23
Nov 2013

50 Jahre Dr. Who: Nerdpocalypse (2)

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Doctor_Who_-_An_Adventure_in_Space_and_Time_PosterNein, wir sind immer noch nicht bei der Fortschreibung des "Who"-Mythos. Bevor es an die Kritik zum neuen TV-Film "The Day of the Doctor" geht, widme ich mich dem Doku-Drama "An adventure in space and time". Hier wird (halbwegs authentisch, aber trotzdem fiktionalisiert) die Entstehung der Kultserie erzählt.
Tja, was soll ich sagen? Es ist ein süßes, nostalgisches Bonbon für Fans, das uns Mäuschen spielen lässt bei Ereignissen, von denen wir bisher nur gelesen und gehört haben. Mit viel Liebe und Zeitkolorit der 60er erzählt, führt uns AAISAT nicht nur in das "Who"-Universum ein, sondern auch ins Herz der BBC, einer damals noch verknöcherten und durch und durch männlich sozialisierten Quasi-Behörde. Der Film zeigt den Kampf der jungen Produzentin Verity Lambert um Anerkennung, den Widerwillen des "Charakterschauspielers" William Hartnell, sich für eine Kindersendung zum Affen zu machen – und den Erfolg der Serie, die eine ganze Generation prägen sollte.
David Bradley (aus "Harry Potter" und "Game of Thrones") ist eine Offenbarung als William Hartnell, das muss man sagen. Er hat nicht nur den Look, sondern auch die gesamte Körpersprache von Hartnell so perfekt drauf, dass man ein ums andere Mal schwören könnte, koloriertes Originalmaterial zu sehen. Auch der Rest der Besetzung schlägt sich beachtlich – und für echte Who-Nerds gibt es einige tolle Cameos zu entdecken.
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Doch so mühevoll man die Geschehnisse der Jahre 1962 bis 1966 auch rekonstruiert hat – eine wirkliche Geschichte hat AAISAT nicht zu erzählen. Es gibt kein wirkliches Drama, keinen Showdown, kein Finale. "Doctor Who" wird gegen alle Widerstände produziert, hat Erfolg, irgendwann wird Hartnell gegen Troughton ausgetauscht. Weil man die Ereignisse nicht beliebig hinbiegen kann, verschwindet Hauptfigur Verity Lambert irgendwann plötzlich aus dem Film (sie hatte gekündigt) und der Fokus verschiebt sich mühsam auf Hartnell. Das war’s dann auch schon. Die Narrative ist sehr dünn – sicher auch, um den (teilweise noch lebenden) Beteiligten nicht auf die Füße zu treten.
Es bleibt eine hübsche Ergänzung zum Who-Kanon, ein amüsanter Zeitvertreib, aber kein wirklich packender Film, den man sich wieder und wieder ansehen möchte. Einen Fleißsternchen bekommt AAISAT aber für das einzige Cameo, das über die Realität des Doku-Dramas hinaus Kontakt zum fiktiven Who-Universum aufnimmt – und das ich hier nicht verraten werde.
P.S.: Zum Ausklang noch eine aktuelle Folge von "Teens react", die mir das Herz warm macht. Wer hätte gedacht, dass Teenager so normal, so nerdig und so süß sein können? http://www.youtube.com/watch?v=z5vLvo9yXpA



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Vineyard
Vineyard
23. November, 2013 16:10

Zum Aufwärmen für heute abend. (Leider nicht offiziell, aber wirklich sehr gut gemacht.)
https://www.youtube.com/watch?v=skFjWOpqtmE

DMJ
24. November, 2013 13:25

Besagten Cameo erzählte man mir gestern… Ich muss es wohl erst im Kontext gesehen haben, aber an sich klang es für mich doch etwas fragwürdig. Halt nach der Art von Mythologisierung, mit der man die falschen Fans füttert.