Untitled (mm2013 copy)

Citadel-Ciaran-Foy-IRLAND/SCHOTTLAND 2012 / 84 MIN / ENGLISCHE OV REGIE Ciarán Foy DARSTELLER Aneurin Barnard / James Cosmo / Wunmi Mosaku / Jake Wilson / Amy
Shiels

Offizielle Synopsis: Vor Monaten musste Tommy hilflos mit ansehen, wie seine schwangere Frau von einem Rudel kapuzentragender Straßenkinder ins Koma geprügelt wurde, aus dem sie nicht mehr aufwachte. Nur seine kleine Tochter bleibt ihm – der einzige Lichtblick in zunehmend verzweifelter Düsternis. Der schreckliche Vorfall hinterlässt Spuren: Tommy wagt sich nur noch unter größter Kraftanstrengung aus der Wohnung, und in den menschenleeren Straßen des heruntergekommenen Viertels wird er verfolgt von huschenden Schatten und leise gewisperten Bosheiten. Dann kommen die Kapuzenträger zurück und verschwinden mitsamt seiner Tochter in der Nacht. Nun muss sich Tommy seiner größten Angst stellen und dorthin zurückkehren, wo das Böse wohnt – in jenes faulig in den Himmel ragende Apartmenthochhaus, das man die „Zitadelle“ nennt…

Kritik: Jau, das klingt doch mal geil. Urban Angst, das Wohnhaus als Symbol der verrottenden Zivilgesellschaft, der letzte Aufstand der nuklearen Familie gegen das neue Stammeswesen. „Attack the Block“ und „Harry Brown“, „Tower Block“ und „F“ – der britische Beton der Gegenwart ist keine Festung mehr, sondern ein Gefängnis. Die eigene Wohnung, die eigene Schule bietet keinen Schutz mehr, wo die Staatsmacht sich zurück zieht und die gesellschaftlichen Spielregeln keine Geltung mehr haben.

Warum können die Briten dieses Thema eigentlich so spannend und vielfältig aufbereiten, die Deutschen aber nicht? Gibt es bei uns nicht genug „national befreite Zonen“, zerfallende Plattenbau-Siedlungen, menschenleere Viertel? Was für ein großartige Background für die letzte Schlacht um das klassische Konzept „Stadt“. Muss ich denn ALLES selber schreiben?

Sorry, wenn ich mich in Rage rede, das kommt immer öfter vor, wenn ich Filme sehe, die andere machen, die wir hätten machen können, sogar vielleicht hätten machen müssen. Wenigstens hält sich mein Frust bei „Citadel“ in Grenzen, weil er einfach nicht gut genug ist, um Neid zu erzeugen.

„Citadel“ ist zäh, völlig falsch getaktet und löst an keiner Stelle das Versprechen des so simplen wie knackigen Konzepts ein: ein Vater muss an den schlimmsten Ort seines Lebens zurück, um sein Kind zu retten und sein Trauma zu besiegen.

citadel

Gerade mal 84 Minuten dauert der Streifen und mehr als 40 verschwendet er an die Einführung, die eigentlich keine 15 dauern sollte. So dürfen wir erst einmal fast eine Stunde lang einem Protagonisten zuschauen, der einfach Schiss vor dem Leben hat, zittert, heult und jammert. Eine Polizei scheint es in dieser Welt eben so wenig zu geben wie ein auch nur rudimentär funktionierendes Sozialwesen – die Straßen sind leer wie nach einer Zombie-Apokalypse. Es ist eine trübe, trostlose Welt, die Regisseur Foy zeigt – und sie ist an keiner Stelle glaubwürdig oder packend.

Der Kern der Geschichte, nämlich der Trip in die Hölle, fällt in das letzte Drittel, läuft ohne nennenswerte Konflikte oder Höhepunkte ab und gipfelt nicht in einem großen, alle Beteiligten verändernden Showdown, sondern in einer banalen Explosion – Tommy löst das Problem der bizarren „Kapuzenkinder“ mit einer Ladung C4. Bumm und hä?

Überhaupt: die „Kapuzenkinder“. Ferale Missgeburten, Maulwürfe in steinernen Hügeln, schmutzig und verwahrlost seit Generationen. Das erinnert an „Raw Meat“ von Gary Sherman, ohne je dessen Schlüssigkeit oder Tragik zu erreichen. Die Backstory der „Kapuzenkinder“ ist so unglaubwürdig wie unwichtig, weil sie letzten Endes nur ein seelenloser Mob sind, dem das Skript keine tiefere Motivation oder Funktion zuweist.

Kommt der Film am Anfang nicht in die Puschen, verpufft er am Schluss völlig, weil er nichts zu sagen hat. Schade, denn zu dem Thema hätte man ja durchaus einiges sagen können.

Das Budget von „Citadel“ war offensichtlich nicht sehr hoch, außer einer recht dynamischen Kamera, die düster-deprimierende Sozialghetto-Bilder einfängt, gibt es nicht viel zu sehen.

Fazit: Eine faszinierende Idee, die so zäh und ereignislos erzählt wird, dass selbst die begrenzte Laufzeit zu lang wir. Urban Terror, wie ihn keiner mag.



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