mm2013 Klein
Ich hole in letzter Zeit ein paar Sachen nach, die mir während des FFF entgangen sind. Dokus, Serien, aber auch Blockbuster, die ich aus irgendeinem Grund im Kino verpasst habe. Weil viele von euch die Filme schon gesehen haben werden und ich gerade in London bin, halte ich mich kurz.
RIPD
Robert Schwentke, das muss man umunwunden zugeben, ist in Hollywood angekommen. Nach dem Pilotfilm von "Lie to me" und dem Jodie Foster-Thriller "Flightplan", nach "RED" und "Die Frau des Zeitreisenden" durfte er in diesem Jahr mit "RIPD" einen ganz fetten Sommer-Streifen inszenieren. Die Tatsache, dass "RIPD" weder bei den Kritikern noch beim Publikum wirklich punkten konnte, ist ihm nicht anzulasten – obwohl 66 Millionen weltweites Einspielergebnis bei 130 Millionen Budget schon eine ziemliche Ohrfeige ist. Schwentkes Regie ist in Ordnung, straff und slick, sicher in der Action und bei den Gags, von der Arbeit anderer Hollywood-Handwerker nicht zu unterscheiden.
Das Problem bei "RIPD" ist das fahrlässig müde "Malen nach Zahlen"-Skript, bei dem jeder Plotbeat absolut vorhersehbar ist und dem für das große Finale auch nur wieder das fette Dimensionstor einfällt, das wir schon in "Avengers", "Pacific Rim" und "Man of Steel" gesehen haben. Bridges und Reynolds liefern auch nur Dienst nach Vorschrift und so landet "RIPD" als aufwändiger, aber eierloser "Men in Black"-Abklatsch auf dem Friedhof für Hollywood-Blindgänger, auf dem schon "Wild Wild West", "Cowboys & Aliens" und "Green Lantern" liegen.
World-War-Z"World War Z" – über den ist schon viel geschrieben worden. Ein Film, dessen Geburtswehen so lang und schmerzhaft waren, dass man kaum noch auf ein ansehbares Ergebnis hoffen durfte. Niemand hat auf diesen Film gesetzt – schon gar nicht darauf, dass er über 500 Millionen Dollar einspielen würde. Aber man darf weder Brad Pitt unterschätzen noch die Tatsache, dass Hollywood jederzeit für eine Überraschung gut ist. "World War Z" profitiert massiv von seinem perfekten Timing – der Zombie-Hype ist (auch dank "Walking Dead") auf einem Höhepunkt und dieser Blockbuster ist der erste wirkliche Versuch, die Untoten mit einem großen Budget sommertauglich zu machen. Die Zeit war vielleicht einfach reif.
Es hilft, dass "World War Z" nicht nur ein guter Film ist – sondern ein über weite Strecken großartiger. Die ersten zwei Drittel drehen das ganz große Rad, präsentieren große Gefühle und atemlose Action. Es gibt Zombie-Massaker von nie gesehenen Ausmaßen, totale Apokalypse, Panik – in diesem Teil geht "World War Z" ab wie Schmidt’s Katze. Hier ist dem Film nicht anzumerken, welche Probleme die Produktion mit sich brachte.
Und dann kommt das letzte Drittel. Der Film schaltet plötzlich und unnötigerweise zwei Gänge runter, geht vom großen Panorama weg in einen Subplot, der ihn kleiner macht, als er sein sollte. Plötzlich ähnelt "World War Z" unangenehm "Resident Evil", als wären die Ideen und das Budget ausgegangen. Er wird nicht schlecht, aber deutlich druckloser. Beim Ende hat man das Gefühl, als wäre einem die ganz große Geschichte vorenthalten worden, während man Brad Pitt dabei zuschaut, wie er sich in Cardiff durch einen Zweckbau aus den 70er Jahren kämpft.
Der Grund für diese plötzlichen Fokuswechsel ist bekannt – das ursprümgliche Finale hat dem Studio nicht gefallen, hektisch hat man die gesamte Storyline neu gebaut und neu gedreht. Es funktioniert aber leider nur begrenzt und das, was man vom Original-Ende online lesen kann, klingt ungleich interessanter. Es wäre schön, wenn diese Version für eine "Special Edition" auf DVD rekonstruiert werden könnte.
Trotzdem ist "World War Z" für mich eine der wenigen positiven Überraschungen des Sommers. Der Film ist kompromisslos hart, teilweise schockierend, sehr spannend – und in seiner Ernsthaftigkeit und dem Bestreben, eine eigene Geschichte zu erzählen, so ziemlich das exakte Gegenteil des knallbunten, aber farblosen "RIPD".



