louie

Ich gebe zu, dass ich mit den Jahren begonnen habe, immer weniger Serien zu schauen – das betrifft auch und besonders die Serien des „new golden age of television“. Es mangelt an Zeit und ehrlich? Es ist auch nicht ganz so dolle, Serienfan in einer Zeit zu sein, da jeder Serienfan ist.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so gerne obskure Perlen suche, kleinere Projekte, Außenseiterproduktionen. Neulich habe ich mir alle sechs Folgen von „Spoils of Babylon“ angesehen (immerhin mit Will Farrell, Val Kilmer, Toby Maguire, Kristen Wiig, Tim Robbins und Jessica Alba):

Eine Parodie auf die Event-Miniserien der 70er. Comedy. Die letzte Episode hatte in den USA gerade mal 80.000 Zuschauer.

Als alle vom Finale von „Breaking Bad“ sprachen, versuchte ich gerade, über das dritte Staffelfinale von „Louie“ hinweg zu kommen. Es hatte mir das Herz gebrochen. Vielleicht, weil Louis C.K. so alt ist wie ich, so (leicht) übergewichtig wie ich und weil er manchmal so einsam ist, wie ich es eigentlich mein ganzes erwachsenes Leben lang war.

Bei „Louie“ mag ich etwas, das ich eigentlich sonst immer ablehne – echtes Drama im Rahmen einer Sitcom. Ganze Episoden, die nicht einen Gag enthalten. Eine unerwartete Linkskurve und ein Schlag in die Magengrube. Das Finale von „MASH“. Niles Herzdiagnose in „Frasier“. Der Tod von Marschalls Vater in „How I met your Mother“.

Nach der dritten Staffel hat sich Louie C.K. 2013 eine Auszeit genommen. Jetzt gibt es neue Episoden. Er ist konzeptionell zur Struktur der ersten Staffel zurück gekehrt, erzählt wieder mehr von seinem Leben als Club-Comedian in New York. Und in Folge 3 geht er (sehr widerwillig) auf ein Date mit einer fetten Frau – was in einem so unglaublich herzzerreissenden und wahren Dialog endet, dass ich froh bin, ihn für euch bei YouTube gefunden zu haben:

Das ist für mich „the golden age of television writing“.



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reptile
reptile

Oh! Klingt seht interessant! Ich mag es, wenn Sitcoms auch dramatische Momente haben, so dass einem das Lachen auch mal im Hals stecken bleibt.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Louie ist in der Tat ganz nett, obwohl er manchmal arg arschig daher kommt – danke für den Tipp mit „Spoils of Babylon“, sieht sehr abgefahren aus 😀

Kai
Kai

Ich kann mich in intellektuellen Brainfarts wie in True Detective verlieren. Ich kann problemlos die Übersicht in Riesen-Casts wie Boardwalk Empire und GoT behalten und das Ganze auch noch geniesen.

Aber „Louie“ wie auch „Curb your enthusiasm“ gehen an meine Grenze. Sowas könnte ich nie am Stück wegkucken, dafür geht es einem doch zu nahe. Wobei er sich (und damit den Zuschauer) auch absichtlich hängen lässt. In obiger Szene würden mir viele Antworten einfallen. Aber da er einfach schweigt und auch nicht (wie so viele) zum Gegenangriff übergeht….wuaaah. 🙂

Hendrik

Das ist jetzt vielleicht einen Tick zu philosophisch, aber für mich war da nichts unerfüllbar. Es hat sich für mich so angefühlt als hätte Louie tatsächlich Anziehung gefühlt und nur deshalb auf Standardantwort „Nein, du bist doch nicht …“ geschaltet, das war sehr unüblich für ihn. Ihr bleibt nur noch dieser tolle Monolog um ihm aufzuzeigen, dass da nur seine Angst spricht und nicht sein Herz. Als er ihre Hand nimmt, da hat er verstanden und muss nicht antworten, weil es ihm mit den Frauen doch genau so geht. In der Folge davor musste er sich eine riesen Geschichte ausdenken, um bei einer Frau zu landen, die sonst nichts von ihm wissen will. In der Liebe gibt es nur Anziehung die sich über die sexuelle Anziehung hinaus hält, was besonders Männer gerne verwechseln. Was aus dieser Gesichte wird? Keine Ahnung, aber ein Emmy für Sarah Baker sollte schon drin sein.

