dark houseUSA 2014. Regie: Victor Salva. Darsteller: Luke Kleintank, Tobin Bell, Alex McKenna, Anthony Rey Perez, Lesley-Anne Down

Offizielle Synopsis: Bevor Nick von seiner verrückten Mutter die Wahrheit über seine mysteriöse Gabe und damit einhergehend die Identität seines Erzeugers erfährt, fällt sie einem obskuren Brand in der Irrenanstalt zum Opfer. Antworten scheint aber das marode Anwesen zu beherbergen, das sie ihm vermacht hat und das Nick seit seiner Kindheit wie besessen zeichnet – ohne es je gesehen zu haben. Legenden ranken sich um dieses fluchbeladene Haus. Das schreit natürlich nach einem Road-Trip ins Herz der Finsternis samt bestem Kumpel und schwangerer Freundin. Als Empfangskomitee stehen argwöhnische Rednecks bereit, eine Handvoll Landvermesser zur Erhöhung der Body-Count-Schlagzahl.

Kritik: Ich fange jetzt nicht schon wieder eine Diskussion über Victor Salva an. Ob der mal kleine Jungs angefasst hat, ist für mich irrelevant bei der Bewertung seiner Filme (würde ich ihn auf einer Party treffen, wäre das sicher was anderes). Und von seinen Filmen habe ich gerade mal „Jeepers Creepers“ gesehen, der nach einem mordsmäßig spannenden Anfang völlig auseinander fiel. Ungefähr so etwas hatte ich mir von „Dark House“ auch erwartet – sorgsam gesetzte Schocks in einem letztlich redundanten Okkult-Slasher.

Aber „Dark House“ ist tatsächlich anders . Zuerst einmal ist der Titel irreführend – das „dunkle Haus“ ist zwar der McGuffin des Films und ein schöner optischer Aufhänger, aber nicht Kern der Geschichte. Es geht um die Bewohner des Hauses und um die alte Schlacht, die sie austragen. Bis es dazu kommt, dauert es allerdings eine Weile, weil Salve anscheinend alles, was er in den letzten 10 Jahren an inszenatorischen Gruselideen hatte, unbedingt in die 100 Minuten Laufzeit packen wollte. Auf einem Festival, bei dem sich viele Filme mühen, abgelutschten Plotten irgendwie Spielfilmlänge abzuringen, fällt wirklich auf, wie randvoll „Dark House“ an kruden Ideen, Nebenplots, visuellen Augenwischereien und hübschen Tricks ist. Woraus andere Regisseure einen ganzen Film stricken würden, das verpulvert Salva in einer einzigen Szene.

Natürlich erlaubt dieser Wundertüten-Ansatz keine wirklich stringente Geschichte und die schiere Menge an Figuren und Elementen führt zu einem wilden Hin und Her, das auch nicht in der Tradition typischer Okkult-Grusler steht, die hier häufig zitiert werden (von „Amityville Horror“ über „Rosemary’s Baby“ bis „Das Omen“ ist eigentlich alles dabei). „Dark House“ ist eher eine rasante, gut geölte Achterbahn, die immer genau weiß, wann sie eine Kurve zu nehmen hat und wann der Zuschauer mit einern plötzlichen Talfahrt zum Kreischen gebracht werden muss. Dabei schwenkt Salva gekonnt um – sieht der Film anfangs noch nach einer launigen Gruselkomödie aus, kippt er in der zweiten Hälfte in durchaus potenten Actionhorror. Respekt.

Bin ich froh – nach einem sehr dürftigen Einstieg kommen wir so langsam zu den ersten Highlights der 2014er Saison. Es gibt sie noch, die sehenswerten Festivalfilme. Ein echter Crowdpleaser.

hochFazit: Ein wilder Mix aus Scooby Doo, einer Doppelfolge „Supernatural“ und der „God’s Army“-Reihe, tonal unausgegoren, aber von soviel Energie, Enthusiasmus und schrägen Einfällen platzend, dass man sich allemal prächtig amüsiert. Ein zweiter Teil ist in diesem Fall willkommen.



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Peroy
Peroy

„Antworten scheint aber das marode Anwesen zu beherbergen, das sie ihm vermacht hat und das Nick seit seiner Kindheit wie besessen zeichnet – ohne es je gesehen zu haben. Legenden ranken sich um dieses fluchbeladene Haus. Das schreit natürlich nach einem Road-Trip ins Herz der Finsternis samt bestem Kumpel und schwangerer Freundin.“

Das ja wohl mal ’n völlig unglaubwürdiges Set-Up für’n Horrorfilm…

Thies
Thies

Ich bin bereit dem Film eine Chance zu geben, obwohl Salvas letzter Film „Rosewood Lane“ derart lächerlich war, dass man ihn (ohne allzuviel zu ändern) auch als Teil der „Scary Movie“-Reihe verkaufen könnte.

