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Jul 2013

Movie Mania 2013 (24): DVD-Kritik „Atlantic Rim“

Themen: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2013, Neues |

mm2013 Klein atlantic-rim-posterUSA 2013. Regie: Jared Cohn. Darsteller: Graham Greene, David Chokchi, Jackie Moore, Treach, Steven Harlow, Nicole Alexandra Shipley u.a.
Story: Vom tiefsten Meeresgrund erheben sich zwei riesige (na ja, nennen wir sie angesichts der cineastischen Verwandtschaft mal mittelgroße) Monster. Die US-Armee sieht die Chance, ihre neuen Armada-Mecha-Suits zu testen. Die Piloten Red, Jackie und Tracey prügeln sich mit den Kreaturen erst durch die Hafengegend von New Orleans, dann durch den Hafen von Manhattan. Das größte Problem ist aber Hardliner Sheldon Geise, der dieser Bedrohung am liebsten nuklear begegnen möchte – auch wenn das ein paar Millionen Menschenleben kostet.
Kritik:
Damit wir uns nicht missverstehen: "Atlantic Rim". Nicht "Pacific Rim".
Nicht der hier:
PACIFIC RIM
Der hier:
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Vor zehn Jahren habe ich mich über die Filme von UFO aufgeregt, die durchaus das Potential mitbrachten, als B-Kracher zu funktionieren, aber immer wieder an den lustlosen Drehbüchern und der schlampigen Ausführung scheiterten. Ich bin sicher nicht der Einzige, dem Firmen wie Tomcat, Maverick und Asylum gezeigt haben, dass der Boden dieses Fasses noch ein paar Stockwerke tiefer angelegt ist und dass man sich problemlos noch weniger Mühe geben kann, auch nur ein Minimalmaß an Entertainment zu liefern. Der Trick dabei ist, dass UFO angesichts der Budgets im siebenstelligen Bereich noch darauf angewiesen war, die internationalen Märkte nicht nur zu bedienen, sondern auch zu befriedigen. Man versprach nicht viel – aber das lieferte man mit „Epoch“, „Mega Python“ und „Dragon Fighter“ wenigstens.
Bei Asylum & Co. ist das anders, denn das Geschäftskonzept ist gar nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Die könnten stressfrei auf ihr Briefpapier schreiben „Hundsmiserable Abklatsche aktueller Blockbuster, die nur von erkenntnisrestistenten Allessehern wie Doc Acula gekauft werden“ – es würde ausreichen, die begrenzten Budgets einzuspielen. Weil die Neugier, die von den überhitzten Trailern geweckt wird, völlig ausreicht. Wer so etwas wie „Atlantic Rim“ kauft, erwartet nicht, dass die Versprechen auch eingelöst werden. Der „heavy user“ ist mittlerweile erfolgreich konditioniert. Erwartense nix, werdense auch nicht enttäuscht.
Aber ich erwarte was. Das ist vermutlich mein Fehler.
„Atlantic Rim“ ist die Pest. Ein Film, dessen Production Value nicht einmal für eine Parodie bei „Funny or die“ reichen würde. Mit Darstellern, die mitleiderregend zwischen „abgehalftert“ und „untalentiert“ schwanken. Der mit genau drei, vier CGI-Shots aufwartet, für die er sich nicht schämen muss – und die offensichtlich nur für den Trailer produziert wurden. Er ist in seiner Müdigkeit und Hirnlosigkeit selbst angesichts der üblichen Asylum-Wurstigkeit erschütternd.
Wenn’s so egal ist, muss auch die Handlung keine Form von menschengemachtem Sinn ergeben: die Monster stellen nie eine wirkliche Bedrohung dar – zu nennenswerten Kollateralschäden kommt es eigentlich erst, als unsere „Helden“ sie in bewohnte Gebiete treiben. Die Mecha-Suits sind komplett ineffektiv, eine traditionelle Bekämpfung der Riesenechsen (?) wird gar nicht versucht, „Atombombe auf Manhattan!“ ist scheinbar der einzig denkbare „Plan B“. Und wenn die Mechas dann plötzlich als „main weapons“ Äxte und Schwerter ziehen – dann ist endgültig der Ofen aus.
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„Atlantic Rim“ degeneriert zu Kinderquatsch, der nicht mal hardcore Kaiju-Fans bei der Stange halten kann. Spirituell ist der Film eher mit „Kraa!“ und „Zakorr – the Invader“ verwandt.
