Ich war beeindruckt von den konstruktiven und positiven Kommentaren zum ersten Teil dieser kleinen Reihe. Vielleicht liegt es daran, dass es leichter ist, sich zu konkreten Vorschlägen zu äußern als zu der weiter verbreiteten schwammigen Kritik am Status Quo. Wie Linus von den Peanuts mit einem Schild „Ich bin dagegen!“ rumlaufen kann schließlich jeder. Findet auch immer Anhänger.

Heute mache ich mir ein paar Gedanken über Kultur und Bildung.

Kulturkanon als politische Bildung neu definieren

Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung kann man sich super Informationen holen, kostenlose Bücher, Schriften über die Arbeit der Regierung. Weiß nur kaum einer. Und weil es prima zur Diskussion über die Kulturförderung passt, habe ich mir dazu einen Vorschlag ausgedacht.

Die Bundeszentrale für Politische Bildung wird umgebaut zur Bundeszentrale für Bildung und Kultur. Sie organisiert die Ausstellungen in staatlichen Museen, stellt einen Kanon aus historischen Werken zusammen (Bücher, Gemälde, Urkunden), der digital zugänglich gemacht wird und verwaltet eine wachsende Sammlung an Kanon-Produktionen. So werden die großen deutschen Theaterstücke in HD abgefilmt und den Bürgern als Streams zugänglich gemacht. Außerdem werden sie in Museen in eigenen Sälen am laufenden Band gespielt, so dass Bürger Hochkultur genießen können, ohne in teure Theater gehen zu müssen. Denn ich erkenne das Recht auf solche Aufführungen an – nicht aber das Recht, dass man sie live sehen dürfen muss.

Es könnte die Bundeszentrale für Bildung und Kultur sein, die Lehrmaterialien vom Kindergarten bis zur Uni kostenfrei und digital aufbereitet (siehe nächster Punkt). Sie ist Hüterin des Kanon – weshalb in ihrem Vorstand auch Menschen aus allen Schichten und Bereichen sitzen sollten, die (neben Historikern) eine dauernde Diskussion führen, was jedem Bundesbürger an Material über sein Land und zur eigenen Weiterbildung kostenlos zusteht. Dazu gehören nicht nur dröge Bücher und Digitalbilder alter Meister, sondern auch eine unabhängige Monatszeitschrift zur Zeitgeschichte.

Ziel muss es sein, dem Bundesbürger kostenfreien Zugang zu Kultur, Geschichte und Politik dieses Land zu ermöglichen. Weil Bildung nicht nur was für Schulkinder ist und in dieser Basisform auch nichts kosten darf.

Vereinheitlichung des Schulsystems

Ich bin ein Freund des gemäßigten Föderalen Systems, wie wir es hier in der Bundesrepublik haben. Ich will auch an der Souveränität der Bundesländer nicht generell rütteln. Ich denke aber, dass sich die Hoheit der Länder in vielen Bereichen überholt hat, kontraproduktiv geworden ist. Besonders auffällig finde ich das in den unterschiedlichen Schulsystemen. Ich kann mich gut erinnern, dass viele bayerische Schüler in den 80ern nach NRW umsiedelten, weil dort das Abitur (besonders an den Gesamtschulen) erheblich einfacher war. Das KANN nicht Sinn der Sache sein. Schüler in vergleichbaren Klassen brauchen einen vergleichbaren Wissensstand, ein vergleichbares Niveau. Wenn ein Schüler in Hamburg ein Abi mit 2.0 macht, darf das nicht unter völlig anderen Voraussetzungen geschehen als in Bayern. Hier muss die Vielfalt hinter der Fairness zurück treten.

Die bundesweite Angleichung würde auch die Erstellung eines Kanons und die Bereitstellung von kostenlosen Materialien durch den Staat erheblich erleichtern. Von den Kosteneinsparungen mal ganz abgesehen.

Neues „historisches Urheberrecht“

Ich bekenne mich zu einem zeitlich begrenzten Urheberrecht. Das kann bei Büchern 50, aber gerne auch 75 oder 100 Jahre gelten. Vielleicht auch nur 25? Da müsste man drüber diskutieren. Aber ich bin der Meinung, dass dieses Urheberrecht danach auf jeden Fall erlischt und die Werke gemeinfrei werden. Eine Auswertung durch Stiftungen und Erben ist ausgeschlossen.

Wichtiger aber: Das Urheberrecht wird ein Bringschuldrecht. Damit meine ich, dass ein Werk als gemeinfrei gilt, wenn sich ein Urheber nicht (mehr) ermitteln lässt. Das hätte den Vorteil, dass z.B. die Deutsche Nationalbibliothek ältere Werke digitalisieren und bereitstellen könnte, ohne gleich Klagen zu riskieren. Sollte sich doch noch jemand finden, der Rechte geltend machen will, kann der Status der Gemeinfreiheit zurückgezogen werden.

Grundlage dieser Idee ist meine Frustration, dass zuviel gedruckte Information der letzten Jahrhunderte in Archiven verschimmelt, weil die unsichere Rechtslage zu einer „lieber kein Risiko eingehen“-Einstellung geführt hat. Wir brauchen neue Gesetze, die verwaiste Werke zuerst einmal dem Staat in die Obhut geben, der sie für die Allgemeinheit zugänglich macht.

Eine solche Vorgehensweise wäre auch von unschätzbarem Wert für die Bereitstellung von Materialien durch die oben angesprochene Bundeszentrale für Bildung und Kultur. Ihr merkt schon – viele Ideen greifen durchaus ineinander.

