04
Jan 2013

Micro Mega Reviews: Die Harry Potter-Filme (2)

Themen: Film, TV & Presse |

pic_1300934441_1Harry Potter und der Orden des Phönix: Es setzt eine gewisse Müdigkeit ein. Der Sympathie-Bonus der Figuren und all das aufwändige Brimborium verdecken nur mühsam, dass weder der Inhalt noch die Themen nennenswert von der Stelle kommen. Der Orden wird am Anfang einmal kurz gezeigt, dann geht es zwei Stunden lang um die Übernahme der Schule durch eine blöde Zicke, Showdown, Orden wieder da, Film aus. Als hätten sie nicht ausreichend Laufzeit, um das ordentlich miteinander zu verknüpfen.

Harry Potter und der Halbblutprinz: Business as usual: wieder einmal ist der titelgebende Aufhänger nur Augenwischerei – es hat keine Bedeutung, dass Snapes am Ende der Halbblutprinz ist. Es bleibt auch offen, was das eigentlich bedeutet. Während der sträflich im Hintergrund gehaltene Handlungsbogen endlich in die Puschen kommt, nerven diesmal die Soap-Elemente deutlich: Harrys Freundin aus dem letzten Teil scheint verschwunden zu sein, Hermione und Ron sind kindisch überzeichnet, Luna Lovegood verstehe ich als Charakter nicht und auch Hagrids Halbbruder scheint nur einen einzigen (überflüssigen) Gastauftritt gehabt zu haben. Es ist bezeichnend und bedenklich, dass ich schon 24 Stunden nach dem Konsum Probleme habe, die Filme und ihre Nebenfiguren auseinander zu halten. Es ist teilweise arg austauschbar und beliebig. Dafür legen die Effekte noch mal einen drauf – man vergleiche z.B. das Quidditchspiel aus dem ersten Film mit diesem hier.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 & 2: Ich hatte es wahrlich nicht mehr erwartet, aber der abschließende Zweiteiler löst tatsächlich das Versprechen der vorangegangenen Filme ein – endlich finden die Charaktere zusammen, werden diverse Subplots aufgelöst, wird der große Showdown voran getrieben. Teil 2 ist praktisch eine einzige Actionsequenz – die Schlacht um Hogwarts. Das ist erwachsen, teilweise grausam, immer wieder schockierend. Wieso das noch als "ab 12" durchgeht, ist mir ein Rätsel. Davon abgesehen stört mich nur die Lieblosigkeit, mit der man den Abschluss auf mehr als vier Stunden geprügelt hat: über weite Strecken ist es nicht mehr als eine elaborate Schnitzeljagd und gerade wenn man denkt, Potter habe halbwegs alle Horcruxe beisammen, muss er auch noch die Heiligtümer des Tods sammeln (die – keine Überraschung – am Ende wenig Bedeutung haben).

Abschließende Gedanken: Ich bin sicher, die Bücher füllen viele der Lücken, die mir aufgefallen sind. Und ich will auch nicht bestreiten, dass die HP-Filme auf jeden Fall großes Entertainment sind. Gerade wenn man Kinder, Neffen/Nichten oder Patenblagen im passenden Alter hat, kann man verregnete Sonntage kaum besser rum bringen als mit dem Zauberlehrling. Was versprochen wird, wird geliefert. Trotzdem ist auffällig, wie fahrig und dünn die große übergreifende Geschichte erzählt wird, obwohl die Reihe von der Lauflänge immerhin 27 einstündige TV-Episoden hätte füllen können. Auch die emotionalen Bögen der Figuren werden nicht konsequent oder gar überraschend entwickelt. Charaktere und Erzählstränge tauchen auf und verschwinden, Details werden nicht definiert und immer wieder werden die Helden am Ende des Films in einen Reset gezwungen, der wenig glaubwürdig erscheint. Erst der letzte Doppel-Film durchbricht (teilweise) die erzählerische Redundanz.

