Cloud-Atlas1Ich habe vor drei Wochen das ZEIT-Dossier „Aufnahme läuft!“ gelesen, in dem minutiös protokolliert wird, wie anstrengend der Wettlauf eines Film-Releases gegen die Raubkopien mittlerweile ist. Jetzt steht der endlich auch online zur Verfügung und ich rate dringend zur Lektüre, bevor wir hier weiter machen.

Alles klar soweit? Schön.

Bereits der Anreißer gibt die Marschrichtung vor:

Der Produzent Stefan Arndt hat mit „Cloud Atlas“ den teuersten deutschen Film aller Zeiten herausgebracht. Er braucht Zuschauer, die Kinokarten und DVDs kaufen. Das Geschäft funktioniert – bis Piraten illegale Kopien des Films ins Internet stellen.

Die Kausalkette ist klar: „Cloud Atlas“ ist auf dem Weg, ein Erfolg zu werden, bis ihm die bösen Raubkopierer dazwischen kommen. Und das ist schon grundfalsch, wie wir gleich sehen werden.

Zuerst einmal wird das Klischee von der Kamera in der Popcorn-Tüte bedient: „Er drückt auf »Record«, und die Kamera läuft, bis der Abspann erscheint. So wird er Stefan Arndt seinen Film wegnehmen.“

Ich halte die These, dass schwammig und wackelig abgefilmte Raubkopien einen Film ernsthaft schädigen können, für abwegig, Und die Autorin des Beitrags, so penibel sie auch alles andere recherchiert, lässt ihre Behauptung einfach mal so stehen. Aber es erscheint nicht einmal im Ansatz logisch: lieber auf dem PC-Monitor die Wackelversion schauen, als mit der Freundin ins Kino gehen? Die DVD bei Saturn stehen lassen, weil auf der Festplatte noch eine matschige Raubkopie liegt? Bei RTL oder Pro7 nicht einschalten, weil man den Film ja schon mal in einer Drecksqualität gestreamt hat?

Nach meiner Erfahrung sind sogenannte „Cam-Rips“ nur was für beinharte „Ich zuerst!“-Freaks, die kein Leben haben und die mir als Filmfans außerordentlich suspekt sind.

Aber weiter im Text. Es wird sehr schön die Verwertungskette von Filmen beschrieben, die Mühen, die hinter der Finanzierung von „Cloud Atlas“ stecken.

Dann wieder: „Heute kann es passieren, dass die Zuschauer Cloud Atlas lieben oder mit der Zeit lieben lernen und Arndt trotzdem umsonst arbeitet. Weil irgendjemand den Film heimlich kopiert und ins Internet stellt. Er wird womöglich tausendfach heruntergeladen, millionenfach angesehen.

Wieder: die Behauptung, irgendein mieser Cam-Rip könne dem Film wirtschaftlich schaden. Unbelegt. Wenigstens findet sich mal das Wort „womöglich“.

CLOUD ATLAS

Ich wiederhole mich vielleicht, aber: ich kenne NIEMANDEN, der sich einen Film wie „Cloud Atlas“ nicht auf DVD oder im Kino anschauen würde, selbst wenn es einen Cam-Rip im Netz gibt. Voraussetzung: es muss ein tatsächliches Interesse am Film bestehen. Aber dazu kommen wir noch.

„Es kann dann passieren, dass kaum jemand noch die DVD kauft, dass kein Fernsehsender noch viel Geld dafür bezahlt, dass er den Film zeigen kann.“ – nein. Die Existenz von DVDs wird mittlerweile massiv von Online-Anbietern wie Netflix bedroht, nicht von Raubkopien. Und nach dem Kinoflop von „Cloud Atlas“ ist eher ein robustes DVD-Geschäft zu erwarten. Vor allem aber: die TV-Sender haben „Cloud Atlas“ längst gekauft, waren teilweise an seiner Produktion beteiligt. Ich kann mir nicht mal ein theoretisches Szenario ausmalen, in dem ein Einkäufer sagt: „Tja, den hätten wir schon gerne im Programm, aber nachdem es überall Raubkopien gibt…“. Auf den Punkt gebracht: Bullshit.