Freigabe von „Mein Kampf“ und Nazi-Insignien

Das ist schwer und schmerzhaft. Es fällt mir nicht leicht, etwas zu verlangen, gegen das der Bauch so grummelt. Aber es gehört zur Demokratie und der angemessenen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, dass man sie nicht (und sei es nur in Teilen) zu verbieten versucht. Es ist wichtig, dass die Menschen „Mein Kampf“ lesen können, dass sie sich ein Bild machen können – und sei es in einer annotierten Variante der Bundeszentrale für Bildung und Kultur. Es ist schädlicher, über das Buch zu sprechen, es aber wie die Bundeslade bei „Indiana Jones“ zu behandeln. Zumal jeder sich eine digitale Version im Ausland ergooglen kann. Es ist an der Zeit, sich dieser Verantwortung zu stellen, statt sie den Rechten kampflos zu überlassen.

Sollte man die Darstellung der Symbole verbotener und verfassungswidriger Organisationen zulassen? Ich denke schon. Weil eine starke Demokratie das aushält und weil ich glaube, dass wir eine starke Demokratie haben. Es ist sowieso albern, aus jedem Comic und jedem Videospiel, das in Deutschland erscheint, etwaige Hakenkreuze zu retuschieren. Eine Freigabe hilft auch, die davon begeisterten Arschlöcher leichter zu identifizieren.

Angesichts der Unerträglichkiet, die z.B. für einen ehemaligen KZ-Häftling die Rückkehr des Hakenkreuzes in unsere soziale Sphäre bedeuten muss, würde ich diese Freigabe allerdings auf 2045 verschieben. Dann lebt niemand mehr, der den Horror noch selber erlebt hat. Täter und Opfer sind Geschichte. Die Nachkommen müssen lernen, damit umzugehen.

Weil das bisher alles sehr versöhnlich klingt und ich die arg kontroversen Ideen vor mir herschiebe, setze ich zum Schluss noch mal ein Ausrufezeichen.

Lasst die Pandas sterben!

Ich bin Tierfreund, Tierschützer, Mitglied des WWF. Nach meiner Überzeugung tut der Mensch erst ein Bruchteil dessen, was gegenüber den anderen Kreaturen dieses Planeten seine gottverdammte Pflicht wäre. Eine globale Allianz ist nötig, um die Kollateralschäden von Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion gering zu halten. Jeder ist verantwortlich.

Gerade deshalb: Lasst die Pandas sterben. Und die bengalischen Tiger. Wir müssen uns auf Tiere konzentrieren, deren Überleben für die Ökosysteme unerlässlich ist. Wir müssen in Quantitäten UND Qualitäten denken. Die Beseitigung der gigantischen Müllteppiche im Pazifik und die Rettung von bestimmten Käfersorten mögen nicht so sexy sein wie der Erhalt von Knuddelbären – aber sie sind der vernünftigste Einsatz des Geldes, das wir zur Verfügung zu stellen bereit sind. Organisationen wie WWF kitzeln Millionen Spenden aus dem Schuldgefühl der Menschen angesichts der traurigen Pandagesichter – aber der Panda ist global gesehen wertlos und angesichts seiner notorischen Paarungsfaulheit vielleicht einfach dazu auserkoren, nur noch in Gen-Datenbanken und aufwändigen BBC-Dokumentationen fortzuleben.

Umwelt- und Tierschutz müssen pragmatischer werden, ergebnisorientierter, unsentimentaler. Weil sie nur dann auch effektiver werden.



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Kastanie
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Sehr schön. Gerade über den letzten Punkt habe ich mir so noch nie Gedanken gemacht. Erscheint mir sinnig und logisch.

Uli
Uli

„Eine Auswertung durch Stiftungen und Erben ist ausgeschlossen.“

Da bin ich sowas von dafür. Leider hat sich die einzige Partei die das mal ernsthaft angehen wollte („Piratenpartei“), inzwischen selbst zerlegt.

Tobias

Eine Kleine Anmerkung zum letzten Punkt (Umweltschutz):
Pandas, Tiger etc sind nicht vollkommen wertlos.
1) Diese Tierarten, die einen großen Lebensraum brauchen, zeigen relativ gut an, wie der allgemeine Zustand eines Ökosystems ist. Sterben sie aus, ist generell was im Argen.
2) Toppredatoren regulieren Ökosysteme. Ein Grund warum wir in Deutschland Jagd brauchen, ist dass wir keine Bären oder Wölfe mehr haben.
3) und mit Punkt 1 verwandt. Es ist extrem schwierig Menschen für das Schicksal abstrakter Ökosystem oder für Kleintiere zu interessieren, wohingegen soggenannte Emblematische Tierarten (Pana, Jaguar, Tiger, Elefant) vielen Menschen wichtig sind, so dass man durch die Hintertür ganze Öksysteme besser schützen kann (Außerdem kann man so wie von dir erwähnt Geld einsammeln). Die großen Reviere dieser Tierarten bedeuten auch, dass man quasi durch ein Schutzgebiet für z.B. Pandas ein ganzes Öksystem unter Schutz stellt, während bei kleineren Tieren die Gefahr der Fragmentierung besteht.

Insgesamt glaube ich, dass ich Konsequenzen bei deinem Vorschlag insgesamt eher negativ wären.

McCluskey

In diesem Beitrag finde ich prozentual gesehen mehr Übereinstimmungen mit meinen persönlichen Positionen als im ersten, ohne mir genau Gedanken gemacht zu haben, warum das so ist. Wahrscheinlich reines Bauchgefühl.

