Bei Shows wie „The Voice“ geht es um ganz große Emotionen – habe ich mir sagen lassen. Ich schaue mir sowas nicht an. Nicht mein Genre, nicht mein Herzblut.

Da diese Sendungen Melodramen und Mini-Stars im Minutentakt ausspucken, sind sie ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse, die hier Narrativen in einer Woche durchpeitschen kann, für die echte Promis mindestens ein halbes Jahr brauchen: heimliche Liebe, großes Outing, erster Streit, Versöhnung, Trennung. Manchmal so perfekt, dass es nur gescripted sein kann.

Wenn es gerade mal kein Drama gibt, wird eins herbei geredet, wie ich heute bei meinem täglichen Schlagzeilen-Überflug von Bild.de feststellen musste.

So sieht’s auf der Titelseite aus:

Ich kenne die Frau nicht, die Jury nicht, die Sendung nicht. Die Message der Schlagzeile ist aber klar: taffe Bikerbraut giftet gegen die Juroren, die sie rausgewählt haben.

Da klicken wir doch mal drauf:

Mooo-ment! Jetzt giftet sie nur noch gegen ihren Battle-Partner? Und süß ist sie auch noch? Da muss ich wohl den Artikel lesen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Das einzige Zitat von Giulia, das ich finden kann:

Lassen wir das „ätzte Giulia gegen Raffa“ mal spasseshalber weg:

Sie sagt nichts gegen ihren „Battle-Partner“, kritisiert nicht seine Performance, erklärt sich nicht für unfair ausgeschieden, verlangt weder Schmerzensgeld noch Recount. Das ist weder „Ätzerei“ noch „Gifterei“. Sie ist keine schlechte Verliererin. Die junge Dame ist schlicht enttäuscht, nicht in die nächste Runde (nennt man das so?) eingezogen zu sein.

Aber das ist ja keine Schlagzeile wert.

Dass BILD im Anreisser das „Zitat“ anders formuliert als im Lauftext, ist hingegen nicht unseriös, sondern nur schlampig.



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Tobias
Tobias

Bei The Voice ist alles als „Battle“ konzipiert. Erst kaempfen die Juroren um die Kadidaten, dann treten die Kandidaten im 1-gegen-1 an.
Obwohl das was dann letztendlich passiert ziemlich zahm und langweilig ist: 2 Kandidaten singen und einer kommt weiter. Boss Hoss und Nena wollen beide eine Saengerin coachen, wird in der Sendung immer der Kampf unterschwellig betont.
Zyniker wuerden sagen, dass die Produktionsfirma hofft, dass genau solche Schlagzeilen provoziert werden, um dem Format Medienaufmerksamkeit zu garantieren.

Dietmar
Dietmar

Und mal wieder wird lustig über die Gefühle von Menschen drübergetrampelt, indem sie, hier als schlechte Verliererin, gebrandmarkt werden. Und dann kommen sie wieder, die sagen, aber damit muss sie doch rechnen, wenn sie daran teilnimmt. Das ist richtig. Wenn ich zum Bahnhof gehe, muss ich auch damit rechnen, ausgeraubt zu werden. Geschieht mir dann ganz recht.

Comicfreak

..ärgerlich ist, dass bei vielen die sich nicht dafür interessieren, nur die unausweichlichen Schlagzeilen als „Wissen“ festsetzen, da diese auch noch so konzipiert sind, dass man glaubt, sich den Artikel eh sparen zu können..

Mika
Mika

Ist das eine Anspielung auf die Piratenbrautdiskussion beim Spiegelblog?
Auch hier wird ein Zitat nicht verfälscht aber so durch das Drumherum in eine bestimmte Richtung gerückt.

dermax
dermax

Naja, was ist daran so besonders… ich meinerseits seh das in regelmässigen Abständen im Sportteil, wo angebliche Kritik, Skandale, Streitereien herbeigeredet werden, und wenn die Ausschmückungen der Redaktion mal ausgeblendet und einzig die Fakten betrachtet werden, das Ganze nur mit einem „so what“ beurteilt werden kann.

Also praktisch nur wie der Spiegelartikel zu ALDI, aber halt in Dauerschleife…

Telanis
Telanis

Naja, wenn wir Glück haben müssen wir so einen Schmarrn von BLÖD.de nächstes Jahr, dank Döpfners Paywall für BLÖD.de, nicht mehr lesen.

