FFF13
Es war wieder eine lange Nacht gestern, also halte ich mich nicht lange mit Vorreden auf. Die Sache mit den Kurzkritiken hat sich bewährt, da bleibe ich jetzt erstmal dabei.

miserererMiserere

Ein pensonierter Kommissar und ein volatiler Interpol-Agent tun sich zusammen, um eine Mordserie aufzuklären, deren Hintergründe bis in die chilenische Militärdiktatur zurück reichen. Ein gemächlich konstruierter Standard-Krimi im Wallander-Stil mit kurzen Action-Einschüben, dessen psychologische Ebenen Augenwischerei sind und der sich auf derart viele Zufälle verlässt, um den Plot in Gang zu halten, dass man irgendwann nicht mehr folgen mag. Wer gerne deutsche TV-Filme schaut, mag das für solide Kost halten, aber gerade angesichts besserer französischer Filme aus dem gleichen Genre muss man bei dieser europäisch gecasteten Produktion nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen, zumal es gegen Ende zunehmend absurd wird.

ampel-rot7Bedenklich, wenn das bemerkenswerteste Detail eines Films meine Begeisterung ist, die unkreditierte Yvonne Catterfeld in einem „walk on cameo“ im Hintergrund entdeckt zu haben. Darüber hinaus bietet „Misererer“ nichts, wofür man Geld ausgeben sollte.

Love Eternal

Love Eternal

Es gibt eigentlich jedes Jahr einen kleinen, eher melancholisch-romantischen als gruseligen Film, der die Liebe jenseits der Konventionen feiert und in weichen Bildern auch die Freundin anrührt. Dieses Jahr sollte das „Love Eternal“ sein, die Adaption eines japanischen Romans über einen jungen Mann, der über die Vorliebe für Leichen den Weg ins Leben findet. Alle Puzzleteile sind da – schöne Kamera, rustikale Locations, solide Darsteller. Aber im Zentrum des Films klafft ein Loch an der Stelle, wo die Hauptfigur sein müsste. Ian ist eine Chiffre, ein undurchdringlicher und letztlich unsympathischer Charakter, den die Macher wohl für unglaublich tiefgründig halten, der dem Zuschauer aber völlig fremd bleibt. „Hallam Foe„, „Harold & Maude“, „Hideaways“ – drei Filme, die funktionieren, weil sie genau diesen Fehler nicht gemacht haben, weil sie uns erfolgreich auf die Seite des Protagonisten stellen und mit ihm gegen die Welt.

ampel-rot7Produzent und Hauptdarsteller waren anwesend, aber ich habe mir das Q&A geschenkt – alle Fragen, die ich hätte stellen können, hätten meine Unzufriedenheit mit dem Film ausgedrückt und ich bin nicht dafür da, den angereisten Filmemachern in die Suppe zu spucken.

uwantme2killhim

u want me 2 kill him?

„Based on a true story“ – eine Einblendung, die beim Festival-Publikum mittlerweile nur noch genervtes Stöhnen hervor ruft. Diesmal geht es um Mark, der sich im Chatroom in Rachel verknallt und sich über ihren gewaltsamen Tod durch den skrupellosen Boyfriend in eine Rachephantasie hinein steigert, von der er keine Ahnung hat, wie präzise gesteuert sie ist.

Ein Film über die Manipulierbarkeit der Jugend, über die Gefahr, Online-Realität mit der wirklichen Welt zu verwechseln. Auf dieser Ebene funktioniert der Streifen auch ganz gut – die Mechanismen, mit denen Mark gesteuert wird, sind plausibel und nachvollziehbar. Allerdings läuft alles auf einen Mega-Twist hinaus – den jeder Zuschauer schon nach spätestens 30 Minuten kommen sieht und dem damit jeder Saft abgeht. Man sammelt ab diesem Moment nur noch die Indizien dafür, dass man Recht hat.

http://www.youtube.com/watch?v=yTMt6ZVk2Yk

ampel-gelbDarüber hinaus ist es absolut unverzeihlich, dass Regisseur Douglas zur Illustrierung von Chats keine andere erzählerische Form gefunden hat, als die Darsteller stupide jeden Satz, den sie eintippen, auch noch mal vor sich hin murmeln zu lassen. Das ist einfallslos bis peinlich.