Spannender noch, als die ganze Reihe zu schauen, ist der direkte Vergleich von "Harry Potter und der Stein der Weisen" mit "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Ungefähr so, als ob man "Bibi Blocksberg" mit "Army of Darkness" fortsetzt.

So ist meine Begeisterung für die Filme mehr der technischen, inszenatorischen und darstellerischen Sorgfalt als dem tatsächlichen Inhalt zu verdanken. Diverse Serien, von "Buffy" bis "Battlestar Galactica", haben mit weniger Aufwand anspruchsvollere Mythenwelten gebaut und uns stärker an ihre Helden gebunden.

Ich werde dieser Tage definitiv mal wieder ein paar schrägere, kleinere und erwachsenere Filme gucken müssen…



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S-Man
S-Man
4. Januar, 2013 10:04

Danke schön fürs Durchhalten. Sehr interessant, zu sehen, wie schlecht die Filme wirken, wenn der Hintergrund fehlt. Aber nachvollziehbar, wenn man drüber nachdenkt 🙂

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
4. Januar, 2013 12:14

Gesundes Neues! Werden die hier angesprochenen Lücken evtl. durch die erweiterten Versionen geschlossen?

Wortvogel
Wortvogel
4. Januar, 2013 12:24

@ Rudi: Ich wüsste nicht mal, dass es von HP extended Versions gibt. Die Probleme gehen aber tiefer – die Filme sind strukturell etwas redundant.

VideoRaider
4. Januar, 2013 12:57

Das Problem der Harry Potter-Filme war zweifelsohne der Zeitdruck. Jedes Jahr ein neuer Film, da musste an Qualität eingebüßt werden. Das bleibt gar nicht aus. Wohl einer der Gründe, warum Columbus nach Teil 2 abgesprungen ist. Wieviel Potential in den Filmen steckte, zeigten einzelne Momente des letzten Films. Aber eben hier und da nur einzelne Momente. Selbst die große Schlacht um Hogwarts war letztlich nur eine Aneinanderreihung von Standard-CGI-Szenen. Hier eine Totale, hier eine Nahaufnahme, fertig. Ich konnte dramaturgisch teilweise gar nicht mehr nachvollziehen, welches Vieh nun wem attackiert oder was es überhaupt darstellte. Da fehlte jegliche Komposition. Und eben nicht, weil sie es nicht besser konnten, sondern weil es der Zeitdruck nicht erlaubte. Für Filme dieser Größe braucht man einfach Minimum 2 Jahre Produktionszeit. Die fehlte klar. So verwundert es auch nicht, dass viele Effekte trotz des hohen Budgets und trotz der Tatsache, dass Settings, Kreaturen, etc. bereits für Vorgängerfilme entwickelt wurden, recht fad aussahen. Weil einfach die Zeit fehlte sich hinzusetzen und genau zu planen, wann welche Einstellung von Nöten ist, um das Maximum herauszuholen. Da wurde das meiste Geld ausgegeben, um die Effekte bspw. für ein Mainstream-Publikum in der kurzen Zeitspanne akzeptabel aussehen zu lassen. Aber nicht um das Maximum an Qualität oder künstlerischer Imagination herauszuholen. So verwundert es auch nicht, dass eine der Schlüsselszenen des letzten Filmes, in der Potter noch einmal auf Dumbledore trifft, die visuelle Qualität eines Hochzeitsvideovorspanns besitzt.
Das betrifft natürlich auch die Charaktere, die Handlungen und Dialoge. Da fehlte wirklich einfach die Zeit.
Die Harry Potter-Filme möchte ich dennoch nicht missen. Und zwar als Gesamtwerk. Die einzelnen Filme sind leicht zu kritisieren. Sie bieten viel Angriffsfläche, die ganze filmische Saga ist rückblickend dennoch ein gewisses Erlebnis, gerade weil man viele kleine Details vergisst und sich nur noch an die große Story erinnert.
Viel ärgerlicher finde ich da die heftigen Design-Änderungen (Hogwarts ab Teil 3 neu, Voldemort in Teil 1 mit Nase). Das hätte nicht sein müssen, aber es ist auch bezeichnend. Welcher Regisseur möchte schon alles fertig vorgekaut kriegen, um dann nur noch am Set Action sagen zu dürfen…?

