04
Jul 2014

The Comics come to Town: "The Flash" , "Constantine" & "Stan Lee’s Mighty 7"

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Es ist ein gutes Jahr für Superhelden-Fans. Neben den erwartbaren Blockbustern wie "Captain America 2" und "X-Men: Days of Futures Past" bekommen die kostümierten Gutmenschen auch auf dem heimischen Flachbildschirm wieder einen Fuß in die Tür. Mit "Agents of SHIELD" und "Arrow" ist es gleich zwei relativ aufwändigen Serien gelungen, sich nicht etwa bei den kleinen Spartensendern zu etablieren, sondern bei den Networks. Fast wie früher, zu den Zeiten den "Incredible Hulk" und der üppigen 70er Jahre-"Wonder Woman".

Es gab aber auch wahrlich aufwändige Fehlstarts in der letzten Zeit – so konnte weder der "Smallville"-Ableger "Aquaman" noch der beleidigend beschissene Versuch, "Wonder Woman" als feministische Firmenchefin neu zu erfinden, irgendwen überzeugen. Beide Varianten schafften es nicht über die Pilotepisoden hinaus. Und über "Birds of Prey" decken wir auch besser das Mäntelchen des Schweigens.

Besonders DC ist nun entschlossen, an Marvel verlorenen Boden wieder gut zu machen. Was "Green Lantern" und "Man of Steel" im Kino nur begrenzt gelungen ist, soll nur die Helden-B-Liga in Serie richten. Gleich drei Serien wirken wie der gewaltsame Versuch, endlich aufzuschließen – 2014 erwarten uns "Gotham", "Constantine" und "The Flash".

Schauen wir doch mal, wie das anläuft.

The-Flash-TV-Show-Costume

"The Flash" ist ist ein Spinoff von "Arrow" – und Barry Allen wurde konsequenterweise in einer Episode der Mutterserie eingeführt. Die Pilotepisode der eigenständigen Serie erzählt dementsprechend vieles noch einmal, was wir längst wissen. Barry wird vom Blitz getroffen, landet im Koma, hat nach dem Aufwachen die Fähigkeit, superschnell zu laufen. Ein kleiner Kreis von Freunden und Förderern ist eingeweiht, eine neu entwickelte Uniform für Feuerwehrleute dient als Basis des Kostüms. Die notwendigen Bösewichte werden aus der Tatsache rekrutiert, dass die Explosion der STAR Labs auch noch andere Menschen mit unberechenbaren Kräften ausgestattet hat. In der ersten Episode ist das ein Verbrecher, der das Wetter manipulieren kann.

Grundgütiger, da hat DC aber ganz tief in der Klischeekiste gegrabbelt und eine Serie dermaßen nach Schema F für das Publikum des Senders CW gestrickt, dass man sämtliche Figurenkonstellationen und Konflikte von der ersten Minute an voraussagen kann. Diese Mischung aus Krimi und Soap mit einem leichten Genreeinschlag kennen wir seit "Charmed" zur Genüge, mit "Smallville" wurde sie zum Rezept – seither kochen alle Köche diesen Brei. Es ist eine softe Seifenoper, in der eigentlich nur zufällig Superhelden auftauchen – es könnte genau so gut um Aliens oder Vampire gehen.

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Obwohl "The Flash" aufwändig produziert ist, gute Effekte mitbringt und seine Laufzeit auch vergleichsweise straff über die Runden bringt, fehlt einfach der starke zentrale Charakter – Barry ist ein Bubi, vergleichbar mit Andrew Garfield als Spider-Man. Dem mangelt (bis jetzt) die Gravitas, eine ganze Serie zu tragen. Und Gottchen, er ist in seine Jugendfreundin verknallt, die steht aber auf den coolen Bullen – geht’s noch platter?

Wie müde und tausendmal durchgekaut die Storyelemente sind, sieht man auch daran, dass "The Flash" sich massiv bei der "Flash"-Serie aus den 90ern bedient: Vom fast identisch inszenierten Blitzeinschlag über die Trainingssequenz bis zum Wirbelsturm im Finale – alles nur Update, und unnötig obendrein. Wenn schon dem Pilot nichts Neues einfällt, dürfte der Serie ziemlich schnell die Luft ausgehen.

Bonuspunkt aber für das Casting von Barry Allens Vater – mit John Wesley Shipp, dem "Flash" der 90er. Er sieht mittlerweile aus wie ein schlecht gealterter Jason Statham. Nerds approve.

