie man hier nachlesen kann (Kommentare von BUGS).

Morgen gibt’s Schweinebacken im Weltall!



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an nowhere man kann ich mich dunkel erinnern. kaum mehr, was den inhalt angeht, aber ich weiß noch, dass ich die paar folgen, die ich damals auf RTL gesehen habe, sehr gut fand. wobei ich gar nicht mehr sagen kann, weshalb ich sie trotzdem nicht weiterverfolgt habe, vielleicht war der sendetermin nicht so günstig…

kindred passt imo nicht wirklich in die reihe. kennen bestimmt einige. mehrmals im TV gelaufen und schon lange auf DVD erhältlich. ich fand die idee mit den verschiedenen clans und den dadurch teils stark unterschiedlichen vampirarten ganz cool und zu der zeit hab ich sowieso ziemlich alles mit vampiren geglotzt… würde sie auch heute noch einigen neueren serien wie blood ties oder vampire diaries jederzeit vorziehen.