mm2013 Klein


USA 2012
. Regie: Craig Moss. Darsteller: Kathryn Fiore, Flip Schultz, Olivia Alexander, Arturo del Puerto, Danny Woodburn, French Stewart u.a.

Story: Dana zieht mit ihrer Familie in das Haus zurück, in dem ihr Vater vor 20 Jahren die gesamte Besetzung von „The Artist“ ermordete. Dort spukt es gewaltig, also werden überall Videokameras installiert, die „Ghost Brothers“ angeheuert und schließlich sogar ein kleinwüchsiger Exorzist zu Rate gezogen. Im Nebenhaus wohnt übrigens Abraham Lincoln, der es auf die pubertierende Goth-Göre Lisbeth abgesehen hat. Es wird viel gefurzt.

Kritik: Ich mache es kurz, weil der Film eigentlich nicht mal diese Kritik verdient hat. Gerade wenn man dachte, mit „Disaster Movie“ sei endgültig das Ende der ranzigen und von Glassplittern durchsetzen Fahnenstange erreicht worden, setzt „30 nights…“ noch mal ganz neue Maßstäbe für konsequente Zuschauerverachtung.

Es ist eine Ansammlung von kurzen Szenen, die Horrorfilme der letzten Jahre nachäffen (und „Dark Knight rises“ und „Bridesmaids“ und „The Apprentice“ – weil, ist ja eh schon egal). Dabei gilt die grundlegende Annahme, dass eine Szene nicht etwa durch Überspitzung, Umkehrung oder gar eine Pointe lustig wird – es reicht, dass die Figuren geil und/oder doof und/oder tuntig sind. Und 80 Minuten belichtetes Material sind ein Film.

Nicht mal die Minimalanforderungen an Drehbuch und Regie werden eingefordert oder erfüllt – warum Danas Vater die Besetzung von „The Artist“ ermordet hat, ist ebenso egal wie unkomisch, weshalb man auch nicht fragen muss, wie das 20 Jahre vor der Entstehung des Films gegangen sein soll. Wenn gar nichts mehr geht, flüchtet man sich in peinliche Pseudo-Sexszenen, damit wenigstens die bierselige Kundschaft was zum Sabbern hat. Es ist ein freudloses Treiben.

Hier wurde nicht versucht, eine Parodie zu drehen – nicht mal, einen Film zu machen. Es ging nur darum, bits & pieces aus erfolgreichen Kassenschlagern irgendwie zu referenzieren, um deren Verwurstung im Titel und auf dem Cover ohne Furcht vor juristischer Gegenwehr zu rechtfertigen. Der Film wird nicht vermarktet – er ist selber das Marketing. Das tatsächliche Produkt hat keinerlei Bedeutung und ist von den Machern auch genau in diesem Geiste auf die Silberscheiben geschissen worden.

30nights

Mein Problem mit dem Konzept ist nicht, wie zuschauerverachtend und billig das Ganze ist – mein Problem ist, dass es funktioniert. Der Film wurde weltweit verkauft, erscheint auf allen relevanten Märkten und findet garantiert einen Haufen Spacken, die Taschengeld / Harz IV / Spenden/ Lösegeld / Notgroschen dafür auf den Ladentisch legen. Es wird schwer sein, aktuell einen Film zu finden, der im Bezug auf sein Budget einen höhere Rendite abwirft. Und ich habe ihn besprochen. Gratulation, ihr Produzenten von „30 nights…“: ihr habt gewonnen. Ich hasse euch. Und mich auch.

Fazit: Der absolute Bodensatz (mal wieder) – nicht als Komödie gescheitert, sondern ohne den Anspruch angetreten, überhaupt eine zu sein. Ein Grund, sich über das Ausbleiben der Maya-Apocalypse am 21.12.2012 zu ärgern.

Wer hier lacht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen:

P.S.: Ich arbeite gerade an meinem Superhelden-Film „Die Avengers und der Dark Knight auf dem Battleship gegen die Transformers vom Raumschiff Prometheus auf ihrem Star Trek zum Planeten Avatar“. Eine Parodie.



36 “ Movie Mania 2013 (1): 30 nights of paranormal activity with the devil inside the girl with the dragon tattoo ”

  1. 3
    Der Karsten

    Hmm.. obs „Scary Movie 5“ und „The haunted house“ (die Verarsche von Paranormal Activity von einem der Wayans Brüder) rausreissen können? Ich hoffe es.. für den Film da oben gebe ich bestimmt kein Geld aus.

  2. 8
    Wortvogel

    @ Uli: Leider nein. Ich bin mit der LvA immer noch nicht zu den Teilen 2 und 3 von LotR gekommen. Das dauert mindestens bis Ende nächster Woche. Diese Woche kommen noch Reviews zu „Berberian Sound System“ und „Branded“. Ich brauche derzeit etwas unvorhersehbarere Kost.

