mm2013 Klein

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USA 2013. Regie: Shane Black. Darsteller: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley, Guy Pearce, Rebecca Hall, Don Cheadle, Jon Favreau, William Sadler, Miguel Ferrer

Offizielle Synopsis: Der ebenso exzentrische wie brilliante Tony Stark alias Iron Man bekommt es diesmal mit einem Gegner zu tun, dessen Einfluss keine Grenzen zu kennen scheint. Als Stark seine persönliche Welt von feindlicher Hand zerstört vorfindet, begibt er sich auf eine zehrende Suche nach den Verantwortlichen. Auf diesem Weg muss er wirklich zeigen, was in ihm steckt. Mit dem Rücken zur Wand, kann sich Stark nicht mehr auf seine Erfindungen sondern nur noch auf seinen Scharfsinn und seine Instinkte verlassen, um die zu schützen, die ihm nahe stehen. Während er sich zurück kämpft, kommt Stark der Antwort nach der Frage näher, die ihn insgeheim verfolgt: Macht der Mann den Anzug, oder der Anzug den Mann?

Kritik: Ich habe glaube ich noch keinen derartigen Aufwand in Kauf genommen, um eine Pressevorführung anzuschauen. Ich wußte, dass ich München nicht schaffen würde, weil ich die Woche in Speyer zu tun habe und Mittwoch auf Reportage sein würde. Also meldete ich mich für Donnerstag in Stuttgart an. Gestern Nachmittag stelle ich fest, dass Frankfurt sogar noch näher dran ist und die Strecke weniger Staus verheißt. Also ab in den Wagen nach Frankfurt. Berufsverkehr in der Innenstadt. Ich fürchte, zu spät zu kommen. Glücklicherweise ein Parkplatz gegenüber des Metropolis-Kinos. Film geguckt, während des Nachspanns plappernde Mitgucker angeschnauzt, als der Voiceover zur Post Credits-Sequenz beginnt: „Ist jetzt bald mal mit dem Gesabbel Schluss?“

An den Becken im Kino-WC erste Diskussionen: besser als „Avengers“? Besser als „Iron Man“? Oder überhaupt besser als alles andere? Die Meinungen gehen auseinander. Ich bemerke, dass gleich noch „Olympus has fallen“ läuft. Keine Zeit, keine Zeit. Es ruft der nächste Termin mit einem Fotografen in Neustadt. Schnell noch das Presseheft eintüten.

Draußen: Parkticket abgelaufen. 15 Euro. Ist jetzt auch egal.

Und wofür das alles? Für den Triumph, den Videoraider angesichts des Films bereits ausgerufen hat? Für das „echte Meisterwerk“, das Florian Breitsameter von SF-Film.de gesehen haben will, als er einen Tag vor mir in München im Screening war?

Öhhh… nein. „Iron Man 3“ ist unzweifelhaft ein Kracher, der die erste Messlatte des Kinosommers SEHR hoch legt. Ein Film, der die „Iron Man“-Saga angemessen und bruchfrei weiter fabuliert. Der bei den Effekten, dem Tempo, der schieren Lust an der Zerstörung ebenso noch mal drauf legt wie beim Humor und den großen, an Comic-Doppelseiten angelehnten Bildern. Es ist ein Schaulaufen der perfekten Filmfabrik, zu der Marvel sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Da stört kein falscher Ton, da gibt es keinen falschen Takt, da greift jedes Rädchen ineinander. Die Analogie ist fast zu augenfällig: der Film erinnert an die Kreationen von Tony Stark selbst: eitel, auffällig, perfekt, immer wieder zu neuen Höhepunkten fähig.

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Aber es gibt sie trotzdem, die kleinen Makel, die nicht nur das Problem von „Iron Man 3“ sind, sondern von allen megabudgetierten Superhelden-Blockbustern.