Mencken
Mencken

Eine Diskussion will ich auch nicht anfangen, aber zumindest anmerken, dass Salva seine pädophilen Neigungen (und seine Verurteilung) gerne selbst in seine Filme einbringt. Irrelevant für die Bewertung ist es daher meines Erachtens zumindest bei diesen Filmen (mag ja hier nicht der Fall sein) nicht.

Martin Däniken
Martin Däniken

Also für mich ist jede positive Bewertung eines Werkes von einem verurteilten Pädokriminellen als Bestätigung des Täters zusehen
er habe nix falsch gemacht.
Arbeitet er dann noch mit Kindern oder Halbwüchsigen,autsch!
Voll daneben.
Einige Leute sollten mal über Predatoren nachdenken,die dazu lernen?!

Peroy
Peroy

“ Also für mich ist jede positive Bewertung eines Werkes von einem verurteilten Pädokriminellen als Bestätigung des Täters zusehen er habe nix falsch gemacht.“

… watt?

Dietmar

Da muss man den Martin wohl enttäuschen: Künstlerische Leistungen sind keine Indikatoren für charakterliche und moralische Integrität oder gar psychische Gesundheit. Vielleicht sogar eher im Gegenteil.

Dietmar

@Wortvogel: Da fragt man sich: Wer ebenfalls nicht? Wahrscheinlich alle Triebtäter. Also Menschen mit eigenen Traumata und psychischen Defekten.

Und natürlich ist jedes Kritikerlob am künstlerischen Ergebnis gleich eine Billigung der Taten. Versteht sich.

Dietmar

Ich weiß, das ist ein Fehler, aber ich habe über diesen Satz

Einige Leute sollten mal über Predatoren nachdenken,die dazu lernen?!

nachgedacht und er lässt einem keine Chance ihn zu verstehen. Wer sind einige Leute, warum sollen die über Löwen oder Fangheuschrecken nachdenken, als wäre das irgendwie versäumt worden und moralisch bedingt nachzuholen, was macht das Dazulernen dieser so bemerkenswert und was soll das doppelte Satzzeichen anzeigen?

Thies
Thies

Vielleicht ist das an Drehbuchautoren zukünftiger „Predator“-Fortsetzungen gerichtet. 😉

Dietmar

Das erklärt`s!

trackback

[…] (Fessenden) ♥ Blue Ruin ♣ Cannibal ♦ Cat Run 2 ♦ Coherence ♥ Cold in July ♥ Dark House ♣ Extraterrestrial ♦ Faults ♦ Go Goa Gone ♥ Honeymoon ♥ Housebound ♦ In Darkness […]

Thies
Thies

Mein Urteil zum Film fällt nicht ganz so enthusiastisch aus, aber ein ansehbarer Festivalfilm war es trotzdem. Gerade im Vergleich zu „Extraterrestrial“ fällt auf, dass Salva versucht sein Szenario mit eigenen Ideen auszufüllen, wo der andere das seine einfach lieblos hinrotzt und danach nur noch billigen Budenzauber abfeuert um auf Spielfilmlänge zu kommen. Die Figurenzeichnung bleibt allerdings ähnlich flach, was aber weniger stark ins Gewicht fällt, da diese etwas mehr zu tun bekommen als schreiend durch einen dunklen Wald zu rennen. Und die unbekannte Bedrohung durch das Haus, gekoppelt mit seinen unheimlichen Bewachern sorgt dafür, dass die eigene Fantasie die Leerstellen ausfüllen kann, wo bei den Vicious Brothers von Anfang an klar ist, wie der Hase laufen wird. Aber von einer gut geölten Achterbahnfahrt kann ich trotz starker Momente nicht sprechen, dazu kracht und knarrt es dann doch zu stark im Gebälk. Mehrmals droht der Film völlig die Spur zu verlieren und im Land der unfreiwilligen Komik zu landen, Szenenübergänge fallen schon mal arg holprig aus und ein paar Dialoge hätte mann auch noch besser trimmen oder gleich ganz streichen können. Salva hat offenbar immer noch ein gutes Gespür für Atmosphäre, aber beim Ausfabulieren seiner Ideen sollte er sich etwas kompetentere Hilfe suchen.

Marcus
Marcus

„Ein echter Crowdpleaser.“

Nur, wenn die Crowd einen Fetisch für Filme hat, die vollkommen vorhersehbar UND komplett konfus gleichzeitig sind. 5/10.

Peroy
Peroy

Das ist der schlechteste Film, den Salva je gemacht hat…

Thies
Thies

Nein, das bleibt für mich weiterhin „Rosewood Lane“ mit dem 30jährigen Paperboy from hell. Man könnte ihn auch in „Facepalm – The Movie“ umbenennen.

Peroy
Peroy

Worked for me…