FFF13Cottage Country

KANADA 2013 / 91 MIN / ENGLISCHE OV

Von: Peter Wellington. Mit: Tyler Labine, Malin Akerman, Lucy Punch, Daniel Petronijevic

Darum geht’s: Die trügerische Idylle führt uns in ein schmuckes, kleines Cottage mit Seeblick. Hier möchte der wenig selbstbewusste Büroangestellte Todd seiner Freundin Cammie den längst überfälligen Antrag machen. Alles scheint perfekt vorbereitet. Todd hat sich im Wochenend-Nutzungsplan für die in Familienbesitz weilende Hütte lange vorab eingetragen. Der Ring ist im Koffer verstaut, die romantischen Worte peinlich genau einstudiert. Dass Cammie von der Verlobung bereits ahnt, könnte die Dinge gar beschleunigen – würde nicht unvermittelt Todds unverschämter Bruder Sal mit seinem bescheuerten, europäischen Girlfriend Masha im Türrahmen stehen. Natürlich ist Sal so ein totaler Angebertyp und Sexprotz. Jemand, der absolut NIE in den Wochenend-Nutzungsplan schaut. Da stellt sich nicht zum ersten Mal die Frage, warum die Eltern Sal so viel durchgehen lassen, anstatt dem braven Todd das geliebte Hideaway allein zuzusprechen. Egal, jetzt ist zunächst der Heiratsantrag in Gefahr. Cammie erkennt die Lage und verlangt Rausschmiss. Da Todd leider kein Mann klarer Worte ist, zieht sich die Brüder-Misere etwas in die Länge, schaukelt sich dann hoch – und endet abrupt mit Sals (von Todd höchstens unterbewusst gewollter) Enthauptung. Doch wie viele Leichen auch ihren gemeinsamen Weg noch pflastern mögen, Cammie ist nicht die Art Frau, die sich den wichtigsten Moment ihres Lebens versauen lässt!

Gesammelte Gedanken: Schaut euch das Plakat an und sagt mir, dass hier nicht versucht wird, sich an den Erfolg von „Tucker & Dale“ (Gott, ist das auch schon wieder drei Jahre her?!) ranzuhängen. Mit Querverweisen zu „Immer Ärger mit Harry“ und „Weekend at Bernie’s“.

Egal. Imitation ist eine ehrliche Form der Schmeichelei, sagt man ja. Nur sollte man die Eier haben das, was das Original so erfolgreich gemacht hat, auch konsequent zu kopieren. „Cottage Country“ fehlen dafür eindeutig die Eier. Jede Figur ist ein Klischee, die im Gegensatz zu „Tucker & Dale“ eben nicht gebrochen wird. Es passiert alles EXAKT so, wie wir es erwarten können, nachdem Sal die Axt in den Hals bekommen hat. Und es passiert zwar straff, aber ohne nennenswerte Steigerung, die gerade für so eine Farce unabdingbar wäre.

„Cottage Country“ hinterlässt das ungute Gefühl, hier hätten ein paar Spießer entschieden, eine „radikale“ Komödie „voll bösem schwarzen Humor“ zu drehen – ohne die geringste Ahnung zu haben, was eine radikale Komödie voll bösem schwarzen Humor ausmacht. Das Maximum an Mut ist schön am züchtig inszenierten Blowjob zu erkennen, dessen radikale, schwarze Pointe darin besteht, dass Sal plötzlich auftaucht und Todd und Cammie erschreckt.

Teilweise werde ich auch das Gefühl nicht los, dass hier ein pfiffiges Treatment von einem minder begabten Drehbuchautor umgesetzt wurde. So ist die grundsätzliche Idee, aus einem der Partygäste einen orthodoxen Juden mit investigativen Ambitionen zu machen, gar nicht schlecht. Der Film macht nur nichts draus. Der Charakter läuft völlig ins Leere.