Es folgt eine großartige, wieder sehr detailverliebte Beschreibung, wie hoch die Sicherheitsvorkehrungen bei Screenings sind. Dann geht der Autorin allerdings die Paranoia durch: „Eine Sondervorstellung für 20 Mitarbeiter der Mitteldeutschen Medienförderung. Ein Risiko. Jemand könnte den Film kopieren, ein Zuschauer, ein Angestellter des Kinos.

Echt jetzt? 20 Mitarbeiter der Mitteldeutschen Medienförderung, von denen einer womöglich das Handy zückt, um „Cloud Atlas“ auf seinem iPhone mitzuschneiden? Man sollte das Interesse der Welt an dem Film und die kriminelle Energie von Mitarbeitern der Mitteldeutschen Medienförderung vielleicht nicht überbewerten.

Und dann verstolpert sich Kerstin Kohlenberg ganz böse: „Alles schon vorgekommen. Vor drei Jahren verbreitete sich eine Raubkopie des amerikanischen Actionfilms X-Men Origins: Wolverine im Internet, einen Monat vor der Premiere. Der Film wurde vier Millionen Mal heruntergeladen. Branchenexperten beziffern den dadurch entstandenen Verlust auf zwölf Millionen Dollar.“

In der Tat: „Wolverine“ ist ein gutes Beispiel. Nämlich dafür, dass eine blitzsaubere Raubkopie, die lange vor dem Kinostart überall im Netz verfügbar ist, KEINEN nennenswerten Einfluss auf den Release hat. Zuerst einmal war es kein Raubkopie aus dem Kino, niemand saß mit Kamera im Saal. Es war wohl ein Mitarbeiter einer an der Produktion betrauten Firma, der eine Arbeitsversion auf DVD kopierte. Trotz miserabler Kritiken spielte „Wolverine“ dennoch weltweit 373 Millionen Dollar ein – und das nur im Kino! Selbst wenn die ungenannt bleibenden „Branchenexperten“ Recht hätten, wären 12 Millionen gerade mal drei Prozent des Kino-Umsatzes. Daran die ruinösen Praktiken der Raubkopierer aufzeigen zu wollen, zeigt die Dürftigkeit der Beweisführung.

Cloud-Atlas-Old-Georgie

Die Leute von der Medienförderung sollen Cloud Atlas am nächsten Morgen um zehn Uhr im Leipziger CineStar sehen. Ursprünglich hatte Arndt ein anderes Kino gebucht, aber das informierte die Presse über die geheime Vorführung. Arndt tobte. Je mehr Leute davon wissen, desto eher wird das Ding abgefilmt, sagte er.

Dieses Absatz verstehe ich nicht ganz. Das Kino informiert die Presse darüber, dass ein Screening für die Mitteldeutsche Medienförderung ansteht? Unwahrscheinlich. Und selbst wenn die Presse informiert würde – damit käme immer noch niemand in das Screening, der nicht vorne auf der Gästeliste steht, die vom Produzenten kontrolliert wird. Das klingt alles SEHR fischig.

Seit mehr als zehn Jahren werden relevante Screenings von Security überwacht, die Handys einsammelt, Taschen durchwühlt, Journalisten abgetastet und mit Nachtsichtgeräten während des Screenings im Saal Wache hält. Ich halte es für ausgeschlossen, dass hier eine Raubkopie erstellt werden kann. Panikmache, die nichts mit der Realität zu tun hat.

Die nächsten paar Absätze sind wieder lobenswert: es geht um weltweite Starttermine und die Probleme, die entstehen können, wenn ein Film in einem Land noch nicht läuft, während woanders schon Kopien kursieren. Ein spannender Einblick, bei dem mir nur zwei Aussagen als drollig aufstoßen:

Cloud Atlas ist ein komplizierter Film, über den man tagelang nachdenken kann.“ – das würde ich nach meiner Kritik heftig bestreiten.

Das Drehbuch hat 200 Seiten, doppelt so viel wie bei einem gewöhnlichen Film.“ – nun ja, das hat wohl eher damit zu tun, dass „Cloud Atlas“ auch doppelt so lang ist wie ein „gewöhnlicher Film“.