G

„Ich habe so gekämpft. Er hat es mir zu verdanken, dass er weitergekommen ist.“

Erschließt sich mir der Zusammenhang nicht, weil ich gerade zu viel Rotwein getrunken habe, oder hat Satz 1 mit Satz 2 tatsächlich nicht viel zu tun?

CrazyEddie

@G: Das frage ich mich auch gerade (nur ohne Rotwein, daran liegts also nicht). Man kann es auch so verstehen, dass sie zwar gekämpft hat, aber so verdammt schlecht war, dass es sehr leicht für ihn war zu gewinnen. Wie genau das gemeint ist, kann wohl nur die zitierte „Bikerbraut“ (was ne dämliche Bezeichnung) auflösen. Ob man die irgendwie kontaktieren kann?

Dietmar
Dietmar

Ob man die irgendwie kontaktieren kann?

Alter Schwerenöter! *Altherren-Fistbump-Versuch*

CrazyEddie

Jetzt werd ich mit meinen 27 Lenzen schon zur Altherrenriege gezählt…

Dietmar
Dietmar

@Crazy-Eddie: Ich hab´ versucht, mich der Jugend anzunähern. Mit hipper Speach und coolen Gesten. Das hab´ ich drauf!

@Unsäglich dämlicher Nick: So unsäglich dämlich wie Dein Nick, ist auch Dein „Argument“. Man darf durchaus etwas gegen Bildzeitungsartikel haben, und man darf durchaus kritisieren. Auch wenn es wichtigeres gibt und man gerade keine Wale eigenhändig rettet.

Little Feller
Little Feller

@crazyeddie
In ihrem vorstellungsfilmchen bei den blind auditions hat sie sich selbst als bikerbraut bezeichnet. Auch wenn das den begriff nicht besser macht, kommt er nicht von der presse. Höchstens von den machern von the voice

CrazyEddie

@Littler Feller: Da ich den Hype um diese Castingshows nie verstanden habe und sie mir deswegen nicht anschaue, wusste ich das nicht. Dass die BILD hingegen gern solche Titulierungen verwendet war mir bekannt, aus diesem Grund das Missverständnis. Danke für de Aufklärung. Und ja, das macht es nicht besser.

@Dietmar: So hip wie deine Speach ist, da kann ich nicht mithalten. Du warst bestimmt Hippster, bevor es cool war. 😉

MWi
MWi

oha, und ich habs, entgegen der wortvogel’schen community norm ;), auch noch tatschlich geschaut.
nee, es war ein herumgiften. sondern eher ein „bockig sein“ besagter dame. zumindest durch ihre statements die in die sendung eingeschnitten wurde, konnte man entnehmen, dass sie ihren „battlepartner“ (btw. was für ein dämliches wort – nicht nur wegen dem deutsch – englisch mischmasch, sondern auch noch der widersprüchlichen bedeutung der wörter) nicht wirklich ernst nahm und ihm eh keine chance einräumte. war also wohl der „schock“, dass sie dann diejenige war, die rauewählt wurde.
aber in jedem fall keiner weiteren berichterstattung (nennt man das, was b*** tagtäglich aufs papier druckt eigentlich noch so?) wert.

heino
heino

Ich habe mir den Grossteil der ersten Staffel angesehen, weil ich wissen wollte, wo denn nun der grosse Unterschied zu den Vorgängern „DSDS“ und „Starsearch“ sein soll. Und das lässt sich ganz kurz benennen. „The Voice“ ist in absolut jeder Hinsicht feige und konfliktscheu. Klar ist es erstmal ein guter Ansatz, die Kandidaten nicht wie bei DSDS lächerlich machen zu wollen, aber hier geht das soweit, dass nicht ein einziges kritisches Wort von den „Coaches“ (die bis auf Xavier Naidoo, den ich echt nicht leiden kann, niemandem was über`s Singen beibringen können) fällt, die sogenannten Battles das genaue Gegenteil und die Entscheidungen für oder gegen die jeweiligen Kandidaten nicht ein einziges mal nachvollziehbar sind. Eigentlich lässt sich sogar sagen, dass wirkliche Könner IMMER rausfliegen und nur mittelmäßige Kandidaten ohne Ausstrahlung wirklich gewinnen können. Und da ist „The Voice“ dann wieder ganz genauso wie die Konkurrenz, nur ist die ehrlicher.