Wortvogel
Wortvogel
4. Januar, 2013 13:05

@ VideoRaider: Da würde ich vehement widersprechen. Die Produktion finde ich hochklassig, die Tricks sind weitgehend hervorragend, die Creature-Effekte sowieso (der verletzte Drache in der Bank z.B. und sein Ausbruch).
Dass bei einer Produktion, die über zehn Jahre läuft, auch mal was im Design angepasst wird, halte ich für eine lässliche Sünde.
Ich glaube nicht, dass Columbus "ausgestiegen" ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er der richtige Regisseur gewesen wäre, um die Saga in die dunklen Ecken zu treiben.
Da ich die Defizite eher auf Skript-Ebene sehe und genau das eben KEIN Zeitproblem war, unterstelle ich Schwächen beim Drehbuchautor, die Romane adäquat in filmisches Format zu bringen – wobei Rowlings massiver Einfluss eine Rolle spielen mag.

TGL
TGL
4. Januar, 2013 13:11

Wie Wortvogel schon sagte, gibt es keine erweiterten Versionen. In den Extras gab es zwar zum Teil einige Minuten geschnittene Szenen, die es vielleicht etwas weniger hektisch hätten wirken lassen, aber größere Erklärungen oder ignorierte Handlungsteile sind schlicht nicht gedreht worden.
Wie schon bei dem ersten Block HP-Reviews gesagt, beschränken sich die Filme im wesentlichen auf die Action-Highlights plus etwas hinführender Handlung, aber zentrale Themen der Bücher fallen weg – die Entwicklung der Hauptdarsteller, die Hintergründe von Dumbledore, Snape und Voldemort, viele subtile Hinweise, die teilweise erst viele Bücher später erst aufgegriffen wurden etc.
Natürlich sind die Bücher auch nicht perfekt – manche haben gewisse Längen, die innere Logik der Zauberwelt ist in manchen Bereichen auch eher fragil, die Möglichenkeiten der Magie wirken öfters Plot-Driven (Zeitumkehrer, damit Hermione ihren Stundenplan schafft!), aber insgesamt kann ich mich vor dem Gesamtwerk nur verbeugen.

Wortvogel
Wortvogel
4. Januar, 2013 13:22

@ TGL: Die relative Willkürlichkeit der Zauberkräfte ist mir auch aufgefallen – und nicht nur mir. Als Harry das Schwert aus dem vereisten See holen muss (da hat jemand die Artus-Sage studiert), fragte die LvA spontan: "Hat der nicht mal einen Zauberspruch, um das Wasser warm zu machen?"
Es werden auch notwendige Erklärungen nicht geliefert – warum muss Harry immer wieder zu seinen scheußlichen Zieheltern zurück? Er wird schließlich von Hogwarts (kurzzeitig) ausgeschlossen, weil er Magie in Gegenwart eines Muggels angewandt hat – aber dass er das nicht darf, wurde vorher nie erklärt. Snapes Liebe zu Harrys Mutter hätte erheblich früher thematisiert werden müssen, um die Figur zu stärken. Etc. pp.

