USA / GB 2012. Regie: Sam Mendes. Darsteller: Daniel Craig, Javier Bardem, Bérénice Marlohe, Naomie Harris, Judi Dench, Ralph Fiennes, Albert Finney u.a.

Story: Jemand stiehlt eine Festplatte mit der Liste aller Agenten, die weltweit „deep cover“ in Terroristenorganisationen eingeschleust wurden. Beim Versuch, die Festplatte zu sichern, wird Bond angeschossen und für tot erklärt. Doch 007 wird noch gebraucht, denn das Mastermind hinter dem Diebstahl ist ein dunkler Fleck in der Vergangenheit von M, die auch politisch längst mit dem Rücken zur Wand steht. Von der Türkei geht es nach Shanghai, von dort nach Macao, dann wieder nach London und schließlich ins schottische Moor. DIe Lizenz zum Töten macht diesmal Überstunden…

Kritik: Ich mache es relativ kurz, denn viele von euch werden den Film schon gesehen haben und es mangelt ja auch wahrlich nicht an offiziellen Kritiken. Ich habe mir den Film diesmal NICHT in einer Pressevorstellung angesehen, weil ich der LvA das Vergnügen meiner Gesellschaft nicht nehmen wollte. Und so waren wir an meinem ersten „cheat day“ nach einer hervorragenden Pizza Calabrese und einem Eis bei Sarcletti im Cinema auf der Nymphenburger Straße. Das Kino war brechend voll, einige Fans waren sogar in Smoking und Fliege (korrekt: Schleife) gekleidet.

Auch wenn ich es leid bin, bei jedem neuen Bond die immer gleichen Superlative in der Presse zu lesen („Der härteste Bond aller Zeiten!“, „Der beste Bond aller Zeiten!“), kann ich wenig dagegen machen – „Skyfall“ rockt massiv die Hütte. The roof is on fire – we don’t need no water, let the motherfucker burn! Every nerd in the house say yo-hoh!

Die Action ist wuchtig, bei allem Spektakel angenehm konventionell inszeniert und sauber getaktet, sich in immer deliriösere Höhen schraubend. Die Musik treibt das Geschehen ebenso voran wie die dynamische Kamera, die sich in exquisiten Locations und farbenprächtigen Bauten suhlt. Sam Mendes malt mit dem ganz großen Pinsel und zwingt dem Film keine Stilexperimente auf, die einfach nicht zu Bond gehören. Erstaunlich, wie viel eigener Saft noch in der 50 Jahre alten Franchise steckt, die nicht erst seit „Mission: Impossible“ und „Bourne“ immer wieder für so tot erklärt wird wie ihr Titelheld am Anfang des Films.

Vergessen wir mal den so genannten Plot, der an keiner Stelle wirklich logisch ist und sich somit perfekt in die Bond-Tradition einreiht. Vergessen wir Javier Bardem, dessen Figur nur wenig schlüssig ist und dessen Zugriff auf praktisch endlose Ressourcen irgendwann albern scheint. Das ist nur Story – nicht aber Thema. Im Mittelpunkt steht diesmal etwas, das seit „Sag niemals nie“ immer mal wieder am Rande thematisiert wurde: Bond ist ein Dinosaurier, dessen Art der Spionage in einer Zeit weltweiter Computernetzwerke antiquiert wirkt. Aber genau das macht ihn so wertvoll, denn er ist real, kann nicht gelöscht, gehackt oder kopiert werden. Er ist ein Mensch, so schwach und gebrochen wie nie zuvor, aber genau deshalb so unzerstörbar und unaufhaltsam.

Craig war nie besser als in diesem Film und man hört ihn mit der Figur deutlich „klicken“. Nicht mehr so schwermütig und tumb wie in den ersten beiden Ausflügen als 007, kann er nun ein wenig von der Humor und der Eleganz einbringen, die Bond von allen Epigonen unterscheidet – erfreulich britisch, ohne affektiert zu sein. Unterstützt wird er dabei von Dame Judi Dench, die diesmal eine deutlich größere und aktivere Rolle spielt, und einem Cast von exzellenten Gaststars wie Ben Whishaw als neuer Q, Ralph Fiennes als potentieller neuer M und dem legendären Albert Finney (der lebt noch?) als guter Freund aus Bonds Kindheit.

Richtig gelesen: Bonds Kindheit. Denn das ist sicher das Element, dass diesen Bond aus der Masse heraus hebt: er reflektiert das Leben seiner Figuren, er baut die Franchise wieder zurück, streicht futuristischen Ballast raus, besinnt sich in Stil und Look mit fortschreitender Laufzeit auf die Kern-Elemente des Bond-Universums. Wo Brosnan bemüht war, Bond ins 21. Jahrhundert zu hieven, dreht Craig das Rad wieder zurück. Der Epilog des Films dürfte für echte Bond-Fans der befriedigendste sein, den sie je zu sehen bekommen haben.