  3. 12
    Wortvogel

    @ Marcus: Nielsen hat oft genug selber in Rohrkrepierern mitgespielt – „2001 – durchgeknallt im All“, „Die römische Kanone“, „Spy hard“, anyone?

  4. 13

    Oh ja, „Spy Hard“. Ich war damals grade für zwei Wochen in irgendeinem Dörfchen im Saarland, und das war einer von zwei Filmen, die im einzigen Kino im Ort liefen. Der andere war „Speed 2“ – und ich habe sie beide gesehen.

  5. 14

    @Torsten: mag sein, aber so gar die schlimmsten davon („römische Kanone“ war übel, wenn ich mich recht entsinne) hatten wenigstens ein paar gute Gags. Und halt Leslie Nielsen.

    Und wenn man an die „Nackte Kanone“ zurückdenkt und dann sowas wie den hier sieht, fällt man doch vom Glauben an die Menschheit ab, oder?

  6. 15

    „@Torsten: mag sein, aber so gar die schlimmsten davon (“römische Kanone” war übel, wenn ich mich recht entsinne) hatten wenigstens ein paar gute Gags.“

    Einen. Genau einen… „Das ist die Wand. Die Tür ist da hinten.“

    Immerhin einer mehr als die Selzer/Friedberg-Scheisse…

  7. 16
    Wortvogel

    @ Marcus: Meinen Glauben verliere ich nicht in Gedenken an Nielsen. Meinen Glauben verliere ich, wenn ich sehe, dass sowas einen nennenswerten Release bekommt. Selzer/Friedberg-Müll hatte ja sogar solide Kinostarts. Da draußen muss es ein Publikum geben, das wirklich JEDE Scheiße frisst…

  8. 17
    jimmy1138

    Apropos: wenn man den Kritiken glauben darf, soll „Movie 43“ auch ein ziemliches Desaster sein – aber da spielen ganz andere Leute mit. Obwohl die Credits eher auf „viele Köche verderben den Brei“ hindeuten…

    ad Spy Hard: ein klassischer Film der Sorte „jeder brauchbare Gag war schon im Trailer“. Noch schlimmer sind nur die Filme, wo die einzigen Gags im Trailer sind – dann aber aus dem finalen Film rausgeschnitten werden.

  9. 19

    “Da draußen muss es ein Publikum geben, das wirklich JEDE Scheiße frisst…”

    Resident Evil anyone?

    PS: Hab letztens ein paar Minuten meiner Lebenszeit mit „Biss zum Abendbrot“ verschwendet….das Original ist die bessere Parodie….

  10. 20

    bei dem hier hab ich tatsächlich zweimal gelacht „My Big Fat Independent Movie“ aber ansonsten hat mich keinder von den „mashups“ in irgendeiner weise unterhalten.

  11. 23

    Kann ich nicht mithalten. Mein Film des Schreckens in der letzten Zeit war der letzte Tatort mit dem bekifften Kommissar und den Schauspielern, die wie in diesen Gerichts-Fakes grimmassierten und „spielten“. Ca. eine Viertelstunde, dann reichte das schon.

  12. 25

    „Spy Hard“ hat einen Weird-Al-Titelsong und ist deswegen schon über jeden Zweifel erhaben (und auch wenn’s keine ZAZ-Qualität ist – im Vergleich zu den Seltzer/Friedberg-Frechheiten ist der mindestens „Animal House“ + „Blues Brothers“). „Big Fat Independent Movie“ hatte in der Tat zumindest zwei-drei witzige Ideen. Das da oben… das will ich nicht mal aus weiter Entfernung sehen (ich hab „Fantastic Movie“ und „Meet the Spartans“ gesehen, mein Bedarf ist absolut gedeckt).

  13. 27

    Ich fand ja „Superhero Movie“ in dieser Kategorie tatsächlich witzig. Steh damit aber auch zumindest im Freundeskreis, und wohl auch hier, ziemlich alleine.

    Aber Wow. Kann mich nicht erinnern, dass mich ein Trailer jemals so gelangweilt hat wie der da oben.

  14. 28

    „Superhero Movie“, „Scary Movie 3 + 4“ sind auch nicht in dieselbe Kiste zu packen wie „Epic Movie“, „Disaster Movie“ und die andere Scheisse… Die haben ja noch wirkliche Gags und stellen nicht einfach nur bekannte Szenen nach…

  15. 31
    Rudi Ratlos

    Das ist so einer der Momente, wo man sich für seinen Arbeitgeber schämt… Und ich dachte schon, dass „41year old… bla“ den Bodensatz des „Genres“ ausgelotet hat.



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