Magineer
Magineer
4. Januar, 2013 13:58

TGL:
"Wie Wortvogel schon sagte, gibt es keine erweiterten Versionen."
Na ja, doch. Zumindest für den "Stein der Weisen", der etwa 6 Minuten länger läuft und für die "Kammer", die 13 Minuten mehr Film enthält. Den Regisseuren wurde seinerzeit die Wahl gelassen, ob sie für die Ultimate Editions einen DC erstellen wollten – Chris Columbus hat das bei seinen Werken getan, die anderen nicht. Aber letztlich macht das natürlich keinen allzu starken Unterschied.
Torsten:
Ja, das Zukurzkommen der Erklärungen ist natürlich der Lauflänge der einzelnen Filme geschuldet – wie bei jeder Adaption fällt einfach zuviel unter den Tisch, und die Zwischentöne müssen natürlich als erstes daran glauben. All die Regeln und Restriktionen von Hogwarts bzw. der relativ umfangreiche Verhaltenscodex der Zaubererwelt werden in den Büchern immer wieder eingestreut, aber lassen sich filmisch einfach nicht adäquat unterbringen. Hier hätte man dann konsequent noch mehr streichen müssen, um die Brüche nicht zu stark sichtbar werden zu lassen. (Die Rückkehr zu den Zieheltern dient im Übrigen Harrys Schutz, aber das bringt Dumbledore mit seinen winzigen Nach-und-nach-Informationshäppchen erst im sechsten Band wirklich auf den Punkt.)
Deswegen sehe ich die HP-Filme (7.1+2 habe ich noch nicht gesehen) eben auch maximal als State-of-the-Art-Bebilderung des Leseerlebnisses – mit dieser Einstellung wird man am wenigsten enttäuscht und kann akzeptieren, dass den Adaptionen irgendwo die Seele fehlt. Obwohl ich zugeben muss, dass es als Leser schon weh tut, wenn der (auch bei Fans extrem unterbewertete) fünfte Teil als nervige Zickenstory rüberkommt, obwohl die Machtübernahme von Dolores Claiborne in Hogwarts im Buch eines der brillantesten Plädoyers gegen totalitäre Diktatur in der modernen Jugendliteratur ist. Thematisch fährt Band 5 die Hauptstory tatsächlich eher auf Sparflamme, aber die bedrückende Atmosphäre aus Misstrauen, Spitzelei und Instrumentalisierung leicht manipulierbarer Bullies sind Rowlings Abgesang auf die Unschuld von Hogwarts und dessen Zöglingen. Da ist es schade, dass im Film oft ein eher alberner Ton angeschlagen wurde und somit natürlich auch die Umbridge von einer in der Vorlage tiefgefährlichen Fanatikerin zur kinderfilmkompatiblen "Zicke" mutiert.

Wortvogel
Wortvogel
4. Januar, 2013 14:02

@ Magineer: Ich bin mir da nicht so sicher. Die Laufzeit kann eigentlich nicht das Problem sein, weil die Filme mitunter schwer mäandern und im Mittelteil gerne mal nicht in die Puschen kommen. Man hätte das nicht mit mehr Laufzeit, sondern einer strafferen Narrative auffangen können.

Magineer
Magineer
4. Januar, 2013 14:23

Torsten:
Ja. Vielleicht. Das hätte die anderen Kritikpunkte aber auch nicht ausgemerzt. 😉

Marcus
Marcus
4. Januar, 2013 17:06

@Magineer: "obwohl die Machtübernahme von Dolores Claiborne in Hogwarts im Buch eines der brillantesten Plädoyers gegen totalitäre Diktatur in der modernen Jugendliteratur ist. "
Hübscher Stephen-King’scher Verschreiber…

Lukas
4. Januar, 2013 18:17

Ich hatte die Bücher gelesen und konnte die Filme deswegen kaum unvoreingenommen sehen, aber unterm Strich deckt sich mein Eindruck mit Deinem: die Dinger kranken an den Drehbüchern, die pflichtschuldig die visuell auswertbaren Schlüsselszenen aneinanderreihen, auf Kosten von Nebenfiguren, Subplots, Logik und Zusammenhängen. Das Ergebnis ist ein Bilderbogen für die Fans der Bücher und die Leute, denen Storys im Kino eh nicht so wichtig sind.
Interessant wird es, wenn die Filme in ein paar Jahren die Verwertungskette komplett durchlaufen haben und Warner die ganze Saga neu verfilmt – als Fernsehserie, die sich pro Buch eine Staffel Zeit nimmt. Ihr wisst, dass es passieren wird.