Die einzige Kritik, die ich anbringen kann, betrifft nicht mal den Film selbst: es ist der lahme Titelsong mit dem verworrenen und wenig ästhetischen Vorspann, der nicht überzeugen kann.

Egal: „Skyfall“ ist der Bond-Film, mit dem sich die Franchise wieder gefunden hat. Sie muss sich nicht rechtfertigen, nicht renovieren, nicht updaten. Bond ist Bond. So frisch wie eh und – und so spektakulär wie selten. „Goldfinger“, „Living Daylights“ – „Skyfall“. Die Top 5 der besten Bond-Filme hat ein neues Mitglied aufgenommen.

Fazit: Ein technisch und dramaturgisch brillantes „Showcase“ für all das, was Bond im 21. Jahrhundert sein kann und eine charmante Rückbesinnung auf das, was die Franchise 50 Jahre hat überdauern lassen.



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Thies
Thies

Ich kam ebenfalls höchst befriedigt aus dem Kino und mit dem Gedanken im Kopf „Hoffentlich muss ich auf den nächsten Film nicht wieder vier Jahre warten!“. Und Daniel Craig ist, wenn er sich in einem Casino mit „Bond, James Bond!“ vorstellt, endgültig in der Rolle angekommen, wenn auch über Umwege.

Als der Aston Martin gezeigt wurde hat das ganze Kino gejauchzt – das allein zeigt, das Bond trotz Konkurrenz durch Bourne und Ethan Hunt immer noch was zu melden hat. Und das Back-to-Basic-Programm wirkt wie eine dringend benötigte Entschlackungskur – „Explodierende Kugelschreiber? – Sowas machen wir seit Jahren nicht mehr!“ Richtig so, denn Brosnan wirkte zum Schluss nur noch wie eine Kreuzung aus Dressman und Inspektor Gadget.

Deine Kritik am Vorspann kann ich dafür nicht nachvollziehen – ich fand ihn sowohl fast so elegant wie die klassischen Vorspänne von Maurice Binder, aber auch clever, dass er die Schauplätze des Films in stilisierter Form vorweg nahm. Der Song dazu war zwar sehr Shirey Bassey-mäßig komponiert, aber dafür fehlte Adele wohl das nötige Volumen in der Stimme – egal, passt schon.

viewer
viewer

„Vergessen wir mal den so genannten Plot, der an keiner Stelle wirklich logisch ist und sich somit perfekt in die Bond-Tradition einreiht.“ – Und genau damit habe ich ein Problem. Ich mag Bond-Filme nicht, genau aus diesem Grund. Ich will ja mit dem Helden mitfiebern, aber ich weiß an vielen Stellen nicht, was sein Plan ist. Warum schleicht er sich nicht auf die Insel, sondern zeigt sich unbedacht an Deck?! Weil er schon vorher wusste, dass der Bösewicht ihn nicht sofort liquidiert, sondern so dämlich ist, ihm die Fesseln abzunehmen und den wirklich großen Peilsender nicht zu finden?!

Wortvogel
Wortvogel

@ viewer: “ Ich mag Bond-Filme nicht, genau aus diesem Grund.“ – dann solltest du sie nicht anschauen. Das meine ich ganz neutral.

Erik
Erik

Jetzt bin ich hin- und hergerissen.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37918/1.html

Marko
Marko

Lahmer Titelsong? Ich dachte, das ist der von Adele? Der ist doch ganz cool …? 😕

tmwalter
tmwalter

Ich fand den Epilog Gänsehaut-großartig. Und wie geil war bitte der Einsatz der Scheinwerfer-Maschinengewehre des DB5?

tmwalter
tmwalter

Wobei Scheinwerfer natürlich Blinker meinen sollte. Und ich hinzufügen möchte, das Craig in und mit „Skyfall“ die Bond-Aura bekommen hat, die vor ihm nur Connery hatte.

Anderl
Anderl

@tmwalter: absolute Zustimmung. Genau den Gedanken hatte ich auch am Ende. Was ich nach Casino Royal nicht mal im Ansatz gedacht hätte, wurde gestern zur Gewissheit: Craig ist Bond und der Schulterschluß zu den alten Filmen ist mehr als gelungen. Allein der Bösewicht… war schwer greifbar. Also seine Motive. Und der Typ selber war auch eher wie eine Parodie eines Bösewichts.