Lars

Neulich habe ich gehört, dass Louis C.K. zu Fox gegangen ist, nach ein paar Duzend Dollar gefragt und einen Piloten produziert hat, ohne jemals Drehbücher eingereicht zu haben o.ä. Heute dreht er den Kram angeblich mit vier fünf Leuten und schneidet die Serie zuhause selbst. Das ist hausgemachte Low Budget Art House Comedy vom Feinsten!

ViNCENT
ViNCENT

Da ich mit Großaltmeister George Carlin vor etlichen Jahren in den amerikanischen Stand Up eingestiegen bin, konnte ich mit dem vergleichsweise (in meinen Augen) oberflächlich zahmen & auch irgendwie pöbelhaft wirkenden C.K. bisher immer nur wenig anfangen.

Ich hatte mich ein paar Mal kurzfristig an seinen Shows ausprobiert aber rgendwie war in diese Richtung von „erschreckend wahre, erschreckend intelligente Comedy“, durch Carlin bei mir bereits alles geklärt.

Aber „Louie“ werde ich mir wohl heute Abend noch ein paar Folgen von gönnen. Alles was ich an C.K. bisher nicht mochte, wird in diesem Format anscheinend auch immer wieder emotional zurechtgerückt. Mir kam er bei seinen Stand Ups wohl meistens einfach bisher zu egoistisch und arschig rüber.

Dieser Moment wo man auch die menschliche Seite hinter solchen „Arschlöchern“ erkennt muss glaube ich auch einfach vorhanden sein, selbst bei (überwiegend) gleichdenkenden Publikum. Sonst fühlt man sich bei der Fülle an unangenehmen Themen zwangsläufig irgendwann auch mal selber auf den Schlips getreten. Einem wo man aber dann weiß, dass er aber auch nett sein kann, verzeiht man dann allerdings. Dem Arschloch was man nur als Arschloch kennt, jedoch nicht.

Kuang
Kuang

Das „arschig“ oder „egoistisch“ kann ich absolut nicht nachvollziehen. Louies comedy liegt mMn immer ein tiefer humanismus zugrunde. Der versteckt er zwar gerne hinter sehr dreckigem humor, aber Folgen wie „Bully“ oder „New Year’s eve“ oder die aktuelle folge „…so does the fat lady“ zeigen eine tiefe, ehrliche Zuneigung gegenüber seinen Mitmenschen. Das selbe sehe ich auch in seinem StandUp.

ViNCENT
ViNCENT

@ Kuang & Wortvogel
Gibt es soche Momente der Menschlichket denn auch schon bereits in seinen Shows?

Ich kann euch ja nur zustimmen was die Qualität von „Louie“ betrifft und bin jetzt bereits auch schon mit der ersten Staffel durch und total begeistert, aber eben diese Momente („Folgen wie “Bully” oder “New Year’s eve” oder die aktuelle folge “…so does the fat lady” zeigen eine tiefe, ehrliche Zuneigung“ und „der Umgang Louies mit seinen Töchtern zeigt ihn von einer zutiefst menschlichen, verletzlichen Seite“) kann es ja schlecht auch auf der Bühne geben.

Ich weiß auch nicht warum es bei mir mit Carlin auf Anhieb funktioniert hat und bei C.K. eben erst durch diese Serie.

Ich vermute gerade irgendwie den Unterschied: Carlin beschreibt vieles eher von Außen, als eine Art unabhängiger Beobachter, Allwissend, Weise und auch ein Stück weit von Oben herab (was er sich vielleicht nur aufgrund seines Alters in diesem Maße überhaupt erlauben konnte) wird aber nur sehr, sehr selten wirklich privat. Und wenn, dann schimmert eben auch kurz der Mensch durch.

C.K. beschreibt vieles hingegen aus seiner eigenen Person heraus und zeigt die Fehler auch mal gerne dadurch auf, das er Sie selber gemacht hat. Z.b. war einer seiner Jokes als Stand Up bei „Louie“, ein Witz über eine Bekannte die noch nie in NY war und einem Penner am Bahnhof entdeckt, total schockiert ist und ihn fragt ob Sie ihm helfen könnte.

C.K. zieht aber erstmal auch sehr derbe über den Penner her. Klar befindet er sich da auf einer Metaebene. Aber selbst jetzt fällt es mir ja noch teilweise schwer, ihn da auch wirklich so differenziert zu sehen.

Carlin hätte sich halt (glaube ich) nie (aus welchen comedytechnischen Gründen auch immer) überhaupt erst über den Penner so, in dieser Art lustig gemacht.

Anders gesagt: Bei Carlin wusste ich irgendwie immer, wenn DER nach Hause geht ist er bestimmt ziemlich normal und lieb und lebt irgendwie nur mit seiner Familie. Bei C.K. denke ich immernoch irgendwie, der ist halt so dann auch privat.

