OculusUSA 2014. Regie: Mike Flanagan. Darsteller: Karen Gillan, Brenton Thwaites, Katee Sackhoff, Rory Cochrane, Annalise Basso

Offizielle Synopsis: Durch einen Türspalt beobachten die zwei blutverschmierten Kinder, wie der Mann mit der Waffe an ihrem Versteck vorbeigeht. Als er langsam um eine Ecke verschwindet, versuchen die beiden zu fliehen und stürzen verzweifelt in Richtung Ausgang. Doch vor der verschlossenen Tür sehen sie sich einem Grauen gegenüber, dem sie nicht mehr entkommen können.

Elf Jahre ist es her, dass Tims Familie an ihren Wahnvorstellungen auseinander gebrochen und er als Kind zum Mörder wurde. Seitdem hat er in einer psychiatrischen Einrichtung wieder und wieder gelernt, dass er selbst und nicht die übernatürlichen Kräfte eines antiken Spiegels für seine Taten verantwortlich ist. Leider ist seine Schwester Kaylee immer noch vom Gegenteil überzeugt und schleppt den gerade aus der Therapie entlassenen Tim sofort zurück an den Ort des Geschehens. Mit Kameras und Zimmerpflanzen versucht sie im Haus ihrer Eltern die dämonische Macht im Spiegel nachzuweisen, und während sich Tim erst noch bemüht, sie zur Vernunft zu bringen, werden die zwei schon bald von lebhaften Erinnerungen an ihre Vergangenheit heimgesucht und die Grenze zwischen Realität und Irrsinn verwischt von Neuem.

Kritik: Ich freue mich jedes Jahr auf die „sanften“ Grusler, die sich auf die Traditionen des Genres besinnen, deren Geister verfluchte Gegenstände im Gepäck haben, die „zur Spannung noch die Gänsehaut“ liefern, ohne im Blutmatsch zu baden. Sowas wie „Awakening“ oder „Haunter„. „Oculus“ schien mir ein guter Kandidat zu sein, denn der Film hatte in den USA einen echten Kinorelease und mit Doctor Who-Gefährtin Karen Gillan auch eine Hauptdarstellerin, die sich wohl kaum für Trashfilme hergibt.

Tatsächlich baut „Oculus“ einen Rahmen für eine durchaus tragfähige Schauergeschichte: Eine Familientragödie, ein traumatisiertes Geschwisterpaar, ein verlassenes Haus, ein alter Spiegel mit anscheinend magischen Kräften, eine einzige Nacht der Entscheidung.

In dem Rahmen hängt dann nur leider nichts. Schon sehr früh etabliert Regisseur Flanagan, dass alles Gesehene subjektiv ist, eine Täuschung sein könnte. Es gibt keine Möglichkeit, weder für die Hauptdarsteller noch für die Zuschauer, Wahn von Wirklichkeit zu unterscheiden. Drastische Ereignisse können sich in der nächsten Sekunde als Halluzination erweisen – oder auch nicht. Wir werden allein gelassen mit immer wieder Haken schlagenden Events, die keinerlei Zusammenhang aufweisen, die die Narrative aufbröseln wie ein Knäckebrot, das sich hinterher ja auch nicht wieder zusammen kleben lässt.

Ebenfalls keinen Gefallen tut sich der Film damit, die Vorgeschichte nicht in ein paar Rückblenden zu packen, sondern als permanente zweite Handlungsebene präsent zu halten. Statt sich zu ergänzen, bremsen sich die Stränge permanent aus, reißen den Zuschauer aus den sowieso nicht gerade leicht durchschaubaren Abläufen.

Das Casting ist ein weiteres Problem: Thwaites ist blass, Gillan (gewohnt) kalt, Cochrane charismafrei – Katee Sackhoff überzeugt allerdings mit einer Bandbreite und Intensität, die sie für größere Genrerollen empfiehlt. Go, Starbuck! Auch Annalise Basso begeistert – in dem sie ihr „älteres Ich“ Karen Gillan problemlos an die Wand spielt.

Immer wieder hatte ich für einen kurzen Moment das Gefühl, vage zu erahnen, was hier eigentlich versucht wird – „Oculus“ erzählt nicht die Geschichte eines teuflischen Spiegels, sondern die Geschichte eines traumatisierten Geschwisterpaares, das verzweifelt versucht, die eigenen widersprüchlichen Gefühle und Erlebnisse in einen Gegenstand zu externalisieren, um einen Abschluss zu finden. Es geht um die Sicht der Dinge – und da ist der gebrochene Spiegel ein perfektes Symbol. Aber dieser hehre Ansatz geht in der völligen Willkür des Ablaufs unter und ergibt sich letztlich der Unfähigkeit Flanagans, auch nur eine einzige Suspense-Szene korrekt zu inszenieren.

So etwas gehört „direct to DVD“, aber nicht ins Kino. Aber was verstehe ich schon davon? Bei gerade mal fünf Millionen Dollar Budget (die man dem Film in Sachen Ausstattung und Effekte leider ansieht) hat „Oculus“ bisher weltweit 40 Millionen Dollar eingespielt. Go figure.

runterFazit: Ein wirrer Mix aus Grusel und modernem J-Horror, schlecht inszeniert und mit mäßigen Hauptdarstellern.

Der Trailer verkauft „Oculus“ unangemessen stringenter und traditioneller, als er letztlich ist:



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DJ Doena

Ich habe Katee schon als Starbuck gemocht, aber in Longmire finde ich sie noch stärker!

heino
heino

Den hatte ich schon in der Vorauswahl herausgeworfen, die Zusammenfassung klang viel zu wirr. Und Katee Sackhoff gönne ich die Hauptrolle in einem Marvel-Film, die sie schon lange verdient. Gerüchte weise ist sie ja für Ms. Marvel im Gespräch, das würde echt passen.

Marcus
Marcus

Nein. 8/10.

Peroy
Peroy

Dewi is‘ immer „nein“.

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