Ich bin ein Fan von belletristischen Vielschreibern wie Georges Simenon, Edgar Wallace und sogar Helmut Rellegerd und Barbara Cartland. Die Fähigkeit, präzise, unterhaltsam und einem Genre treu über lange Zeit Bücher in den Markt zu pumpen, fasziniert mich. In Deutschland weitgehend unbekannt ist Robert Vaughn, der als eine Mischung aus Karl May und G.F. Unger angesehen werden könnte. Hier findet ihr ein interessantes Interview mit ihm über seine Arbeitsmethoden.

Die meisten von euch kennen Dirk Jürgens, einen meiner fleißigen Kommentatoren (als DMJ, früher Tornhill) und FFF-Komplizen. Er hat sich ausführliche, zweiteilige Gedanken zu den Thesen Anita Sarkeesians gemacht, einer feministischen Popkultur-Kritikerin. Auch wenn ich seiner Analyse nicht immer folge und jeden präventiven Kotau vor möglicher Fehlinterpretation ablehne, lege ich euch dieses Essay sehr ans Herz.

Die Tatsache, dass nicht nur Zahler von Kirchensteuer, sondern ALLE Steuerzahler für Einrichtungen und Gehälter im kirchlich-wirtschaftlichen System aufkommen, erwähne ich immer wieder. Weil es immer wieder notwendig ist. Viele Leute können sich das einfach schlecht vorstellen. Und dann wird es gerne als abstruse Nischentheorie abgetan. Darum freut es mich umso mehr, dass sich mit der FAZ auch mal ein gänzlich unverdächtiges Medium dieses Themas angenommen hat.

Vor Jahren schon hatte ich die Idee, das Leben von Beate Uhse zu verfilmen. Mich interessierte aber weniger die Geschichte ihrer „Fachgeschäfte für Ehehygiene“ als die faszinierende Biographie DAVOR – die Frau war immerhin Kampffliegerin und Stuntfrau für Hans Albers gewesen. Das Projekt wurde durch die ZDF-Verfilmung mit Franka Potente hinfällig. Das Abendblatt hat den Niedergang des Uhse-Konzerns mal sorgsam nachgezeichnet – ein Paradebeispiel für eine Firma, deren Kunden ein neues Outlet fanden und die den Wandel nicht schnell genug vollziehen konnte.

Kommen wir von dem, was man in Deutschland für Schweinkram hält, zu dem, was in Amerika als Schweinkram gilt. Bei „The Verge“ gibt es einen lesenswerten Artikel über die Hysterie und Empörung, die bestimmte Wörter auslösen. Ich bin wieder mal froh, dass wir da nicht ganz so puritanisch sind.

Jetzt wird’s kontrovers: Der „Guardian“ fragt, ob man glaubwürdig an die Schädlichkeit genmanipulierten Essens UND den Klimawandel gleichzeitig glauben kann. Der Kern der Debatte: wer sich an strikt wissenschaftliche Erkenntnisse hält und die Klimamodelle akzeptiert, kommt auch um die ebenso wissenschaftlich bewiesenen Vorzüge von GMO nicht herum. Eine einfache Antwort gibt es nicht.

Kommen wir zum Abschluss zu einem Negativ-Beispiel. Bei Techcrunch arbeitet sich ein Journalist an einer Ferndiagnose von Jeff Bezos‘ Masterplan ab. Da werden relevante Tatsachen zwar gesehen, aber ignoriert (Bezos hat die Washington Post als Privatmann gekauft, nicht als Amazon), es gibt lächerliche Arroganzien wie „Here’s the thing that most people, and certainly many in the tech press, don’t seem to understand…“ – und am Ende ist alles nur erkenntnislose Kaffeesatzleserei. Shut up, will ya?



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Frank Böhmert

Tom Rizzo: Ähm, das Interview führt er aber als Fragender mit einem gewissen Robert Vaughn. Stimmt der Link?

Frank Böhmert

Ah, okay. Mir sagten beide nichts, daher konnte ich das nicht einschätzen.