So läuft „Cottage Country“ zügig, aber letztlich überraschungsfrei ab und verdankt seine einzigen Highlights den beiden Hauptdarstellern, die sich deutlich mehr rein hängen, als es der Stoff verdient hat. Hinter Todds Fassade kann man jederzeit die Wut und die Verzweiflung erkennen, ein Leben lang der Befehlsempfänger gewesen zu sein – und Cammie ist sichtlich erleichtert, endlich die Bitch sein zu dürfen, die sie unter der brav-blonden Lackierung immer schon war. Hier sind richtig gute Schauspieler bei der Arbeit zu bewundern, auch wenn Malin Akerman sich mal ernsthaft Gedanken über ihre Rollenwahl machen sollte. Sie hat schließlich schon in diversen A-Filmen signifikante Rollen gespielte. Eine so laue, offensichtlich für den DVD-Markt bestimmte Komödie ist weit unter ihrem Niveau und unter ihren Fähigkeiten. Aber dazu habe ich morgen noch etwas zu sagen.

ampel-gelbFazit: Eine zu seichte und inkonsequente Krimi-Komödie, die trotz einiger gut beobachteter Momente nicht halb so schwarz ist, wie sie sein möchte.

Ein Film… wie eine Geburtstagsfeier mit der nervenden Verwandtschaft, die sich betrunken angiftet, bis einer heult.



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heino
heino

Das war einer meiner Wackellkandidaten, da werde ich dann wohl auf die DVD warten. Schade, Tyler labine hätte den großen Durchbruch auch endlich mal verdient.

Marcus
Marcus

Du bist auch ein Wackelkandidat. 😀

Und da der hier gegen den belanglos klingenden Son of Cain läuft, steht er quasi defaultmäßig auf der „zu gucken“-Liste.

Pogopuschel

Der wirkte im Trailer schon so bieder, wie in deiner Rezi. Der läuft um 13.00 Uhr, das ist mir sowieso zu früh. Da gehe ich lieber was Essen, bevor ich mir dann „I Declare War“ anschaue.

Marcus
Marcus

@Torsten:

„ich schaue nicht um des Schauens willen. Es gibt Slots, in denen ich beide Filme ausfallen lasse. Das gibt dann auch einen Durchatmer für Nahrungsaufnahme und Reviews schreiben.“

Schlaffi. Zum Essen gibts den Vormittag oder den Snack-Stand, für Reviews die Nacht. Sleep is for the weak! 😀

Ernsthaft: ich halte es immer so, dass man sich ab und an auch in unattraktiven Timeslots mal auf einen Film einlassen kann, den man sich sonst nie angesehen hätte. Dafür ist das FFF auch da.

Allerdings werde ich am FFF-Sonntagmittag auch mal lecker essen gehen. Laufen würde „Northwest“ und „Makkhi“, und ich kann mich beim besten Willen weder für Sozialdrama noch für Bollywood erwärmen.

heino
heino

„Ernsthaft: ich halte es immer so, dass man sich ab und an auch in unattraktiven Timeslots mal auf einen Film einlassen kann, den man sich sonst nie angesehen hätte. Dafür ist das FFF auch da.“

Ich bin da inzwischen zu stärkrem Selektieren übergegangen. Mir sind Zeit und Geld zu schade, um beides für offensichtlichen Müll oder uninteressante Durchschnittsware zu vergeuden. Und da ich dieses Jahr kurz nach dem FFF in Urlaub fahre, wird nur angeschaut, was wirklich vielversprechend für mich aussieht.

Marcus
Marcus

@Torsten: den neuen Film der „Rabies“-Typen zu gucken wird mein „Jackass“-Stunt dieses Jahr. 😉

Man muss sich einfach nur sagen „es kann nicht schlimmer kommen als Morituris es kann nicht schlimmer kommen als Morituris es kann nicht schlimmer kommen als Morituris…“

Marcus
Marcus

@Torsten: läuft der auf dem FFF? Wenn ja, rechtzeitigeVorwarnung bitte.

Peroy
Peroy

Kommt „Morituris“ irgendwann nochmal auf DVD…? Ich warte…

Marcus
Marcus

Eine der DVDs, wo das Problem nicht ist, dass sie was rausgeschnitten haben. Sondern dass sie was dringelassen haben. 😀

Marcus
Marcus

Naja, das „The End“ darf stehen bleiben. Das war meine Lieblingsstelle. 😀

Peroy
Peroy

2.10., super… *froi* 🙂

Marcus
Marcus

Keine Offenbarung – aber als schwarze Komödie für zwischendurch macht der nichts falsch. Und Malin Akerman ist hier GROSSARTIG. 8/10.

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