20
Mai 2014

Das George Lucas-Evangelium

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Ich schaue aktuell mit großer Begeisterung das hier:

Klar ist das meiste bekannt, kaum ein SF-Nerd wird hier neue Erkenntnisse finden. Es ist eine Sammlung sattsam bekannter Clips aus sattsam bekannten Filmen, kommentiert von sattsam bekannten Personen – inklusive des umvermeidlichen John Landis.

Aber "The Real History of Science Fiction" ist trotzdem liebevoll gemacht, sauber recherchiert und hat tatsächliche rote Fäden, wo frühere Dokumentationen nur eine Anekdote an die nächste reihten. Es werden Zusammenhänge hergestellt, die nicht überraschend, aber doch interessant sind.

Einen dieser Zusammenhänge möchte ich hier gerne zur Diskussion stellen, weil ich nicht weiß, was ich von der unterliegenden These halten soll. Sie würde vieles erklären, was bisher unerklärlich schien, viele scheinbar willkürliche Entscheidungen des Bärtigen in ein neues Licht stellen.

Richard Dreyfuss ist es, der sich an ein Treffen mit George Lucas erinnert, in dem der Produzent und Regisseur deprimiert wirkte, obwohl sein Film "Star Wars" gerade Hunderte von Millionen einspielte. Auf die Frage nach dem Grund für die Mieslaunigkeit antwortete Lucas demnach: "Ich habe einen Kinderfilm gedreht".

"The Real History of Science Fiction" extrapoliert daraus folgende These: George Lucas war früh mit der Entscheidung konfrontiert, welche Art von Science Fiction-Film er umsetzen wollte. Zwei Möglichkeiten schienen ihm vielversprechend: Abenteuer-SF im Stile alter Pulp-Magazine und Serials wie Flash Gordon – oder anspruchsvolle SF im Stile der "Foundation"-Romane von Isaac Asimov, die sich mit den Mechanismen von Imperien beschäftigen, die von Politik und Philosophie handeln, von Diplomatie und Diktatur.

Er entschied sich, mit der Abenteuer-SF "Star Wars" auf Nummer Sicher zu gehen – und hat es seither bereut. Und dagegen gekämpft. All das öde Gerede von Handelswegen und Allianzen in der zweiten Trilogie, die Tiraden im Senat, die wechselnden Loyalitäten sind sein Versuch, "Star Wars" ex post facto den Anstrich von "Foundation" oder "Dune" zu verleihen – seine ursprüngliche Entscheidung wenn nicht zu revidieren, dann wenigstens zu relativieren.

star-wars-the-phantom-menace-1

Selbst seine wiederholten Versuche, die Filme durch neue Editionen umzufeilen, würde sich daraus erklären lassen. Lucas ist grundlegend unzufrieden mit der Art von Science Fiction, die ihn zur Legende gemacht hat.

Das klingt sehr, sehr stimmig. Was meint ihr?



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
35 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Proesterchen
Proesterchen
20. Mai, 2014 17:13

Selbst wenn er die Ausrichtung von Star Wars bereuen würde, was ich durchaus nachvollziehen könnte, so zeigt doch die zweite Trilogie, dass es die kommerziell und wohl auch kreativ richtige Wahl war.

Außerdem: Star Wars ist bald 40 Jahre her, er hatte genug Zeit und den finanziellen Spielraum, um "anspruchsvolle" Science Fiction zu produzieren, wenn ihm tatsächlich der Sinn danach gestanden hätte.

PS: Ich erkläre der Fairness halber, dass ich kein Star Wars Fan bin und wiederholt bei Versuchen eingeschlafen bin, mir die originalen drei Filme anzuschauen.

Kastanie
Kastanie
20. Mai, 2014 17:19

Eine durchaus stimmige These. Und das finde ich persönlich sehr bedauerlich. Da schafft man etwas, was Millionen von Menschen verehren und lieben, und der Schöpfer selber mag das gar nicht. Das ist bitter.