Da ist zuerst einmal die Grundstruktur der Geschichte, die wir in Variationen jetzt schon ein Dutzend mal gesehen haben: der gefeierte Held muss dekonstruiert werden, um sich – hilflos und allein gelassen – auf seine eigentlichen Stärken zu besinnen. Es ist absurd: der Superheld funktioniert nur, wenn er seines Superheldentums beraubt wird. „Dark Knight“, „Dark Knight Rises“, „Iron Man 2“ – es ist letztlich immer der gleiche Ablauf, weil Comicfilme an ihren übergroßen Figuren kranken, die zuerst einmal gebrochen werden müssen, um wieder spannend zu werden. Im Aufbau ähneln alle diese Filme „Rocky 3“.

Und auch beim Gegner bekleckert sich „Iron Man 3“ nicht immer mit Ruhm, aber ich will nicht arg spoilern. Es muss reichen, dass es zwei „Supergegner“ und eine ganze Horde von Handlangern gibt, die wieder mal nach dem Supersoldaten-Klischee gebaut sind.

Tony Stark kommt ebenfalls nicht ohne Schrammen davon – seine Fähigkeiten sind mittlerweile geradezu gottgleich, er ist der MacGuyer unter den Superhelden. Bei 42 verschiedenen Iron Man-Rüstungen, die mittlerweile sogar autark und als Einzelteile agieren können – wo bleibt da das Einzigartige, die Gefahr, die von der Beschädigung oder gar Zerstörung der Rüstung ausgeht? Man hat den Eindruck, dass Tony mittlerweile nur noch String+C und String+V sagen muss, um einen neuen Superanzug aus dem Hut zu zaubern.

Natürlich kommt es am Ende zum großen Showdown, und „Iron Man 3“ müht sich sichtlich, nicht an der Messlatte von „Avengers“ zu scheitern. Leider ist eine kleine Armee von Iron Mans nicht annähernd so spannend wie die zusammen gewürfelten Avengers – und ein verlassenes Hafengelände nicht annähernd so spektakulär wie Manhatten. Es wird Rabatz um des Rabatz willen gemacht – bis zur totalen Erschöpfung nicht nur der Figuren, sondern auch der Zuschauer.

Am meisten aufgestoßen ist mir allerdings die Motivation des Bösewichts. Es gibt nämlich keine. Was die ganzen elaboraten Pläne sollen, bleibt total im Dunkeln. Immer mal wieder gibt es Dialogzeilen, die in eine Richtung zu deuten scheinen, aber kurz darauf wieder konterkariert werden. Ich habe selten ein Drehbuch gesehen, das so konfus war, was den Antrieb des Antagonisten angeht.

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All das stimmt, und all das ist ärgerlich genug. Aber es ist auch unwichtig. Weil der Film schnell und spaßig genug ist, uns strukturellen Probleme ratzfatz vergessen zu machen. Er setzt uns in einem offenen Cabrio in ein Formel 1-Rennen und sagt: „Viel Spaß“. Man hört sich „boah“ murmeln und pubertär kichern, vergisst Cola und Popcorn. Shane Black ist genau der richtige Regisseur dafür, weil er an keiner Stelle das Spektakel der Realität unterzuordnen bereit ist. Er dreht alles auf 11, hip gewinnt.

Außerdem ziehe ich vor jedem Film meinen Hut, der mir Gwyneth Paltrow sympathisch machen kann.

Um die WC-Diskussionen vom Anfang noch einmal zu resümieren: Für mich bleibt „Iron Man“ der Maßstab. „Iron Man 3“ ist besser als Teil 2 und ungefähr gleichauf mit „Avengers“. Das ist mehr, als ich erwartet hatte.

Fazit: Das erste ganze große Spektakel des Sommers, in Stärken wie Schwächen „Avengers“ ebenbürtig. Augen auf, Hirn aus, Film ab!

P.S.: Natürlich gibt es wieder eine Post Credits-Sequenz, für die man sitzen bleiben muss. Das ist zuerst sehr leicht, weil es einen grandios fetzigen Nachspann zu sehen und zu hören gibt. Danach folgt aber eine Auflistung der beteiligten Tricktechniker, die es mit der Bevölkerungszahl von Dortmund aufnehmen kann. Durchhalten!



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