mm2013 Klein

Last Days on Mars

the-last-days-on-mars_filmplakat_en.previewEngland 2013. Regie: Ruairi Robinson. Darsteller: Liev Schreiber, Romola Garai, Elias Koteas, Olivia Williams, Johnny Harris u.a.

Story: Die Mitglieder einer Marsmission warten auf Abholung. Einer der Wissenschaftler entdeckt ausgerechnet jetzt Spuren von Leben auf dem roten Planeten. Schnell werden alle, die mit den Bakterien in Kontakt kommen, zu blutrünstigen Zombies. Am Ende bleibt nur ein Crew-Mitglied übrig – dahin treibend in einer Raumfähre und mit der bösen Ahnung, auch schon infiziert zu sein.

Kritik: Okay, das klingt ja alles auf dem Papier gar nicht so schlecht. Liev Schreiber ist ein Qualitäts-Schauspieler, der sich nicht für jedem Pamp her gibt, die Bauten und Effekte (siehe auch Trailer) sind fantastisch photorealistisch und „The Last Days on Mars“ gibt sich redlich Mühe, fast schon dokumentarisch präzise die Mühen und Wehen einer bemannten Marsmission zu illustrieren. Das hat was von „Operation Ganymed“, von „Europa Report“ – und so gar nichts von Action-Trash wie „Red Planet“.

Dumm nur, dass der Film nach der Einführung von Situation und Figuren mit einer Geschwindigkeit zu einem strunzdummen Zombie-Chaos mutiert, als sei er selber von „Resident Evil“ oder „28 days later“ infiziert worden. Jegliche Narrative wird zu Gunsten hysterischer Grunzerei, Türschlagerei und Blutspuckerei aufgegeben. Ähnlich wie im weniger ambitionierten „Red Sands“ bleibt die originelle Location Staffage für Horror-Standards, die man auch in jedem beliebigen Heizungskeller hätte inszenieren können. Selten habe ich eine derartige Diskrepanz zwischen Aufwand (Dreharbeiten in Jordanien!) und Anspruch gesehen.

The-Last-Days-on-Mars

Hinzu kommt, dass Regisseur Styles selbst die einfachsten Action-Szenen versaubeutelt, weil er weder weiß, wo man im Zweifelsfall die Kamera positionieren muss – noch, wie man das belichtete Material dann so zusammen schneidet, dass der Zuschauer das Geschehen auch nachvollziehen kann. Immer wieder bleibt völlig im Dunkeln, was passiert, wie sich die Figuren zueinander bewegen, wer sich wohin bewegt. Eine inkompetentere Regie ist mir lange nicht mehr untergekommen.

Wenn ein Film so wenig Substanz hat und so schlecht inszeniert ist, dann kann auch ein Liev Schreiber nichts mehr retten – er spielt fast schon verzweifelt gegen die ihn umgebende Inkompetenz an, verliert aber bei der beruflichen Ehrenrettung genau so wie beim Kampf gegen die Mars-Zombies.

Es bleibt die Frage, wie so ein schick aussehendes Debakel zustande kommen konnte. Ein Blick in die Credits lässt vermuten, dass hier findige Finanziers die europäischen Filmförderungstöpfe mit der ganz großen Kelle leer gegessen haben. Mit dem Geld war es leicht, gute Techniker und arrivierte Darsteller einzukaufen – ein gutes Drehbuch und einen Regisseur, den’s schert, waren anscheinend deutlich weniger gefragt.

Fazit: Ein visuell und darstellerisch hochklassiger, aber inhaltlich geradezu lobotomisierter SciFi-Grusler, dem die Amateur-Regie den Rest gibt.

Legendary: Tomb of the Dragon

legendary_poster-tomb-versionEngland/China 2013. Regie: Eric Styles. Darsteller: Scott Adkins, Dolph Lundgren, Lydia Leonard, James Lance, Yi Huang u.a.

Story: Travis Preston ist Kryptozoologe und immer auf der Suche nach legendären Kreaturen, die er zu Wohle der Wissenschaft fangen will. Sein neuster Auftrag führt ihn nach China, wo die Konstrukteure einer Pipeline unter mysteriösen Attacken einer Art Riesenechse leiden. Vor Ort muss Preston allerdings feststellen, dass sein alter Erzfeind Harker bereits an der Sache dran ist. Harker ist egal, um was es sich bei der Kreatur handelt – solange er sie erlegen und teuer verkaufen kann.