Nichtsdestotrotz hätte er es meiner Meinung nach lieber akzeptieren und nicht nachträglich mit der neuen Trilogie versuchen sollen, dem Universum sich anders zu nähern und ihm mehr "Tiefe" zu geben. Das zeugt nur von Verachtung und Desinteresse all seinen Fans gegenüber, die mit dem glücklich waren, wie "Star Wars" eben war. Das möchte Lucas bis heute scheinbar nicht begreifen.
Wie Proesterchen sagt: mach doch was anderes und fingere nicht an "Star Wars" herum. Der Mann hat alle Möglichkeiten.

Stephan
Stephan
20. Mai, 2014 17:21

Wenn die These zutrifft, ist er in meinen Augen aber grandios damit gescheitert. Die CGI-Narreteien, die naive Darstellung der Alien-Rassen und besonders der lächerliche moralische Antrieb der Protagonisten im schwarz-weiß Umfeld wirken auf mich noch weitaus kindlicher, als die Ritter-und-Prinzessin-Geschichte des ersten (oder eben vierten) Teils.

Tom
Tom
20. Mai, 2014 17:31

Was die neue Trilogie angeht finde ich das durchaus einleuchtend. Aber die neuen Editionen der ersten Trilogie blieben davon meiner Meinung nach unberührt; einige neuere Trickeffekte und leichte Umschneidungen reichen dafür wohl nicht aus.

Welche Richtung Abrams einschlagen wird dürfte klar sein, wenn man seine Star-Trek-Versionen gesehen hat. Aber SF a la Asimov ist ja auch wirklich etwas gewagt für’s Kino, da geht man lieber auf Nummer sicher.

Lutz
Lutz
20. Mai, 2014 17:36

Ich weiß nicht…

Trotz des "öden Geredes von Handelswegen und Allianzen" in den neuen Filmen kommen mir die alten Filme immer noch Erwachsener vor, im Sinne von dreckiger, wilder und anarchischer.

Marko
20. Mai, 2014 17:52

Ich verstehe nicht – es gibt nicht nur EINE "Star Wars"-Trilogie?

LALALALA! *ohrenzuhalt*

Peroy
Peroy
20. Mai, 2014 18:07

Die Prequel-Scheisse ist doch infantiler als der alte Krempel… das passt doch vorne und hinten nicht…

DMJ
20. Mai, 2014 18:34

Himmel… O_O

Gerade eben sah ich eine Folge "Orphan Black"; dann gehe ich zum Wortvogel und bevor das Video, um das es in seinem Beitrag geht, startet, läuft Werbung für – "Orphan Black"!
Da fühlt man sich verfolgt.

Aber zur These: Die leuchtet mir auch nicht so ganz ein. Wie Peroy schon sagte, ist gerade Episode 1 derartig infantil, dass das Gerede über Wirtschaft da nicht mithalten kann und hätte Lucas WIRKLICH "seriöse" SF machen wollen, hätte er auch außerhalb von SW ja jede Menge Möglichkeit gehabt, es zu tun.
Vielleicht WOLLTE er gern ein richtiger SF-Denker wie Asimov sein, aber hatte eben einfach keinen Funken Talent dazu. Weil ihn das Bekümmert, ahmt er vielleicht immer wieder ungelenk etwas nach, was er eigentlich nicht kann, aber dass es eine bewusste Entscheidung war, glaube ich nicht.

Mr. Fox
Mr. Fox
20. Mai, 2014 18:34

Hmmm – klingt ja erstmal schlau. Komischerweise wirken die Prequels (und auch teilweise schon ROTJ) noch viel Kinderfilm-mäßiger. Die Figuren sind noch einfacher gestrickt, die Handlung noch viel verkitschter. Da kommen die seltsam langweiligen und deplatzierten Weltall-Politik-Passagen noch unpassender daher.

Ich denke auch, wenn Lucas wirklich das große, das schwerfällige, tiefgründige Sci-Fi-Werk hätte drehen wollen, hätte er wie niemand sonst auf der Welt seit mehr als 30 Jahren praktisch alle Freiheiten, Mittel und Möglichkeiten dazu gehabt. Stattdessen haben wir JarJar Binks bekommen.

Vineyard
Vineyard
20. Mai, 2014 19:45

Vor allem:
Die besten Teile der Original Trilogie waren ja nicht 100%ig von ihm. Ist ja teilweise schon ironisch, dass die Fans eigentlich recht glücklich damit waren, dass George nichts mehr mit Ep. VII-IX am Hut hat.