Zudem fand ich den Rythmus des Films sehr ungewöhnlich. Da fehlte mir so a bisserl die Spannung, oder eine Spannungskurve. Ich mein, der Film war hervorragend, aber doch irgendwie so kaum auf den Höhepunkt hinarbeitend.

firejoe
firejoe

„Living Daylights“ einer der besten 5 Bond Filme?…endlich jemand der so tickt wie ich.
Persönlich ist er mein liebster…mal schauen was der neue kann…

Peroy
Peroy

„“Living Daylights” einer der besten 5 Bond Filme?…endlich jemand der so tickt wie ich.“

Also nicht ganz richtig… ?

firejoe
firejoe

freundlich wie immer 🙂

gerrit
gerrit

Mir waren das ein bisschen viele Zugeständnisse an unsere Zeit. Im nächsten Bond wird er eventüll sogar Kondome benutzen…

Wortvogel
Wortvogel

Unglaublich: seit Mittwoch haben 2,1 Millionen Zuschauer den Film hier in Deutschland gesehen. Sensationell.

Wortvogel
Wortvogel

@ Anderl: Ich verstehe gut, was du meinst – es ging ja hier weniger um ein „ticking clock element“, um eine Katastrophe, die Bond verhindern musste. In meinen Augen wurde das aber mehr als wett gemacht durch die Tatsache, dass wir letztlich DREI fette Showdowns bekommen (die Insel, die Anhörung, Schottland).

Mit drei Tagen Abstand muss ich konstatieren, dass Javier Bardem sicher einer der albernsten Bond-Bösewichte aller Zeiten ist. Aber immer noch besser als der erschreckend farblose Mads Mikkelsen in „Casino Royal“ oder bei „Quantum of Solace“, wo ich nicht mal mehr weiß, wer da der Bösewicht gewesen sein soll.

reptile
reptile

Also Mad Mikkelsen fand ich großartig als Bösewicht, besonders in den Pokerszenen. DAS war mal ein Pokerface und ein wirklich bedrohlicher Gesichstausdruck. Leider haben die ängstlichen Szenen mit den afrikanischen Geldgebern den Eindruck dann etwas kaputt gemacht.

Bei Quantum war der Gegner mehr „wicht“ als „böse“ Rein körperlich und vom Gesicht her überhaupt nicht zum fürchten.

Javier Bardem sollte doch spätestens nach No Country for old Man eigentlich perfekt sein als Bösewicht?!

DMJ
DMJ

Mag daran liegen, dass ich Mikkelsen generell so sehr schätze (oder, dass ich einer Bekannten gegenüber darlegte, dass Bondgegner immer darauf angelegt werden, nicht so männlich und überlegen wie er selbst zu sein – in diesem Fall symbolisierte das blutende Auge Menstruation 8) ), aber mir gefiel er eigentlich als, mal nicht so übergroßer Schurke auch ganz gut. Sein vorlagengetreues Ende war natürlich etwas enttäuschend.

Wortvogel
Wortvogel

@ DMJ: Mein Problem mit Mikkelsen war eher, dass er ja nicht mal von Bond erledigt wird, sondern von Mr. White. Klassischer Anti-Climax.

Exverlobter
Exverlobter

„Unterstützt wird er dabei von Dame Judi Dench, die diesmal eine deutlich größere und aktivere Rolle spielt“

Man sollte ja eigentlich das Gegenteil erwarten.
Angeblich kämpft die ja mit ihrem Augenlicht.

Wortvogel
Wortvogel

@ Exverlobter: Was ja nun nix mit der Rolle zu tun hat. Aber in der Tat – es wird eine Lösung dafür gefunden.

DMJ
DMJ

„Mein Problem mit Mikkelsen war eher, dass er ja nicht mal von Bond erledigt wird, sondern von Mr. White. Klassischer Anti-Climax.“
Ach so, ja – das störte mich in der Tat auch, aber da ich (wenn mich nicht alles täuscht) den Roman kurz vorher gelesen hatte, war ich ja schon gewarnt, dass da am Ende nicht wirklich die Wutz abgeht.
Hätte ich aber auch anders gemacht.

TimeTourist
TimeTourist

Den letzten beiden Bonds fehlte es an abwechslungsreichen Settings. Gerade bei Skyfall kam diesbezueglich Langeweile auf. ….und reden wir erst gar nicht von der unsaeglichen U-Bahn Szene. Abgesehen davon: super Bond. Mein Highlight: der DB5! Jetzt freue ich mich auf die nachsten zwei Bond’s und auf die Rueckkehr von Blohfeld!!

