13 sins

USA 2014. Regie: Daniel Stamm. Darsteller: Mark Webber, Ron Perlman, Pruitt Taylor Vince, Rutina Wesley, Devon Graye u.a.

Offizielle Synopsis: Als Elliot wegen schlechter Verkaufsquote überraschend aus dem Job gekickt wird, ist er kurz vorm Verzweifeln. Schließlich lastet mit seiner bevorstehenden Hochzeit, einem Baby auf dem Weg und dem Unterhalt für seinen behinderten Bruder finanziell mächtig was auf seinen Schultern. Da meldet sich wie aus dem Nichts ein anonymer Anrufer und verspricht ihm viel Geld für 13 bewältigte Aufgaben vor versteckter Kamera für eine Gameshow – wer würde da nein sagen? Zuerst geht es nur um Albernheiten: Eine Fliege töten. Die tote Fliege essen. Ein kleines Mädchen durch irgendeine Gemeinheit zum Heulen bringen. Doch dann werden die Herausforderungen brutaler. Leib, Leben und vor allem Moral stehen nun auf dem Spiel. Die mysteriöse Stimme dirigiert Elliot dabei wie eine Marionette und verwandelt den einstigen Gutmenschen mit jeder Prüfung mehr in ein Monster. Es gibt kein Zurück bis zur letzten Aufgabe! 

Kritik: Ich hoffe mal, das gibt keinen neuen Trend – wie auch „Life after Beth“ bemüht „13 Sins“ einen Grundplot, der nicht halb so frisch ist, wie die Macher wohl glauben möchten – ein Mann unter Druck muss fremdgesteuert ein paar Aufgaben mit steigendem Schwierigkeitsgrad erledigen…

Auch hier stimmen die Äußerlichkeiten: Die Besetzung ist solide, Kamera und Regie haben ihr Handwerk augenscheinlich nicht auf der Volkshochschule gelernt und die Steigerung der Schwierigkeit der Aufgaben ist verführerisch genug, um „13 Sins“ durchaus plausibel zu halten. Im Gegensatz zu vielen anderen Streifen auf dem FFF und anderswo darf man die Autoren beglückwünschen, dass sie den langen zweiten Akt ohne jeglichen Durchhänger meistern. Im Gegenteil – die traditionell schwache Mitte ist bei „13 Sins“ das Highlight. Die Story ist in Gang gekommen, aber noch nicht so abstrus, dass es den Zuschauer aus der Glaubwürdigkeitskurve trägt.

Gegen Ende häufen sich dann aber die Fragen, die Widersprüche und die bizarren Zufälle, wenn „das Spiel“ auf einmal zur Jahrhunderte alten, globalen Verschwörung der Supermächtigen erklärt wird, ohne damit die Details von Elliots Dilemma aufzulösen. Hier verzettelt sich „13 Sins“ endgültig.

Wäre ich generell geneigt, den Film noch als handwerklich soliden, kleinen Thriller durchzuwinken, so muss ich doch allein deshalb härter urteilen, weil mit „Cheap Thrills“ letztes Jahr bereits eine deutlich überlegenere, stimmigere und schmerzhaftere Variation des Themas auf den Markt gekommen ist.

mitteFazit: Durchaus spannend und gut gefilmte Variante der alten „Was würdest du tun?“-Nummer, die letztlich an einem inkonsequenten und überhitzten dritten Akt und besseren Vorbildern scheitert.



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MarcusFantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten DewiPeroyDMJThies Recent comment authors
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Thies
Thies

Der Film ist ja ein Remake des thailändischen Thrillers „13 Beloved“ der vor Jahren auf dem (nie fortgesetzten) FFF-Ableger „Focus Asia Nights“ lief, aber leider keine deutsche Veröffentlichung erfuhr, da der Rechteinhaber e-m-s pleite ging.

https://www.youtube.com/watch?v=lA0iaTgqeIM

Dieser hatte auch den von Dir beschriebenen Nachteil, dass er nach der kontniuierlich ansteigenden Spannung mit seiner Auflösung nur enttäuschen konnte. Es war zwar keine weltweite Verschwörung, aber eine halbwegs plausible Erklärung wie die von – rückbetrachtet – haarsträubenden Zufällen abhängenden Aufgaben eingefädelt wurden, blieb aus. Dafür wurde angedeutet, dass der Protagonist schon von seiner Kindheit an für das Spiel ausgesucht und die Aufgaben auf damals erlittene Traumata zugeschnitten wurden.

Ich würde mir „13 Sins“ trotzdem gerne ansehen, denn dem Trailer nach hat es einer der großen WTF-Momente des Originals auch ins Remake geschaftt – ich sage nur Landstraße…

DMJ

Schade! Die Grundstory klingt toll (Neil Gaiman hat mal einen ähnlichen „Hellraiser“-Comic geschrieben, in dem jemand ein Kreuzworträtsel aus der Hölle löst, welches unter anderem nach dem Geschmack von Menschenfleisch fragt, so dass er „recherchieren“ muss), aber wenn man das mit zuviel Drumherum verwässert, geht so eine leicht unter.

Peroy
Peroy

Schmeckt wie Hühnchen…

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Marcus
Marcus

Das Ding hat genug Drive, um über kleinere Logiklöcher und ein etwas dick aufgetragenes Finale hinwegzusehen. Gutes Festivalfutter. 8/10.