03
Feb 2014

Kurzkritiken nachgeholt: Riddick, Ender's Game, Chinese Zodiac, Justice League War

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

RiddickNach dem völlig vergeigten "Riddick: Chroniken eines Kriegers", in dem aus SciFi-Survival-Horror plötzlich ein Frank Herbert’sches Eso-Epos gemacht wurde, besinnt sich David Twohy auf die Qualitäten, die den Erstling "Pitch Black" so erfolgreich gemacht haben – er setzt unseren liebsten Antihelden auf einem Planeten aus, dessen primäre Existenzgrundlage die Vernichtung Riddicks zu sein scheint und wirft noch ein paar Arschlöcher als Antagonisten in den Mix. Darin ähnelt die Trilogie den "Transporter"-Filmen, in denen ein charismatischer Muskelspacken in der ersten Fortsetzung unangemessen aufgeblasen wurde, nur um in Teil 3 wieder "back to the roots" zu gehen.
Mal abgesehen davon, dass weder die Figur noch die Franchise "Riddick" je wieder so frisch sein kann wie in "Pitch Black", macht der neuste "Stranger in a strange land"-Dosenbierfilm angemessen Spaß. Die Bilder wie von Frank Frazetta gemalt, die Story wie aus einem Corben-Comic für "Heavy Metal" (ohne Dödel – echte Fans wissen, was ich meine), creepy creatures, coole Sprüche – das "sitzt". Ein Weltraum-Western, der Motive von "Rio Bravo" und "The Alamo" referenziert, damit dank "Assault" den Bogen zu Carpenter schlägt und bei "Ghosts of Mars" landet, aber in besser. Das offene Ende lasse ich allerdings nur durchgehen, weil Teil 4 bereits in Entwicklung ist.

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Hatte ich mir nix von erwartet, kann ich aber jedem empfehlen, der seine SF muskelbepackt und sarkastisch mag.
Für das genaue Gegenteil wenden wir uns an…
enders-game-bigshotIch habe die Bücher nicht gelesen und sorry – Protagonisten im Hosenscheißer-Alter kann ich nicht ab. Darum fand ich "Spy Kids" albern, darum habe ich die "Cody Banks"-Filme ebenso ausgelassen wie "The Last Airbender". Selbst um die "Harry Potter"-Streifen habe ich mich ja zehn Jahre erfolgreich gedrückt.
Die erste Stunde scheint alle Befürchtungen zu bestätigen. Aalglatte Designer-SF eines Autors von fragwürdiger Reputation, die mit etwas weniger Aufwand auch als "Star Trek: Cadets"-Serie hätte verwirklicht werden können. Ein Mickerling als Protagonist und eine fragwürdige Martyrer-Militaria-Mentalität ließen in meinem Kopf schon das Schild "Hitlerjugend – Der Film" aufleuchten. Aber dann schafft "Ender’s Game" noch eine ziemlich solide Kehrtwende, stellt die eigenen Maximen in Frage und beschäftigt sich halbwegs glaubwürdig mit den Problemen der Moral in Kriegszeiten. So stolpert er etwas überhastet, aber immerhin noch in ein wenigstens ambivalentes Ende. Fragt sich nur, ob das zu dem Zeitpunkt die Zielgruppe noch schert. Ordentlich Schauwert hat’s auf jeden Fall.

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"Starship Troopers" für die Rotznasen-Fraktion, die auch mal Oberwasser haben will. "The Last Starfighter" für das neue Millennium. Kann man auf Scheibe entspannt mal weg gucken.
chinese-zodiacIch habe Jackie Chan irgendwann Mitte der 90er aufgegeben. Ich akzeptiere die Versicherungen von Freunden, dass er dann und wann noch Filme dreht, die gar nicht so schlecht sind, aber seit Jackie bei den Stunts doch gerne auf CGI-Unterstützung setzt und sich dem chinesischen Regime zum Büttel gemacht hat, verzichte ich lieber.
"Chinese Zodiac" aber musste ich gucken – weil es tatsächlich der abschließende Teil der grandiosen "Armour of God"-Reihe ist, in der Jackie Chan Indiana Jones, James Bond und Ethan Hunt gleichzeitig channelt. 23 Jahren haben wir Fans darauf warten müssen!
Und tatsächlich: "Chinese Zodiac" macht einen Heidenspaß, ist so knallbunt in seine Comic-Charaktere und seine absurde Disneyland-Version unserer Welt verknallt, dass man den papierdünnen Plot ebenso verzeiht wie die Karikaturen, als die Chan jede kaukasische Figur zeichnet. Es zählen Tempo, aberwitzige Stunts und modernste Gadgets – also genau das, was auch schon "Armour of God" und "Mission Adler" auszeichnete. Wirklich alles, was derzeit auf Elektronikmessen hyped, wird hier zum Zweck totalen Entertainments verwurstet – 3D-Drucker, Drohnen, Datenbrillen.
Natürlich ist mittlerweile auch hier ein wenig CGI dabei, beeindrucken mitunter die Einfälle für die Stunts mehr als die Ausführung – aber wie üblich zeigt der Nachspann, dass Jackie auch mit fast 60 Jahren noch Kopf und Kragen riskiert und mehr Akrobatik drauf hat als so mancher Olympionike halben Alters.