(Stattdessen flennen sie nun über die Dekanonisierung des gesamten Nicht-Film/TCW EU Materials.)

DJ Doena
20. Mai, 2014 20:15

Um mal brutal ehrlich zu sein, ich hätte es genau andersrum interpretiert:

"Ich habe einen Kinderfilm gedreht!" … 'Warum also nehmen die Leute das so ernst und warum sind so viele Erwachsene von der Story begeistert?'

Denn mit Episode 1 hat er sich ja dann seinen Traum erfüllt, er hat einen puren Kinderfilm gedreht mit "space rabbits", welches in Poo-poo tritt und kleinen niedlichen Kindern, die Autoscooter fahren…

Sir Bolognez
Sir Bolognez
20. Mai, 2014 20:49

Also wenn ich an seinen „THX 1138“ denke…
dann könnte es schon sein…

Ich weiß noch wie überrascht ich von THX war,
weil er so ganz anders war als Star Wars.

Und wohlmöglich hat er in Episode 1-3 dann absichtlich kindliches
eingestreut, weil er keine 180° Wende machen konnte
und so meinte das Star Wars feeling (wie er es versteht)
aufrecht zu erhalten.

Das würde für mich die tonale Unausgewogenheit
der neuen Episoden erklären. Also auf der einen Seite
Jar Jar und auf der anderen tote Jedi-Kinder in Episode 3.

&

Vielleicht hat er kein neues Universum erfunden,
weil die Star Wars Figuren eine Herzensangelegenheit sind?

Exverlobter
Exverlobter
20. Mai, 2014 21:33

Jetzt bin ich verrwirrt. Wollte George Lucas nicht von Haus aus stets Star Wars kindgerecht machen? Und war zufrieden damit?

Empire Strikes back, der erwachsenste Film der OT, George Lucas fand den lustigerweise am wenigsten gelungen (er war nachweislich an dem Film von allen Star Wars Filmen am wenigsten beteiligt). Deswegen war er für Return of the Jedi auch wieder mehr am Micro-Management der Saga beteiligt. Das Resultat mit Ewoks und anderen Muppet Einlagen kennen wir.

Episode 1 IST ein Kinderfilm! Die OT kann man als junggebliebener Erwachsener noch genießen, bei Phantom Menace ist das unmöglich.
Auch Episode 2 würde ich eher in dieser Kategorie einordenen, wenn nicht ganz so offensichtlich wie beim Vorgänger.
Kritik wies er stets ab mit der Aussage, das Star Wars seiner Meinung nach eben kein Terminator oder Alien Franchise sei, und das deshalb sowas wie Jar Jar Binks Binks absolut seine Existenzberechtigung hat.
DIe Fans wollten es erwachsener, und Lucas stellte sich dagegen.
Nur bei Revenge of the SIth ließ sich ein Kinderfilm aufgrund der Story nur bedingt verfilmen.
Bei den meisten anderen ist es aber so. Und Lucas war (scheinbar) damit stets zufrieden, verteidigte das Franchise gar oftmals vor der TEndenz auf ein Erwachsenes Publikum zu zielen.

Howie Munson
Howie Munson
20. Mai, 2014 22:09

Schorschi hat soviel widersprüchliches zu Star Wars verlauten lassen, dass ich das seit Jahren nicht mehr ernst nehmen kann. Mal sollte es in zwölf Teilen um tausende Jahre gehen, die auch schon grob umrissen seien, dann doch nur 9 Filme und in den Nuller Jahren ging es auf einmal immer nur um Anakin und ein siebter Teil wäre undenkbar…

Dann das Ding inklusive LucasArts noch an Disney zu verkloppen, schließt für mich eigentlich aus, dass er Star Wars nur wegen der ungeliebten Zielgruppe "kindlich" weitergemacht hat. (Und zweiwelhaft ist auch, dass er am Star Wars Universum oder an seiner eigenen Glaubwürdigkeit sonderlich hängt.)

Wieso zum Geier kam er nicht schon 1980 auf die Idee Familien-SF lieber Disney zu überlassen und mit dem Geld was "ernsthaftes" zu tun?