Vaughn schreibt nicht mein Genre, aber solche fleißig liefernden, lockeren Erzähler schätze ich auch sehr, allen voran Georges Simenon und Robert B. Parker.

Lars, too
Lars, too

DJMs Sarkeesian-Beiträge haben mir gut gefallen. Standen ein paar kluge Sachen drin. Ich hab dennoch ein paar Anmerkungen…

1. Zunächst generell: Es mag richtig sein, Sarkeesian vorzuwerfen, wenig Neues zu bieten und im Großen altbekannte Thesen aufbereiten, versehen mit einem Füllhorn an Beispielen. ABER: Gerade dieses Füllhorn macht die Sache interessant, da man hier noch mal eindrucksvoll sehen kann, und welchem Ausmaß sich sexistische Handlungsklischees in Videospielen breitgemacht haben.

DJM sagt dazu: „Viele Leute meinen, Anita Sarkeesian möge zwar nicht perfekt sein, aber habe doch ein paar gute Punkte und verweise durchaus auf ein paar echte Probleme. Das hat und tut sie, aber ich halte eine falsche Lösung oftmals für fataler, als gar keine.“

Das blendet aber aus, dass die „Tropes versus Women in Videogames“-Reihe eine ganze Welle von selbstkritischer Beäugung im Videospielbereich/Videospieljournalismus losgetreten hat. In diesem Sinne ist Sarkeesian vielleicht nicht die richtige Lösung, aber zumindest Teil/Anstoß einer richtigen Lösung.

2. Den Paragraphen zur Trigger-Warnung fand ich übertrieben spitzfinderisch. Ich hab dererlei Warnungen auch schon auf Blogs gesehen, auf denen Gewalterlebnisse eben durch Worte geschildert wurden. Sollen Traumageschädigte sich jetzt auch aus dem Internet raushalten müssen? 😛

3. Zur Entbehrlichkeit männlicher Gegner: Hier wird bei der Waage geschummelt. Zwar werden in vielen Spielen haufenweise gesichtslose Männer zur Strecke gebracht, aber gleichzeitig haben wir einen unentbehrlichen Mann als Subjekt des Spieles. Ich denke, dass selbst Sarkeesian kein Problem mit weiblichen Gegnern hätte, wenn es eben auch mehr weibliche Hauptfiguren gäbe.

CRACKED.com hat ebenfalls einen Artikel über Sexismus in Videospielen veröffentlicht, der lesenswert ist. Auch da hat sich der Mundatmepöbel in der Kommentarspalte ausgelassen: http://www.cracked.com/blog/6-sexist-video-game-problems-even-bigger-than-breasts/

Der Karsten
Der Karsten

Den Artikel in der FAZ hatte ich schon gelesen.. ich finde da ganz gut, dass die Giordano-Bruno-Stiftung regelmäßig den Finger in die Wunde drückt. Leider tut sich ja trotzdem nicht viel, wie ich bei Diskussionen immer wieder feststellen muss. 🙁

Mencken
Mencken

Der FAZ-Artikel erklärt doch auch ganz gut, warum sich nichts tut – offensichtlich ist ja ziemlich eindeutig, dass eine erhebliche Einmalzahlung fällig werden würde, die hoch genug ist, um die Angelegenheit politisch unklug zu machen.

Erinnere mich außerdem, dass zumindest die SPD ein Ende der Zahlungen gefordert hat, beim Nachrechnen aber zu dem Ergebnis kam, dass dies auch mittelfristig erhebliche finanzielle Nachteile für den Staat bedeuten würde (zusätzlich müsste man ja auch noch die wohltätigen, sozialen, erzieherischen, etc. Einrichtungen ersetzen, was wohl eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung darstellen würde).

15 Milliarden seit Gründung der BRD sind aber auch nicht so viel, da gibt es dringlichere Baustellen, was vermutlich ein weiterer Grund für das Tolerieren ist.