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Wer sich nicht über die plumpe Anbiederung an das chinesische Regime aufregt und die rassistische Darstellung aller Langnasen, die keinen Deut besser ist als die einstmalige Präsentation von Schlitzaugen in Hollywood, bekommt mit "Chinese Zodiac" einen federleichten, aber enorm unterhaltsamen Action-Cocktail in vielen Farben, mit wenig Alkohol, aber Kirsche und Schirmchen serviert. Prost.
JL War
Ah, endlich mal wieder ein neuer DC-Trickfilm, noch dazu von Jay Oliva, dem wir die überzeugenden Adaptionen von "Flashpoint Paradox" und "The Dark Knight Returns" verdanken. Diesmal geht es um eine neu gestrickte Origin Story für die Gerechtigkeitsliga (benutzt jemand den deutschen Begriff eigentlich noch?), in der sich die Helden erstmals treffen und gegen Darkseid zusammen schließen.
Kurz gesagt: mau. Das Chara-Design und die Animation nur auf TV-Standard, das Voice Acting deutlich unter dem Niveau der früheren Releases, die Story fade und primär aus Haudrauf bestehend. Wenig Pluspunkte: Ein paar hübsche Momente ergeben sich aus den Konfrontationen der Superhelden, besonders die augenblickliche sexuelle Chemie zwischen Superman und Wonder Woman ist gut gehandhabt. Auch die Kostüme finde ich gelungen.
Trotzdem wirkt das Projekt wie ein hingeschluderter Lückenfüller, B-Ware aus einem Universum, das an A-Story wahrlich nicht arm ist.

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Es gilt übrigens mittlerweile auch bei den DC-Trickfilmen: Nach dem Abspann sitzen bleiben, es kommt noch was. Wenn es auch in diesem Fall eher überflüssig und seltsam zusammenhanglos scheint.



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Schapi
Schapi
4. Februar, 2014 07:46

Ich finds toll, das Du zu Jackie Chan einen Cocktail mit Schirm und KIRCHE trinkst. 😉

Thorben
Thorben
4. Februar, 2014 10:26

Chinese Zodiak kam letzte Woche per Post an – werde ich kurzfristig mit Cocktail, Schirm und Kirsche genießen – und was ich mich drauf freue 🙂

heino
heino
4. Februar, 2014 10:53

"Ender`s game" fand ich erschreckend belanglos, da konnte auch das Ende für mich nichts mehr retten. Der Streifen hatte so eine hingeschluderte Jugendfilm-Dramaturgie Marke Disney (Ender gelingt wirklich alles ohne Schwierigkeiten und fast alle akzeptieren ihn grundlos von Beginn an als Anführer), das hat dem Film jegliche Spannung genommen.
Zu JLA:War kann ich nur sagen, dass die Vorlage von Geoff Johns und Jim Lee auch keine inhaltlichen Bäume ausreißt und sich bei Batman einen bösen out-of-charackter-Moment leistet. Und dass sie in dem Film Aquaman gegen Captain Marvel ausgetauscht haben, erscheint mir ziemlich sinnlos, denn gerade Aquaman als Aussenseiter des Teams war der große Pluspunkt.

Wortvogel
Wortvogel
4. Februar, 2014 11:12

@ Heino: Captain Marvel ist auch die Nervensäge des Film, weil besonders das Voice Casting der Kinder und Jugendlichen komplett in die Hose gegangen ist. Marvels Dialoge sind schmerzhaft.
Ich finde schon, dass Ender sich mühsam durchsetzen muss. Aber es ist und bleibt ein tonal unausgeglichener Kinderfilm.

Peroy
Peroy
4. Februar, 2014 12:15

Wie ich bereits schreibte: "Chinese Zodiac" ist so Over the Top-beknackt wie die beiden Vorgänger und Chan zeigt mit ca. 60 nochmal wo der Hqmmer hängt. Der Abspann ist dieses Mal außerdem wirklich glorios…

reptile
reptile
4. Februar, 2014 15:26

Riddick fand ich ganz OK und Chinese Zodiac hat richtig Spaß gemacht.
Jackie Chan kackt einfach Mal auf den Zahn der Zeit.
@Peroy
Ja, der Abspann ist wieder super, auch wenn es doch sehr nach Abschied klingt.

Marcus
Marcus
4. Februar, 2014 19:28

Tja, "War" basiert ja auch auf der Story, die die Justice League fürs New 52 ge-rebootet hat. War als Comic okay, hat aber dafür, dass es die erste neue #1 der ganzen DC-Line war und quasi als Flaggschiff für die ganze Sache gedacht, eher unterwältigt. Da hat die New 52-Continuity soooo viel besseres zu bieten.

Der Graslutscher
28. Februar, 2014 13:53

"Ich habe die Bücher nicht gelesen und sorry – Protagonisten im Hosenscheißer-Alter kann ich nicht ab. Darum fand ich “Spy Kids” albern, darum habe ich die “Cody Banks”-Filme ebenso ausgelassen wie “The Last Airbender”. Selbst um die “Harry Potter“-Streifen habe ich mich ja zehn Jahre erfolgreich gedrückt."
Das kann ich gut nachvollziehen – würde aber bei Ender’s Game dennoch eine Ausnahme machen, da zumindest in der brillianten Buchvorlage eines der zentralen Themen ist, dass das Wunderkind Ender um seine eigene Kindheit bestohlen wird. Und eben sehr erwachsene, berechnende Entscheidungen treffen muss, um zu überleben.
Zugegeben, der Film ist noch auf meiner Watchlist, gut möglich, dass diese Aspekte zu weichgespült rüberkommen oder fancy Kampfszenen im zero-gravity-Battleroom weichen müssen. Ich halte den Stoff dennoch für wesentlich erwachsener als Harry Potter, dem ich mich genau deswegen bislang auch kaum genährt habe 😉

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[…] ja, es stimmt auch, dass Jackie Chan als Produzent hier mal wieder massiv die antiamerikanische Stimmung schürt und China als seligmachende Gutmenschen-Nation […]

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[…] in den Markt gedrückt, die zwar nicht immer Gold waren, aber in den besten Ausprägungen eine Ahnung davon gaben, welche Power in den Figuren und Konstellationen des Verlags schlummert. Es sind […]