Comicfreak
Comicfreak

..Daniel Craig hat eine Ausstrahlung, die meinen Wunsch, einen Film zu sehen, auf einer Skala von 1 bis 10 au -20 rutschen lässt.
Diese Fähigkeit hat er mit Nicole Kidman gemeinsam.
Egal, wie gut der Film ist, sobald einer der beiden auftritt, fällt mir der Kopf auf die Tischplatte..
🙁

Ernst Stavro
Ernst Stavro

„Skyfall“ ist ein solider Action-Streifen, als Bondfilm jedoch enttäuschend.

Man tritt mit der 007-Serie seit 25 Jahren auf einem Punkt herum, an dem man sich schon 1969 befunden hatte. Damals hatte man mit „On Her Majesty’s Secret Service“ einen wirklich sehenswerten Actionfilm gedreht, der viel von dem, was in „You Only Live Twice“ in eine bedenkliche Richtung gegangen war, wieder geraderückte. Doch man hatte die Bondfigur mit OHMSS in eine Sackgasse gebracht: 007 war vom Superhelden zum Menschen geworden – ein Pyrrhussieg der Charakterentwicklung, denn wie sollte es nun weitergehen? Der Reiz der Connery-Bondfigur war doch gerade diese erfrischende moralische Indifferenz (Bond kämpfte zwar für die Guten, war selbst aber nicht wirklich ein Guter), die Coolness und die emotionale Nichtinvolviertheit in die eigenen Spionagefälle.

Die Produzenten standen nach OHMSS wohl ein bisschen wie der Zauberlehrling vor den Geistern, die er gerufen hatte. Man entschied sich damals für den radikalen Schnitt in Gestalt von „Diamonds Are Forever“. Da war sie zwar wieder, die alte Bondfigur, aber in der karnevalisierten Version. In DAF spielte zwar Connery die Hauptrolle, aber in gewisser Weise war es der erste Moore-Bond. Und damit war der Grundton für die folgenden 14 Jahre gesetzt: Keine Demontage des Superhelden, aber ein beständiges Augenzwinkern.

Mit der Übernahme der Hauptrolle durch Timothy Dalton wollte man wieder mehr Ernst in die Filme bringen, was aber zu dem Fiasko in „Licence to Kill“ führte: Private Rachefeldzüge mögen ein beliebtes Actionfilmklischee sein; sie haben im Bondfilm-Universum aber nichts verloren (was man 1971 wohl schlauerweise erkannt hatte). Und genau den gleichen Fehler macht man jetzt in „Skyfall“. Man hat dessen küchenpsychologische Zutaten in den letzten 30 Jahren im Actionkino zu oft gesehen:
Der Held wird von seinem Land fallen gelassen, wird darob zum verbitterten Alkoholiker, folgt dann aber doch dem Ruf der Pflicht und kämpft dabei nicht nur gegen die Bösen, sondern auch gegen seinen eigenen Verfall.
Zu einem seiner Sidekicks, mit dem er nicht verwandt oder verschwägert ist, hat er ein belastetes Verhältnis nach Art einer Eltern-Kind-Beziehung. Ein anderer hat es auf den Elternersatz des Helden abgesehen und dgl. mehr.
Wie man die Daseinsberechtigung des berühmtesten Agenten der Welt auf eine viel Bond-mäßigere Art in Frage stellen kann, hat der Anfang von „Never Say Never Again“ vorgemacht: Humor statt Heulerei.

Fazit: Eine Rückkehr zu alten Bond-Tugenden ist „Skyfall“ nicht, sondern vielmehr eine weitere Episode in dem nun ein Vierteljahrhundert währenden Unwohlsein des englischen Patienten.

Howie Munson
Howie Munson

wieso schaut man sich 45 Jahre lang Filme an, die einen enttäuschen und geht dann immer noch ins Kino für einen neuen? oder waren die Moorefilme doch nicht enttäuschend, obwohl „karnevalisiert“??

Sorry, aber ausser „alles ausser Connery ist bäh“ kann ich da oben nicht wirklich rauslesen….

Wortvogel
Wortvogel

@ Howie: Ich finde auch, dass man bei aller berechtigten Kritiken an vielen Bond-Filmen sowie am Konzept nicht alles unter den Tisch kehren kann, was gut war/ist: „The spy who loved me“, „Living Daylights“, „Goldeneye“ und jetzt eben „Skyfall“.