@Vineyard: Ist wahrscheinlich das beste, wenn Disney alles dekanonisiert, dann macht sich wenigstens keiner falsche Hoffnungen.

perseus
perseus
20. Mai, 2014 22:27

Ja wenn die Prequels den Versuch eines Filmemachers darstellen sollen, sich von kindgerechtem Sci-Fi zu emanzipieren.. dann ähm wäre das die größte Pointe der Filmgeschichte überhaupt.

Okay, vorstellbar das Lucas dachte, dass mit dem Themen von Handelskonflikt, Niedergang einer Demokratie die ganze Sache automatisch unglaublich erwachsen und total genial intellektuell ist. So wie wohl Ridley Scott denkt, dass Prometheus der total hintergründige Mystery-Scifi ist, weil alles am Ende so wenig Sinn ergibt.

Wortvogel
Wortvogel
21. Mai, 2014 09:07

Ich sollte vielleicht noch mal konkretisieren, dass es nicht darum geht, dass Lucas die Wende geschafft hat. Natürlich ist er mit dem Versuch, das SW-Universum deutlich komplexer zu gestalten, gescheitert. Aber ist der Wille, ein "Foundation"-artiges Werk zu schaffen, seine Motivation gewesen?

Kai
Kai
21. Mai, 2014 10:11

Ob das die Motivation von GL war, kann wohl nur er selbst beantworten. Er hat das dann aber meiner Meinung nach sehr gut kaschiert. 🙂

Wenn er das wollte, hat er sein Talent dafür sicher überschätzt. er hätte das besser wie Roddenberry machen sollen. Als Mastermind und Übervater die Fäden und den "Spirit" zusammenhalten und ansonsten sich ein paar kreative Autoren suchen. Einen Mangel daran (wenn man an das "Expanded Universe" denkt) gibt es ja nicht.

Wortvogel
Wortvogel
21. Mai, 2014 10:32

@ Kai: Die erste Hälfte deines Kommentars unterschreibe ich, aber der Verweis auf Roddenberry ist wirklich albern – Star Trek ist das mit Abstand unaugegorenste und vagste Universum der SF-Geschichte. Da werden in Hunderten von Episoden nicht mal die wichtigsten Grundlagen angeschnitten.

Goran
Goran
21. Mai, 2014 11:32

Wenn man sich die "Phantom Menace" genau betrachtet, dann halte ich die These, dass GL gerne komplexere Politik behandeln würde, für gut möglich.
Allein, ich habe den Eindruck, dass ihm gar nicht bewusst ist, wie Politik darzustellen wäre.

Sein Blick auf die Intrigen ist teenagerhaft, und damit schlägt sich gut die Brücke dazu, warum wir Jar Jar Binks und Ewoks hatten.
GL hat sich in seinem Blick auf die Welt nie allzu weit von den Geistesblitzen entfernt, die doch jeder in seiner Jugend mal für Gold hielt.
Natürlich blitzt da mal ein komplexes Konzept auf, das ganze Thema einer Machterlangung im Senat durch einen angezettelten und eigentlich vorgetäuschten Krieg ist ja im Kern spannend, aber der Umgang damit bleibt eben eher oberflächlich bis ungeschickt.

Schaut her schaut her, Intrigen über Intriii……SHINY TAUNTAUN…..SPACESHIP RACERS…….WHEEEEE

(P.S. nutzlos und am Rande: Im Original hat der Titel Phantom Menace eine so schöne Komponente zur Handlung, die die deutsche Übersetzung hier mit Dunkle Bedrohung mal wieder nicht erkannt hat. Phantombedrohung hätte doch alle Elemente enthalten, auch nicht ungeschickter geklungen und wäre wenigstens nicht grob dumm gewesen.)

Mencken
Mencken
21. Mai, 2014 11:37

Sehe das wie Peroy, wenig überzeugende These, wenn man bedenkt, wie infantil die Prequels ausgefallen sind. "THX 1138" zeigt zudem ja, dass Lucas es durchaus auch anders kann (oder konnte) und selbst einen "Pulp-Stil" erkenne ich auch nur in stark abgemilderter Form, wenn man die Filme z.B. mit Indiana Jones vergleicht.
Maximierung von Merchandisemöglichkeiten scheint mir die deutlich naherliegende und plausiblere Erklärung zu sein.