Exverlobter
Exverlobter
4. Januar, 2013 18:22

"Das ist erwachsen, teilweise grausam, immer wieder schockierend. Wieso das noch als “ab 12″ durchgeht, ist mir ein Rätsel. "
Wirklich? Dann müsste HdR auch ab 16 sein. Da werden den Orcs auch ständig die Köpfe abgeschlagen. Oder gar Star Wars Episode 3 . Gab damals sogar anfangs ein Gerücht, dass das zumindest in Deutsschland wegen der makaberen (Fast)Todessequenz von Annakin Skywalker tatsächlich ab 16 läuft. Blieb aber alles trotzdem ab 12.

Exverlobter
Exverlobter
4. Januar, 2013 18:26

Apropos HdR, ich hoffe du hast noch die Puste dafür. Aber ich kann dich beruhigen. Erst die Arbeit(HP), dann das Vergnügen(HdR).

Wortvogel
Wortvogel
4. Januar, 2013 18:26

@ Exverlobter: Deine Beispiele widerlegen meine These nicht – im Gegenteil. Sie zeigen nur erneut, dass der Jugendschutz peinlich berührt weg schaut, wenn die großen Verleiher ihre Blockbuster anschleppen. Bei kleineren Produktionen wird deutlich auf Sex & Violence geachtet. Aber das ist seit den 30er Jahren schon so.

Lukas
4. Januar, 2013 18:28

Die SEE-Versionen von HdR sind auch tatsächlich ab 16. In der FSK12-Kinoversion gibt es keine appen Köpfe.

Exverlobter
Exverlobter
4. Januar, 2013 19:18

@Lukas
"Die SEE-Versionen von HdR sind auch tatsächlich ab 16. In der FSK12-Kinoversion gibt es keine appen Köpfe."
Jepp, der Extended-Cut ist brutaler, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man den ein oder anderen abgeschlagenen Kopf auch in der Kinofassung gesehen hat. Z.B. der Oberboss-Orc, der Boromir auf dem Gewissen hat, wird von Aragorn einen Kopf kürzer gemacht. Also das hab ich definitiv auch im Kino so gesehen.

Peroy
Peroy
4. Januar, 2013 19:35

Gab genug appe Köppe, vor allem im dritten…

comicfreak
4. Januar, 2013 19:52

..auch jetzt im Hobbit 😛

Marcus
Marcus
4. Januar, 2013 20:16

@Ex: hängt vermutlich immer davon ab, wie explizit und blutig es gezeigt wird.
Vermutlich kommen deshalb die SW-Prequels ab 12 durch, trotz Lucas' Verstümmelungsfetisch (Gab es außer Padme und Qui-Gon irgendwen, der abnibbeln durfte, ohne vorher oder dabei was abgehackt zu kriegen?) – weil kein Blut spritzt.

Exverlobter
Exverlobter
4. Januar, 2013 20:22

Vemutlich liegt es auch am kindlichen Ton der Prequel-FIlme. Episode 1 ist zwar ein Film für Babys, aber trotzdem wird Darth Maul mit dem LIchtschwert in 2 Hälften geteilt. Passt irgendwie nicht ganz zusammen.