Peroy
Peroy

„Ich finde auch, dass man bei aller berechtigten Kritiken an vielen Bond-Filmen sowie am Konzept nicht alles unter den Tisch kehren kann, was gut war/ist: “The spy who loved me”, “Living Daylights”, “Goldeneye”“

Die waren alle drei nicht gut, zusammen mit „Casino Royale“ und „Die Welt ist nicht genug“ machen die sogar meine persönliche Flop5 aller Bond-Streifen aus (dishonourable mention: „Sag niemals nie“)…

Desweiteren fände ich es gut, wenn mir mal einer genauer erklären könnte, was diese ominösen „Bond-Tugenden“ sind, an denen man die Qualität eines James Bond-Films messen kann… offensichtlich erkenne ich sie entweder ja nicht oder ich habe ihnen bislang keinerlei Bedeutung beigemessen. Also los, jetz‘ mal Butter bei die Fische…

Ernst Stavro
Ernst Stavro

@ Howie: Moores Darstellung war OK. Bond wurde durch ihn nicht demontiert (siehe oben). „Skyfall“ hingegen ist eine Demontage.

@ Wortvogel: „Goldeneye“ war zumindest ein Versuch, Bond wieder Bond sein zu lassen.

@ Peroy: Aus meiner Sicht sind in „From Russia With Love“ die Bond-Tugenden am besten verwirklicht; viele andere Fans würden wohl sagen, dass „Goldfinger“ das Modell ist. Und nein: Eine plausible Handlung gehört nicht zu den Bond-Tugenden.

Wortvogel
Wortvogel

@ Ernst Stavro: Das Problem ist sehr offensichtlich – was Demontage ist und was nicht, entscheidest alleine du. Nur leider scheint das die Mehrzahl der hier versammelten Fans anders zu sehen.

Das erinnert mich an den spinnerten Trekker, der alle Serien außer „Voyager“ wortwörtlich zur „Vergewaltigung“ von Roddenberrys „Vision“ erklärt.

Ernst Stavro
Ernst Stavro

Es ist aus meiner Sicht Demontage. Jeder kann das natürlich anders werten. Craig wäre sicher ein hervorragender Bond, wenn er auch wirklich Bond spielen dürfte.

Dann störe ich die Mehrheit der anders denkenden Fans nicht länger, sondern begebe mich in die mir offenbar angemessene Gesellschaft spinnerter Trekker.

Peroy
Peroy

„@ Peroy: Aus meiner Sicht sind in “From Russia With Love” die Bond-Tugenden am besten verwirklicht; viele andere Fans würden wohl sagen, dass “Goldfinger” das Modell ist. Und nein: Eine plausible Handlung gehört nicht zu den Bond-Tugenden.“

Äh… okay, aber das hilft mir noch nicht wirklich weiter…

Howie Munson
Howie Munson

@Ernst Stavro: ah ok, das Karneval ok sein könnte kam mir nicht in den Sinn…

Also nochmal zusammengefasst: Conery alle Gut oder besser, Moore ok, Golden Eye kein Totalausfall und Rache ist keine Tugend. Wenn dem so halbwegs so ist, dann kann ich eher verstehn wieso man sich nicht anderen Dingen zuwendet.

@Wortvogel: naja du übertreibst: eben nicht voyager als Äquivalent sondern TOS und gerade noch TNG wären „rodenberrys StarTrek“ und alles andere eher nicht, davon gibt es wohl einige mehr die das sagen….

Wortvogel
Wortvogel

@ Howie: Ich übertreibe nicht – es gibt da draußen einen Fan (Name ist mir leider entfallen), der auf einer Webseite seit Jahren nicht etwa Star Trek gegen Angriffe verteidigt, sondern alle Star Trek-Serien niedermacht, weil sie (im Gegensatz zu „Voyager“) nicht dem entsprechen, was er für die „reine Lehre“ von Roddenberry hält (in seinen Augen ein Pussyversum). Er verwendet da gerne den Begriff „Vergewaltigung“, sobald Action, Sex oder gar Spannung ihr hässliches Haupt erheben.

Ich wollte Ernst Stavro mit dem nicht gleich setzen – ich fühlte mich nur an ihn erinnert, weil es sehr dogmatisch wirkt, wenn man behauptet „Skyfall“ demontiere Bond. Das Gegenteil ist der Fall – der Film schält perfekt heraus, was und wer Bond ist.

@ Peroy: Bond-Tugenden sind Humor, Härte, Eleganz – und das alles mit dem größtmöglichen Einsatz, dem großkotzigsten Bösewicht, den schärfsten Frauen und neustem Tech. Wenn du vergleichen willst: bei „Bourne“ fehlt der Humor, bei „Mission Impossible“ wird nie gefickt, „XXX“ ist ein hohler Spacken ohne Stil. Nur Bond hat alles und ist alles.

