A million ways to die in the West

a_million_ways_to_die_in_the_westSeth MacFarlane scheidet die Geister – manche finden ihn unerträglich pubertär, langweilig, overhyped und seine Serien „Family Guy“ und „American Dad“ sind für sie nur müde Abklatsche der „Simpsons“. Ich hingegen mag Seth. Der kann singen wie Sinatra, ist ein Atheist, kann unglaubliche viele Stimmen – und ob man seine Serien nun mag oder nicht, sie sind von relativ konstanter Qualität. MacFarlane wird nicht mit Koks auf der Toilette erwischt oder mit Lady Gaga im Fahrstuhl, der wirkt trotz seiner humorigen Ruppigkeit sympathisch und „down to earth“. Mit „Ted“ hat er zudem die Nachfolge der Farrelly-Brüder angetreten und (hoffentlich/endlich) die Apatow-Ära beendet.

Darum schmerzt es mich umso mehr, dass ich seinen neuen Film, die Western-Parodie „A million ways to die in the West“, so in den Boden treten muss. Hier werden mit viel Aufwand und Starpower die Klischees der John Ford-Pferdeopern durch den Kakao gezogen – und es wirkt wie eine überlange Rohversion eines TV-Sketchs, den auf Länge und Pointe zu bringen man vergessen hat.

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Die Charaktere haben keinerlei Background (mit Ausnahme von Anna, die ihn aber auch nur am Ende des dritten Akts pflichtschuldig erzählt), viele Figuren sind nur ermüdendes Füllmaterial (Giovanni Ribisi und Sarah Silverman haben wirklich gar keine Funktion), unzählige Szenen verlaufen im Sande, weil sie nichts zum Fortkommen der Handlung beitragen. Ein Gefühl echter Bedrohung (oder im Fall von Andrew und Anna: echter Romantik) kommt nie auf und das Ende mag zwar pfiffig sein, dramaturgisch ist es aber ein Blindgänger. Kurzum: Das gesamte Gerüst, an dem MacFarlane seine Gags aufhängt, trägt nicht. Und bei einer Kino-Komödie mit beträchtlicher Laufzeit ist das ein echtes Problem.

Es ist auch erstaunlich, wie wenig sich die Stars einbringen. Charlize Theron wirkt steif, Liam Neeson gelangweilt – und MacFarlane als Leading Man völlig überfordert.

Mit dem richtigen Bierpegel mag man sich über einige der rüderen Scherze amüsieren können, es gibt zwei grandiose Cameos, und der Faux-Western-Soundtrack ist großartig, aber in toto ist „A million ways to die in the West“ schwachbrüstig und ohne jede Existenzberechtigung.

Der Trailer ist eigentlich ein prima „gag reel“, nachdem man sich den restlichen Film getrost schenken kann:

Fire and Ice

fire_and_ice-movie-poster-frank-frazettaAhhh, den wollte ich sehen, seit ich Anfang der 80er vor dem Plakat im Kino gestanden habe. Es war die Zeit von „Conan“ und seinen unzähligen Ripoffs, eine Zeichentrickvariante schien mir ungeheuer spannend, denn da konnte man schließlich Schlachten und Effekte zeigen, die für den Realfilm noch unerreichbar waren. Durfte ich aber damals nicht rein, war ab 16.

In den folgenden Jahren war es primär eine vernichtende Kritik im SF- oder Fantasy-Lexikon, die mich abhielt, mir die Kassette auszuleihen. Mittlerweile sehe ich die Wertungen von Hahn und Jensen allerdings kritisch und hole so manchen Streifen nach, den sie mir ausgeredet haben. Diese Woche: „Fire and Ice“.

Die Story ist so rudimentär wie die damaligen Atari VCS-Spiele: Die Bösen vom Eisreich (mit Hauptsitz Icepeak) wollen die Guten vom Feuerreich (mit Hauptsitz Firekeep) unterwerfen. Der böse Nekron nutzt Magie, der gute Larn spaltet Gegnern lieber mit der Axt den Schädel. Zwischendrin permanent in Gefahr und als Preis winkend: Prinzessin Teegra im Porno-Bikini.

Das klingt ein bisschen nach „Star Wars“, ist in seiner tumben, grunzenden Debilität aber deutlich näher an „Star Crash“. Mögen die Hintergründe auch bunt und die Figuren auch gut animiert sein – inhaltlich bleibt alles Skizze, die Figuren werden in der erstaunlich vagen und langweiligen Fantasywelt ein wenig hin- und hergeschoben, bis sie genügend „experience points“ haben, um den Bösen Nekron zu besiegen.

Besonders nervt „Darkwolf“, eine krude deus ex machina-Figur, die immer zur Stelle ist, wenn Larn mal wieder nichts auf die Reihe bekommt. Dieser Urzeit-Batman ist derart willkürlich in die Handlung getackert, dass wir seinen Namen nur aus den Credits erfahren.