Geht man davon aus, dass ich mir von "The Flash" gar nichts erwartet und mich um die Sichtung zwei Wochen gedrückt habe, ist der Pilot zumindest akzeptables Kaugmmi-Fernsehen. Da mich allerdings weder "Smallville" noch "Aquaman" noch "Arrow" begeistern konnten, wird dieser vierte Aufguss der immer gleichen Elemente es kaum in meine "must see TV"-Liste schaffen.

Erheblich mehr erwartet habe ich mir da schon von "Constantine", dem Reboot der "Hellblazer"-Franchise, die von einem katastrophal fehlbesetzten Keanu Reeves seinerzeit im Kino an die Wand gefahren worden war.

tv_matt_ryan_constantine-image

Und tatsächlich: "Constantine" macht erheblich mehr richtig als der Kinofilm oder der "Flash"-Pilot. Es geht angemessen düster zu, die Schocks testen durchaus an, was man sich im Network-Fernsehen aktuell erlauben darf – und vor allem: Mit Matt Ryan hat man den perfekten John Constantine gefunden. Ein hardboiled detective in einer von Dämonen verseuchten Welt, der immer versucht, die Apokalypse ein paar Minuten in der Zukunft zu halten und sich des verlorenen Postens, auf dem er kämpft, durchaus bewusst scheint.

"Constantine" arbeitet deutlich weniger nach Baukasten als "Flash", wirkt frischer, gruseliger, angenehm pulpig. Erinnerungen werden wach an "Dresden Files" und "Supernatural", den großartigen TV-Film "To cast a deadly spell", an "Dylan Dog" und "John Sinclair". Vor allem aber an die zu Unrecht fast vergessene Serie "Brimstone" von 1998, die wie ein nichtlizensierte Version von "Constantine" wirkt – und vor 15 Jahren vieles besser gemacht hat.

Denn auch wenn "Constantine" ein ungleich spannenderes Universum aufbaut als "The Flash" und deutlich mehr Spektakel mitbringt – die Pilotepisode hat mit eigenen massiven Problemen zu kämpfen. Es fehlt der zentrale Konflikt, der die 45 Minuten am Laufen halten sollte, das Geschehen wirkt seltsam fahrig und willkürlich. Nach diversen Suspense-Sequenzen scheinen die Charaktere stehen zu bleiben und darauf zu warten, dass ihnen das Skript – wie ein Navi – Anweisungen gibt, wo sie nun hin müssen. A ergibt nicht B ergibt nicht C, wie das in einem guten Drehbuch der Fall sein sollte.

Es fehlt die eine fette Idee, der Motor, der Hook.

"Brimstone" war seinerzeit erheblich besser darin, den Grundkonflikt und den Antrieb des Helden zack zack zack zu definieren.

https://www.youtube.com/watch?v=uPE2oBnzROY

Auch in den Details leistet sich "Constantine" ein paar unnötige Patzer.  So nimmt Lucy Griffiths as Liv Aberdine den Einbruch des Übernatürlichen in ihr Leben mit erstaunlicher Nonchalance hin, gerät bei Angriffen von Dämonen kaum außer Fassung und stellt auch nie ihren Verstand in Frage. Sie wirkt emotional an keiner Stelle involviert. Und Constantine selber hätte man durchaus eine stärkere Motivation verpassen können als ein kleines Mädchen, das er nicht retten konnte. Schließlich gehören Opfer zu seinem täglich Brot.

Das größte Lob, dass ich "Constantine" machen kann, ist dieses: Die Serie ist Gold im Vergleich zu "Dominion" (einer Serie, die auf dem Kinofilm "Legion" basiert), wo ähnliche Themen beackert werden – und ich erstmals seit langer Zeit nach der Hälfte der Laufzeit das Handtuch geschmissen habe. Das ist einfach zu wirr und spannungslos erzählt.

So sind "The Flash" und "Constantine" unfertige, in Ansätzen interessante Serien, die beide Potential haben, aber auch Fehler ausmerzen müssen. Sie gehen die Aufgabe, über Dutzende Folgen unterhalten zu müssen, sehr unterschiedlich an – "The Flash" versucht es mit einer extrem bekannten, aber bewährten Struktur, während "Constantine" eher was von einem Groschenroman hat, der bei einem Durchhänger einfach mal laut "BUH!" schreit. Wer damit durchkommt, wird man sehen. Es ist Luft nach oben.

