Diverse Gedankenblitze der letzten Wochen, die ich zeitnah drüben rausgehauen habe und hier auch zur Diskussion stellen möchte…

Nach „cool“, „rad“ und „hip“ ist man nun also „introvertiert“, wenn man mit der Zeit gehen will. Die Menge an Memes, Artikeln und Beichten in dieser Richtung lässt kaum einen anderen Schluss zu. Ich würde all den missverstandenen „Introvertierten“, allerdings ins Stammbuch schreiben, dass es eher weniger glaubwürdig ist, wenn sie mit ihrer Sozialscheu ein möglichst großes Publikum erreichen wollen.

Es gilt die Gleichung: Schüchternheit ≠ Introvertismus ≠ Asperger-Syndrom. Genau so wie Hibbeligkeit ≠ ADHD. Nicht jedes Charaktermerkmal ist eine Krankheit, auch wenn das viele Betroffene und deren Umfeld gerne so hätten.

Okay, „Agents of S.H.I.E.L.D.“ – da haben die Macher wohl die letzten 15 Jahre verschlafen. Figuren aus dem Klischee-Baukasten, maximal solide Effekte und Bauten, ein müdes Message-Skript und insgesamt ein Konzept, das schon bei „Team Knight Rider“, „Painkiller Jane“ und „Mutant X“ nicht mehr ganz frisch war. Wären da nicht ein paar nette Querverweise zum Rest des Marvel-Universums und ein paar gute (kleine) Einfälle, könnte man AoS für eine kanadische Actionserie von der Stange halten. Ich erwarte Steigerung!

Es wirkt wie ein bizarrer Zufall, dass die neuen US-Sitcoms, die ich für so erbärmlich halte, dass man ihre Macher (u.a. Chuck Lorre!) mit Mistgabeln aus der Stadt jagen sollte, tatsächlich „Mom“ und „Dads“ heißen. Nein, ich habe keine Kinder.

Zwei weitere neue US-Sitcoms haben mich recht positiv überrascht: „Trophy Wife“ zeigt erneut, was für ein komödiantisches Talent Malin Akerman ist und „Back in the Game“ ist zwar sehr 08/15, aber mit viel Herz inszeniert und gespielt. Ob ich weitere Folgen schaue, hängt aber primär von der Qualität anderer neuer Serien ab, die mich mehr interessieren.

Ein weiterer Totalausfall ist allerdings „The Goldbergs“, eine Comedy, die weder aus dem (unglaubwürdig umgesetzen) 80er-Setting noch aus dem Video-Fimmel des Protagonisten nennenswerte Unterhaltung schöpfen kann.

Damn, wann wurde der kleine Kerl aus „Hinterm Mond gleich links“ eigentlich so unwiderstehlich smooth?

http://www.youtube.com/watch?v=R4ajQ-foj2Q

Es ist ein Film, dessen Zahlen kaum analysiert werden, weil er kaum jemanden interessiert: „Smurfs 2“. Dabei ist es schon erstaunlich. Zuerst einmal kommt es nicht so häufig vor, dass der zweite Teil eines absoluten Überraschungs-Blockbusters so (relativ) abstinkt: Teil 2 hat (in den USA und international) gerade mal die Hälfte von Teil 1 eingespielt. Die Begeisterung vom Original konnte wohl nicht rüber gerettet werden.

Aber: Teil 2 war sehr erfolgreich, auch wenn die US-Zahlen von gerade mal 68 Millionen Dollar bei 105 Millionen Budget (ohne Marketing) zuerst einen anderen Eindruck erwecken. „Smurfs“ ist nämlich eine Franchise, die global zieht, und darum kommen zu den 68 Millionen US-Einspiel noch satte 220 Millionen international. Unter den Top 5 Sommer-Familienfilmen ist er der einzige, der nicht komplett computeranimiert war. Mit insgesamt 288 Millionen ist der Film damit immer noch ein großer Erfolg und allemal eine Rechtfertigung für einen dritten Teil.

Ich vermute allerdings, dass der eher direkt auf DVD gehen wird die Sequels von „Flintstones“, „Scooby Doo“, „Garfield“ und „Inspector Gadget“.