Hahn und Jensen regten sich in ihrem Buch in den 80ern außerdem massiv über den Sexismus des Films auf, der die Prinzessin als billiges Fleisch charakterisiert. Ich war darauf vorbereitet, diesen Aspekt als spießige Reaktion auf typischen Hollywood-Tease abzutun, aber in der Tat – Teegras gesamte Rolle beschränkt sich darauf, so herum zu laufen und zu posen:

fire and ice

Die Figur ist eine Masturbationsvorlage für Corben-Fans, nicht mehr. Darüber hinaus spielt „Fire and Ice“ auch unangenehm mit faschistischen, sadomasochistischen und homoerotischen Elementen, die zur Boom-Zeit des Schwermetall-Magazins allerdings Standard waren.

Mögen die Designs auch von Frank Frazetta sein, die zeichnerische Qualität ist dürftig, viele Hintergründe wirken fahrig hingeschludert, die Animation von Eis und Feuer schafft nicht mal TV-Niveau. Klar, das Rotoscoping der Figuren ist filmhistorisch interessant als analoge Version des Motion Tracking, aber wirklich raus reißen kann es den Film auch nicht.

Schlimm genug: Als „Fire and Ice“ in den US-Kinos floppte, war auf den TV-Bildschirmen der Nation „He-Man“ schon erheblich weiter. Ob man den Muskelspacken von Eternia mag oder nicht – er belebte mit seinen schrägen Figuren wenigstens ein aufregendes Universum. „Fire and Ice“ scheint in einem statischen Frazetta-Bild gefangen zu sein, bewegt sich nie über die Vorgaben des Rahmens hinaus: Bösewicht, Held, Schlampe, Schwerter, zwei Schlösser im Hintergrund. Das muss reichen. Es reicht aber nicht.

Dieser Trailer lässt den Film deutlich stringenter und plotlastiger aussehen, als er ist – hier hören wir auch das einzige Mal den Namen Darkwolf:



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DietmarheinoRudi RatlosCostaperseus Recent comment authors
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perseus
perseus

Die Main Combo von West erinnert voll an Mississippi und die blonde, schießwütige Farmertochter aus El Dorado. In dem Film sehen der Wilde Westen und seine Bewohner auch noch nicht so steril aus wie aus einer Zahnpastawerbung.

Marcus
Marcus

„in seiner debilen, grunzenden Debilität“

Redundant adjectives are redundant. 😀

heino
heino

McFarlane ist nicht mein Fall und die Trailer sahen schon genau nach dem aus, was du hier schilderst. Wieder Geld gespart:-)

Baumi
Baumi

Hmm, „Family Guy“ hat konstante Qualität? Da bist Du aber der erste Fan, von de ich das höre.

Ich meine, nicht falsch verstehen: Ich kann mit der Serie nichts anfangen und bin durchaus der Ansicht, dass sie über die Jahre konstant schlecht geblieben ist ;-), aber alle Fans, die ich kenne, beschweren sich, dass die Figuren über die Jahre hinweg zu banalen Abziehbildern verkommen seien und endlos aneinander gereihte Running Gags die Originalität erstickt hätten.

Damit stünde „Family Guy“ freilich nicht alleine da – die (von mir deutlich mehr geschätzten) Simpsons sind inzwischen ja auch nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Lutz
Lutz

Ich stimme deinem Review zu „A Million Ways“ voll zu, trotzdem fand ich ihn nicht so schlecht wie du. Ich glaube, das liegt daran, dass ich die Liebesgeschichte zwischen MacFarlane und Theron nicht so negativ bewertet habe. Ich fand es gut, dass MacFalane den klassischen Konflikt zwischen den Liebenden im Dritten Akt angenehm klein gehalten hat und bis auf die eine kleine Aussprache zwischen den beiden hier keiner dem anderen große Liebesbeweise präsentieren musste. Andererseits kann man natürlich sagen, dass MacFarlane handlungsmäßig alles in diesem Film kleingehalten hat. 🙂

Nach den vielen mauen Kritiken waren meine Erwartungen auf ein Minimum geschrumpft, gemessen daran habe ich mich gut unterhalten. Es kann sogar ertragen, dass die Geschichte so dünn ist, allerdings hätte ich mir dann mehr Gags gewünscht. Schade ist allerdings in der Tat, dass Giovanni Ribisi und Sarah Silverman kaum eine Funktion in der Handlung hatten.

Ich musste den Film leider auf Deutsch sehen und ich muss sagen, die Synchronstimme von MacFarlane hat mich gleich doppelt gestört. Jan Odle, der anscheinend die Stammstimme von Will Smith ist, liefert eine wirklich grauenhafte Leistung ab, bei der die Stimme nie wirklich zum Gesichtsausdruck passt. Außerdem klingt der Ton ganz komisch abgemischt. Als Laie kann ich das schlecht erklären. Bei den anderen Figuren kommt mir das nicht so vor, da wirkt es ziemlich natürlich,aber bei MacFarlanes Figur klingt es, als wäre der Ton auf den Film draufgelegt anstatt Teil des Films zu sein.

Dietmar

Schade. Ich mag gute Wild-West-Parodien. Hatte mich eigentlich schon leicht darauf gefreut.

(MacFarlane kenne ich nur als Host von „Roast“.)