Kritik: Oberflächlich scheinen „Last Days on Mars“ und „Legendary“ relativ wenig miteinander zu tun zu haben. Klar, es sind beides B-Movies, die zumindest finanziell nicht mit dem Blechnapf in der Fußgängerzone zusammen gebettelt wurden. Sie haben auch beide ordentliche Stars und kampferprobte Erzählmuster zu bieten. Aber was sie am meisten verbindet, ist ihre Existenzberechtigung als Geschäftsmodelle. Hier standen offensichtlich nicht die guten Drehbücher oder die Entschlossenheit eines Regisseurs am Anfang, sondern der Zugang zu Märkten und Fördertöpfen, denen die Filme dann auf den Leib geschrieben wurden. Bei „Last Days on Mars“ waren das die europäischen Steuervergünstigungen, bei „Legendary“ ist es die Beteiligung chinesischer Partner.

Dass China das „nächste große Ding“ für Filmemacher werden würde, höre ich in der Branche seit 20 Jahren. actionconcept wollte ebenso dort drehen wie Harry Alan Towers, Charles Band hat tatsächlich „Puppet Master“-Sequels dort herunter gekurbelt (die Erfahrung hat ihn allerdings davon absehen lassen, die Beziehungen zu vertiefen). Sogar die Jungs von „Legendary Unit“ planen nach eigene Aussagen Projekte in China. Komisch nur, dass diese ganzen Planungen selten konkrete Ergebnisse bringen.

„Legendary: Tomb of the Dragon“ ist nun ein Film, der es augenscheinlich geschafft hat, nicht nur chinesische Investoren an Bord zu holen, sondern auch vor Ort zu drehen. Und das Resultat ist in einer Weise dürftig, dass es künftigen Produzenten mit vergleichbaren Ideen zu denken geben sollte.

Da ist zuerst einmal das Casting von Adkins und Lundgren, das schmerzhaft offensichtlich nur dazu dient, den Film auf weltweiten Märkten leicht platzieren zu können. Es gibt KEINEN Grund, für die Rollen eines Wissenschaftlers und eines Großwildjägers zwei Martial Arts-Kämpfer zu engagieren, die nicht nur nicht miteinander, sondern überhaupt nicht kämpfen. Auf diesem Level ist „Legendary“ glatter Etikettenschwindel.

lundgren

Nun kann ich Adkins und Lundgren gut verstehen, dass sie die Angebote angenommen haben. Es ist halt endlich mal was anderes, als die ewigen dumpfen Fressetreter-Filme in denen sie sich seit zehn Jahren verdingen müssen. Adkins darf einen ganzen Film lang das Hemd anbehalten und tatsächlich schauspielern, was ihm auch passabel gelingt. Lundgren, der erstaunlich gut erholt aussieht, hat Spaß daran, mal wieder das Arschloch zu geben und mehr als drei Zeilen in 90 Minuten zu knurren.

Keine wochenlange Vorbereitung in der Muckibude, keine aufwändigen Fight-Choreographien – für Lundgren und & Adkins müssen die Dreharbeiten von „Legendary“ so eine Art bezahlter Urlaub gewesen sein.

Dass in China gedreht wurde, ist letztlich irrelevant, weil die Haupt-Location ein austauschbarer See ist, der genau so gut in Kanada, Bulgarien oder Chile zu finden gewesen wäre. Ein über die Ko-Finanzierung hinaus gehender Mehrwert durch den Drehort China ist an keiner Stelle erkennbar.

Erkennbar sind aber die Vorgaben, die den Filmemachern mit auf den Weg gegeben wurden: „Legendary“ spielt nicht in China, sondern in einer von der Partei zusammen gefaselten Disneyland-Version davon. Was der Film an „weicher Propaganda“ mitbringt, ist ebenso schwer verdaulich wie die große Zahl an chinesischen Nebenrollen, die keinerlei Funktion besitzen, außer eine offensichtliche Quote zu erfüllen. Das Land sah noch nie so sauber aus, seine Bewohner so gut gekleidet, genährt, gebildet und frisiert. Der Pipeline-Bau hält sich natürlich an strenge Umweltauflagen, wie wir das aus China gewohnt sind. Und die Bösen, das sind immer die anderen, die Langnasen.