Was die Freigabe der verfassungsfeindlichen Symbole angeht, wäre mir zunächst einmal genug damit gedient, den Umgang damit in Publikationen oder den erwähnten Computerspielen zu entspannen. Ich bin beispielsweise Abonnent einer Zeitschrift für historische Luftfahrt und die gestalten ansonsten penibel genau gehaltene Dreiseitenrisse von Flugzeugen aus der Zeit des Dritten Reichs am Leitwerk halt unvollständig – wohl aus reinem Selbstschutz. Eine solche Vorgehensweise findet man auch bei Modellbausätzen

Desweiteren möchte ich mir bei den sogenannten „Vorbehaltsfilmen“ gern ein eigenes Bild über die Machwerke von Harlan, Riefenstahl und Co. machen, ohne gleich der vorgeschriebenen angeschlossenen Diskussionsveranstaltung beiwohnen zu müssen. Ich hab mir die berüchtigsten mittlerweile auf YouTube angesehen, ohne zum Nazi geworden zu sein. Ich denke einmal, Informationsfreiheit ist ein liberales Grundrecht.

Tante Jay

Grundsätzlich hast du Recht, es sind sogar einige sehr gute Dinge dabei.

Was die Pandas angeht und das „lasst sie aussterben“ – nein. Wir können Pandas retten UND den Müllteppich saubermachen. Es geht beides, MUSS beides gehen.

Denn was die Pandas für ein Ökosystem bedeuten, wissen wir nicht. Wenn wir erst feststellen, dass irgendetwas, was die Pandas tun oder nicht tun, wichtig sind um ein Ökosystem zu erhalten, ist es für dieses System bereits zu spät, wenn die Pandas ausgestorben sind.

Wir haben genug um beides zu retten. Mehr als genug. Wir sollten es auch tun.

Earonn
Earonn

Auch wenn es schade ist, dass die Pandas – scheinbar – lediglich einen Knuddelvorteil haben: mit ihm erreicht man Menschen, die sich angesichts eines Käfers nicht bemüßigt fühlen würden, über Naturschutz nachzudenken oder sich dafür gar – huch! – von ihrem lieben Geld zu trennen.

Die beiden Pandas im Zoo von Edinburgh (praktisch unser Nachbar – es ist toll, morgens beim Zähneputzen Affenrufe zu hören! ^^ ) sorgen für einen enormen Besucherstrom. Die Einnahmen kommen auch den anderen Tieren und wissenschaftlichen Projekten zugute. Der Zoo wird nur von einer Stiftung getragen, er wird nicht automatisch staatlich gefördert. Von Zoos mag jeder halten was er will, aber das Prinzip ist übertragbar.

Ich hab auch Bauchschmerzen, einer kompletten Spezies das Lebensrecht abzuerkennen. Mit der gleichen Argumentation können wir fordern, Epileptikern keine Medikamente mehr zu finanzieren. Soooo viel leisten wir Epis nämlich auch nicht für die Menschheit. Das Geld kann man sinnvoller in Malariabehandlung stecken, an der Menschen sterben, anstatt nur ab und an rumzuzappeln… (muss ich dazuschreiben, dass der letzte Punkt scherzhaft gemeint war? *schluckt ihre 400mg Carbamazepin).

Beim Rest stimme ich zu, eine Zentrale für Bildung und Kultur, die sicherstellt, dass alle Bürger des Landes Zugang zu Kultur, Wissen und Zeitgeschehen hat, wäre besonders erstrebenswert.

oibert
oibert

Auch hier wieder ein paar Punkte dabei die ich voll unterschreiben kann, bei anderen seh ich das wieder etwas anders.
Bei den Naziinsignien stimme ich nur teilweise zu. Diese sollten in künstlerischer Verwertung durchaus zugelassen werden, wie sie es teilweise ja schon sind. In Filmen ist es ja kein Problem sie darzustellen, während sie in Comics oder Computerspielen zensiert werden. Hier bin ich auf jeden Fall für gleiches Recht für alle.
Ausserhalb bin ich jedoch weiterhin dagegen, da würden sich nur ein paar Ewig-Gestrige dran aufgeilen jetzt wieder mit Hakenkreuzarmbinde durch die Gegend laufen zu dürfen.
Bei den Pandas seh ich es wie die meisten anderen Kommentatoren hier – sie haben eine Signalwirkung die überhaupt erst auf die Probleme aufmerksam macht, die eben ein paar Insekten oder anderes Viehzeug nicht haben
Beim Urheberrecht stimme ich die voll und ganz zu – 25-30 Jahre, dann Public Domain. In dieser Zeit wurde mit dem Werk mehr als genug verdient – oder auch nicht, aber dann spielt das auch keine Rolle mehr.
Keine Erben, keine Rechteverwerter…

Earonn
Earonn

@Wortvogel: die Frage ist doch, ob wir wirklich nicht genug Geld für beides haben. Ich gehe da eher mit Tante Jay konform. (Allerdings sterben sie nicht aus, weil sie zu faul zum Lümmeln sind, sondern weil ihr Lebensraum von uns zerstört wird. Sie haben es ja all die Millionen Jahre vor uns gut ausgehalten.)

Was den Müllteppich angeht gebe ich dir allerdings Recht: das ist ein enorm wichtiges Thema, das zuwenig Beachtung bekommt. Vielleicht sollten wir eine Pandazuchtstation auf dem Müllteppich bauen…

Tobias

@ Wortvogel:
Die Tatsache, dass der Panda und der Tiger am aussterben ist, hat nichts damit zu tun, dass diese Tiere mangelhaft sind, sondern liegt and der Tatsache, dass der Mensch in nie dagewesenem Umfang in Ökosysteme eingreift.
Wenn WWF sich dafür einsetzt den Lebensraum des Tigers zu schützen (Lebensraum ist auch die Formulierung die häufig gewählt wird), dann auch deswegen, weil man dann das ganze Ökosystem „rettet“. Nicht weil der Panda/Tiger etc für das Ökosystem notwendig ist, sondern weil diese Tiere nur dann überleben können wenn die Ökosystemfunktionen erhalten sind.
Es wäre super, wenn man die Öffentlichkeit für Insekten etc begeistern könnte, aber wer sich mal den öffentlichen Aufschrei ansieht, der passiert wenn ein Bauprojekt wegen Hamstern, Kröten oder Fledermäusen verzögert wird, der ist da schon eher pessimistisch.