Ich hätte diesen Doppelreview gerne als Triplereview mit "Gotham" abgeliefert, aber die spannendste der neuen DC-Serien liegt mir leider noch nicht vor:

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Völlig unerwartet lief mir dann noch "Stan Lee’s Mighty 7" über den Weg, ein Zeichentrick-Superheldenfilm für den Kabelsender "The Hub", Start einer Trilogie (und Adaption einer erfolglosen Heftchenreihe) . Weil das hier irgendwie ganz gut rein passt, habe ich mich kurzfristig entschlossen, damit auch noch abzurechnen.

Stan-Lees-Mighty-7-post

Mir tut Stan Lee leid. Der Mann hat mal die größten Superhelden aller Zeiten im Dutzend erfunden, ist absoluter Kult – und kann es einfach damit nicht gut sein lassen. Seit Jahren produziert er Reality TV-Shows, TV-Filme ("Lightspeed") und drittklassige Trickfilme, die lediglich als Beweis dienen, dass man manche Leute um ihrer selbst willen in die Rente prügeln sollte.

Im Vergleich zu "The Condor" und "Mosaic" sind die "Mighty 7" wenigstens technisch im neuen Jahrtausend angekommen. Mit viel Lensflare und Wischeffekten wird die solide 2D-Animation aufgepeppt, das Ergebnis ist eine knallbunte Poser-Welt, die an die Image-Comics der 90er erinnert und erfreulich unbeschwert Actionszene an Actionszene reiht, mit ein wenig Kitt in Form von lahmen Kalauern dazwischen. Das Voice Casting ist diesmal auch deutlich besser: An den Mikrofonen im Tonstudio tummelten sich Sean Astin, James Belushi, Mayim Bialik, Flea, Armie Hammer, Teri Hatcher, Michael Ironside, und Christian Slater.

Ach, wäre der Aufwand, wären die Stars nur nicht so verschwendet!

An dieser Stelle käme jetzt der Teil, wo ich mich maßlos über das einfallslose und strunzdumme Skript aufrege, über die grässlich banalen Dialoge, die völlig undefinierten Charaktere, die ungute Verquickung von Comicuniversum und Realuniversum (schließlich spielt Stan Lee hier – Stan Lee). Das ist wirklich Kindertheater.

https://www.youtube.com/watch?v=E8hyG_TPufQ

Aber nach 30 Minuten brodelndem Unmut vor dem Fernseher wurde mir klar: Das ist Kindertheater, weil es Kindertheater sein SOLL. "Mighty 7" ist nicht für uns Nerds gemacht, sondern für den rotznasigen Nachwuchs, der die Coolness des Helden nach der Farbkombi des Kostüms beurteilt und dem es primär wichtig ist, dass voll klasse Energiestrahlen aus Fäusten geschossen werden. Pew pew pew!

Und auf diesem Level funktioniert "Mighty 7" sogar. Es ist eine Hommage an die "Super Friends", bedient ein Publikum, das von der Industrie in den letzten 30 Jahren zunehmend ignoriert wurde. Comics waren mal für Kids, nicht für Nerds. Bis in die 80er waren die Helden nicht gebrochen, sahen die Frauen nicht wie Masturbationsvorlagen aus, ging es nicht in jedem Heft gleich ums ganze Universum. Bösewichte mussten nur böse sein – eine komplizierte Backstory war schlicht unnötig. Es ist dieser Spirit, dem sich "Mighty 7" verpflichtet fühlt. Er will keine Meta-Ebene haben, will weder Nostalgie noch Ironie bedienen. Das schränkt die Zielgruppe zwar im einstelligen Altersspektrum ein, aber das ist ja nichts schlechtes.

Für Erwachsene ist "Mighty 7" allerdings nur wieder eines der saft- und kraftlosen Trittbrettprodukte mit austauschbaren Kostümträgern und austauschbaren Superkräften.



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comicfreak
4. Juli, 2014 16:37

..danke, dass du dir all das ansiehst, wozu ich nie komme 😀

heino
heino
4. Juli, 2014 17:13

Zu Flash:Arrow, der ja nach dem gleichen Baukasten funktioniert und einen unglaublich untalentierten Hauptdarsteller aufweit, hatten wir auch abgeschrieben und der Serie geht es blendend. Daher schätze ich die Chancen für Flash jetzt nicht so gering ein, das wird ein ähnliches Publikum finden.

Stan Lee tut mir auch für sich selbst leid. Der hat in den 60ern grosses geleistet, ist aber irgendwann stehen geblieben und fabriziert seitdem nur noch den immer gleichen Käse. Das ist schon tragisch.