Casting und China-Connection sind schon genug Ballast – aber selbst in dem limitierten Freiraum, der Regisseur Styles für seinen 0815-Monsterheuler bleibt, wirkt „Legendary“ von der eigenen Eierlosigkeit angekettet. Ein bisschen „Jurassic Park“, ein bisschen „Raptor Island“, ein bisschen „Jaws“ – es ist ja nicht so schwer, und Firmen wie UFO und Regisseure wie Jim Wynorski verdienen seit 15 Jahren gut daran, die immer gleichen Szenarien für cineastische Allesgucker auf den Markt zu regurgitieren. Es liegt kein Geheimnis darin, was das Publikum erwartet und wie man diese Erwartungen bedient. Wieso gelingt es also nicht, auch nur die billigsten Standards umzusetzen?

dragon

„Legendary“ ist so fußlahm, dass die gerade mal 90 Minuten Laufzeit zur echten Herausforderung werden. Es ist ein Monsterfilm von Leuten, die Monsterfilme gesehen, aber nie so ganz verstanden haben. Weder die Bestie noch die Protagonisten haben Background,  Ziel oder Motivation, ihre Zusammenstöße wirken furchtbar konstruiert und zwanglos. An jeder Stelle des Films könnten die Helden sagen „Ach, lassen wir das doch einfach“ und nach Hause fahren.

Fokus ist nie die Kreatur, sie kommt nur in wenigen Sequenzen vor und ist meist nicht Mittelpunkt der Dramaturgie, sondern nur der endlosen Dialoge. Es wird viel geredet in „Legendary“, es werden züchtige Freundschaften geschlossen, Bösewichtern der entschlossen erhobene Zeigefinger hingehalten, immer wieder mal Freunden Mut zugesprochen. Was den Darstellern aus dem Mund fällt, ist dabei so infantil und mitunter sinnfrei, dass man meinen könnte, hier wäre ein chinesisches Drehbuch nur sehr grob ins Englische übersetzt worden.

Auch das Monster, sofern man es denn mal zu sehen bekommt, wirkt verunglückt, ist eher niedlich als furchterregend. So eine Art übergroßer Gecko, der keinerlei Mordlust besitzt und eigentlich niemandem etwas zu Leide täte, wenn man nicht ständig auf ihn schießen würde.

„Legendary“ erweckt den Eindruck, als wären alle Beteiligen hier nur angetreten, um einen Film abzuliefern, weil sie dem internationalen Markt einen Film verkauft haben. Eine gewisse Lustlosigkeit durchzieht Drehbuch und Regie, Effekte und Darstellung – am Ende müssen 90 Minuten voll sein, von „gut“ hat keiner was gesagt. Es würde mich nicht wundern, wenn die am Set Stempeluhren gehabt hätten – und am letzten Drehtag keine Minute überzogen. Dienst nach Vorschrift. Beamtenkino.

http://www.youtube.com/watch?v=xFhw1c_mnPY

Fazit: Ein gänzlich spannungsfreies und einfallsloses Monsterfilmchen, das mit einer trügerischen Action-Besetzung lockt, aber nicht einmal die hundertfach bewährten Genre-Klischees halbwegs tauglich umsetzen kann.



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comicfreak
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..tja, wie alt ist eigentlich „Das Ding aus dem Eis“? Der funktioniert immer noch..

DMJ

Aaaaaber im direkten Vergleich hat das Reich der Mitte dann doch gegen die Alte Welt gewonnen! Die Partei bittet, das zu registrieren. 😛

Peroy
Peroy

„Liev Schreiber ist ein Qualitäts-Schauspieler, der sich nicht für jedem Pamp her gibt“

So sehr ich den Mann auch schätze (nicht nur Affleck war da Bomb in „Phantoms“!), nachdem ich ihn innerhalb einer Woche in „X-Men: Origins – Wolverine“ und „Movie 43“ „genießen“ durfte, würde ich den „Pamp“-Teil nicht mehr unterschreiben…

Peroy
Peroy

Einmal ist übrigens der Regisseur falsch benamst… ändere er das…

Dietmar
Dietmar

von der eigenen Eierlosigkeit angekettet.

Zu schön! 😀

noyse
noyse

das eigentliche Problem von LDOM ist das es zu keiner Sekunde nach Mars aussieht. ich glaub auch nicht dass man sich normal drauf bewegen könnte…