Torsten

Das mit den Naziinsignien hätte nicht nur den Vorteil, die Spacken leichter identifizieren zu können, es würde zudem die für unsere Gesellschaft recht aufwendige Flut von Prozessen beenden, auch weil nicht wenige solcher Deppen meinen, erst mit einer einschlägigen Verurteilung richtig zur „Bewegung“ zu gehören.

Sir Bolognez
Sir Bolognez

@Wortvogel:

Der letzte Punkt mit den Pandas wird bei dir eigentlich nur durch
die Art & Weise wie du es sagst kontrovers
(zumindest für mein Empfinden).

„der Panda ist global gesehen wertlos“ ist eine Formulierung
welche die Debatte leicht in ein anderes Thema umkippen lässt.
„Wertlos“ ist hierbei wie ein Strichwort, wo viele automatisch
auf einen Gedankengang kommen wie ihn „Earonn“ (Eintrag 8) hat.

Wäre das kein Blogeintrag, sondern ein Buch wärst du
wahrscheinlich einen ziemlichen Shitstorm ausgesetzt.

Die provokative Überschrift hingegen find ich gut,
weil sie Verwirrung stiftet und ich als Leser dann erst recht genauer
hinschaue um Klarheit zu kriegen.
Für eine Kampagne beispielsweise fände ich das Recht Spannend ^^

Ich schweife vielleicht etwas vom eigentlichen Inhalt ab,
aber geht es ja auch darum wie man anderen etwas begreiflich macht.

Nikolai
Nikolai

„So werden die großen deutschen Theaterstücke in HD abgefilmt und den Bürgern als Streams zugänglich gemacht.“

Muss für diese Streams gezahlt werden?
Denn Subventionen gibt es ja nicht mehr 😉

Bei den Pandas bin ich skeptisch.
Nicht, dass ich es nicht genauso sehe wie du, sondern weil Naturschutz heute bei vielen Menschen über die Gefühlsschiene läuft und nicht über den Verstand.
Es heißt „Och schau mal, der arme Panda. Wie traurig er in die Kamera schaut. “ und schon wird der Geldbeutel gezückt oder ein Dauerauftrag eingereicht.
Anstatt dass die Menschheit Umweltschutz alleine auf Gründen der Notwendigkeit aufzubauen.

heino
heino

„Ziel muss es sein, dem Bundesbürger kostenfreien Zugang zu Kultur, Geschichte und Politik dieses Land zu ermöglichen. Weil Bildung nicht nur was für Schulkinder ist und in dieser Basisform auch nichts kosten darf.“

Was das betrifft, finde ich ja das „Haus der Geschichte“ in Bonn sehr toll. Da gibt es regelmässig sehr schöne Ausstellungen zu allen möglichen geschichtlichen Themen (ich war u.a. in den Ausstellungen zu „Satire in Deutscgland“ und „Science Fiction in Deutschland“) und das ist immer kostenlos.

Warum das Schulrecht nicht längerübergreifend angeglichen wird, ist mir schon lange ein Rätsel. Spätestens seit den ersten PISA-Ergebnissen sollte doch klar sein, dass der Mangel an einheitlichen Standards beseitigt gehört.

Kai
Kai

Ach die Pandas…

Ich lese immer „uns“ und „wir“. Zunächst einmal, rettet der WWF nicht alleine die Natur. Es ist ja nicht so, dass aller Regierungen der Welt ihren Etat an den WWF abdrücken und der macht sich ans Werk. Der Schutz der Ökotope der Pandas bswp. ist zunächst Aufgabe der chinesischen Regierung und die haben sicherlich das Geld. Mehr als genug dafür (soviel braucht man dafür gar nicht). Stocken aber lieber ihren Rüstungsetat massiv auf, schicken sinnlose Sonden zum Mond und versaubeuteln ansonsten ihre Umwelt gründlich.

Der WWF ist ohnehin nur eine Lobby des Umweltschutzes. Mehr als Leuchtturmprojekte können die auch nicht bezahlen. Aber, und da zeigt sich unser Wortvogel seltsam beratungsresistent, Leuchttürme haben Signalwirkung. Und der WWF kann in Verbindung mit wohlgesonnenen Regierungen darauf drängen, bzw. die Chinesen anregen, dass es eine ganz gute Idee wäre….

Ich weiß, das Manifest wurde ja geschrieben „ohne Rücksicht auf die Bezahlbarkeit“, aber ständig wird nun genau darüber gestritten. Zahlen wären jetzt hilfreich (auf die Schnelle: WWF 370 Mio Etat weltweit für 2006 – das ist mit Verlaub ein lauer Furz). Dieses Panda-Argument ist ein sinnloser Strohmann, auf den wir jetzt fleissig eindreschen.

Die Kosten Klimaerwärmung, Waldrodung, Meeresvermüllung und (viel, viel gefährlicher) Meeresübersäuerung zurückzudrängen oder gar zu beheben gehen in die 100e Milliarden. Inklusive Umbau der globalen Industrien und des Warenwirtschaftsverkehr. Da helfen die paar Millionen eingesparten „Panda-Dollars“ dann auch nicht.