Dietmar

Gerade den Trailer gesehen. Fire and Ice ist fair sexistisch: Die Männer sind auch fast nackig. Und das bei der Kälte!

Exverlobter
Exverlobter

Seth als „Leading Man“? Hybris! Als Nebencharakter hätte das vielleicht funktioniert(so wie bei Tarantino in Pulp Fiction). Ich vermute mal, dass viele Zuschauer, die das ganze Hinter den Kulissen des Filmgeschäfts nicht so sehr interessiert wie die film-buffs, oftmals gar nicht wissen wer MacFarlane eigentlich sein soll.
Deswegen auch der verzweifelte Versuch in dem Trailer, das ganze irgendwie mit Ted zu verküpfen „von dem Typ der Ted gemacht hat“

Vielleicht hätte MacFarlane von vornherein den Part des Hauptdarstellers erneut an Mark Wahlberg vergeben sollen.

Dietmar

Wenn Wahlberg zur Verfügung gestanden hätte, wäre das keine schlechte Idee. Wahlberg hat seine Meriten und wenn man an den Erfolg anknüpfen will, wäre er keine schlechte Wahl und es wäre sinnvoll, den gleichen Hauptdarsteller zu besetzen.

Verzweifelt ist der Versuch von vornherein erst einmal nicht. Eher legitim und vernünftig.

Exverlobter
Exverlobter

„Verzweifelt ist der Versuch von vornherein erst einmal nicht. Eher legitim und vernünftig.“

Das stimmt schon. Und den Zusatz „Vom Regisseur von XY…“ sieht man in vielen Trailern. Das ein animierter Ted dann jedoch selber in den Trailern zusammen mit MacFarlane einen Film vorstellte, in dem er selber nicht zu sehen war (vermute ich mal, hab den Film noch nicht gesehen) ist schon relativ ungewöhnlich.

G

Ich habe nie verstanden, was die Leute an Seth MacFarlanes Werk so toll finden. Dass die Kritik zu seinem neuesten Film hier mit „Fire & Ice“ in einem Aufwaschen erledigt wird, passt sehr gut, denn beides ist im besten Fall pubertär, im schlimmsten Fall aber sexistisch und unguckbar.

perseus
perseus

Also American Dad ist erzählerisch ziemlich gut (ganz im Gegenteil zu Family Guy, wirklich unsehbar), von den Plottwists her, vom Tempo, wie Situationen aufgebaut und dann immer weiter verdreht werden…

Also wieso da jetzt ein Realfilm gemacht werden musste, anstatt American Dad nicht einfach adaptiert auf den Wilden Westen in Spielfilmlänge zu bringen? Gelegenheit Theron anzugrabbeln hätte er ja dann auch entsprechend bei der Synchro organisieren können.

Costa
Costa

Warum stehen Homoerotik und Sadomasochismus bitte in einer Reihe mit Faschismus??

Dietmar

@Costa: Warum sollte man Begriffe nicht aufzählen dürfen? Aufzählungen setzen nicht gleich.

Zudem sehe ich keine Wertung von beispielsweise Homoerotik an sich sondern eine Kritik an der unangenehmen Verwendung homoerotischer Elemente.

heino
heino

@Dietmar:“Die Figur ist eine Masturbationsvorlage für Corben-Fans, nicht mehr. Darüber hinaus spielt “Fire and Ice” auch unangenehm mit faschistischen, sadomasochistischen und homoerotischen Elementen, die zur Boom-Zeit des Schwermetall-Magazins allerdings Standard waren.“

ich denke, hier spielt die Wortwahl eine entscheidende Rolle, denn sie suggeriert, dass diese 3 Sachen gleichsam abzulehnen wären. Ich habe da beim ersten Lesen auch gestutzt, aber da ich Torsten hier als liberalen Menschen wahrgenommen habe, glaube ich nicht, dass das so gemeint ist.

Dietmar

@heino:

die Wortwahl … suggeriert, dass diese 3 Sachen gleichsam abzulehnen wären.

Kommt bei mir nicht so an. Aber ich stutze auch nicht so leicht. 🙂

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Ui, die Kritik zu „AmWtditW“ deckt sich ziemlich genau mit meinem Empfinden, nachdem die Lichter im Saal wieder angingen. Imo hat ein Film ein massives Problem, wenn die besten Gags zwei Cameos sind oder bereits die lustigsten Sketche im Trailer verheizt worden sind. Und für die Hutszene mit NPH fehlen mir gar ganz die Worte…

heino
heino

@Dietmar:macht die Sache zwar auch nicht besser, aber zur Entstehungszeit von „Fire and Ice“ waren Homosexualität und Sadomasochismus ja auch noch absolut negativ besetzte Begriffe. Besonders in den Medien (ich erinnere mich da an so einige Artikel und Tv-Sendungen im Laufe der 80er) wurde das gleichgesetzt mit Massenmördern und Kinderfressern, insofern wundert mich gar nicht, dass ein so stumpfer Film auf diese Weise damit umgeht.

Dietmar

@heino: Das leuchtet mir ein. Guter Punkt!

(Dass ich dies nicht verteidigen wollte, ist ja klar.)