honeymoonUSA 2014. Regie: Leigh Janiak. Darsteller: Harry Treadway, Rose Leslie, Ben Huber, Hanna Brown

Offizielle Synopsis: Romantisch beginnt die Hochzeitsreise für Bea und Paul ins abgelegene Ferienhaus am See von Beas Eltern. Das junge Paar ist noch ganz im Liebesrausch, kuschelt und kabbelt sich heiter durch den Tag. Als Bea zufällig einen alten Jugendfreund trifft, fangen Unsicherheit und Eifersucht in Paul zu keimen an. Dann verschwindet Bea mitten in der Nacht. Paul findet sie splitternackt und völlig verstört im Wald wieder. Aus ihr ist nichts herauszubringen und Paul entdeckt seltsame Male am Körper seiner Angetrauten.

Bea ist plötzlich nicht mehr die Frau, die Paul geheiratet hat – oder verliert er seinen Verstand? Trügt ihn seine Wahrnehmung, dass sie nicht mehr sie selbst ist, oder ist es nur der banale Umstand, dass die Beziehung langsam in der Realität angekommen ist? Sind gar übernatürliche Kräfte im Spiel?

Kritik: Von dem hatte ich jetzt gar nix erwartet – weil ich „Game of Thrones“ (noch) nicht gucke, ködert mich Hauptdarstellerin Rose Leslie nicht und Horrorfilme über Pärchen auf Hochzeitsreise gibt es mehr als genug. Ist ja auch immer die gleiche Soße: Die externe Bedrohung wird zur internen, die Gefahr führt zur Beziehungskrise, die entweder durch Überwindung aller Hemmnisse neue Kraft erfährt oder an ihnen zerbricht.

Umso erstaunlicher, dass „Honeymoon“ deutlich mehr aus diesem Subgenre holt, als eigentlich drin sein sollte.

Das fängt damit an, dass Bea und Paul ein extrem glaubwürdiges, noch frisch verliebtes und mittlerweile frisch verheiratetes Paar sind. Ihre Welt dreht sich umeinander, um Sex, um Nähe, um schiere Lebensfreude. Treadway und Leslie transportieren das absolut stimmig. Und es ist genau das, was die Veränderung von Bea so verstörend macht. Wir sehen erste, minimale Risse zwischen den Liebenden, die sich sorgsam getaktet zu einer Krise ausweiten. Wir spüren, wie Bea von Paul weg driftet, ungewollt, verzweifelt. Er verliert sie wie eine Liebe, die an der Monotonie stirbt. Wo andere Filme sehr stoisch die „Meine Frau hat sich verändert!“-Nummer fahren, setzt „Honeymoon“ seine Figuren nicht sofort gegeneinander. Bea ist mit der Veränderung nicht schlagartig die Antagonistin, über lange Zeit hoffen wir inständig, dass sie noch einmal den Weg zu Paul zurück findet.

Ungemein spannend bleibt auch über die gesamte Laufzeit, was genau passiert ist. Die verschiedenen Elemente (Beas Verlust ihres Wortschatzes, die Pusteln am Bein) passen irgendwie überhaupt nicht zusammen. Paul verliert die Kontrolle über seine Frau – aber an wen?

Auch wenn „Honeymoon“ sehr viel Mühe investiert, seine Spannung über die Beziehungsebene aufzubauen, spart er nicht an den Schockeffekten. Wenn es zur Sache geht, geht es richtig zur Sache – da hat die Hälfte des Publikums sich auch mal auffällig der Polsterung der eigenen Armlehne gewidmet.

Über das Ende kann man sicher diskutieren – ich persönlich fand es trotz seines Verzichts auf eine konkrete Antwort befriedigend, weil wir zwar nicht ALLES erfahren, in meinen Augen aber GENUG.

„Honeymoon“ funktioniert nicht über den Horror, erzeugt nicht Angst oder Ekel – es ist ein Film, dem es beispielhaft gelingt, uns über die gesamte Laufzeit beunruhigt zu halten, verstört und verunsichert. Das schaffen nicht mehr viele FFF-Beiträge.

hochFazit: Ein Bodysnatcher-Horrorfilm, erzählt als intensives Beziehungsdrama. Eines der besten diesjährigen Beispiele, wie großartig auch kleine Filme sein können – und wofür man als echter Fan gerne zum FFF kommt.



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Kaio
Kaio

„Bodysnatcher-Horrorfilm“

… hast du damit nicht gerade die Ursache für die Veränderung gespoilert?

Peroy
Peroy

Nein.

DMJ

Peroy sollte den sehen. Er weiß, wieso. 8)

Peroy
Peroy

Ich weiß nicht wieso, aber okay…

Marcus
Marcus

Genau. 7/10.

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