„Umwelt- und Tierschutz müssen pragmatischer werden, ergebnisorientierter, unsentimentaler.“ Hmm sorry, aber irgendwie hast du ein seltsames Bild vom praktizierten Umweltschutz.

gerrit
gerrit

Du bist so irre nah am common sense, dass eine Kontroverse schwierig wird.
Finde mal heraus, warum manches davon nicht einfach schon gemacht wird, und du hättest einen Verschwörungstheorie-Thriller. 😉

Kai
Kai

@Wortvogel: Doch, das ist mir sehr klar und halte das deshalb als Aufhänger für ein Manifest für falsch und irreführend. Außerdem hast du allen Diskutanten immer wieder entgegen geworfen, weil man Geld und Zeit bspw. für Pandas vergeudet, wäre nicht genug übrig für „echten“ Naturschutz (oder so ähnlich).

Der Panda ist ein Strohman, habe ich doch geschrieben. 🙂

Es bringt nichts, argumentativ die vergleichsweise geringen Kosten für Inselprojekte wie den Pandaschutz gegen die immensen Anforderungen an den Schutz der Ozeane zu setzen und zu behaupten, weil wir uns bei (a) verzetteln, können wir (b) nicht erreichen.

Doch! Können wir! Wie du richtig sagst, brauchen wir nur den inernationalen Willen, das zu tun. Und die Pandas, Manatis, Sibirischen Tiger, etc. nehmen wir im Vorbeigehen mit.

Zuletzt, wer legt denn auf Basis welcher Erkenntnisse fest, welche Art es Wert ist gerettet zu werden und welche nicht? Du hast diese Know-how sicher nicht (no offense). Selbst ich als oller Dr. rer. nat. der Biologie (ich will das gar nicht so raushängen lassen) sehe mich außerstande dazu. Niemand kann das! Welcher Biologe kann den behaupten, er hat ein Ökotop vollständig verstanden? Und damit seinen „Wert“?

Kai
Kai

OK, verstanden.

Aber mal „back to the roots“. Dein Manifest war doch auch gedacht als „der Wortvogel erklärt, was er machen würde, wenn er König von Deutschland wäre“. Dahingehend sind nationale Projekte wie Panda und Co. irrelevant. Um welche Gelder reden wir denn dann? Einen Etat für internationalen Umweltschutz gibt es (in dieser Form) nicht im Haushalt, also muss man auch nichts verteilen.

Ist es das? Ein gesonderter Etat zu den (von dir) definierten Zwecken vs. verstecktem internationalen Umweltschutz über die Entwicklungshilfe?

Ich würde mal national mein Manifest entgegnen: gebt nicht Geld aus, um aufwändig Siedlungen und Naturschutz zu vereinen, lasst Dörfer sterben! Entvölkert (durch Umsiedelung bitte 🙂 ) aktiv Regionen in Deutschland, die nicht mehr wirtschaftlich tragfähig sind und renaturiert sie zu Reservaten a la Bayrischer Wald.

Und schon kommen Luchs und Wolf von ganz alleine zurück. Man muss hier jetzt nicht automatisch an Osterwieck denken.

DMJ

Der Punkt mit dem „Lebensrecht“ scheint mir etwas schräg forumuliert. Der WV meint ja nicht, die Pandas müssten weg, sondern nur, man solle keine unangemessen vielen Ressourcen auf diese verwenden, wenn man woanders mehr (und ganzheitlich bedeutsameres) erreichen könnte.
Vielleicht könnte man Publikumslieblinge wie Pandas von reichen Privatpersonen sponsorn lassen? Dann wären die außen vor und könnten sich auf dem Markt beweisen, was Algen, Fische oder Insekten nicht können. Wie schon gesagt: Ihr PR-Vorteil muss ja nicht ungenutzt bleiben.
Das halt nur in Fällen, wo sie in Konkurrenz zu anderem stehen. Wo sie nur das publikumstaugliche Symptom dafür sind, dass eine komplette Region zerstört wird, kann man die Pandas natürlich auch gut weiter nutzen, um darauf aufmerksam zu machen.

Beim Nazizeug sehe ich auch eine Unterscheidung nach Kontext. Es als politisches Symbol verboten zu lassen halte ich weiter für richtig, aber eben nicht als Zeichen an sich. Musterbeispiel eben Comics und Videospiele, die dank konservativer Gerichte noch nicht „sicher“ genug als Kunst anerkannt sind, so dass man dort immer wieder lächerlich retouschiert, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die Idee eines Theater-HD-Archivs befürworte ich hingegen natürlich ebenso, wie ein nicht vererbliches Urheberrecht. An sich bin dich durchaus dafür, sein Vermögen an Erben weitergeben zu können, aber das sollte sich auf materielle Sachen begrenzen.

Mencken
Mencken

Beim Nazizeug stimme ich voll zu, bei den Pandas teile ich Kais Meinung, der Rest ist mir so oder so ziemlich egal.

DMJ

Kann ich auch gut verstehen!
Aber soweit sehe ich doch den historischen Sonderfall schon ein, dass man seine Wiederholung im Keim ersticken will. Klar ist das Hakenkreuz da nur ein Zeichen und zu oft wird mehr auf solche Zeichen, als den Inhalt geachtet (wenn etwa Angriffskriege mit schrägen Hitlervergleichen gerechtfertigt werden sollen), aber hier scheint es mir doch gerechtfertigt, es komplett aus der politischen Landschaft zu tilgen. Denn auch wenn ein NPD-Typ nur Hinterbänkler mit kaum Stimmenmacht ist, könnte er das Hakenkreuz als Anstecknadel wieder in den Reichstag bringen und das wäre unerträglich.