Howie Munson
Howie Munson

@WV: ich glaub ja, dass es den Fan gibt, nur ist Ernst nicht ganz so verengt auf eine einzige Variante. Aber da sind wir ja einig. Und Gimmicks gehören für mich auch zu Bond, für viele andere anscheinend weniger.

Peroy
Peroy

„@ Peroy: Bond-Tugenden sind Humor, Härte, Eleganz – und das alles mit dem größtmöglichen Einsatz, dem großkotzigsten Bösewicht, den schärfsten Frauen und neustem Tech. Wenn du vergleichen willst: bei “Bourne” fehlt der Humor, bei “Mission Impossible” wird nie gefickt, “XXX” ist ein hohler Spacken ohne Stil. Nur Bond hat alles und ist alles.“

Darauf ist es mir nie angekommen, das waren nie die Kriterien, die ich angelegt habe, um den jeweiligen Film zu bewerten. Ich wüsste da auch nicht mal, wie ich die einzelnen Bonds da unterscheiden sollte, in diesen Bereichen sind die doch alle mehr oder weniger deckungsgleich, imo…

Den ersten „XXX“ fand ich übrigens besser als so manchen „echten“ Bond-Film, aber das überrascht vermutlich nicht…

Exverlobter
Exverlobter

@Wortvogel
„Das erinnert mich an den spinnerten Trekker, der alle Serien außer “Voyager” wortwörtlich zur “Vergewaltigung” von Roddenberrys “Vision” erklärt.“

Kenn ich noch. Das war der Spacko von Voyager-Center.de
Das war glaub ich ein Chinese. Lin Xiang hieß der. Zu der Zeit als er die Kritiken schrieb war der noch Schüler. Das merkte man den Reviews auch an. Trotzdem hat er damals so um 2003 rum zumindest im deutschen Fandom lange Zeit viel Gehör gefunden. Jetzt ist er zum Glück in der Versenkung verschwunden.

Ich konnte diese Roddenberry-Fanatiker auch nie leiden. Ähnlich wie bei George Lucas war Star Trek immer dann am besten wenn Roddenberry seine Finger eben nicht im Spiel hatte.

S-Man
S-Man

Nur fürs Protokoll: Das war der erste Film, bei dem ich 100%ig die Wortvogel-Kritik negieren möchte. Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr in einem Film gelangweilt… Klar, gab es die 1-2 netten Anspielungen, aber ansonsten: Endlos langweilige Dialoge, der erste Teil hätte auf 1/2h gekürzt werden können, weil er scheinbar nix mit dem eigentlichen Bösewicht zu tun hatte. Schon die Verfolgungsjagd am Anfang war eher so „meh, nu reichts ja auch langsam“. Keine Ahnung, war kein Film für mich. Solls auch mal geben.

Wortvogel
Wortvogel

@ S-Man: Das kann durchaus mal vorkommen. Ich denke schon, dass die erste Hälfte wichtig ist, weil Bonds Betziehung zu M (und vice versa) ein Spiegel von Ms Beziehung zu Silva sein muss – aber jeder gewichtet das anders und gerade bei den Bondfilmen gehen die Meinungen traditionell auseinander.

S-Man
S-Man

Eben. Jedem seine Meinung 🙂

BJCarpenter
BJCarpenter

*Enthält SPOILER*

Ich war auch drinne und ich finde den Bond bedauerlich. Nach einem gelungenen Start begannen immer wieder und gegen Ende zunehmend neue parallelen zur Nolan-Batman-Trilogie.
Ein alternder Held, welcher zunähst absteigt um sich dann wieder aufzurappeln.
Ein Bösewicht, welcher zunächst gefangen wird um dann geplant auszubrechen um an sein Ziel zu gelangen.
Der Bösewicht erinnerte mich von seiner Manier her auch etwas an Joker, vermeintlich Irre und doch extrem durchgeplant und äußerst brutal.
Kleinere Zitate wie „Ein Sturm zieht auf…“ fielen vielleicht nur durch die Erinnerungen an Batman auf.
Die Machart des Films passte ncht mehr zu den Vorgängern und erinnerte auch hier stellenweise stark an Batman.
Dass der neue Q ebenso Scarecrow sein könnte ist hier vielleicht zu viel interpretiert, mein erster Gedanke war es dennoch.
Der durch die Decke einbrechende Zug erinnerte an den Batman Begins, naja OK im Gesamtpaket fällt mir dies auf, sonst wärs egal.

Schade das erste Mal entspricht meine Meinung absolut nicht der Wortvogel-Kritik.

