Anfang der 90er befand sich Don Johnson in einer Zwischenphase seiner Karriere. Als Sonny Crockett hatte er in „Miami Vice“ den Superstar-Status erreicht, der ihm als junger Filmschauspieler in den 70er versagt geblieben war. Aber nach fünf Staffeln war MV eingestellt worden, die letzte Episode lief im Januar 1990. Es passt, dass eine der prägendsten Serien der 80er mit den Aufbruch in die 90er ad acta gelegt wurde, zusammen mit den Synthie-Soundtracks von Leuten wie Jan Hammer und Harold Faltermeyer.

Johnson versuchte, den TV-Ruhm in eine Kinokarriere umzumünzen – mit mäßigem Erfolg. Zwar erkannten die Kritiker seine darstellerischen Fähigkeiten in „Dead Bang“ und „Harley Davidson und der Marlboro-Mann“ durchaus an, aber an Popularität waren ihm Kevin Costner und sogar Patrick Swayze weit voraus.

Um 1993 muss Johnson klar gewesen sein, dass es mit dem Hollywood-Ruhm nichts werden würde und er plante sein Comeback auf der heimischen Mattscheibe. Ein Reality TV-Projekt, das seine Produktionsfirma damals entwickelt, wurde angesichts des Waco-Debakels schnell zu einer Fiction-Serie umgestrickt. Eine Serie über einen Marshal, der allein Gesetzesbrecher in ganz Amerika jagt, passte eigentlich ideal zum gut gealterten Don Johnson. Trotzdem entschied der sich,

The Marshal

2490MARSHALnicht selbst zu spielen. Er heuerte stattdessen Jeff Fahey an, einen kantig aussehenden Schauspieler hoher Intensität. Gerade mal drei Jahre jünger als sein Produzent, kann man Fahey durchaus als Johnson-Surrogat sehen, als geeignete, aber mit weniger Starpower versehene B-Besetzung.

Schaut man sich die alten Folgen heute noch mal an, kann man nur konstatieren, dass „The Marshal“ seiner Zeit einfach voraus war. Natürlich sind die Mechanismen kruder und die Inszenierung konventioneller – aber „The Marshal“ hat das, was heute „Longmire“ und „Justified“ so erfolgreich macht. Es ist eine Hymne an den „lawman“, den Gesetzeshüter des amerikanischen Westens, der ganz allein für das Recht steht. Fahey spielt die Titelrolle entspannt, cool, souverän. Damit braucht er sich wirklich nicht verstecken.

Leider war der Serie kein großer Erfolg vergönnt. Zwei Staffeln mit 13 und 12 Folgen wurden produziert und von der übermächtigen Konkurrenz platt gemacht (u.a. vom vergleichbaren „Walker, Texas Ranger“ und von Football). In Deutschland lief die Serie auf SAT.1.

Jeff Fahey wurde in der Folge einer der meist beschäftigten Darsteller fragwürdiger B-Movies und drehte fast ausschließlich echte Stinker, die seinen Fähigkeiten in keinster Weise gerecht werden. Über 100 Filme hat er in den letzten 20 Jahren runter gerissen – und um die 50 TV-Episoden.

Und Don Johnson? Entschied sich nach der Einstellung von „The Marshal“, doch mal wieder selber vor die TV-Kameras zu treten. Seine unterhaltsame, aber sehr konventionelle Krimiserie „Nash Bridges“ brachte es mit sechs Staffeln sogar auf mehr Folgen als „Miami Vice“.

Soviel dazu. Morgen bringen wir HipHop in die unendlichen Weiten…



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Pogopuschel

Inzwischen ist Fahey ein recht gefragter Gastdarsteller in TV-Serien. Mir ist der Rasenmähermann vor allem wegen seiner Rolle in „Lost“ im Gedächtnis.

Trantor
Trantor

@Pogopuschel: An „Lost“ musste ich auch sofort denken. Wobei „Gastdarsteller“ in dem Zusammenhang schon stark untertrieben ist: auch wenn er nicht zum Main Cast gehörte, hat er in knapp 30 Folgen und 3 Staffeln mitgespielt…

G

Ha! Die erste Serie, die ich gesehen habe!

Wollte ich nur mal sagen. 😉

TomHorn
TomHorn

Uih, „The Marshal“ ist mir bisher noch nicht untergekommen. Vielleicht hat man ja nochmal Glück, dass die mal im Pay-TV läuft…

heino
heino

„Morgen bringen wir HipHop in die unendlichen Weiten…“

War da nicht auch mal was in den Kurzkritiken der TV-Guides? Kommt mir bekannt vor…

heino
heino

Macht nix, ich werde es ja morgen sehen:-)

Exverlobter
Exverlobter

Miami Vice ging immer an mir vorbei. (Wobei ich im Zuge des Erfolgs von Battlestar Galactica mir die Serie evtl. mal ansehen werde, da Commander Adama mitspielt) Das einzige was ich von Don Johnson kenne ist der launige Harley Davidson and the Marlboro Man.

Ach ja, bislang habe ich von keiner der bisher vorgestellten Serien etwas gehört. Das ist wirklich eine Hardcore-Liste.
Wobei ich wetten könnte, dass der Wortvogel noch „Space Rangers“ besprechen wird. Ein Kuriosum des Sci-Fi Genres.

heino
heino

Ah, gefunden. Im zweiten TV-Guide hattest du „Homeboys in outer space“ angekündigt. Davon war dann allerdings nie mehr etwas zu hören.

@Exverlobter:ich denke nicht, dass „Space Rangers“ dabei sein wird. Da die Serie mehrmals auf Pro7 lief, ist sie vermutlich nicht obskur genug.