Mieze
Mieze

Hmm .. erlischt das Urheberrecht nicht generell 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers und das Werk wird damit gemeinfrei ..? .. zumindest im Shirt-Druck-Bereich ist es eigentlich kein Problem, so alte Bilder oder Zitate zu verwenden. Es sei denn, jemand hat eine entsprechende Marke angemeldet, die können wohl unbegrenzt verlängert werden…

Jake
Jake

@Mieze
„erlischt das Urheberrecht nicht generell 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers und das Werk wird damit gemeinfrei ..?“

Das ist schon korrekt. Das Problem ist nur, dass alle, die ab 2016 das Buch tatsächlich veröffentlichen, eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung riskieren. Bin mir nicht sicher, wie es sich mit kommentierten Fassungen verhält. War ja eigentlich geplant, dass eine solche (sogar finanziell vom bayerischen Freistaat gefördert) veröffentlicht wird, aber dieses Vorhaben wurde glaube ich mittlerweile wieder „kassiert“. Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege.

Earonn
Earonn

Den Vorschlag von DMJ, Pandas und andere Projekte mit Niedlichkeitsfaktor auf den Privatsektor zu verschieben, halte ich für recht gut. Also: WWF und andere private Naturschutzorganisationen – oder Privatpersonen – kriegen die Pandas, und die staatlichen Umweltämter kriegen das ganze staatliche Geld. Keine Vermischung mehr, nix mit ‚Steuerreduzierung für Spenden an den Tierschutz‘.
Dann können die privaten Orgas das Geld für ihre ‚Luxusprojekte‘ durch Kuscheltierwerbung bekommen, und der Staat fängt diejenigen auf, für die nur Leute mit ‚echtem‘ Naturinteresse Geld spenden (was dann auch direkt an den Staat möglich sein sollte).

Ben
Ben

Ich bin mittelmäßig überrascht, dass noch niemand etwas gegen einen staatlich definierten „Kulturkanon“ gesagt hat. Mir macht die Idee doch einige Bauchschmerzen: eine so zentralisierte Macht wird über kurz oder lang ziemlich sicher missbraucht. Böse Zungen könnten vielleicht einwenden, dass auch hinter der aktuellen staatlichen Kulturförderung ein ebensolcher Selektionsmechanismus arbeite, aber zumindest die Idee, den Kulturkanon auch genau so zu nennen, geht mir persönlich zu weit. Kultur ist Pluralität.

Noch viel weniger kann ich verstehen, wie eine Welt ohne Theater in seiner ursprünglichen Form, auf einer Bühne, aussehen soll. Mal abgesehen davon, dass ein beachtlicher Teil der künstlerischen Leistung die jeweils aktuelle Inszenierung mit ihren Eigenarten und Ideen ist, war abgefilmtes Theater meiner Kultursozialisation gelinde gesagt überhaupt nicht dienlich. Film und Theater sind zwei verschiedene Medien mit unterschiedlichen Funktionsweisen (wem erzähle ich das), und ich habe letzteres erst in den entsprechenden Häusern lieben gelernt. Ich würde hier also gern eine Lanze für den Erhalt des Theaters in der Welt, an der wir gerade basteln, brechen!

Mieze
Mieze

@Jake
Ich meinte damit generell Wortvogels Forderung nach einem zeitlich begrenzten Urheberrecht – da klang es so, als ob es das noch nicht gäbe^^

Ben
Ben

Ich lese den Text schon entsprechend, dass städtische Theater nicht mehr subventioniert werden sollen, weil es kein Recht gebe, Theater live zu sehen. Wenn das Berliner Ensemble dann erstmal Stage-Theater-Preise hat, ist das eine ziemlich effiziente Art, Theater für einen großen Teil der Menschen faktisch unmöglich zu machen.

Terry Lennox
Terry Lennox

„Lasst die Pandas sterben!“: Ist angedacht, das als T-Shirt im Wortvogel-Online-Shop zu verkaufen? 😉

Ich bin da ganz bei dir. Vor allem aber: Lasst das Überleben der Pandas nicht unser Problem sein. Wir haben hier ökologisch unzählige Probleme, die hier vor Ort mit einfachen und gar nicht immer teuren Mitteln zu lösen wären. Da ist jeder Euro, der für die Pandas aufgewendet wird, ein verschenkter Euro. Pandas sind niedlich, deshalb könnte China Geld in diesen „Werbeträger“ investieren – oder es lassen.

Für ein paar Euro kann jeder, der einen Balkon oder Garten hat, Nisthilfen für Wildbienen aufhängen und ein paar Wildblumen aussäen. Das ist ein aktiver Beitrag für UNSERE Ökosysteme. Weniger Autofahren, ein selbst auferlegtes Limit an Flugreisen kostet nichts, außer ein wenig gutem Willen und ein wenig Verzicht auf den angewöhnten „Lifestyle“.

Das ist aber das Problem: 50 Euro für die Pandas, 500 Euro für den Flug nach China, um sie sich anzuschauen, und dann mit dem SUV zu Freunden, um denen die Fotos zu zeigen, und trotzdem fühlen sich die Menschen als Umweltschützer.

In Deutschland gibt es wieder frei lebende Wölfe. Manchmal, wenn ich Glück habe, seh ich auf meinen Wanderungen einen Maikäfer.

Ben
Ben

Im Manifest Teil (1) steht eindeutig, dass Subventionen der Kunst und dort beispielhaft ausgeführt dem Theater entzogen gehörten. Was mehr ist also die Reaktion auf den Satzanfang als inhaltslose Provokation?

‚Wo es kein “Recht auf Theater” gibt, gibt es auch kein Aberkennung eines solchen.‘

Ich bin nicht firm mit juristischen Details, aber wenn schon nicht als Gesetzestext, gibt es zumindest per Konsens ein „Recht“ auf gesellschaftliche, kulturelle, w/e Teilhabe. Zumindest geht ein so gelagerter (lächerlich kleiner) Posten auch in die Berechnung der Hartz IV-Regelsätze ein. Insofern wäre ich vorsichtig, diesen Aspekt so leichtfertig abzubügeln.