Pantoeffelchen
4. Januar, 2013 20:35

Mir als "Leser" hat bei jedem Film das Herz geblutet.
Bestes Beispiel ist die finale Schlacht zwischen Harry und Voldemort.
Im Buch reden sie seitenlang, kein Kampf dabei, keine zig Zaubersprüche- bis Voldemort versucht Harry mit einem Zauber zu töten und dabei selbst stirbt (was, wie ich finde, etwas sehr elementares verdeutlicht, nämlich dass Harry Voldemort menschlich überlegen ist, der bessere Zauberer ist wohl Voldemort) im Film dagegen legen sie bei ihrem Zaubererduell das halbe Schloss in Schutt und Asche. Da hat man einfach auf Kosten der Handlung den Sinn der Szene gegen eine "kinotaugliches" Design getauscht. Und das passiert in jedem der Filme in endlos vielen Szenen.
Und wie schon festgestellt wurde geht dabei nicht nur der ganze Charme und viele Details sondern eine Menge Sinn verloren.
Und um es kurz zu fassen: Harry muss jedes Jahr zu seiner Familie, da er unter dem "Schutz seiner Mutter" steht (Voldemort kann ihn ja beispielsweise im 1. Film nicht berühren, weil seine Mutter sich aus Liebe selbst geopfert hat usw) und dieser Schutz nur so aufrecht erhalten wird.
Das Snape über Harry wacht, wird schon eher deutlich (schon im 1. Buch beschützt er ihn, in den darauffolgenden immer wieder, beispielsweise indem er versucht zu verhindern dass Harry von einem bockenden Besen fällt usw) und die Geschichte mit der Liebe zu Harrys Mutter erklärt beispiels warum er Harry von Anfang an so hasst.

TGL
TGL
4. Januar, 2013 21:15

@Pantoeffelchen:
Auch die Darstellung von Dumbledore hat mir ab Schauspieler 2 nicht mehr gefallen. Besonders aufgefallen ist mir ein Detail im letzten Band, der im Film sinnloserweise ausgelassen wurde: Vor der Endschlacht schickt Dumbledore alle jüngeren Schüler nach Hause, zum Bleiben wird auch sonst keiner gezwungen – im Film hatten dagegen alle Schüler ihre Schule zu verteidigen, koste es, was es wolle…

McCluskey
4. Januar, 2013 21:31

Ich hab die letzten beiden Filme noch nicht gesehen, bin aber auch einer der Literaturvorgeschädigten, auch wenn meine "Lektüre" die (großartige) Hörbuchfassung mit Rufus Beck war. Mir ist das Sparen an der falschen Stelle am Heftigsten beim dritten und fünften Film aufgefallen – meine erklärten zwei Favoritenbände. Ein Beispiel aus dem "Gefangenen von Askaban": Professor Remus Lupin sagt Harry mal so en passant auf den Kopf zu, dass dieser mit Hilfe der Marauder’s Map durch Hogwarts stromert. Wie und warum der Lehrer überhaupt von dieser Karte weiß, wird selbstredend nie aufgeklärt. Es wäre wohl mit ein, zwei Dialogsätzen zu vermitteln gewesen, dass der Lehrer selbst in seiner Hogwarts-Schülerzeit diese Karte u.a. mit Harrys Vater erstellt hat.
Und @magineer #8: Vollste Zustimmung: Dolores Umbridge ist im Buch deutlich hassenswerter dargestellt, schließlich wird da mit Folter gearbeitet.
Muss mir mal das abschließende Film-Doppelpack zu Gemüte führen. Emma Watson fand ich bis dato immer hinreißend, Daniel Radcliffe ganz okay, richtig schlimm untalentiert allerdings stets Rupert Grint.

Pantoeffelchen
4. Januar, 2013 21:37

Oh ja, Rufus Beck ist der Held meiner Kindheit- und schuld an so mancher verschlafener Schulstunde. Ich habe auch alle Hörbücher und höre sie sehr regelmäßig. <3
Ich finde ja Daniel Radcliffe schlimmer. Aber wie gesagt, wenn ich einmal anfangen würde zu meckern dann würde es dauern bis ich zum Ende käme 🙁

justus_jonas
justus_jonas
5. Januar, 2013 01:02

Harry Potter hat als Phänomen (mal egal, ob als Buch oder Film) auch eine enorm emotionale Ebene. Die kann man in so einem Film-Marathon natürlich nur schlecht nachvollziehen. Viele Fans sind mit der Figur/den Schauspielern aufgewachsen, bzw. haben deren Entwicklung parallel mitgemacht. Da übersieht man auch gerne mal die mitunter zerfahrene Struktur der Bücher/Filme. Die Charaktere sind einem halt über die Jahre ans Herz gewachsen.
Fantastisches Fanvideo übrigens hier: http://www.youtube.com/watch?v=ZbH0nbilYek

