Stage FrightKanada 2014. Regie: Jerome Sable. Darsteller: Minnie Driver, Allie MacDonald, Douglas Smith, Kent Nolan, Meat Loaf Aday

Offizielle Synopsis: Für die einen der Himmel auf Erden, für andere sicher Horror pur: ein Ferienlager für musicalliebende Jugendliche. Hier können sie – unter der Leitung eines abgehalfterten Ex-Musicalproduzenten – einmal im Jahr nach Herzenslust in Tanz und Gesang ausbrechen, ohne von ihren Klassenkameraden verprügelt zu werden. Dieses Jahr soll ausgerechnet THE HAUNTING OF THE OPERA einstudiert werden, ein Stück, das unter keinem guten Stern steht: Bei der Premiere hatte sich eine Broadway-Diva nicht nur fast die Kehle aus dem Leib gesungen – ein Killer im Phantom-Kostüm hatte noch nachgeholfen und die Sängerin mit der Engelsstimme brutal ins Jenseits befördert. Nun versucht Tochter Camilla ihr Kindheitstrauma zu überwinden und in Mamas musikalische Fußstapfen zu treten. Keine gute Idee, denn das ruft einen maskierten Mörder mit deutlich anderem Musikgeschmack auf den Plan …

Kritik: Es ist bisher ein hartes Festival, massenhaft inkompetente bis zynische Scheibenware, die auf der großen Leinwand nichts zu suchen hat, verkleistert mir das Hirn und verdirbt mit die Laune. Weder inszenatorisch noch inhaltlich gibt es bisher ausgerissene Bäume zu besichtigen, das aktuelle Programm duckt sich, um in den kleinsten gemeinsamen Nenner zu passen. Kein Vergleich mit den Filmen der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights, die nicht nur breiter aufgestellt, sondern auch deutlich mutiger waren.

Wenigstens von „Stage Fright“ hatte ich mir Abwechslung erhofft. Ein Slasher-Musical? Eigentlich eine geile Idee. Mit Minnie Driver schauspielerisches Gewicht dabei, mit Meat Loaf die Rocklegende. Kann doch nicht so schwer sein, dieses Baby schadfrei in den Hafen zu bringen.

Ihr ahnt es: „Stage Fright“ ist ein weiterer Totalausfall. Nach einem hübschen, giallo-esken Intro und ein paar durchaus launigen und selbstironischen Musiknummern beschließt Regisseur, Autor und Komponist Sable, voll auf die Musical-Elemente und das emotionale Backstabbing zu setzen, der erhoffte und wiederholte Dolchstoß besteht aus Intrigen und Klüngeleien, wie wir sie aus Highschool-Serien kennen.

Wo der Killer fehlt und der Cast nicht ausgedünnt wird, tritt natürlich auch die Spannung auf der Stelle. Der zweite Akt von „Stage Fright“ ist fast schon empörend träge, gerade weil das Intro einiges versprochen und die Idee ja durchaus Pfiff hat. Auch der Cast schlägt sich wacker. Die Elemente sind da, allein mit der Anwendung hakt’s.

Wenn zum Finale dann endlich wieder von Teen-Melodram auf Slasher umgeschaltet wird, beweist Sable, dass er wirklich gar keine Ahnung hat, wie Horror geht. Die Motivation des Mörders ist abstrus, seine Sprüche unpassend, elementare Hinweise werden erst jetzt per Flashback gegeben und der Gegenschnitt von großer Attacke und vergeigter Vorführung raubt auf der Zielgerade alles Tempo.

Grundgütiger, nicht mal die Tagline auf dem Plakat hat irgendeine erkennbare ironische Brechung oder Doppelbedeutung!

Vor allem aber: Die Mischung von Musik und Massaker erfüllt nicht ansatzweise ihr schwarzhumoriges Potenzial. Der Gegensatz produziert keinen Bruch, keine unterhaltsame Absurdität.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass es Filmemacher Sables Herzenswunsch war, ein Musical zu inszenieren. So etwas lässt sich aber im Low Budget-Bereich praktisch nicht vermarkten, weshalb er auffällig widerwillig einen Horror-Aufhänger bedient. Das funktioniert zwar nicht im Film, aber bei der Vermarktung – immerhin läuft „Stage Fright“ auf dem FFF, gelle?

mitteFazit: Ein anfänglich drolliger Versuch, Elemente von „Scream“ und „Glee“ unter einen Hut zu bringen, der aber mit zunehmender Laufzeit nervt, weil er nur die Mechanismen des Musicals, nicht aber des Horrorfilms versteht. Ganz knapp am Daumen runter vorbei geschrappt.



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MarcusFantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten DewiReiniPeroyMoepinat0r Recent comment authors
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Thies
Thies

Jessas, nach „Coherence“ ein weiterer Titel den ich von meiner Wunschliste streichen kann. Da ich dieses Jahr keinen Urlaub fürs FFF bekommen und daher auch keine Dauerkarte bestellt habe, wollte ich mir wenigstens ein paar Highlights gönnen, die mein Schichtplan zulässt. Aber wenn das so weitergeht wird meine Auswahl schneller ausgedünnt als die Besetzung eines Slasherfilms.

Peroy
Peroy

Man könnte ihn ja… trotzdem gucken… *schock*

goran
goran

Blue Ruin und The Rover waren beide bis jetzt durchaus die Kinozeit wert.

Thies
Thies

„Man könnte ihn ja… trotzdem gucken… *schock*“ –

Danke Peroy, das war mir vorher garnicht klar. Ein Meer an Möglichkeiten tut sich plötlich auf und ich beginne die Welt in all ihren Facetten wahrzunehmen… ups, jetzt ist mein Sarkasmusmodul durchgebrannt.

Moepinat0r
Moepinat0r

Slasher-Musical gibt’s wahrlich nicht viele. Schade, dass dieser so schlecht abschneidet, hätte mich echt über einen weiteren ‚Repo: the Genetic Opera‘ oder ‚Sweeny Todd‘ gefreut.

Peroy
Peroy

Aber das isser doch…

Reini

…und ich dachte schon, das sei ein Remake des gleichnamigen Giallos. 😀

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[…] the Edge ♥ Open Windows ♣ Patch Town ♥ Patema inverted ♦ Redirected ♣ Rufus ♣ Stage Fright ♥ Starred up ♥ Starry eyes ♥ Suburban Gothic ♥ The Babadook ♣ The Canal ♥ The […]

Marcus
Marcus

Der Dewi ist halt ein freudloser alter Mann. 😉 8/10.