Wortvogel
Wortvogel
21. Mai, 2014 12:03

Ich halte gerade den mehrfachen Hinweis auf "THX 1138" für verfehlt – der Film ist als Utopie nicht weniger rudimentär als "Star Wars", eine bis auf die Knochen abgenagte "1984"-Version, die teilweise auch Lucas' mangelnden Möglichkeiten zum Zeitpunkt der Entstehung geschuldet ist – sicher erwachsener als "Star Wars", aber kein Versuch, eine größere Utopie zu bauen.

jimmy1138
jimmy1138
21. Mai, 2014 12:09

Lucas' Stärken waren doch mWn immer im Visuellen (Kamera und Schnitt). Bei "A New Hope" hat er ja auch hinsichtlich der Geschichte (und anderer Aspekte) – z.T. auch von ihm zugegeben – kräftig geklaut. Die klassische "Hero’s journey", dazu noch Grundkonzepte von Kurosawas "Hidden Fortress",… Und in meinen Augen ist nichts falsch daran, eine mitreißende Geschichte nach klassischem Muster gut erzählt zu haben oder sich von anderen inspirieren zu lassen.
Und bei dem Thema kann man auch gleich wieder die alte Diskussion "Star Wars – Science Fiction oder Fantasy" aufblitzen lassen ;). Ich halte Technologie wie Raumfahrt nicht für essentiell, was die Geschichte betrifft. Bei einem "echten" Science Fiction Film sollte Technologie (bzw daraus resultierende Gesellschaftsveränderungen) die Triebfeder für die Story sein.

Mencken
Mencken
21. Mai, 2014 12:11

@Wortvogel: Das ist dann aber wieder eine Frage der Umsetzung und nicht des Willens. "Thx 1138" ist eindeutig als Dystopie konzipiert und als solche nahezu zwangsläufig auch primär mit gesellschaftlichen Mechanismen beschäftigt, was mir zumindest für die (grobe) Einordnung "Richtung Asimov/seriöse Sci-Fi" reicht.

Wortvogel
Wortvogel
21. Mai, 2014 12:28

@ Mencken: Das sehe ich gar nicht so. Es geht Asimov um "world building" – etwas, das "Star Wars" letztlich deutlich aufwändiger macht als "THX 1138", wo wir nur einen minimalen Ausschnitt einer in sich nicht logisch wirkenden Welt zu sehen bekommen. Mit dem Rückgriff auf Asimov ist nicht "düstere" SF gemeint, sondern eben der Versuch, eine Welt in ihrer frustrierenden (auch moralischen) Komplexität zu bauen.

Mencken
Mencken
21. Mai, 2014 12:52

@Wortvogel: Ich sehe Asimov auch nicht als Vertreter der "düsteren" Sci-Fi, sondern als Vorzeigeautor der ernsthaften Sci-Fi, denke aber, dass während zwar nicht jede ernsthafte Sci-Fi auch düster sein muss, düstere Sci-Fi umgekehrt immer auch den Anspruch, ernsthaft zu sein, in sich trägt (Alien, Event Horizon usw. nehme ich da aus, gehört für mich zum Horrorgenre).
Dementsprechend hat auch "THX 1138" diesen Anspruch und versucht als Dystopie ja sogar ganz explizit eine komplexe Welt zu bauen, wohingegen Star Wars für mich in dieser Hinsicht gewollt beliebig ist – wie Jimmy1138 ja schon anmerkte, könnte das Star Wars Universum auch problemlos als Fantasy laufen und beinhaltet ja auch ganz bewusste Rückgriffe auf klassische Märchen/Sagenwelten, die jedoch stets nie über die reine Erwähnung von Archetypen hinausgehen. Star Wars ist letztendlich als Open World konzipiert, wo theoretisch alles geht (wenn es unterhaltsam ist), aber dies muss natürlich auf Kosten der Komplexität gehen.