Nun kommen wir von der Theorie zur Praxis. „Cloud Atlas“ startet sehr verhalten in den USA, wie auch die Autorin des Artikels zugeben muss: „In den USA spielt Cloud Atlas am ersten Wochenende knapp zehn Millionen Dollar ein. Arndt hatte sich mehr erhofft. Der Film wird noch mehr Zeit als erwartet brauchen, um das Geld hereinzuholen.

Cloud-Atlas-1930s

Ihrer Meinung nach geht es jetzt also nur noch darum, den Wettlauf gegen die Raubkopierer zu gewinnen, um den Film in die Profitzone zu bringen. Ich sage es nur sehr ungern, aber: das ist kompletter Blödsinn. Am 26.10.2012 ist „Cloud Atlas“ in Amerika GEFLOPPT und bei einem Gesamtbudget von 200 Millionen Dollar waren damit die Chancen, das Geld einzuspielen, praktisch verspielt. Weil der Flop in den USA auch die anderen Märkte erschlaffen lässt. Das Vertrauen der Zuschauer, einen guten Film präsentiert zu bekommen, sinkt ebenso wie die Bereitschaft der Kinobetreiber, dem Film breiten Raum zu geben. Auch wenn mittlerweile der größte Teil der Einnahmen von den internationalen Märkten kommt: Die USA sind der Taktgeber – sie bestimmen, was ein Hit und was ein Flop ist.

Wir halten außerdem fest: Der schwache Start von „Cloud Atlas“ kann nichts mit Raubkopien zu tun gehabt haben, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine gab. Aber genau dieser Aspekt wird interessanterweise komplett ausgeblendet. Weil er nicht zur Narrative dieses Artikels passt, die lautet: Raubkopien haben „Cloud Atlas“ kaputt gemacht.

Danach wird es wieder spannend, teilweise sogar faszinierend: wir folgen (fiktionalisiert, aber sicher nah an der Wahrheit) einem Raubkopierer in ein russisches Kino, wo die erste illegale Kopie von „Cloud Atlas“ abgefilmt wird.

Laut Aussage von Kerstin Kohlenberg steht am 7. November die erste Raubkopie von „Cloud Atlas“ im Netz. Meine eigenen Recherchen listen den 16. November, aber vielleicht bin ich auch nur nicht ganz so gut im Thema.

Wirklich baff machen mich die nächsten Absätze, die so beginnen: „Er ahnte schon, dass die Piraten seinen Film erbeuten würden. Deshalb hat er Helfer engagiert, Piratenjäger, in allen wichtigen Ländern. In Russland ist es Olia Valigourskaia. 10.000 Euro zahlt er ihr im Monat.“

Der Produzent von „Cloud Atlas“ zahlt einer russischen Piratenjägerin unglaubliche 10.000 Euro im Monat? Und er ist nur einer ihrer Auftraggeber? Die muss MILLIONEN verdienen – mehr, als die Raubkopien an Schaden verursachen. Wo kann ich mich für DEN Job bewerben?!

Besonders deshalb, weil es letztlich ein wirkloses Wuseln ist:  „Schon 5.500 Mal hat Olia Valigourskaia per E-Mail die Aufforderung verschickt, den Link zu löschen und die Kopie vom Netz zu nehmen. (…) Manche Website-Betreiber ignorieren die Aufforderung. Manche halten sich daran und löschen den Link zum Film, oft aber taucht er kurz danach wieder auf.“

CLOUD ATLAS

Indiskutabel dann der folgende Rundumschlag gegen den russischen Markt: „Die russische Justiz lässt sie meist in Ruhe. Die Leidtragenden sind ja Amerikaner, Deutsche, Engländer. In Russland gibt es längst keine nennenswerte Filmindustrie mehr.“

WTF?