DMJ

*kreisch*

Ich bemerke erst jetzt, verlinkt worden zu sein. 😉

@Lars, too:

1. An sich habe ich durchaus nichts dagegen, dass jemand auch fremde Thesen sammelt. Es muss ja nicht jeder bei Adam und Eva beginnen, sondern sollte ruhig auf den Schultern von Riesen stehen. Ich halte es hier nur für wichtig, es anzumerken, da es Sarkeesian selbst nur selten tut und viele Leute irrtümlich annehmen, die Begriffe wie „Women in Refrigerators“ stammten von ihr. Hätte sie all das, was sie referriert selbst begründet, wäre sie wissenschaftlich wesentlich gewichtiger, als jetzt und hätte sich entsprechend auch mehr Anerkennung verdient, als ich sie ihr so gewähre.
Denn wie gesagt, in der Sache hat sie oftmals recht, da hätte ich dann aber lieber einen besseren Überbringer der schon bestehenden Botschaft.

Inwiefern man ihr zugute halten sollte, was sie losgetreten hat, weiß ich nicht. Im Kritikermainstream wird ihr meist blind gefolgt und Zweifler als Frauenfeinde abgetan (bzw. wenn diese weiblich sind, wird ihnen abgesprochen, selbst zu denken). Es kann natürlich sein, dass es sich später positiv einpendelt, aber momentan haben wir nur den Schwung in eine Seite.

2. An sich habe ich nichts gegen Triggerwarnungen. Nur in diesem Kontext wirkten sie eben verdächtig. Hätte sie irgendwann mal Gewalt gegen Männer abgelehnt, wäre dem nicht so (und ihr eigenes Spielprinzip steht dem auch nicht entgegen), aber so unterstrich es ihre „problematische Problematisiserung“ von Gewalt gegen Frauen. Allein kein echter Punkt, auch so kein Killerargument, aber im Zusammenhang ließ es mich die Augenbraue nochmal extra heben.

3. Ich bezog mich direkt auf ihre Aussage, die Spiele würden Gewalt gegen Frauen ausbeuten und das bleibt für mich rein vom Mengenverhältnis absurd. Wenn es nur um die passive Rolle bzw. Abwesenheit der Frau geht, sage ich ja gar nichts, aber dass ihr das nicht reicht und sie eine gewalttätige Frauenfeindlichkeit darin sehen will ist eben der Punkt, indem ich ansetze. – Zudem merkte mal jemand an (habe gerade die URL nicht, plane aber gerade eh einen Folgebeitrag, der nur aus Literaturhinweisen besteht), der unentbehrliche Mann im Zentrum habe in der Regel keine andere Motivation, keinen anderen Lebensinhalt, als seine verstorbene/entführte Frau, sei also auch nicht so unabhängig, wie man auf den ersten Blick denken könne.

Den CRACKED-Artikel werde ich gleich mal ansehen (habe schon soviel zum Thema gelesen, dass ich auf den ersten Blick gar nicht mehr weiß, was ich kenne 😉 ), aber wie gesagt, man verstehe mich nicht falsch: Es GIBT frauenfeindlichen Sexismus in Videospielen, der IST zur Zeit ein großes Thema und da sollte was getan werden. Nur eben halte ich da eine sachliche und ganzheitliche Herangehensweise, die nicht gleichzeitig ein Geschäftsmodell ist, für produktiver.

Howie Munson
Howie Munson

@DMJ: deine „im Kommentarfeld hinterlegte URL“ hat ’ne buddel zuviel…

DMJ

Argh, tatsächlich! 😛
Da bietet sich natürlich eine schöne Erklärung durch eine realere Buddel an, aber es lag daran, dass ich mich mittendrin umentschied und statt buddelfisch.de (welches momentan brach liegt) lieber weirdfiction.de einfügte… wie man sieht, unsauber. 😉

Lars, too
Lars, too

@DMJ

1. Da gebe ich dir Recht; mir war nicht bewusst, dass Sarkeesian Querverweise unterschlägt. (Dass „Women in Refrigerators“ auf einen seit 1999 bestehenden Blog zurückzuführen ist, hingegen schon).

2. Ich weiß nicht, ob wir auf diesem Forum eine „Gewalt gegen Männer“ vs. „Gewalt gegen Frauen“-Diskussion starten sollten – aus reinen Layout-Gründen. Da stecken m.A. Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende an kulturellem Geröll dahinter. Ich halte die Triggerwarnung hingegen weiterhin unverdächtig, Kontext hin- oder her.

