FFF13SweetwaterUSA 2013 / 95 MIN / ENGLISCHE OV

Von: Logan Miller Mit: Ed Harris, January Jones, Jason Isaacs, Eduardo Noriega u.a.

Darum geht’s: Sarah hat es nicht leicht – als Ex-Hure, und weil sie den Mexikaner Miguel geheiratet hat, auf dessen karges Land es der skrupellose „Prophet“ Josiah abgesehen hat. Als Miguel ermordet wird, geht Sarah auf einen Rachefeldzug – und bekommt unerwartete wie widerwillige Hilfe von Sheriff Jackson, der Josiah aus ganz anderen Gründen das Handwerk legen will.

Darum geht’s: Ich hab’s in den letzten Jahren schon ein paar Mal gesagt – die Auswahl der Filme für das FFF ist mitunter etwas willkürlich. Abwechslung hin oder her: „Sweet Vengeance“ ist ein Western ohne jeglichen Genrebezug. Er hat nicht mal den Hauch des Mystischen oder Mythischen, er ist nicht „comic book“ und nicht „tarantino-esk“. Es ist einfach nur ein Western im Eastwood-Stil, in dem eine Frau einen Haufen Mistkerle abknallt, die ihren Mann ermordet haben.

Es ist weniger die Deplatzierung des Films auf dem Festival die mich stört – es ist seine völlige Belanglosigkeit. „Sweet Vengeance“ bedient zynisch ein paar niedere Triebe beim Zuschauer, ohne irgendeine Form von Erkenntnis oder Wandlung zu zeigen. Der Priester misshandelt und tötet alle Menschen in seinem Umfeld. Dann stirbt Miguel. Nun misshandelt und tötet seine Witwe Sarah alle Menschen in ihrem Umfeld. Der „role/gender reversal“ hat keine Folgen, keine Ursachen, vor allem aber keine Rechtfertigung. Du schießt auf mich, dann schieße ich auf dich. Dass die großen Western von „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ und „12 Uhr mittags“ bis „Erbarmungslos“ immer die Validität dieses simplifizierten Weltbilds in Frage gestellt haben, scheint den Machern von „Sweet Vengeance“ egal. Ihnen geht es nur um das, was der Titel sagt: süße Rache. Das mag für die Leinwand genug sein – für den Kopf ist es zu wenig.

Ein weiteres Problem ist der mangelnde Fokus. „Sweet Vengeance“ will die Geschichte von Sarah erzählen, verlässt sie aber immer wieder, um minutenlang die Handlungen von Josiah und Sheriff Jackson zu präsentieren. Die Gleichberechtigung der Erzählstränge ist problematisch, weil wir zu Sarah keine wirkliche Beziehung aufbauen. Wir müssten an ihrer Seite bleiben, die Welt nur aus ihrer Sicht sehen.

Was „Sweet Vengeance“ dennoch ganz unterhaltsam über die Laufzeit bringt, ist die Deko: die Landschaften sind beeindruckend, die Charaktere kantig (wenn auch vollends ihren Klischees verhaftet), die Shootouts blutig. All icing, no cake – oder besser noch: all sizzle, no steak.

ampel-gelbFazit: Ein zu lakonisch und geradeaus inszenierter Western, der ohne Thema und Moral eher wie das Level eines Videospiels abläuft und sich nie für einen Protagonisten entscheiden kann.

Ein Film… wie Lucky Luke ohne Lacher.

http://www.youtube.com/watch?v=iE06WEmf864



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Lucky Luke hat doch auch keine Lacher? *duckundwegrenn*

Fake
Fake

Wieso steht auf dem Plakat „Sweetwater“ im Text aber “Sweet Vengeance”?
*kopfkraz*

heino
heino

uuuuuuuuuuuuuuuuund……….raus. Ich wollte eh noch die Liste kürzen, da passt es sehr gut, dass der nicht wirklich toll ist:-)

Marcus
Marcus

@heino: Lusche. 😀

Marcus
Marcus

@Torsten: was ist eigentlich der Edit-Funktion zugestoßen?