Nun schwenkt der Artikel zum Deutschlandstart von „Cloud Atlas“. Man achte mal drauf: angeblich gab es die erste Raubkopie 7.November. Ich habe 16. November recherchiert. Deutschlandstart? 15. November. Ich will keine bewusste Täuschung um der Narrative willen unterstellen, aber auffällig ist es schon, dass es Kerstin Kohlenberg sehr gut in den Kram passt, dass eine russische Raubkopie VOR dem Deutschlandstart erhältlich war. Ich habe schon ausgeführt, dass das kaum eine Auswirkung auf die Besucherzahlen gehabt haben kann, aber zumindest hat die Unterstellung so Bestand.

Wir kommen zu totalem Nonsens angesichts der mauen Kritiken: „Arndt weiß aus Erfahrung, was das bedeutet: Der Film wird in Deutschland ein gutes Ergebnis einfahren, aber er wird kein Kassenschlager werden. Zeit wird immer wichtiger für den Film. Je weniger Geld er durch Kinokarten einspielt, desto länger dauert es, bis die Kosten über DVD-Verkäufe oder legale Onlineplattformen wie iTunes wieder hereingekommen sind. Aber jeden Tag steigt das Risiko, dass sich die Raubkopien im Internet weiterverbreiten.

Das klingt gut, ergibt aber tatsächlich keinen Sinn. Ein Cam-Rip aus einem russischen Kino hat keine Auswirkungen auf DVD-Verkäufe, Onlineplattformen oder Streaming-Dienste. Eine wirkliche Gefahr geht erst von blitzsauberen DVD- und BlueRay-Rips aus, die für den User die gleiche Bild- und Tonqualität wie kommerzielle Angebote liefern.

Als der erste DVD-Rip erscheint, am 16. Dezember, ist „Cloud Atlas“ längst in allen relevanten weltweiten Märkten gestartet. Und gefloppt. Der Film scheitert nicht an den Raubkopien, er scheitert am Desinteresse der Zuschauer. Die Hoffnung, er werde all das auf DVD und im TV wieder rein holen, ist bemitleidenswert. Die Behauptung, Raubkopien würden das verhindern, ist durchschaubar.

Zeit, mal die Spuren der Raubkopierer zu verfolgen. Ein eher Mitleid erweckender „Cyber-Cop“ kommt zu Wort, ein paar Handlanger wollen offensichtlich nicht in die Zeitung. Briefkastenfirmen, internationale Serverparks, Decknamen – ich hatte mir das Metier wirklich kleinbürgerlicher vorgestellt.

Nun kommt die Autorin des Artikels vom Hundertsten ins Tausendste und wirft in einem Absatz gleich einen ganzen Batzen unbelegter Behauptungen raus: „Seit die illegalen Kopien weltweit im Internet kursieren, ist der DVD-Verkauf der Filmindustrie um ein Viertel eingebrochen. Große Produktionsunternehmen wie Time Warner, Picturehouse, Universal haben inzwischen ihre Kunstfilm-Abteilungen geschlossen oder verkauft. Sie konzentrieren sich jetzt noch mehr auf einfach gestrickte Filme für das Massenpublikum, die innerhalb weniger Wochen ihre Kosten einspielen. Bevor der Mitschnitt im Netz kursiert.“

Jeder Satz falsch. Bemerkenswert. Raubkopien gab es immer, auch vor der DVD. Die Verkäufe der DVD brechen wegen BlueRays und Streaming-Diensten ein, das Format nähert sich dem Ende seiner Lebenszeit. Produktionsfirmen bringen immer neue Labels auf den Markt, auch für Klassiker, Serien und Spartenproduktionen – aber eben nicht mehr exklusiv auf DVD. Es gibt nicht mehr oder weniger „einfach gestrickte“ Filme als vor zehn oder zwanzig Jahren – eine kausalen Zusammenhang mit Raubkopien herstellen zu wollen, ist absurd.

Die nächsten Absätze bestätigen die Klischees: Politiker haben keine Ahnung, worum es geht, und den Firmen ist egal, ob sie auf Webseiten werben, die ihren Traffic mit Raubkopien generieren. Das ärgert mich auch – vor allem, weil es wahrlich nicht wie ein unlösbares Problem erscheint.