Ist schwierig zu beschreiben. Versteht ihr ungefähr was ich meine?

Goran
Goran

@Vincent:
Hmm, gerade bei Carlin war ich mir nie sicher, wo seine Bühnenpersönlichkeit aufhört.

Außerdem sind die meistens die Botschaften, auf die er abzielt, eher direkt.

Dumme Leute werden beleidigt, wer nicht denken will bekommt das halt an den Kopf geschmisssen.
Ideen und Konzepte, die Carlin für sinnlos hält, greift er schonungslos an.
Das lässt sich leicht verarbeiten und Carlin selbst hat mich eher mit den aufgezeigten Dummheiten, als seinen Brutalantworten darauf schockiert. Carlin ist logisch und daher oft sehr einfach zu verstehen.

Louie nimmt einen gern mit einem fast schon Flachhumor mit (Bühne), lullt dich ein, und plötzlich lacht man über etwas, worüber man wirklich nicht mehr lachen sollte und ich glaube das weis er ganz genau.
Louies Ziel ist eher auf der emotionaler Ebene, als auf der rationalen, die Carlin fährt.
Mit Carlins Bühnenpersönlichkeit mag man mal gleicher Ansicht sein, auch durchaus mit- und nahdenken, aber wer identifiziert sich denn wirklich mit diesem Misanthropen, ja teilweise geradezu Menschenhasser?

In der Serie merkt man am besten, dass das Bühnenprogramm von Louie ja eher für den schnellen Konsum an einem Abend gedacht ist.
Für’s Fernsehen nimmt er sich die Zeit, man entschuldige die Floskel, dahin zu gehen, wo’s weh tut.

Ich gebe aber auch ehrlich zu, die Serie ist mir in ihren emotionalen Momenten zu echt, abe rman kann kaum bstreiten, dass hier oft Leben so nah und klat beobachtet wird, wie selten sonstwo.

DMJ

C.K., wie auch „Louie“ interessieren mich schon länger und da hat die obige Szene auch nicht gerade geschadet, aber ein paar Probleme hatte ich schon damit. – Möchte gleich darauf hinweisen, dass diese wohl sehr persönlich sind, entsprechend keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Wie der Hausherr ob seiner Gemeinsamkeiten mit dem Helden mitfühlt, halten mich hier wohl gerade die Unterschiede zu ihm ab.

Wäre ich an seiner Stelle gewesen, wäre ich vollkommen unschuldig in die Lage geraten, denn die Figur jener Dame fällt für mich einfach noch nicht unter fett. Ich mag da hohe Maßstäbe für haben, aber „fett“ beginnt bei mir später… entsprechend hätte ich mir für meine ehrliche Meinung anhören können, ich würde gerade mit einer Lüge verletzen.

Nun gut, zweites Problem das Ende: Nachdem sie quasi gesagt hat „Nimm verdammt nochmal meine Hand, es ist dein Pflicht als Beta-Männchen!“, ist es höchst befremdlich, sie dann tatsächlich zu nehmen. Ich verstehe ihren Standpunkt, ihre Sicht, aber nach so einem Gesprächsverlauf wäre die Brücke für mich verbrannt.

Zuletzt stellte sich mir die Frage, wie das mit umgekehrten Geschlechtern gewesen wäre. Es ist nicht direkt, was sie sagt, aber ein Hauch von „Sei froh, wenn dich überhaupt jemand will!“ schwingt schon mit und wenn man auch generell Männern mehr Fett zugesteht, als Frauen, erkennt man sie doch weniger als tragische Figuren an, sondern hätte es als creepy und respektlos interpretiert.

– Wie gesagt, keine objektiven Kritikpunkte. Dass man überhaupt so vielseitig darüber denken und diskutieren kann, zeigt wohl schon die Qualität der Szene, auch wenn ich argwöhne, dass sie eindeutig gedacht ist.

Peroy
Peroy

„That Nigger made the shit out of my coffee!“

Kuang
Kuang

@VINCENT: In seinen Stand Up Shows ist es nicht so offensichtlich, aber auch vorhanden. Hier benutzt er aber gerne sein eigenes denken und handeln (oder vermeintliches denken und handeln) um sein Publikum zum denken anzuregen oder ihm einen Spiegel vor zu halten.
Im Übrigen nennt er immer wieder Carlin als großen Einfluss, da liegst du mit deinem Vergleich garnicht so weit daneben.