Erst dachte ich „boah, die sind genau so scheiße und intolerant wie Heten!“. Doch dann entspannte ich mich und dachte „boah, die sind genau so scheiße und intolerant wie Heten“.

Nach meiner Erfahrung ist „Toleranz“ in den meisten Fällen Feigheit in Maske. Man nimmt hin, weil man sich nicht einmischen will – obwohl man innerlich natürlich auf der anderen Seite steht. Es ist die Faulheit, sich nicht für einen unkorrekten oder auch nur minderheitentauglichen Gedanken erklären zu müssen. Es ist eine Kunst, echte Toleranz von Bequemlichkeit und Duckmäusertum zu unterscheiden.

Was für ein Spacken! Den indiskutablen „The last Airbender“ mit dem Argument zu verteidigen, die Kritiker verstünden halt nicht die Seelenverwandtschaft mit Hitchcock, Kurosawa und Kubrick, ist schon downright frech:



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Baumi
Baumi

Zu den Sitcom-Enttäuschungen würde ich noch die Michael J. Fox Show hinzufügen – die Trailer waren noch vielversprechend, aber die erste Folge machte dann genau nix aus der Prämisse. (Zweite hab‘ ich noch nicht gesehen.)

Proesterchen
Proesterchen

Smurfs 2 werde ich auf ewig übel nehmen, dass ich durch das grottige Einspielergebnis 30 Plätze schlechter im Movie Draft abgeschlossen habe. Nur Kick-Ass 2 war noch schlimmer.

Wortvogel
Wortvogel

@ Baumi: Ich hatte vor zwei Tagen noch nachgetragen:

„Die „Michael J. Fox Show“ ist so aufwändig, wie sie prätentiös und kitschig ist. Ständig darauf bedacht, die Krankheit ihres Stars zu thematisieren, Mitgefühl zu fordern, ein penetrantes „Wir schaffen das schon!“ und „Ich lasse mich doch von sowas nicht unterkriegen!“. Für tatsächlichen Humor hat es leider nicht gereicht – sorry, die nostalgische Sympathie für Marty McFly allein reicht nicht.

„Brooklyn Nine Nine“ begeht einen ähnlichen Fehler – teuer und viel on location produziert, setzt man bei dieser Crime-Sitcom (Critcom?) ganz auf den „boyish charme“ von Andy Samberg, was nur begrenzt funktioniert, denn seine Lässigkeit wandelt hart am Rand zur Nervigkeit. Ein straffes Skript und solide Charaktere um ihn herum fangen aber einiges auf. Davon könnte sich „Agents of SHIELD“ was abgucken. Sicher kein „must see TV right out of the gate“, aber „one to watch“.“

Exverlobter
Exverlobter

„Ich vermute allerdings, dass der eher direkt auf DVD gehen wird“

Da gehört der Dreck auch hin. Es sei denn, man nimmt sich das Konzept der TV-Serie oder der Comics auch mal richtig zu Herzen.
Ich war als Kind ein großer Fan der Serie, hab aber die Filme bis heute nicht gesehen.

robert
robert

Das Shyamalan Video kannte ich schon und mir ist dabei auch die Kinnlade runtergefallen. Wie die eigen- und fremdwahrnehmung so auseinanderdriften kann. Am liebsten hätt ich ihm gesagt: nein, auch wir europäer finden den film scheiße. weil er scheiße ist.

PS: Crosspost: reiswaffeln sind leckerer als du beschreibst. Leicht salzig sind sie mehr knabberzeug, als „nahrungsmittel“.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

„Garfield 2“ war doch aber noch im Kino?! Einen dritten Teil gibt es nicht. Gleiches gilt für die „Flintstones“-Realverfilmungen 🙂

Nobby
Nobby

Zu „Brooklyn Nine-Nine“:
Ein straffes Skript und solide Charaktere um ihn herum fangen aber einiges auf.

Und ich schrieb neulich an anderer Stelle: Selten so eine schlecht gescriptete Comedy gesehen. Aber das bezog sich vorwiegend auf Episode 2. Außer Andre Braugher hatte die gar nichts.

Wortvogel
Wortvogel

@ Nobby: Folge 2 war in der Tat inhaltlich schwächer, dafür hat mit der Charakter von Samberg da besser gefallen.