werUSA 2013. Regie: William Brent Bell. Darsteller: AJ Cook, Stephanie Lemelin, Brian Scott O’Connor, Simon Quarterman, Sebastian Roche, Vik Sahay

Offizielle Synopsis: Wer hat die Porter-Familie massakriert? Die Polizei hält sich nicht lange auf und verhaftet medienwirksam den geistig unterentwickelten Hinterwald-Hünen Talan Gwynek. Seine junge, ambitionierte Anwältin jedoch will nicht in den Shitstorm einstimmen, der über Talan und seine Mutter hereinbricht. Im Gegenteil: Sie findet heraus, dass ihr Mandant an einer seltenen Krankheit leidet, die es ihm unmöglich macht, eine solch kraftraubende Bluttat überhaupt zu begehen! Was sie nicht ahnt: Diese Anomalie sorgt einmal im Monat für eine folgenreiche Transformation – immer bei Vollmond …

Kritik: Als Jung-Nerd fand ich Werwölfe immer viel cooler als Vampire, Zombies oder Mumien. „Der Fluch des Siniestro“, „Full Eclipse“, „Howling“, „Wolfen“, das war meine Welt. Aber irgendwann fiel mir auf, dass Filmemacher erstaunliche Schwierigkeiten haben, aus dem Mythos immer wieder neue Aspekte heraus zu kitzeln. Während es haufenweise Streifen gibt, die Untote und Blutsauger in neuem Licht erscheinen lassen, sind Werwölfe längst zu Sidekicks und Comedy Relief degeneriert. Das kann viele Gründe haben – vielleicht scheuen Filmemacher das Thema auch nur, weil Werwölfe schon technisch schwerer umzusetzen sind als Vampire und Zombie. Doppelt, wenn sie nicht peinlich wirken sollen.

Sei’s drum. Ich freue mich, wenn das FFF was aus der Lykanthropen-Ecke ins Programm nimmt – auch wenn die Ergebnisse nicht immer überzeugen.

„Wer“ (ein Titel, der für den deutschen Verleih kaum geeignet ist) versucht wenigstens, mal anders an die Sache ranzugehen. Zottelfell und Plastikreißzähne bleiben im Schrank, Vollmond spielt eine untergeordnete Rolle, niemand schmilzt das Amulett der Großmutter ein, um eine Silberkugel draus zu gießen. Stattdessen inszeniert Regisseur Bell ein „crime procedural“, einen Thriller im skandinavischen bzw. französischen Stil. Grausame Morde, ein grimmiger Cop, eine entschlossene Anwältin, Ermittlungen an den Außenrändern der Gesellschaft. Grau in grau, eine triste Welt, in der die Gewinner nicht glücklicher sind als die Verlierer. Hätte Henning Mankell „Howling“ erfunden, hätte es vielleicht so ausgesehen. „Werlander“?

Das Problem: Die Genres mischen sich nicht, meiden einander wie Öl und Wasser. Der Werwolf-Mythos muss derart gewaltsam umdefiniert werden, um in einem „realistischen“ Thriller nicht albern zu wirken, dass er jede Potenz verliert. Und wenn es dann doch zu (immer nur behaupteten) übernatürlichen Ereignissen kommt, wirkt die ganze Polizeiplotte komplett dämlich. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Bell das auch gemerkt hat – weswegen er für das Finale auf überraschende und heftige Splattereffekte setzt, die den Film bis zu den Credits über die Runden bringen sollen.

Kurioserweise ist das Finale auch der einzige Teil des Films, der halbwegs funktioniert – wenn alle Prätention aus dem Fenster geschmissen wird und halbnackte Wolfmänner sich grunzend im Sumpf prügeln. Action kann Bell nämlich. Das hat einen gewissen Schmiss, wenn auch nur geringen erzählerischen Mehrwert.

So ist „Wer“ weniger ein funktionierender Film als ein cineastisches „non-proof of concept“, ein gescheiterter Versuch, etwas zusammen wachsen zu lassen, was nicht zusammen gehört. Da passt es dann auch, dass die blassen Charaktere nur die dünnsten Klischees bedienen, mehr als Platzhalter auf Bells Spielwiese fungieren.

runterFazit: Ein misslungener, fußlahmer Versuch, einen Werwolf-Film zum realistischen Crime Thriller umzustricken. Substanzlose Charaktere und haufenweise Logikfehler machen endgültig den Deckel drauf.

Die inhaltliche Schlusspointe ist so albern, dass der Trailer sie verrät, ohne dass es auffällt:

Den deutliche besseren „Full Eclipse“ könnt ihr euch in guter Bildqualität und vollständig gleich hier ansehen – Patsy Kensit rawr…:

https://www.youtube.com/watch?v=4sDgx4AfPqw



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heino
heino

Da war ja „Game of Werewolfs“ eine ruhmreiche Ausnahme. Der sah zwar recht billig aus und war mehr Komödie als Horror, funktionierte aber ausnehmend gut.

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Schade, bin für Werwölfe auch immer zu haben. Dieses Jahr ist ja anscheinend wirklich eine einzige Enttäuschung, bin froh, dass ich verhindert bin.

Marcus
Marcus

Nö. Ich fand den sehr atmosphärisch und packend – eine interessante Neuauflage des Werwolfmythos mal ohne Aberglauben und Zigeunerfolkloreklischees. Logikfehler sind zumindest mir nicht störend aufgefallen. 8/10.

Und dass der Film dem Torsten persönlich nicht gefällt, ist natürlich okay. Aber das hier, meine Herren:

„Der Werwolf-Mythos muss derart gewaltsam umdefiniert werden, um in einem “realistischen” Thriller nicht albern zu wirken, dass er jede Potenz verliert.“

… ist für mich mal wieder eine der alle Jahr wieder aufkommenden Dewi-Volten der Marke „Der Film trifft nicht die kreativen Entscheidungen, die ich treffen würde, also macht er was falsch.“ Schlags nach unter Green Hornet. 😉

Marcus
Marcus

Vorschlag zur Güte: ich nehm WER, du kannst UNDER THE SKIN behalten. 😉

Peroy
Peroy
Peroy
Peroy

Super Film. Wenn man den pseudowissenschaftlichen Erklärungs-Mumpitz der Werwolfmythologie nicht hinterfragt, ist das ein prima Splatter-Streifen.

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