Cloud Atlas

Die Tatsache, dass heute im Bundestag über das Leistungsschutzgesetz debattiert wird, macht es umso bezeichnender, dass Frau Kohlenberg die Aussage einer Professorin, das Urheberrecht sei gar nicht so relevant, mit dem fiesest möglichen Rückschluss torpediert:

Man kann es überraschend finden, dass die Wissenschaftlerin Hofmann sich so eindeutig auf die Seite derer stellt, die mit illegalen Filmkopien Geld verdienen. Allerdings nur für einen Moment. Bis man feststellt, dass Hofmann und die 26 weiteren Forscher des im vergangenen März gegründeten Instituts nicht von der Humboldt-Universität bezahlt werden, obwohl sie ihre Büros in deren juristischer Fakultät bezogen haben. Sondern von einem großen internationalen Unternehmen. Von Google. Der Konzern ist derzeit der alleinige Geldgeber des Instituts, 4,5 Millionen Euro hat er investiert, für die ersten drei Jahre. Man kann sagen, ein Teil des Geldes, das Google mit den Raubkopien erwirtschaftet, fließt in wissenschaftliche Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass Raubkopien keine schlechte Sache sind.

Das ist „gotcha!“-Journalismus der ganz ekelhaften Sorte.

Kommen wir zum wenig ruhmreichen Abschluss. In den USA gefloppt, in Russland gefloppt – wie lief „Cloud Atlas“ eigentlich bei uns, noch bevor eine Raubkopie auf den Markt kam?

„Zwar konnte Cloud Atlas in Deutschland mehr als eine Million Zuschauer ins Kino locken. Das ist ganz ordentlich.“

Ich würde gerne mal Frau Kohlenbergs Definition von „ganz ordentlich“ hören. „Cloud Atlas“ schaffte es nie auf Platz 1 der Charts, kam nicht mal unter die Jahres-Top 20.

Aber trotzdem hat er erst 85 der 200 Millionen Dollar eingespielt, die er gekostet hat. Der große Rest muss jetzt über DVDs, Fernsehrechte und andere Verwertungen hereinkommen. Es sieht also nicht gut aus für Stefan Arndt.

Alles nur wegen der bösen Raubkopien – die es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab.

Zeit für den pathetischen Schluss des Dramas: „Tom Tykwer und die Geschwister Wachowski werden dann in dunklen Anzügen über einen roten Teppich laufen und lächelnd den Fotografen zuwinken. Stefan Arndt wird den Journalisten erzählen, wie es kam, dass er diesen Film gemacht hat. Und wie er ihm wieder genommen wurde.

Unglaublich. Dem Produzenten wurde der Film „genommen“. Per Wackelkamera und Filesharing. Sonst wäre „Cloud Atlas“ selbstverständlich ein Welterfolg geworden, ach was – ein moderner Klassiker! Schändlich, diese Russen, diese Raubkopierer, vor allem aber diese russischen Raubkopierer! Da hat man einfach keine Chance gegen.

So, wie ich das sehe, bastelt Produzent Stefan Arndt an seiner eigenen Legende, um das Versagen von „Cloud Atlas“ zu rechtfertigen – und eine Journalistin hat sich für den intimen Einblick in die Szene genau diese Narrative füttern lassen, ohne sie je zu hinterfragen. Handwerklich sauber geschrieben, exzellent recherchiert, aber absolut unseriös und fragwürdig in den Schlussfolgerungen.

Es wird nicht einmal die Frage gestellt, ob der Film einfach sein Publikum verfehlt hat, ob das Markting falsch war, ob nicht alle Beteiligten zu besoffen von ihrer eigenen Brillanz waren. Nein, es waren die Raubkopien. Die sind schuld. Clever, den Leser mit derart vielen Details zu zu schütten, dass gar nicht auffällt, wie unbelegt die These bleibt. Viele Zahlen, aber keine konkrete, um die Kernthese des Artikels zu stützen.

Ich weiß nicht, ob ich das für schlechten oder angesichts der perfekten Ablenkung von den eigentlichen Problemen schon wieder für guten Journalismus halten soll.

Was meint ihr?



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