Wortvogel
Wortvogel

@ BJCarpenter: Ich finde das nicht schade – es zeigt nur, dass man bei allen Schnittmengen auch gegensätzliche Meinungen zu einem Film haben kann. Der Vergleich zu Batman ist mir an keiner Stelle gekommen, ich fand die letzten beiden Bond-Filme eher zu Bourne-ig.

Auch rückblickend und ohne den direkten Eindruck der Vorstellung bleibt meine Meinung bestehen – ein exzellenter Bond, sogar einer der besten, der nur an einem unglaubwürdigen bis absurden Bösewicht und einem völlig hanebüchnen „master plan“ leidet. Bei anderen Filmen dreht sich die Meinung im Laufe der Zeit – „Iron Sky“ finde ich heute rückblickend nicht mehr annähernd so gut wie zu der Zeit, als ich die Kritik schrieb. „Green Lantern“ auch nicht. It’s a process.

Mencken
Mencken

Den Bösewicht fand ich nun wiederum ziemlich gelungen, problematisch war allein der schwache Plan, diverse Drehbuchdummheiten und mit Craig als Bond werde ich wohl auch nie richtig warm werden. Parallelen zu Batman habe ich auch gesehen, Mendes hat ja auch eingeräumt, daß er sich bei Nolan bedient hat, sehe da aber auch kein Problem, da Nolan umgekehrt ja auch viel bei der Bondserie geklaut hat (laut eigener Aussage).

Mr_E
Mr_E

Gleich zu Anfang: Die Kritik die gleich folgen wird ist Gemecker auf hohem Niveau. Skyfall ist ein tausend mal besserer Film, als das meiste was uns im Genre-Kino so vorgesetzt wird.

Erst mal zu Wortvogels Kritik, dann Ergänzungen von mir:

Wortvogel erwähnt den unlogischen Plot, was ich bestätigen kann. In der Atmosphäre der Craig-Bonds hat das für mich selbst allerdings mehr Gewicht. Die Filme haben eine weniger spielerische und selbstironische Atmosphäre als sagen wir mal die Moore-Bonds. Und da beißen sich dann Plotlöcher eben mehr mit.

Beispiel: Daß Bond zwischen Fabrice (dem Killer auf dem Zug und in Shanghai) und Severine/ Silva eine Verbindung findet ist reiner Zufall. Es gibt nämlich eigentlich nach drei Monaten kaum eine Verbindung mehr, vor allem nachden Fabrice, ein freier Auftragskiller, tot ist. Daß der Job in Shanghai mit Severine zu tun hat ist reiner Zufall. Daß sie mit Silva zu tun hat ebenfalls. Die Sequenz ist halt dann doch zu lang, um so undurchdacht zu sein.

Der Punkt, daß ein Geheimdienst auch ein „blunt instrument“ braucht – einen Feldagenten, der „…nicht gelöscht,gehackt oder kopiert werden“ kann – das ist ein guter Gedanke.
Leider geht der Film darauf gar nicht ein,sondern formuliert alles in Ms Anhörung an diesem logischen Gedanken vorbei und bringt statt dessen hohlen, prätentiösen, pathetischen Blödsinn. Der Film argumentiert nämlich einfach mit dem üblichen „ die Grenzen zwischen gut und Böse sind nicht mehr Nationen/ politische Blöcke und verschwimmen“
Ist nicht falsch,aber mehr wischi-waschi, als das was Wortvogel richtig gesagt hat.

Wortvogel: Craig war nie besser als in diesem Film – ich finde in Casino Royale hat er eine deutlich größere Bandbreite zu spielen und ist dort auch besser.

Wortvogel: Titelsequenz ist verworren – als das zweite Mal die unterirdischen Säulen, und DANN das zweite Mal die Grabsteine ins Bild kamen hat es mich tierisch genervt.
Eine Freundin meinte hinterher sie hätte daraus schon zu Anfang gedeutet daß M sterben würde (Bond wohl kaum, daher M) und daß eine Bond-Titelsequenz nackte Frauen und Titten braucht. That’s what she said!

Meine weiteren Gedanken:

Der Tod von Severine ist Brosnan-Ära-Scheiß. Als die Helikopter kurz danach auftauchen hab ich mich echt aufgeregt – nicht nur wegen der schlechten CGI.
Es wirkt einfach zu beiläufig, wenn ein Bond-Girl mit tragischerHintergrundgeschichte gekillt wird und sich dann herausstellt daß sie 2 Minuten später geretter gewesen wäre. Der Film kümmert sich letztendlich einen Scheiß um die Figur.