3. Das Problem ist, dass der Mann, der seine Frau/Freundin rächt, trotzdem als Subjekt im Spiel agiert. Das kann man von den verblichenen/entführten Damen nicht behaupten. In deinem Blog-Beitrag nennst du als Gegenbeispiel, dass Max Paynes Frau ermordet wurde, weil sie finsteren Sachen auf der Spur war.
Das mag ja sein, nur: Für den Spielverlauf an sich tut das nichts zur Sache, da wir ja nur Max steuern. Mrs. Payne verkommt also trotzdem zur bloßen Staffage (ich mochte Max Payne übrigens sehr).

Anhang A:
Jim Sterling, Game-Journalist u.a. bei THE ESCAPIST und DESTRUCTOID, nimmt sich dem Geschlechter- und Sexismus-Thema übrigens öfters in seiner Videoreihe „Jimquesition“ vor. Lustigerweise ist erst gestern eine neue relevante Folge erschienen:

http://www.escapistmagazine.com/videos/view/jimquisition/8177-Vertigo?utm_source=latest&utm_medium=index_carousel&utm_campaign=all

Anhang B:
Wie toxisch das Videospielmilieu sein kann, sieht man übrigens wunderbar am Blog „Fat, Ugly or Slutty“. Falls du’s noch nicht kennst:

http://fatuglyorslutty.com/

DMJ

2. Nein, eine “Gewalt gegen Männer” vs. “Gewalt gegen Frauen”-Diskussion brauchen wir hier wirklich nicht. Wie gesagt, in anderem Kontext hätte ich es sicher auch nicht angesprochen. Nur hier wirkte es eben wie eine Antwort auf die Anklage des ersten Teils: Da heißt es „Wieso sind so wenig Frauen im Spielgeschehen?“ nun heißt es „Vorsicht! Im Spielgeschehen sterben Frauen, das ist schlimm und bedrohlich“ – daraus würde ich, als Spieldesigner die Antwort nehmen: „Weil man bei männlichen Figuren keine Trigger-Warnung braucht!“

3. Natürlich! Für den Vorwurf „Passiver Frau“ (dem ich nie widersprochen habe) gelten die Beispiele absolut. Aber sie nutzt sie für den Vorwurf, Gewalt gegen Frauen werde hier spielerisch ausgeschlachtet – und in der Hinsicht haben da einfach die Männer die blutigen Nasen vorn.
Das ist ein häufiges Problem, dass die Arten problematischer Frauendarstellung in der Anklage vermischt werden. – Als Beispiel wird es an einer übersexualisierte Frauenfigur auch nicht als Unterpunkt gelobt, wenn sie stark, aktiv und unabhängig ist.
So auch hier: Mrs. Payne ist passiv und spielt keine große Rolle – keine Frage! Aber zu sagen, der Mord an ihr werde ausgeschlachtet, während er im Tod Hunderter Männer resultiert, versucht sich wieder die Rosinen aus zwei unterschiedlichen Sachen zusammen zu picken.

Anhang A:
Sterling fiel mir schon durch seine „Lollipop Chainsaw“-Analsyse ambivalent auf. Positiv, weil er erkannte, dass trotz der sexualisierten Heldin ihr körperloser Boyfriend das wahre Objekt war. Negativ, weil er sofort schloss, damit stehe er lediglich für objektivierte Frauen, also nicht in der Lage war, männliches Leid zu erfassen.

Anhang B:
Brauche ich keine Belege, weiß ich und habe es nie verteidigt. 😉

Howie Munson
Howie Munson

Einfach immer sagen, man würde nur trackmania oder Jagged alliance 2 spielen… bei letzteren kann man wirklich nicht behaupten, dass da hauptsächlich passive Frauen drin vorkommen… *g*

Vorsicht Trigger* Warnung…

https://www.youtube.com/watch?v=3NdvZv9D1EM

*=die Szenen kommt halt erst, wenn man den Trigger „Quadrant von Meduna erobert“ auslöst…