Andy Simon
Andy Simon
21. Mai, 2014 12:55

Aus einem Interview mit Gary Kurtz:

"IGNFF: From your personal experience, how would you compare the George you worked with on American Graffiti to the George you worked with towards the end of The Empire Strikes Back?
KURTZ: It was quite different, actually. He was very different. I think the most unfortunate thing that happened was the fact that Indiana Jones came along, and Raiders of the Lost Ark had come out in between. George and I had many, many discussions about that, but it boiled down to the fact that he became convinced that all the audience was interested in was the roller-coaster ride, and so the story and the script didn’t matter anymore. "
(Quelle: http://www.ign.com/articles/2002/11/11/an-interview-with-gary-kurtz?page=2 )
Zwischen SW4, Indy Jones und Willow hatte GL Erfolg mit "Heldenreise"-Filmen, die ihn vielleicht (siehe oben) etwas zynisch gemacht haben, was das Publikum anging. Ich glaube, dass GL immer hin- und hergerissen war zwischen seinen Ambitionen, seinen Möglichkeiten, aber auch der Tatsache, dass Misserfolge wie Howard The Duck und Radioland Murders ihm zeigten, dass nicht alles, was seinen Namen trug, ein Erfolg sein würde. Vielleicht war der Versuch, etwas Foundation-Epik in die Prequels zu bringen, tatsächlich seine Methode, mit dem Gedanken umzugehen, dass man Anspruch an den Zuschauern vorbeimogeln muss?

Wortvogel
Wortvogel
21. Mai, 2014 13:06

@ Andy Simon: Gary Kurtz hat Grund genug, schmutzige Wäsche zu waschen. Lucas' Fokus auf die Heldenreise war nie ohne Probleme – siehe "Willow", der eben kein großer Erfolg war. Und schon bei den "Young Indiana Jones Chronicles" ging es Lucas mehr um Bildung als um Achterbahn.

Anderl
Anderl
21. Mai, 2014 23:13

Star Wars ist Fantasy und wie gut die Story als Fantasy funktioniert, beweist doch Eragon recht gut. Die Parallelen zu Episode IV sind mMn unübersehbar.

Was jetzt nicht heißen soll, dass Eragon ein guter Film ist.

Jor
Jor
22. Mai, 2014 11:01

Interessante These, aber wie viele vor mir schon geschrieben haben, warum ist dann Ep.1 noch mehr ein Kinderfilm geworden als die alten Filme.

Vergleicht man alleine den Kampf der Evoks gegen die Sturmtruppen,mit dem Kampf der JarJar Dingse gegen die Roboter. Während bei den Evoks Tod, Unterlegenheit und die anschließende Wende mich zum Schlucken, Jubeln und lachen brachte, reagierte ich auf den JarJar Kampf, der versucht lustiges rein zu bringen, mit Emotionslosigkeit. Glaube am Ende sieht man nicht mal einen toten JarJar Typen.

Eps.2+3 die politschen Tricks und Übernahme der Macht hatten durchaus Potential, auch die Argumente das ein "guter" Diktator besser ist als eine "lähmende" Demokratie wurde viel zu wenig behandelt und nur mal kurz angerissen und Enden direkt mit der empörten Padme. Der Wandel von Anakin zu Vader hätte hier viel mehr Grundlage gehabt.

Allerdings habe ich die Filme schon lange nicht mehr gesehen, vielleicht schaue ich sie noch mal vor dem Hintergrund und der These im Kopf an.

Kastanie
Kastanie
22. Mai, 2014 13:19

Meine Meinung: die neueren Episoden haben einfach hundsmiserable Drehbücher. Alles wird behauptet, zurecht gebogen und die Charaktere sagen und verhalten sich je nach Belieben immer so, wie es eben als Plotpoint zu funktionieren hat. Man merkt besonders bei Episode 3 mehr als deutlich, dass Lucas auf Biegen und Brechen das irgendwie so hinbiegen musste, dass am Ende halt Padme stirbt, Lea und Luke weggeschafft werden, Yoda ins Exil geht und Darth Vader aufersteht. Und das macht er dermaßen ungeschickt und gezwungen, dass es einen fassungslos macht. Das meiste wird dann einfach mit Dialogen "erklärt" (Druide sagt, Padme hat einfach keinen Lebenswillen mehr, Yoda denkt sich einfach, ich gehe ins Exil, weil ich ja verloren habe, Schande, der ehrbare Obi Wan lässt seinen ehemals geliebten Schüler jämmerlich krepieren, weil er ja nicht richtig sterben darf…). Das ist Murks im Quadrat und ein fähiger Autor hätte es sicher eleganter geschafft, die Verknüpfung zur alten Trilogie herzustellen. So wirkt Lucas wie ein talentloser Autor, der gefangen ist in den Vorgaben, die er sich damals selber auferlegt hat. Vielleicht ein weiterer Beweis, dass er die Vorgeschichte eben hätte nicht erzählen brauchen. Es passt nix.

