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USA 2013 / 100 MIN / ENGLISCHE OV

Von: John Huddles Mit: James D’Arcy, Daryl Sabara, Sophie Lowe, Bonnie Wright, Freddie Stroma, Rhys Wakefield u.a.

Darum geht’s: Stell Dir vor, der nukleare Ernstfall tritt ein und im Atombunker ist nur Platz für zehn Personen – es sind jedoch 21 Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Wie würdet ihr entscheiden? Nach welchen Kriterien würdet ihr auswählen, für wen sich die Tür öffnet und für wen sie verschlossen bleibt? Und die entscheidende Frage: Wie leichtfertig entscheidet der Einzelne über das Schicksal anderer? Das ist das Gedankenexperiment, das der Philosophielehrer Mr. Zimit seiner Klasse in einer internationalen Schule in Jakarta stellt. Besonders perfide ist dabei, dass das Szenario im hypothetischen Bunker nicht nur einmal durchgeführt wird – Zimit verschärft Stück für Stück seine Versuchsanordnung und stellt die Schüler vor immer schwierigere moralische Herausforderungen.

Gesammelte Gedanken: Ich ja ein Fan von Konzeptfilmen wie „Cube“ und „Open Water“, die Charaktere in schwierige Szenarien setzen, in denen sie sich beweisen müssen. Darum habe ich mich auch auf „The Philosophers“ gefreut. Ein Thriller nicht nur für den Bauch, sondern auch für den Kopf? Bin ich dabei.

Leider scheitert der Film schon in den ersten fünf Minuten, in denen wir unseren Cast kennen lernen: durch die Bank (ethnisch perfekt ausgesuchte) Models aus dem „Abercrombie & Fitch“-Katalog, reiche Schönlinge und ätherische Beautys, noch dazu stinkreich und vom Gedanken beseelt, mit ihrer intellektuellen Ausbildung (die sich hier noch auf dem Niveau von „Plato für Dummys“ befindet) dereinst eine bessere Welt zu schaffen. Und das ist nicht Teil der Narrative oder ein cleverer Schachzug, den Zuschauer in die Irre zu führen – die Macher von „The Philosophers“ waren offensichtlich der Meinung, diese Besetzung wäre in Ordnung. Germany’s next Top Thinker.

Was uns der Film dann als tiefgründige Gedankenspiele verkauft, ist so oberflächlich wie die Schönheit der Beteiligten. Die moralischen Entscheidungen sind fragwürdig, die Szenarien sowieso – die Spielregeln werden willkürlich angepasst. Die wichtigste Verbindung zwischen Realität und Szenario wird nie gebaut: die Schüler bekommen fiktive Eigenschaften zugewiesen, nach denen sie ausgesiebt werden. Es wäre erheblich perfider gewesen, die Schüler nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten zu beurteilen und sie damit auf der fiktiven wie auf der realen Ebene aufeinander los zu lassen.

Es wird auch nie  klar, wie das abläuft. Anscheinend diskutieren Lehrer und Schüler die Szenarien, die wir dann visualisiert sehen – Geheimnisse und Geständnisse, die dabei zu Tage kommen, werden demnach einfach in der Klasse enthüllt? Wir wissen es nicht, weil die Macher sich dieses Problems auch bewusst sind und niemals (bzw. selten) innerhalb der Geschichten „nach außen“ schalten. Das Erzählkonstrukt ist nicht stimmig.

Da es nur um theoretische Szenarien geht, baut sich auch keine wirkliche Spannung auf. Die Schüler sind zu keinem Zeitpunkt in echter Gefahr – allenfalls ihre Noten stehen der Kippe. Damit sind die Atompilze am Horizont innerhalb der Szenarien auch völlig irrelevant. Ist ja alles nur ein Spiel. Folgerichtig gibt es auch kein echtes Finale – nur einen elend langen Epilog, der irgendwie noch eine Beziehungsebene zu bauen versucht, nachdem schon alles zu spät ist.

Man könnte „The Philosophers“ stundenlang dekonstruieren und ihm Denkfehler über Denkfehler um die Ohren hauen – was umso schlimmer ist, da es ein Film ist, der mit intellektueller Schärfe protzen will. Aber das führt zu nichts. Am Ende möchte der Film nur sagen, dass es besser ist, idealistisch zu sein und das Jetzt bestmöglich zu genießen, als um des Erhalts der Spezies willen eine technokratische Diktatur hinzunehmen. Keine neue Erkenntnis – und in dieser Form auch nicht überzeugend.

Warum der Film trotzdem noch eine gelbe Ampel bekommt? Weil schöne Menschen (besonders Katie Findlay) schön anzusehen sind, weil die Locations sensationell sind, weil er durch die episodische Struktur relativ kurzweilig bleibt und weil man prima drüber diskutieren kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Festivals bemüht er sich wenigstens.

ampel-gelbFazit: Schöne Bilder und schöne Menschen in einem prätentiosen und schlecht konstruierten Film, der glaubt, etwas Profundes zu sagen zu haben, aber über die Weisheit von Glückskeksen nicht hinaus kommt.

Ein Film… nach dem man einen Dichter erschießen will.



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Dr. Acula

Also, bis jetzt machst du bei mir nicht wirklich Werbung dafür, mich doch ins Kino zu schleifen…

heino
heino

Da kann ich mich dem Doc nur anschließen. Das war einer meiner sicheren Kandidaten, klingt aber eher nach einem Hinrzwerg:-.(

Marcus
Marcus

„Ein Film… nach dem einen Dichter erschießen will.“

Fehlt da nicht was?

DMJ

Schade um das schicke Konzept!
Aber das sieht man öfters: Wenn jemand so eines hat, vergurkt er es, weil er so stolz auf seine Grundidee ist, dass er sich keine Zeit lässt, es auch sauber umzusetzen. Da eskalieren Dinge innerhalb von Sekunden, da werden komplette Entwicklungen übersprungen, nur, damit man schnell zu seinem Ziel kommt.

Michael
Michael

Wer ist „Dichter“?

Pogopuschel

Ich hatte die ganze Zeit (wider besseren Wissens) gehofft, dass da noch so eine große inhaltliche Wende kommt …

John

Ohne Witz: The most fuckable class in film history!!

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