Wortvogel
Wortvogel
4. Juli, 2014 17:40

@ heino: Der Hauptdarsteller von "Arrow" ist wenigstens ein richtiger Kerl, kein Bübchen. Ich sehe da schon einen Unterschied. Beim kurzen Cameo in "Flash" versaut er allerdings ein simples "cool" ziemlich.

Kaio
Kaio
4. Juli, 2014 20:27

Verklagt mich, aber ich finde Arrow trotz des reichlichen Soap Anteils sehr unterhaltsam.

Flash reizt mich aber auch wenig, ich finde den Charakter auch schon im Comic einfach nicht alzu aufregend.

Gotham ist ein komisches Ding, ich weiß nicht was ich davon halten soll. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und werde auf jeden Fall rein schauen. Die Trailer haben ja nur alle möglichen Batman Charaktere im Milchbubi Alter gezeigt, aber letztlich will sowas keiner wirklich sehen. Die Frage ist was die Erwachsenen in der Serie machen und was sie mit dem Batman Universum zu tun haben werden. Blos kein Case of the Week Schrott wo jede Folge ein Batman Kiddie als Nebenfigur abgehakt wird.

Marvel hat ja auch erste TV Pläne mit dem Luke Cage, Iron Fist und Jessica Jones Paket. Dazu habe ich ausser der Ankündigung aber noch nichts gehört. Ich frage mich allerdings ob 3 Serien gleichzeitig (war da nicht sogar noch was viertes?) nicht einfach zu viel des guten sind. Die Soap/Detective Story Nische ist mit Arrow für mich ausreichend besetzt, alle 3 Marvel Serien müssten daher schon in eine andere Richtung gehen (vor allem auch zueinander gesehen).

Tim
Tim
5. Juli, 2014 00:27

Es wäre auch einen Hinweis wert, dass Agents of S.H.I.E.L.D. mittlerweile nach ca. 100 beschissenen Folgen endlich Laune macht und auch nicht nur die Klischees bedient. Andererseits ist das bei Whedon-Serien natürlich common knowledge.

heino
heino
6. Juli, 2014 10:14

@Wortvogel:da widerspreche ich nicht, aber das ändert ja nichts an seinen darstellerischen Defiziten.

@Kaio:die vierte Serie soll "The Defenders" werden. Zu "Daredevil" gab es immerhin schon diverse Casting-Meldungen (Vincent D`Onofrio als Kingpin, Rosario Dawson in einer noch nicht genannten Rolle).

goran
goran
7. Juli, 2014 11:41

@Tim
Echt? Ich hab’s kaum bis zur dritten Folge ausgehalten, dann waren mir diese "Agenten" einfach zu laahhhhhm.

Kaio
Kaio
7. Juli, 2014 12:42

goran: Spätestens ab der Hälfte der Staffel wird sich vom "Fall der Woche" Format größtenteils verabschiedet und nur noch ein kontinuierlicher Handlungsstrang erzählt der mit dem zweiten Captain America Film verbunden ist (aber auch gut für sich steht). Die Spannung ist dann auf jeden Fall vorhanden, ich habe letztes Wochenende die letzten 8 Folgen oder so alle an einem Tag weggeguckt weil ich wissen wollte wie es weiter geht. Die relativ lose zusammenhängenden Fälle in der ersten Staffelhälfte sind eigentlich nur dazu da die Charaktere einzuführen und in Beziehung zu setzen. (Etwas dass man von Joss Whedon Serien so auch nicht anders kennt.)

Wortvogel
Wortvogel
14. Juli, 2014 14:42

Sieh mal einer an – was die Hauptdarstellerin von "Constantine" angeht, war augenscheinlich nicht nur ich unzufrieden:
http://insidetv.ew.com/2014/07/10/true-blood-alum-lucy-griffiths-departs-nbcs-constantine/

invincible warrior
invincible warrior
15. Juli, 2014 08:30

Zumal Agents of Shield ja stark drunter litt, dass Captain America 2 die Serie durcheinanderwuerfeln wuerde und deswegen die Serie bis dahin an der kurzen Leine lief, damit ja nicht zu viel gespoilert wird fuer den Twist im grossen Bruder. Man kann halt nur hoffen, dass sich das wirklich hierdurch und durch Whedonerismen erklaeren laesst. (so viel macht der gute ja offiziel nicht daran, arbeitet Vollzeit an Avengers 2) Waere jedenfalls schade, wenn die Serie immer zu gunsten der grossen Kinobruedern leidet.

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