Zombie Hunter

Zombie Hunter

Sollte es auf dem Fantasy Filmfest keine Absicherung des Niveaus nach unten geben? Ich meine damit nicht einmal eine inhaltliche Zensur, so sehr die im Fall von „Raze“ und „Morituris“ angemessen gewesen wäre. Ich rede von einem technischen Mindestmaßstab, einem handwerklichen Level, das Filme erreichen müssen, um sich für das Festival zu qualifizieren. Wenn es diesen Maßstab gäbe – „Zombie Hunter“ wäre mit fliegenden Fahnen an ihm gescheitert. Es ist Amateur-Rotz aus der untersten Schublade, der „Mad Max“, Zombies, Monster und Kannibalen mit einem Haufen Schmodder und wirklich jedem augenkranken Farbfilter anrührt, den die Editing-Shareware hergibt. Die inszenatorische Inkompetenz ist erschütternd. Ich weiß, das sage ich oft, aber in diesem Fall hat der „Regisseur“ (zuviel der Ehre) offensichtlich nicht mal die Ahnung, was ein Achsensprung ist – und wie man ihn verhindert. Jeder handelsübliche Porno ist mit mehr Sorgfalt inszeniert. Das Publikum hat in Scharen die Fahnen gestrichen (Lukas und Horsti auch). Ich bin nur aus Chronistenpflicht sitzen geblieben.

Die Tatsache, dass man sich einen Drehtag mit Danny Trejo leisten konnte, sollte niemanden zu der Annahme verführen, hier gäbe es etwas zu sehen. Ungefähr 30 „Produzenten“ im Nachspann lassen darauf schließen, dass Regisseur King Freunden, Familie und Investoren im Gegenzug für einen Credit das Kleingeld aus der Geldbörse gezogen hat.

ampel-rot7

Ich kann wirklich schlecht ausdrücken, WIE handwerklich unterirdisch und tödlich langweilig „Zombie Hunter“ ist. Vielleicht hilft euch die Aussage, dass ich absolut davon überzeugt bin, dass der deutsche Horrorfilm-Nachwuchs SO einen Schmodder auch hinbekommen hätte. Und das ist kein Lob für den deutschen Horrorfilm-Nachwuchs.



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Clemens

Zombie Hunter wurde wohl über Kickstarter finanziert, von daher die vielen „Produzenten“…

http://www.kickstarter.com/projects/1452542156/zombie-hunter-0

Dr. Acula

Also, entweder ist dieser Jahrgang wirklich ziemlich beschissen oder der Vogel hat seinen letzten Rest Filmverstand vor Festivalbeginn abgegeben 😛

G

Irgendwie habe ich beim Lesen das Gefühl, dass das diesjährige FFF hauptsächlich aus Gurken besteht…

Dr. Acula

„Was hältst du für wahrscheinlicher? :-p“

Och… wenn du schon so fragst 😛

Pogopuschel

Ich würde „Love Eternal“ noch eine gelbe Ampel geben. Eigentlich ist der Film ganz schön gefilmt und hat seine witzigen Momente. Bei mir hat die Hauptfigur funktioniert.

Ansonsten habe ich an diesem Tag noch „Drug War“ von Johnie To gesehen, der wie immer einen erstklassigen Film abliefert. Anfangs sehr ruhig, fast wie eine Dokumentation vom Polizeialltag einer Anti-Drogeneinheit in der chinesischen Provinz. Dabei aber sehr unterhaltsam mit gutem Humor. Am Ende gibt dann aber noch die gewohnte Johnie-To-Schießerei, die wie immer ihresgleichen sucht. Diesmal nicht mit arschcooler Ästhetik überstilisiert wie in „Election“ „Vengeance“ oder „Exile“, sondern so knüppelhart und grausam, dass dem Publikum mehr als einmal ein ungläubiges Keuchen entfuhr (eher wie bei „Breaking News“). Bekommt von mir 9 von 10 Hahas

Unter den 12 Filmen, die ich bisher gesehen habe, war noch keine Gurke dabei. Meine Highlights sind „In the Name of the Son“, „Byzantium“, „Drug War“, „Europa Report“, „Wrong“, „Odd Thomas“ und „I Declare War“.
Bin dieses Jahr sehr zufrieden mit meiner Filmauswahl.