Wollte gerade noch hinzufügen, dass Heino aufpassen soll, dass die Liste IHN nicht kürzt, aber nööö… 🙁

heino
heino

Ist nicht nur die Edit-Funktion, auch die Kommentaranzeige agiert ziemlich willkürlich.

Und bis mich die Liste auf dein Mass kürzt, aknn ich noch sehr viele Filme streichen *hehe*

Dietmar
Dietmar

Ed Harris? Den mal wieder in einem Film zu sehen, wäre schon toll …

Marcus
Marcus

@Dietmar: sag ich doch. 😉

admin
admin

@heino:

Ja, ich habe das alles komplett versemmelt und bitte, das hiermit zu entschuldigen.

Jeff Kelly
Jeff Kelly

Hab den heute sehen können und das schlimmste was mir über den Film einfällt ist das er im wahrsten Sinne ein Schulterzucken ist.

Er braucht schon viel zu lange um in die nicht gerade komplexe Geschichte einzuführen und hat zu nichts eine Haltung. Weder zur Frage ob er Drama sein will oder Komödie, explizit oder nicht, (s)exploitation oder serious und das Skript bleibt blutleer und ohne rechten roten Faden.

Im Grunde fühlt es sich an als hätte man den Film entweder mit Ed Harris oder January Jones machen wollen und erst spät entschieden einfach beide mitspielen zu lassen. Deshalb kann sich der Film auch nie entscheiden welchem Protagonisten er folgen will und wird so keinem der beiden wirklich gerecht. Das Drehbuch ist sowieso mehr ‚Malen nach Zahlen‘ oder erstes Semester Drehbuchautorenklasse und bringt den Stoff „Person rächt sich an Person die schlimmes tat“ wirklich auf nicht viel mehr als das. Da holen Genregrössen aus der abgenudelten Prämisse regelmässig um längen mehr raus.

Ich habe ausserdem ein Problem mit Filmen, die sich seriös geben und uns ernsthaftes Drama vorgaukeln wollen um zu versuchen Stoff der eigentlich eher unter (s)exploitation fallen dürfte aufzuwerten. Möglicherweise ist das in Hollywood nötig aber es braucht keinen existenziellen Grund in der Dramaturgie als Rechtfertigung uns die Brüste der Hauptdarstellerin in Grossaufnahme zu zeigen. Insbesondere wenn der Grund so lahm und frei von Sinn daherkommt (nicht das ich da prinzipiell dagegen wäre 😉 ).

Aber selbst in dem Kontext bleibt der Film eher schwach. Ein bisschen lustig, ein bisschen brutal, ein bisschen nackt, ein bisschen Handlung, der Bösewicht ist so over the top als würde er Brando und Day Lewis gleichzeitig channeln, die bösen sind alles degenerierte Hillbillies oder Mormonen (oder beides) und es gibt den renegade cop und die Hure mit dem Herz aus Gold.

Dazu noch etwas CSI: The Wild West mit einer Szene die nicht nur völlig unglaubwürdig daher kommt sondern auch für die Handlung völlig überflüssig ist.

Das konnte Django im letzten Jahr deutlich besser.

Positiv ist für mich January Jones, die hier zumindest streckenweise zeigt das sie schauspielern kann und zu mehr als einem Gesichtsausdruck fähig ist und aus dem Charakter von Ed Harris könnte man einen echt guten Film stricken.

Bemerkung am Rande: Was gar nicht geht ist die Nase, die in Nürberg vor den Filmen die Taschen verlost. Man macht sich nicht über die – sicherlich gesponsorten – Preise lustig (oh ein Buch, das tut mir jetzt aber für euch leid) und zu behaupten dies sei Ed Harris beste Rolle seit Pollock spricht nicht gerade für enge Vertrautheit mit dessen Werk.

Marcus
Marcus

Nicht wirklich tiefsinnig (oder auch nur schlau), aber unterhaltsam. Für Fans von Western, Rachefilmen, Ed Harris und One-Linern: 8/10.

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