Martin Däniken
Martin Däniken
23. Mai, 2014 14:35

G.L. war ein paarmal mit seinen Filmen zur rechten Zeit und am rechten Ort.
Was ihm (vielleicht) nicht bewusst ist und war eine Kontinuität in sein Schaffen zubringen…und das ärgert ihn und er müsste eigentlich stolz sein!
Evtll hat er auch einen blinden Fleck wie wir Normalos in Bezug auf das eigene Schaffen?! Wie blasphemisch;-).

Evo2Orange
Evo2Orange
23. Mai, 2014 17:11

Jungs und Mädels…ich lag vor wenigen Wochen krank zuhause und habe mir tatsächlich mal nur Episode I-III gegeben. Am Stück. Und aus der Perspektive stellt sich einiges völlig anders dar als aus meiner Erinnerung. Wo Episode IV-VI ein völliges Schwarz-Weiß-Universum malen, gibt es in den Prequels deutlich mehr Grau. Einige Bausteine sorgen für lose Fäden, die erst später verknüpft werden, wie zum Beispiel der zurecht verhasste JarJar Binks. Er ist nicht nur der Idiot, der für Slapstick sorgt, sondern in erster Linie der Idiot der aus dem Kanzler den Imperator macht!
Auch der Rat der Jedi ist nicht ausschließlich gut, genauso wenig wie die Sith nur bösartig. Gerade Count Dooku zeigt ein ziemlich ambivalentes Verhalten, wenn man die "Clone Wars" bei seiten lässt könnte er genauso gut ein Doppelagent in eigener Mission sein.

Howie Munson
Howie Munson
23. Mai, 2014 20:35

Wo Episode IV-VI ein völliges Schwarz-Weiß-Universum malen, gibt es in den Prequels deutlich mehr Grau.

Bei der special Edition hat Schorschi extra dafür gesorgt das Han nicht mehr zuerst schießt, wäre ihm EP.4 "schon immer" zu schwarz-weiß gewesen, hätte er eher das Gegenteil machen müssen und Han völlig grundlos schießen lassen.

[JarJar Binks] ist nicht nur der Idiot, der für Slapstick sorgt, sondern in erster Linie der Idiot der aus dem Kanzler den Imperator macht!

eben genau deswegen kann ich die Prequels nicht ernst nehmen: JJB bekäme von niemanden der schlauer ist als JJB das Stimmrecht übertragen… Und die Intrige vom Imperator enttäuscht ziemlich , wenn man JJB braucht, damit sie durchkommt.

Vom sechsjährigen Universalgenie das Roboter zusammenschraubt und der beste Rennfahrer vom Planeten ist, fang ich lieber gar nicht erst an.

perseus
perseus
24. Mai, 2014 23:26
Dietmar
2. Juni, 2014 10:09

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass er am Ende mit seiner Leistung unzufrieden ist. Selbstzweifel des Künstlers nach Erschaffen des Werks und Unzufriedenheit treten ja schon mal auf. Aber besser gemacht hat er es ja nun nicht, eher im Gegenteil. Also kann man ja in Anbetracht dieser Verschlimmbesserungen vielleicht froh sein, dass der erste Film nicht so genial wurde, wie er sich Genialität wohl vorstellt und er quasi versehentlich etwas Stilbildendes geschaffen hat.

Aber für Star Wars gilt, dass der Film vor allem auch durch seine Musik funktioniert (neben den Schauwerten). Allein schon die Charakterisierung von Yoda ist grandios. Wenn die Chemie zwischen den Charakteren, die immerhin etwas ist, was ein gewisser Nachahmer übersehen hat, nur zufällig hinhaute, ist das erfreulich.