30
Aug 2014

Fantasy Filmfest 2014 (15): Starry eyes

Themen: Fantasy Filmf. 14, Film, TV & Presse, Neues |

starry eyesUSA 2014. Regie: Kevin Kölsch, Dennis Widmyer. Darsteller: Alex Essoe, Amanda Fuller,Noah Segan

Offizielle Synopsis: Hollywood: der Ort der Träume für unzählige mal mehr, mal weniger große Talente. Eins von ihnen ist Sarah. Noch hängt sie als Bedienung in einem schmierigen Diner fest und hangelt sich von einem erniedrigenden Casting zum nächsten. Bis sie das Angebot für die Hauptrolle in einem Horrorfilm erhält. Doch die Produktionsfirma erwartet von der jungen Frau mehr, als sich nur die Seele aus dem Leib zu spielen – viel mehr! Sarah lässt sich auf den Pakt mit dem Teufel ein und findet sich schon bald in der buchstäblichen Hölle wieder.

Kritik: Ich hasse es, wenn Filme in zwei qualitativ unterschiedliche Hälften zerfallen. Dann will ich der einen den Daumen rauf geben, der anderen den Daumen runter – und der pendelnde Daumen wird diesem Eindruck einfach nicht gerecht. Weil der Film eben nicht Mittelmaß ist, sondern abwechselnd großartig und scheiße.

"Starry eyes", das sei schon verraten, ist über weite Strecken großartig. Ein per Crowdfunding teilfinanzierter Meta-Film über eine junge Schauspielerin, die für einen Horrorfilm über alle ihre Grenzen gehen muss – gespielt von einer Schauspielerin, die für diesen Horrorfilm augenscheinlich über alle ihre Grenzen gehen muss.

Alex Essoe wirft sich mit furchtloser Intensität in die Rolle der Alex, deren Dilemma sie vermutlich nur zu gut nachvollziehen kann. Jedes Mädchen in Hollywood möchte Schauspielerin werden, wenige sind berufen, an den Schaltstellen sitzen Männer, deren Gier und Skrupellosigkeit weit über das übliche Maß hinaus gehen. Wo man bereit sein muss, sich für sein Talent zu prostituieren – denn wenn nicht dafür, wofür dann?

Ich habe im Verlauf meines beruflichen Werdegangs genug Casting-Prozesse gesehen, habe genug kellnernde Schauspieler und Taxifahrer (gerade auch in LA) getroffen – diese Darstellung des Milieus in "Starry eyes" ist auf den Punkt.

Bis ins zweite Drittel hinein hält der Film auch die Spannung, zieht die emotionalen Daumenschrauben an, treibt Sarah in eine immer ausweglosere, immer isoliertere Situation, in der die Unterwerfung als einzige Chance erscheint. Ich bin sogar noch mitgegangen, als die zynische Hollywood-Welt mit Satanismus in Verbindung gebracht wurde.

Aber in dem Augenblick, in dem Sarah den Schritt macht, in dem sie ihre Seele verkauft, in dem sie sich selbst verrät, öffnet sich wie versprochen "das Tor" – und es ist nichts dahinter. Der Film hat keine Antwort auf die vielen gestellten Fragen, zieht die unweigerliche Erkenntnis "Sarah muss ihr altes Leben zerstören und als Star neu geboren werden" weit über die erforderlichen zehn Minuten auf eine halbe Stunde, die dann ärgerlich redundant und ausgewalzt wirkt.

Schade. "Starry eyes" ist über weite Strecken so spannend und so gut beobachtet, dass man enttäuscht ist, wenn die Moral von der Geschicht' dann doch nur das banale "Für Hollywood musst du deine Seele verkaufen" ist.

Die Wertung bitte ich demnach richtig zu verstehen – ziemlich lange ist "Starry eyes" ein echtes Highlight des Festivals, schonungslos und grausam. Ich empfehle ihn auf jeden Fall. Ich kann ihn nur nicht guten Gewissens so werten wie Filme, die sich auf der Zielgeraden keinen Patzer erlauben.

mitteFazit: Ein intensiver, verstörender Meta-Film über den Seelenausverkauf in Hollywood, der in der zweiten leider etwas auseinander fällt und damit den eigentlich verdienten "Daumen hoch" wieder verspielt.

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Jott
Jott
30. August, 2014 18:15

Kevin Kölsch? Nicht ernsthaft, oder? Ist das das neue John Doe?

DMJ
31. August, 2014 16:43

Grrrr, Stolperer auf den letzten Metern, die einen bis dahin guten Film zu Fall bringen, wurmen mich auch immer ganz besonders!

Peroy
Peroy
31. August, 2014 16:45

Kommentierst du jetzt die ganze Scheisse durch…?

Marcus
Marcus
13. September, 2014 11:01

Klein. Griffig. Creepy. Die perfekte Mischung direkt nach THE STRANGE COLOUR OF YOUR BODY’S TEARS. 7/10.

Wortvogel
Wortvogel
13. September, 2014 14:33

@ Marcus: Ich habe das Gefühl, wir haben immer so 80 Prozent Deckungsgleichheit.

Marcus
Marcus
22. September, 2014 11:22

Oder anders ausgedrückt: du liegst zu 80 Prozent richtig. 😉

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