Die zu herkömmlichen Thriller-Elemente in der Mitte (Glas-Gefängnis, „he planned this all along!“ Ms grauenhaftes Gedicht) haben für mich nicht funktioniert – hat irgendeinen von euch diese 20-Minuten-Sequenz an irgendeiner Stelle überrascht? War es so inszeniert, als hätte es das? Überraschungsmoment = null. Es wirkte ein wenig als wenn der Film nun Serienkillerfilme parodiert.

Technisch/ formell ist der Film grandios und souverän. Deakins/ Alexa ist eine Traumkombination. Die einzige Ausnahme für mich war das extrem „digital“anmutende Bild in Judy Denchs letzter Aufnahme.
Sehr schön auch, daß man einen richtigen Film gedreht hat und nicht eine Reihe von „Avid-farts“ als Action verkauft hat. Silvas erste Aufnahme im Film ist sicher 40 oder mehr Sekunden lang. Souverän.

Die Musik hat mir gefallen. Weniger Elektro-lastig als bei Arnold, Elemente der Bond-Melodie durch den ganzen Film über mal angedeutet. Subtiles, z.B. in der Kapelle am Schluß.

Der ganze letzte Akt ist brilliant. Sehr gutes Timing – erst mysteriös beim Ankommen, dann Ruhe-vor-dem-Sturm-Atmo, dann die kleine A-Team-Sequenz, dann diverse aufeinander aufbauende Action-Beats. Charakter-orientierte Auflösung… was will man mehr?

Ich werde Naomie Harris in Bond 24 wiedersehen, was eine gute Sache ist.

P.S.:
Daß Mendes dauernd von Parallelen zu Nolan blubbert ist meiner Ansicht nach Marketing-Scheiß, den ihm Broccoli/ Wilson nahegelegt haben. „Sam, Can you please mention Nolan and how dark and serious out film ist, thank you, here’s your cheque.“
Welcher Regisseur, der was auf sich hält, vergleicht sich so schamlos mit anderen? Außer Michael Bay mit Cameron?

Peroy
Peroy

Oh, gleich laufen zwei Roger Moore-James Bonds im Ersten, die bestimmt eh besser sind als der ganze Scheiss mit’m Craig…

Mr_E
Mr_E

Netter Versuch:-)

Das sind die blödesten Moore(oder überhaupt?)-Bonds, die man hätte hervorkramen können.

Bei Live and let Die ist nur der Song interessant.

Man with the Golden Gun… naja… er hat ne Kung-Fu-Szene…? ich weiß ja nicht…

Mr_E
Mr_E

Beide haben keine Naomie Harris. Nicht mal annähernd. Craig-Era wins.

Thies
Thies

„Live and let die“ finde ich als Einstand eigentlich ganz gut. Klar, das Voodoo-Element lässt ihn stellenweise etwas albern wirken, aber Moore zeigt dass er der Rolle gewachsen ist und der Titelsong gehört auf jeden Fall in die Top 5 der Bond-Themes.

„The man with the golden gun“ ist dagegen Teil meiner Flop 5 der Bond-Filme und es zeigt welches Vertrauen die Produzenten in Moore hatten, dass es kein Karriere-Killer wurde wie „Licence to kill“ für Dalton.

Schon die Pre-Credits-Sequenz zeigt, dass hier einiges im Argen liegt: Christopher Lee ist einer der charismatischsten Darsteller die man sich als Bond-Schurken vorstellen kann, aber seine Präsenz wird konsequent dadurch unterlaufen, dass er zusammen mit dem „Fantasy Island“-Zwerg agieren muß.

Und das ist erst der Beginn der WTF-Liste: danach kommen noch der gräßliche Song, das dämlichste Bond-Girl aller Zeiten, sinnlose Kung-Fu-Einlagen und das Reprise des Redneck-Sherrifs aus dem letzten Film. Daneben wirkt selbst „Moonraker“ wie ein Meisterwerk.

Mr_E
Mr_E

@Thies – soweit kann ich zustimmen. Außer daß „Live and let Die“ genug eigene alberne Elemente hat. Bzw. zu „klein“ ist.
Für mich ist „The Spy who loved me“ der beste Moore-Bond – auch wenn er an sich recht albern ist.

Thies
Thies

Zu „The spy who loved me“ kann ich auch nur zustimmen – der beste Moore-Bond mit einem stimmigen Plot, Curt Jürgens als einem der besten Schurken, tolle Sets und das mit einem nicht zu aufdringlichen Augenzwinkern serviert. Wenn man den im Anschluss an „The man with the golden gun“ schaut, denkt man sich: „Warum nicht gleich so?“.

Peroy
Peroy

„The Spy who loved me“ ist der beschissenste Bond von allen.

Mr_E
Mr_E

@Peroy – warum?

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