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Campfire
Campfire
12. September, 2013 23:52

Ich bin überhaupt kein Zombiefilm-Fan, überhaupt mag ich keine Horrorfilme, weil ich mich trotz besseren Wissens immer erschrecke… Aber WWZ fand ich in erster Linie wegen der Effekte toll, vor allem dass sich diese Zombie-Massen quasi wie eine Flüssigkeit verhalten haben, die gegen Mauern brandeten, etc. Tolle Effekte, sollte man mal gesehen haben. Meine Freundin und ich hatten viel Spaß im Kino…

dermax
dermax
13. September, 2013 00:25

Schliesse mich an, "WWZ" ist zwei Drittel lang ein sehr starker Film, ich finde aber auch das Ende ned schlecht, weils mal einen schönen Gegensatz zum sonstigen "grösser, schneller, weiter" liefert. Mich hat eher die Reihe an Zufällen geärgert, die es erst ermöglichen…

Stefan
13. September, 2013 11:57

WWZ: rennende CGI-Zombies. Ich kotze. Brad Pitt, dem ich nicht eine Sekunde glaube, das er eine echte Figur, sondern Brad Pitt, der durch einen PG-13 Zombiefilm läuft. Die Familien-Szenen sind entweder Exposition oder banal. Die schaffen’s nicht eine einzig originelle Idee aus der Buchvorlage, die vor originellen Ideen nur so strotzt, zu übernehmen. Das debile Highlight ist die Jerusalem-Sequenz: eine laute, lebendige Stadt, in der Jumbos starten, durch die Panzer rollen und über der Hubschrauber kreisen. Aber wenn ein Grüppchen Orthodoxer vor der Mauer singt, bringt das die Zombies dazu über die Mauer zu klettern, nur damit Brad Pitt oberschlau "Sie sind zu laut" rufen kann. Das nachgedrehte Ende wirkt wie ein anderer Film und ist auch nicht unbedingt der Burner, aber der einzige Teil des Films wo so etwas wie Spannung aufkommt. Die "Sachbuch" Vorlage von Max Brooks ist schwer zu verfilmen, ja, aber die ersten Drehbuchfassungen von J. Michael Straczynski (gibt’s online) haben bewiesen, dass es möglich ist. Um Längen besser, als die verhackstückte öde Grütze, die da auf der Leinwand gelandet ist. Marc Forster kann mich mal am Arsch lecken.

Peroy
Peroy
13. September, 2013 12:01

" Ich bin überhaupt kein Zombiefilm-Fan, überhaupt mag ich keine Horrorfilme, weil ich mich trotz besseren Wissens immer erschrecke… Aber WWZ fand ich in erster Linie wegen der Effekte toll, vor allem dass sich diese Zombie-Massen quasi wie eine Flüssigkeit verhalten haben, die gegen Mauern brandeten, etc. Tolle Effekte, sollte man mal gesehen haben. Meine Freundin und ich hatten viel Spaß im Kino…"
Wenn es je einen Kommentar gab, der es einem nahegelegt hat, einen Film zu meiden, dann dieser…

Vineyard
Vineyard
13. September, 2013 14:56

Apropos RED: Der zweite Teil soll, soviel ich gehört habe, eher enttäuschend sein. Ich wollte ihn mir eigentlich diesesWochenende ansehen, aber nun zögere ich.

DMJ
13. September, 2013 15:51

Ich möchte Peroy nicht in seine Horrornerdwagenburg folgen, aber ganz unrecht hat er nicht. 😉
WWZ ist nicht wirklich schlecht, aber bei weitem auch nicht gut (und nirgendwo auch nur streckenweise großartig), auch wenn er gute Stellen (besonders zu Anfang) hat. Er ist eben ein Zombiefilm für Leute, die keine Zombiefilme kennen und/oder mögen und trotz Massenszenen mangelt es ihm an Zombies. Die sind gern mal als Masse da, echte Präsenz haben sie aber nicht, da man sie lieber nicht so genau ansehen möchte (das hebt man sich für die verlängerte DVD-Fassung auf).
Dem beklagten Problem schließe ich mich aber an: Ein Film, der über zwei Drittel auf epische Größe setzt kann nicht auf einmal in einem Kammerspiel-Finale enden, so gut das für sich genommen auch war. Es wäre eine tolle Mitte gewesen, als Showdown war es aber höchst fehl am Platze.
(Länger ausgeführt und wie immer mit der Extraportion Ideologiekritk: http://www.weirdfiction.de/article_database/world-war-z-oder-zombies-mal-wieder-aber-nicht-die-aus-dem-buch/ )

Mencken
Mencken
13. September, 2013 19:03

Sehe das so wie DMJ, nicht so schlecht, wie man befürchten musste, aber auch kein guter, geschweige denn großartiger Film. Als Action-Film ganz ok, allerdings ohne jegliche Horrorelemente, was aber offensichtlich auch so gewollt war.