An der Aussage, an einem beliebigen Abend würde sich im städtischen Theater Theatersubvention als staatlich finanziertes Oberschichten-Amüsement entpuppen, habe ich mich schon in der ersten Ausgabe gestoßen: Schüler, Studenten und auch sozial Schwache sind in Berliner Häusern selbstverständlich Teil des Publikums. „Non-Argument“.
Im übrigen, in Bezug auf

„[..] diesen Bestandteil der Kultur auch Menschen zugänglich zu machen, die heute keine Chance haben, ins Theater zu gehen.“

Es gibt keinen Grund, das nicht auch trotz weiter geförderter Theater zu tun. Die Kosten für Aufzeichnung (einmalig) und Betrieb sollten sehr überschaubar sein.

Persönlich brauche ich die Museen, die auch schon ihren Auftritt hatten, ehrlich gesagt nicht. Freie Museumstage, wayne. In der Theaterargumentation: Auch die Exponate kann man, wo die 3D-Technologie ohnehin immer weiter fortschreitet (und immer mehr Menschen sogar einen entsprechenden Fernseher zu Hause haben), digitalisieren und schon bräuchten wir uns den Erhalt der Museumsgebäude nicht mehr leisten. Und trotzdem komme ich nicht auf die Idee, die Abschaffung der Museen zu fordern.

Grüße vom ignoranten Subventionsempfänger. Natürlich lebe ich von Subventionen. Wie jeder von uns. Gemeinwesen nennt man das. Aber nein, ich bin kein „Künstler“.

DMJ

@WV #32:
Ich gebe zu, die „Unerträglichkeit“ selbst ist kein sehr griffiges Argument.

Aber auch realpolitisch sehe ich da echte Probleme. Denn wir haben nun einmal schon jetzt Nazis in den Regierungen – äußerst wenige und ohne, dass sie eine echte Gefahr für die Demokratie darstellen, aber sie sind da. Würde das entsprechende Verbot aufgehoben, würden sich mit Sicherheit einige von denen voller Wonne Hakenkreuze anheften. Einen Imageschaden haben sie nicht zu befürchten, da ihre, zum Glück ja nicht soooo große Zielgruppe damit kein Problem hat und andere Leute sie eh nicht wählen würden.
Aber das hilft uns nichts bei der Außenwirkung.
Ein Typ mit Hakenarmbinde, der seine Sprechzeit bekommt, wäre ein gefundenes Fressen für die Presse im Ausland, die sich darauf stürzen würde und (ohne mit einer Zeile zu erwähnen, wie gering der Anteil dieser Partei ist) herausposaunen, dass es in Deutschland „schon wieder soweit“ sei.
Ein Land sollte tatsächlich zu seinen Idealen stehen, auch wenn die vom Ausland missverstanden werden können, aber das scheint mir einfach eine zu große diplomatische Last. Als Zeichen einer demokratiefeindlichen Richtung sehe ich das Hakenkreuz als etwas, was eine wehrhafte Demokratie abwehren darf.

Exverlobter
Exverlobter

Viele kennen die Bundeszentrale für Politische Bildung nicht.
Aber noch viel weniger kennen die Landeszentralen für Politische Bildung.

Je nach Finanzlage kriegst du da hochwertige Bücher sogar umsonst.
Bis vor 2 Jahren konntest du z.B. in München pro Jahr 10 Bücher einfach so mitnehmen. Das gibt es nicht mal bei der Bundeszentrale.
Mittlerweile wurde zumindest in München jedoch der Rotstift angesetzt, das heißt man muss auch bei den Landeszentralen einen gewissen Unkostenbeitrag pro Buch (circa 2 Euro) aufbringen.

DMJ

@WV:
Okay, das ist wahr, ich hatte die Hausordnungen vergessen.

Dennoch… eine Hakenkreuzparade wäre damit noch immer drin. Wie gesagt, ich bin auch dafür, weniger Äußerlichkeiten, als Inhalte zu bekämpfen, aber ein Symbol welches die direkte Feindschaft zum demokratischen Rechtsstaat ausdrückt, muss diese meines Erachtens dennoch nicht dulden. Mit solchen Verboten muss man natürlich vorsichtig und restriktiv umgehen, aber hier scheint es mir doch angebracht.

donvito0601
donvito0601

Ich kann viele Standpunkte des WV nachvollziehen, nur an einem stoße ich mich ziemlich und darum möchte ich auch nur zu diesem meinen Senf dazugeben.

Das Subventionen für Theater das Oberschichten-Amüsement sponsert, halte ich für verkehrt gedacht. Zumindest für den Norddeutschen Raum, kann ich als häufiger Theaterbesucher nicht sehen, das sich die Zuschauer aus dieser zusammensetzen. Ganz im Gegenteil, viele Jüngere als ich (27), manchmal Schüler, viele in meinem Alter, vom Anzugträger bis Kapuzenpulli ist alles dabei. Überwiegend sind die Vorstellungen voll, die Stücke gut.

Ich selber komme aus ziemlich armen Verhältnissen, etwa ein Dutzend Freunde die uns in Theater begleiten auch nicht aus der Oberschicht. Ohne Subventionen in der Breite, sowie der Eintrittskarten, hätte ich mir damals nie eine leisten können. Fallen diese jetzt weg, müssten viele Theater schließen vor allem außerhalb der großen Städte. Die Preise würden massiv erhöht, wie im Kino alles mit Werbung vollgekleistert oder nur noch populäre Fließbandvorstellungen mit mehr Plätzen produzieren werden, denke ich.

Wir können uns jetzt alle Karten für 20-40 EUR ein paar Mal im Jahr leisten, beim drei oder vierfachen würde jeder überlegen ob es das noch will. Schüler müssten über die anderen Karten mitfinanziert werden oder wegbleiben. Niedrigverdiener bleiben draußen. Grade das fördert das dann nur noch die Oberschicht ins Theater gehen könnte.

