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Südafrika 2013. Regie: Donovan Marsh. Darsteller: Brandon Auret, Presley Chweneyagae, Brendon Daniels u.a.

StoryNur knapp dem Tod entronnen, um seine Belohnung geprellt: Undercover-Cop Chili hat die Schnauze voll. Sein korrupter Vorgesetzter verhindert, dass er den Bonus für die spektakuläre Verhaftung eines Gangsterbosses bekommt, auf die er Jahre hingearbeitet hat. Schluss mit Dienst nach Vorschrift! Auf eigene Faust schleust er sich in die Gang des gefürchteten Bosses Mambane ein, der für den Überfall auf einen Geldtransporter die schillerndsten Typen der südafrikanischen Unterwelt angeworben hat. Chilis Plan: Die Gangster hinter Gitter bringen und die Beute selbst einkassieren. Womit er nicht gerechnet hat: Ausgerechnet sein bester Kumpel, Kollege Shoes wird von den misstrauischen Banditen als Geisel genommen, die einen Verräter in den eigenen Reihen wittern. Wie ihn schützen, ohne sich selbst zu verraten? Und der geplante Coup selbst läuft auch gewaltig aus dem Ruder …

Kritik: Gangsterfilme meide ich gemeinhin auf dem FFF. Die sind dann hoch verdiente Pausen in einem vollgepackten Programm. Seit jeher bin ich mit der Auslegung des Begriffes Genre etwas unzufrieden – ich erinnere mich noch gut, wie bass erstaunt ich war, als uns in den 90ern irgendwann mal der schwarze Western „Posse“ als der Überhammer-Überraschungsfilm angedreht wurde. Ich bin da wahrlich flexibel, aber IRGENDWAS sollte die Filme doch mit der Marke Fantasy zu tun haben – und sei es nur, dass sie so überdreht sind, dass sie nichts mehr mit der Realität zu tun haben.

„iNumber Number“ habe ich aber trotzdem mitgenommen – weil er mit großen Vorschusslorbeeren (u.a. von AICN) kam und ich mich entschlossen hatte, dieses Jahr so viele Filme mitzunehmen, wie mir das Programm erlaubt. Schließlich zahle ich dieses Jahr auch mehr für das Vergnügen. Es gilt, meinen eigenen Review-Rekord zu knacken (von dem ich nicht einmal weiß, wo er liegt).

„iNumber Number“ also. Fängt stark an, mit einer hoch spannenden und dynamischen Actionsequenz, die uns die eingespielte Partnerschaft unserer Helden eindrücklich klarmacht. Direkt danach der Bruch: Supercop Chili will endlich (und nur ein mal, versprochen) selber bei einem Coup abräumen, um die ewigen Schulden abzahlen zu können. Er möchte als Bulle nicht immer der Dumme sein. Dafür hat er sich in eine Gang eingeschlichen, die einen Überfall auf einen Raubtransport plant. Natürlich wird sein aufrechter Partner Shoes auch mit reingezogen. Beide können nur darauf hoffen, dass die allesamt durchgeknallten Gangster sich im Verlauf der Aktion gegenseitig umnieten. Die Chancen stehen nicht schlecht…

Ihr merkt es schon: „iNumber Number“ (der hierzulande den deutlich gefälligeren Titel „Con Game“ tragen wird) ist eher ein Heist-Film, der auf die Actionsequenzen weniger Zeit verwendet als auf Planung und Streitereien im Vorfeld. Das macht er allerdings ganz hervorragend. Regisseur und Autor Donovan Marsh gelingt es, die sieben Gangster in knappen Szenen und mit groben Strichen individuell genug zu zeichnen, dass wir sie sofort einordnen können. Alle verhalten sich im Rahmen ihrer gesetzten Charaktere plausibel, die Spannungen in der Gruppe sind absolut folgerichtig. Jeder dieser Männer ist Teil einer tickenden Zeitbombe – und als sie zusammen kommen, tickt der Countdown.

Inszenatorisch wird hier bei aller brachialen Gewalt Feinkost geboten – die fast sepiagetränkten Bilder sind detailliert, ausgebrannt, dynamisch. Die Action kommt in kurzen Schüben und gnadenlos. Trotz der Hektik und der Brüllerei der Beteiligten artet „iNumber Number“ nie in hyperaktive Hysterie aus.

Vor allem aber stimmt die Spannungskurve. Marsh weiß genau, an welchen Punkten der Zuschauer meint, die nächsten Ereignisse vorhersagen zu können – und zieht dann noch eine Karte aus dem Ärmel.

Aus einem Land, das gewöhnlich nur als Dienstleister von B-Produktionsfirmen und Fernsehsendern in Erscheinung tritt, hätte ich eine so genuin lokale und reife Actionproduktion nicht erwartet.

Keine Überraschung: Ein US-Remake ist bereits in Arbeit und ich bin ziemlich sicher, dass Regisseur Marsh demnächst den Flieger nach Hollywood bezahlt bekommt.

hochFazit: Eine packende und gut inszenierte, extrem intensive südafrikanische Variante von „Reservoir Dogs“, die mit Blut, Schweiß, Tränen und jeder Menge Kugeln 96 Minuten lang Vollgas gibt. Für Freunde von Actionthrillern ein Highlight.



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Thies
Thies

Den Flieger nach Hollywood hat der Regisseur dann letztes Jahr genommen. „Hunter Killer“, ein U-Boot-Thriller mit Gerard Butler und Gary Oldman, war das Ergebnis und den Kritiken zufolge eher mittelprächtig. Sein sich laut Imdb in Post-production befindender Thriller „I am all girls“ klingt dagegen vielversprechend.

Die Pläne für ein Remake von „Inumber Number“ scheinen dafür bisher keine konkrete Form angenommen zu haben. Stuck in development hell?