Pogopuschel

Und noch eine Anmerkung zum bisherigen FFF:

Die 12 Vorstellungen, die ich besucht habe, waren eher durchwachsen besucht. Es waren zwar in keiner weniger als 30 Leute drin, aber selbst „Haunter“ und „In the Name of the Son“ am Freitagabend und „Wrong“ und „Byzantium“ am Samstagabend waren nicht ausfverkauft. Da waren sogar noch ganze Reihen frei.
In den letzten Jahre hatte ich durchaus Filme wie z. B. „Beasts of the Southern Wild“ oder „Black Death“, wo ich nur in der ersten Reihe noch einen Platz bekommen habe, und sogar Leute auf der Treppe saßen.
Vielleicht habe ich diese gut besuchten Filme ja verpasst, aber ich habe den Eindruck, dass die Zuschauerzahlen zurückgegangen sind.

Auch Verlosungen scheint es kaum noch zu geben, die wenigen Ansagen sind meist auch sehr kurz und lieblos gehalten („Wir freuen uns, dass wir den Film bekommen haben“).

Marcus
Marcus

Bei uns läuft „Zombie Hunter“ gegen „A Field in England“. Und nu? 😉

Goran
Goran

@ Marcus: Also ZB ist’s definitiv nicht.

Dieses Jahr hat’s das FF aber gefühlt wirklich irgendwie versemmelt.

Selbst das Get Shorty, dass mich sonst ja imer ganz glücklich entlässt, hatte mir zu viele Durststreckenideen.

@Pogo:
Den Eindruck zum Publikumszuspruch hatte ich auch. Letztes Jahr hatte man sogar in „Baytown Outlaws“ noch Platzprobleme. (der war doch letztes, oder?)

Diesmal selbst die Topfilme noch mit Platzlücken. Nur „Congress“ war voll, aber das ist ja wohl das Mindeste für den Eröffnungstreifen.

Persönlich haben mich aber: „I declare war“, „Makkhi“ und „Fresh Meat“ überrrascht. Beim letzten hatte ich mehr Spass, als man dabei vermutlich haben sollte, und wer der Fliege keine Chance gibt verpasst das ganz große Kino.
„IDW“ glänzte für mich mit wirklich guten Kinderdarstellern.

Will Tippin
Will Tippin

Bin immer noch nicht sicher, ob ich mich über das diesjährige Auslassen des FFF ärgern muss. Vor diesem Beitrag hab ich doch einiges Interessantes entdeckt, was mich einen DVD-Kauf in Betracht ziehen lässt. Der Hinweis auf Drug War hier dazu zählt!

heino
heino

Hm, anscheinend war mein erster Eindruck doch nicht falsch und das ist wirklich ein schwacher Jahrgang. Nach den extrem guten letzten Jahren musste das wohl mal kommen.

Pogopuschel

Da wäre noch die Frage zu klären, ob die Besucherzahlen wirklich rückläufig sind, ober die Besucher sich nur gleichmäßiger auf zwei parallel laufende Filme verteilen, statt dass einer extrem voll und einer sehr leer ist.
In diesem Jahr ist zumindest kein Film dabei, der im Vorfeld groß gehypt wurde, der viel Aufsehen erregt oder stark erwartet wurde.
Durchaus eine hohe Anzahl an guten Filmen, aber nicht der große Hammer.
Es sind auch ca. 10 Filme weniger als im letzten Jahr, so dass sich die Zuschauer für viele Film auf zwei Vorstellungen verteilen. „The Congress“ habe ich in der Wiederholung gesehen, weil ich am Eröffnungsabend lieber zu System of Down bin. 🙂

(Wobei ich eher zu den rückläufigen Zuschauerzahlen tendiere).

Auch die schnelle Verfügbarkeit der Filme könnte eine Rolle bei den zurückgehenden Zuschauerzahlen spielen. Torsten und einige andere haben schon ca. 10 Festivalfilme vor dem Filmfest über Import-DVDs, Itunes und was weiß ich gesehen.

Reini

Hey, laut Trailer ist “Zombie Hunter” auch „Based on a true story“… hihi…

Marcel
Marcel

Habe schon lange nichts mehr von Gerard Depardieu gehört, schade hätte Lust gehabt mal wieder einen Film mit ihm zu sehen. Nachdem ich mir ne Riesenglotze angeschafft habe, komme ich wohl nicht umhin, mich mit Zombie Hunter zu vergnügen.. 😉

Marcus
Marcus

@Marcel: 32“ nennt er ’ne Riesenglotze… süß…

Marcel
Marcel

@Marcus: Hatte 4 Jahre gar keine Glotze, erst jetzt wieder, da ist das schon ein ganz schöner oschi

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