Mehr noch: „Atlantic Rim“ ist ein Platzhalter-Film. Die Darsteller, die Dialoge, die Effekte wirken durchgehend, als wären sie nur temporär eingefügt wurden, um Schnitt und Laufzeit zu testen. Eine Grobfassung, deren hanebüchene Peinlichkeiten man nach Abschluss der „echten“ Dreharbeiten durch die Szenen mit den „echten“ Darstellern und den „echten“ Effekten ersetzt. Das hat man dann aber doch unterlassen.
Natürlich erwartet niemand aufwändige Riesenroboter-Action in einem solchen Trittbrett-Produkt. Aber die Hektik, mit der grundsätzlich eilends wieder von den Mechas weggeschnitten wird, deutet darauf hin, dass sich hier sogar Asylum selber schämt. Und das will schon was heißen. Grund genug dafür haben sie allemal. Besonders krass ist diesmal die komplette Inkompatibilität von realer Footage und CGI: Compositing wird bis zur Schmerzgrenze vermieden, nichts muss aneinander passen, ständig starren die Charaktere auf Dinge, die wir nicht zu sehen bekommen. Einsätze der US-Armee bestehen aus drei, vier Spacken in zusammen gewürfelten Uniformen, die wirre Befehle bellend mit offensichtlichen Plastikgewehren umher rennen – für die Simulation von „Schüssen“ rüttelt man die Waffe ein wenig. Das Mündungsfeuer ist verzichtbar, so lange der Soundeffekt halbwegs stimmt. Die Innensets sind selten mehr als leere Fabrikhallen, gerne auch mal zwei Leute vor Monitoren in einem verdunkelten Raum – und die Monitore zeigen nie etwas an, das auch nur den geringsten Bezug zur sonstigen Handlung hat. Joysticks und Headsets als Indikatoren von Hightech und Wissenschaft:
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Ein schönes Beispiel ist auch die Bohrinsel, auf der man den Prolog angesiedelt hat – die Stock Footage der echten Bohrinsel hat keinerlei Ähnlichkeit mit der CGI-Bohrinsel, die in der gleichen Szene attackiert wird:
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They can’t be arsed, wie die Engländer gerne sagen.
Entsprechend auch die Auswahl der Darsteller. Dass Graham Greene (ähnlich wie Mario van Peebles im ähnlich gelagerten „American Battleships“) mittlerweile keinerlei Maßstäbe mehr an den Tag legt, ist bekannt. Dass David Chokachi fast fünfzehn Jahre nach „Baywatch“ für jeden Scheck dankbar ist, wundert niemanden. Aber was hier als „performance“ durchgereicht wird, hat nicht mal mehr Provinzbühnen-Niveau. Ich wurde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Chokachi auch als Figur deshalb ständig besoffen sein musste, um tatsächliche Alkoholprobleme des Darstellers zu kaschieren. Mein persönliches Highlight ist aber Steven Harlow, der als „Sheldon Geise“ mit Augenklappe und Whiskystimme eigentlich 90 Minuten lang nur „Wir müssen die Bombe werfen!“ knurrt. Ich habe furchteinflößendere Stehlampen gesehen.
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Es sollte als Fazit nicht verwundern, dass mir „Atlantic Rim“ redlich den Abend versaut hat. Es ist einer dieser Drecksstreifen, über die man im Spätprogramm stolpert und bei denen man nach maximal drei Minuten von dannen zappt. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Ich maße mir allerdings nicht an zu vermuten, wie mir der Film in Gesellschaft des Packs vom B-Film Basterds Festival gefallen hätte. Ist diese Scheiße scheiße genug, um zum johlenden Chips-Wurf einzuladen? Würde „Sheldon Geise“ spontan zur Kultfigur mutieren? Würden wir als „drinking game“ immer einen heben, wenn unser „Held“ Red zum Glas greift? Ich weiß es nicht.
Fazit: Ein absurd billiges, bar jeglicher Ambition oder Fähigkeit auf den Markt gerotztes „Pacific Rim“-Plagiat, das noch einmal das Wenige unterbietet, was wir von den Schlockbustern gewohnt sind. Der Versuch, sich diesen Totalausfall schön zu trinken, kann zur Alkoholvergiftung führen.
Im Trailer könnt ihr schon mal 90 Prozent der CGI-Szenen bewundern:

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P.S.: Bezeichnend kackfrech finde ich übrigens, dass der Nachspann genau 16 Personen als "Cast" listet und weitere ca. 100 unter "Background" abhakt.



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flippah
flippah
1. Juli, 2013 15:52

Warum hast du dir das überhaupt angetan?

Wortvogel
Wortvogel
1. Juli, 2013 15:54

@ flippah: Mir wurde die Wartezeit bis "Pacific Rim" zu lang.

Dietmar
Dietmar
1. Juli, 2013 16:06

"Nicht der hier: Der hier:" *beömmel*

Thorben
Thorben
1. Juli, 2013 16:30

Auweia. Leichter Hang zum Masochismus würde ich vermuten.

Marko
1. Juli, 2013 17:13

Hihihi … selbst schuld. ^^

Pascal
Pascal
1. Juli, 2013 17:55

Ob es wohl in ein paar Jahren einen ,,Indian Ocean Rim" mit Gesangseinlagen geben wird dessen Fx besser sind als die hier? *g*

DMJ
1. Juli, 2013 18:11

Einer muss es ja tun und wo der Acula zur Zeit ja krank ist, opfert sich halt der Wortvogel!
Aber schlimm, dass gerade so ein besonder schlimmer Totalausfall von Mockbuster noch leichter mit seinem Vorbild verwechselt werden kann, als in den meisten Fällen. Es mag Geographen schockieren, aber "Atlantik" und "Pazifik" sind bei mir assoziativ recht gleich belegt. 😉

Exverlobter
Exverlobter
1. Juli, 2013 18:18

Trailer kriegen sie hin.

Exverlobter
Exverlobter
1. Juli, 2013 18:20

2012: Ice Age war hingegen gar nicht sooo schlecht.

Exverlobter
Exverlobter
1. Juli, 2013 18:33

Grimm’s Snow White kann man auch anschauen.

Marcus
Marcus
1. Juli, 2013 19:31

@DMJ: "Es mag Geographen schockieren, aber “Atlantik” und “Pazifik” sind bei mir assoziativ recht gleich belegt."
Gehen ja auch quasi nahtlos ineinander über… 😀

Tobias
Tobias
1. Juli, 2013 22:36

OMG, heute fuer 3 Pfund bei HMV gesehen und auf Grund des Reviews beinahe gekauft. Bin dann aber doch noch zur Besinnung gekommen…

justus_jonas
justus_jonas
2. Juli, 2013 00:00

"Wer so etwas wie „Atlantic Rim“ kauft, erwartet nicht, dass die Versprechen auch eingelöst werden."
Wenn ich mir die Leute ansehe, die mit mir in einer durchschnittlichen "Saturn"/"MediaMarkt"-Warteschlange stehen, dann befürchte ich eher das Gegenteil. "Guck mal, Karlheinz. Den gibt’s schon auf Video. Hab ich den Trailer kürzlich im Kino gesehen. Irgendwas Rim." "Schau mal, Günther. Thor 2. Den Ersten fand ich gut, komm, den packen wir ein." Und davon gibt es bestimmt nicht allzu wenig Käufer. Auch wenn wir hier irgendwie das Gegenteil erhoffen.

Peroy
Peroy
2. Juli, 2013 00:10

Kein Mitgefühl für Dumme… 8)

dermax
dermax
2. Juli, 2013 00:17

Also mir ist die durchschnittliche Elektromarkt-Schlange eine zu kleine Stichprobe… ist es echt ein Geschäftsmodell, dass man aufs "Verwechseln" setzt? Oder sinds ned eher Trittbettfahrer, wo man halt ausreichend Leute findet, die in dem ganzen Hype "irgendwas mit Robotern" gucken wollen und sich schon bewusst sind, dass es ned derselbe Film ist?

S-Man
S-Man
2. Juli, 2013 08:35

Ich würde ebenfalls auf die Verwechslung gehen. Genau aus dem gleichen Grund wie der von justus_jonas. Echt schon zig Male beobachtet.

Dr. Acula
2. Juli, 2013 08:59

Bin ich halt der einzige, der sich den Kram gezielt kauft 🙂 (oder kaufen wird, sobald wieder in freier Wildbahn…)

Reini
2. Juli, 2013 13:06

Nicht ganz der Einzige… 😉

Peroy
Peroy
2. Juli, 2013 21:11

Ich hab' etwa 30 Asylum-Filme im Regal stehen, die hab' ich garantiert nicht versehentlich geschossen…

Marcus
Marcus
2. Juli, 2013 21:55

@Peroy:
"Ich hab’ etwa 30 Asylum-Filme im Regal stehen, die hab’ ich garantiert nicht versehentlich geschossen…"
DAS glaube ich unbesehen…

Pascal
Pascal
2. Juli, 2013 22:14

@Peroy:
“Ich hab’ etwa 30 Asylum-Filme im Regal stehen, die hab’ ich garantiert nicht versehentlich geschossen…”
Und mir macht das Angst!

Karsten
3. Juli, 2013 00:39

Bei Peroy macht mir gar nix mehr Angst…

Peroy
Peroy
3. Juli, 2013 03:32

Alle selbst geguckt… und einige DVDs hinterher abgeleckt. Beidseitig… gnihi…

Nikolai
Nikolai
3. Juli, 2013 07:33

Nach dem Trailer sage ich mal "Go Go Power Rangers".
Genau so sehen die irgendwie aus.

trackback

[…] Nikolai bei Movie Mania 2013 (24): DVD-Kritik „Atlantic Rim“ […]

chaosmonger
chaosmonger
3. Juli, 2013 23:04

Wen meinst du eigentlich mit "Pack vom B-Film Basterds Festival"…?

Wortvogel
Wortvogel
3. Juli, 2013 23:05

@ chaosmonger: Wer immer sich den Schuh anzieht 🙂
Ist doch lieb gemeint!