Michael
Michael
5. Januar, 2013 11:22

Das Problem an den Harry Potter-Filmen scheint mir darin zu liegen, dass sie gar keine eigenständigen Filme sein wollen. Sie sind für Leser der Bücher gemacht, die ihre Lieblinge auf der Leinwand sehen und damit zufrieden sind. Kennt man die Bücher nicht, sind die Filme schwer zu ertragen und oft auch völlig unverständlich. Aber leider gibt der gigantische Erfolg den Machern recht.
Ähnlich läuft es ja beim Hobbit: Man hätte sich einen Produzenten gewünscht, der dafür gesorgt hätte, dass aus einem 400 Seiten Buch EIN Film von maximal drei Stunden Länge wird. Dann hätte das künstlerisch spannend werden können. Aber warum sollte es so einen Produzenten geben? Schließlich wird Warner mit drei Filmen drei mal so viel Umsatz machen wie mit einem, daher haben die auch kein Interesse an einem tollen Film sondern nehmen lieber drei ausgewalzte….

Marcus
Marcus
5. Januar, 2013 13:13

@Michael: deine "Hobbit"-These hat vorläufig nur einen Haken – der erste Hobbit WAR ein toller Film. Kein bisschen langweilig oder sinnlos ausgewalzt.
Ob die Trilogie das Level bis zum Ende wird halten können, werden wir sehen.

Karsten
5. Januar, 2013 13:51

Seitdem ich weiß, dass die Figur des Dumbledore schwul ist, sehe ich es mit völlig neuen Augen, wie er um Harry dauernd herumschlawenzelt!
Nee..Spaß 🙂 Auch wenn ich überrascht war, als Rowling diesen kleinen Fakt ins Spiel brachte.
Zu den Filmen: Kannte vorher die Bücher, die ich geradezu verschlungen habe. Auf Deutsch, auf Englisch und wieder auf Deutsch. Dort wird einfach ein sehr märchenhaftes und fantastisches Universum geschaffen…an dem man selber gerne teilnehmen würde. Die Filme brachten diesen Zauber zu Beginn sehr schön auf die Leinwand….auch wenn mir als Buchkenner natürlich einige Situationen fehlten und Nuancen zu wenig ausgearbeitet wurden. Wie justus_jonas schreibt…man wächst mit ihnen auf, sie wachsen mit uns auf…und es entsteht so tatsächlich eine emotionale Bindung. Die Harry Potter-Filme "kickten" mich zwar nie so wie die HdR-Franchise, aber dennoch krame ich die Filme ab und an aus meiner Sammlung raus und versinke dann noch mal für einige Stunde in der Welt von Hogwarts.

DMJ
5. Januar, 2013 15:31

Habe alle HP-Romane gelesen (ohne, dass ich mich wirklich als Fan bezeichnen würde) und bislang alle Filme bis auf den letzten gesehen, wobei mir der vorletzte wie eine sehr dreiste Streckung vorkam, die selbst wenig zu bieten hatte und mehr den Showdown vorbereitete, als selbst mehr zu sein, als ewiges Campieren im Wald (schon das Problem des Buchs, das man gut hätte kürzen können).
Ansonsten sehe ich es aber auch so, wie hier immer wieder gesagt wird: Aus Angst, irgendein Monster oder verdammtes Quidditchspiel auszulassen, hetzte man sonst gern durch die Handlung und ließ dabei Zusammenhänge gern unter den Tisch fallen. Doppelt fatal, weil schon die Romane nicht gerade der Gipfel an Logik und Glaubwürdigket (auch im Fantasymaßstab) waren.