Warum sollte das andere interessieren? Nun weil ich finde das ein abgefilmtes Stück in HD, nicht ansatzweise vergleichbar ist mit realen Menschen auf einer Bühne. Warum gehen jeden Samstag, hunderttausende in Fussballstadien, wo die Spiele doch auch im Fernsehen zu sehen sind? Warum gehen die Leute noch ins Kino, wo man doch jeden Film günstiger Zuhause gucken könnte? Wozu teure Schwimmbäder überall, wo doch jeder ne Dusche hat. Und so weiter… Da könnte ich genauso fragen, warum ich als Steuerzahler die Polizeieinsätze dort bezahlen muss, warum Städte die Stadien mitfinanzieren und Vereine vor Insolvenzen retten. Warum Filme mit meinen Steuergeldern gefördert und Schwimmbäder querfinanziert werden….

Wir Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen von Kultur. Und wenn einer der reichsten Staaten der Welt anfangen würde aus Geldgründen, Förderungen grundlegend nur noch nach großen Gruppen auszurichten, dann würde das massiv den sozialen Frieden in Deutschland stören. Wo alle für „Kultur“ bezahlen, muss auch eine Gegenleistung kommen, die alle mitnimmt. Wie bei mir und vielen anderen z.B. die Theater 🙂

Peroy
Peroy

Kein Theater.

Kai
Kai

Mir ist doch noch was zum Umweltschutz abseits der leidigen Panda-Stellvertreterdiskussion eingefallen (wenn du denkst, der Panda paart sich kompliziert, lies mal beim Kakapo nach 🙂 ).

Was deutlich teurer ist, als der (vergleichsweise billige) Schutz von einzelnen, bedrohten Populationen und Ökosystemen, ist die Frage, wie man eigentlich auf klimabedingte und klar menschengemachte Bedrohungen durch sog. Invasoren reagiert. Also den massiven Vormarsch von Tieren und Pflanzen in Ökosysteme, in denen sie bisher nicht vorkamen. Europweit seien bspw. der Waschbär, das graue Eichhörnchen, Muschel- und Krebsarten oder Killeralgen im Mittelmeer genannt (die Karnickel- und Ochsenfroschplage in Australien kennen wohl auch die meisten).

Die Bekämpfung und Eindämmung diese Veränderung geht nun wirklich in Millionen und ist ohnehin meist vergebene Liebesmüh‘. Nimmt man das lieber hin und investiert man lieber darin, mit den Folgen zu leben oder erichtet man weiterhin Firewalls, die irgendwann sowieso fallen?

LHME
LHME

Zur Sache mit „Mein Kampf“ empfehle ich die Beschäftigung von Serar Somuncu mit dem Thema. Das ganze Buch dient bei richtiger Aufarbeitung eigentlich der Entzauberung der ganzen Mythenbildung als derzeit ein Verbot ( wobei ja nur der Erwerb verboten ist, der Besitz hingegen nicht ). Zu den Naziinsignien möchte ich noch folgendes anmerken: Es ist ja nicht so als wenn die entsprechende Klientel nun ohne Symbole dasteht Dresscodes, abgewandelte Formen, bestimmte Zahlen und Buchstabenkombinationen … die gibt es doch trotzdem. Einzig der Respekt vor überlebenden Opfern ( wie beschrieben ) stellt für mich einen nachvollziehbaren Grund für ein Verbot dar, das ansonsten nur einer Glorifizierung förderlich ist. Des Weiteren sind doch ( siehe übrige Kommentare ) nicht die Symbole das Problem sondern die Ansichten und Einstellungen derer die sie zur Schau tragen. So gesehen wird dieser Teil 2 ( den ich wegen längerer Abwesenheit noch vor Teil 1 gelesen habe ) in sich noch geschlossener. Denn eine weitergehende Förderung der allgemeinen und geschichtlichen Bildung leistet mit längerer und entsprechend intensiver Wirkung diesen Ansichten von ganz alleine Vorschub. Wenn alle hier ein wenig umfänglicher informiert wären hätten die billigen Trigger der Nazis doch gar keine Wirkung mehr, weil dann eben jeder ( oder fast jeder ) sie relativ leicht als ausgemachten Blödsinn entlarven könnte. ( So nun Teil 1 reinziehen der hoffentlich das hält was Teil 1 verspricht : ))

HERDIR
HERDIR

Wow.

Danke.

Bisher dachte ich, dass ich selber auf nem feemden Planeten lebe, wenn ich iim Freundeskreis nur andeutungsweise diese Themen mit meiner Meinung dazu ansprach. … Schön das es die gleiche Meinung auch bei anderen gibt. tut gut.

Ich les jetzt mal den 1. Teil 🙂

Uli
Uli

Was mich ja interessieren würde: Was hast du denn am Sonntag mit deiner Einstellung gewählt? Eine Partei die zu 100% mit den eigenen Positionen überein stimmt, gibt es wohl nie, aber ich habe mich inzwischen schon mit 51% angefreundet.

Uli
Uli

Schade, das hätte mich noch mal interessiert, aber ist in Deutschland leider genauso tabu wie das Gehalt. Es soll ja Ehepaare geben, die voneinander nicht wissen was der Partner wählt, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Der „König von Deutschland“ hat natürlich den Vorteil, alles machen zu können wie er will, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Als Otto-Normal Wähler müssen wir hingegen abwägen, ob uns der Datenschutz den die Piratenpartei verspricht, wichtiger ist als der linke Mindestlohn usw.

sergej
sergej

“König von Deutschland”?
Rio Reiser weilt schon lange nicht mehr unter den Lebenden und Peter Fitzek, kann man den ernst nehmen?