Ja klar, ich mache morgen einen längeren Beitrag über meine neuste London-Reise, aber jetzt muss ich erst mal wieder Dampf ablassen. Sanfte Gemüter mögen sich abwenden, es wird latent sexistisch.

Ich war einkaufen. Das ist bei der LvA und mir so abgemacht – sie kümmert sich um die Wäsche, ich kaufe ein. Jeder das, was er kann und was ihm Spass macht.

Wir haben hier in der Nähe eine sehr praktische Aldi/Edeka-Kombi mit großem Parkhaus, die es erlaubt, alles in einem Aufwasch zu erledigen. Heute war da auch erfreulich wenig los, es ging flüssig voran. Ein bisschen sauer bin ich auf Aldi, dass die jetzt schon den Kassenbereich mit Marzipan, Nougat, Spekulatius und Vanille-Kipferln zustapeln – ich möchte gerade ein wenig abnehmen…

Wie dem auch auch: Die getätigten Einkäufe ordne ich in eine große Plastikkiste, wuchte sie in der Tiefgarage in unser Auto. Auf der anderen Seite, direkt neben den Fahrstühlen, ist ein großer Behindertenparkplatz, in den in diesem Moment ein dunkler 5er BMW schneidig einfährt.

Wer mich kennt, der kennt auch meine Regel: Frauenparkplätze sind albern, zumindest tagsüber und in belebten Gebäuden. Gleiches Recht für alle, aber Sonderrecht für Frauen? Soweit kommt’s noch. Frauen können die selben Strecken gehen und schleppen wie Männer. Sie sind ja nicht behindert. Behinderte hingegen schon. Darum habe ich auch nichts gegen Behindertenparkplätze.

Erwartungsgemäß steigt aus dem BMW kein Behinderter, sondern eine brünette, sehr sportliche junge Frau von vielleicht Mitte 20. Sie holt ihr agiles, vielleicht drei Jahre altes Töchterchen vom Rücksitz, das auch nicht aussieht, als müsse es im Kindergarten einen Helm tragen.

Ich bleibe an meinem Wagen stehen und schaue die Frau einfach mal an. Sie merkt es, will es ignorieren, zieht ihrer Tochter einen Anorak an. Man kann förmlich spüren, dass sie hofft, dass ich einsteige. Ich steige nicht ein. Ich schaue sie weiter an. Um zu den Fahrstühlen zu gehen, muss sie in meine Richtung. Sie kann meinem Blick nicht ausweichen.

„Is was?“ blafft sie.

„Sie sehen gar nicht behindert aus“, sage ich entspannt.

„Was soll DAS denn heißen?“

Ich deute auf die ca. zwei Quadratmeter große Wandbemalung direkt vor der Motorhaube ihres BMW: „Weil das ein Behindertenparkplatz ist.“

Das WEISS sie natürlich. Und darum schaltet sie sofort auf Gegenwehr: „Das geht Sie ja wohl gar nichts an! Ich will mir bloss ein paar Zigaretten holen!“

Ich hebe entschuldigend die Hände: „Ach so! Das ist natürlich was anderes! Wenn es um Zigaretten geht, müssen Sie sich an die Spielregeln nicht halten.“

Sie versucht noch einmal, von sich abzulenken: „Was geht Sie das denn an?“

„Nichts“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Aber deswegen kann ich es ja trotzdem sagen. Gutes Vorbild für Ihre Tochter sind Sie – auch die Sache mit den Zigaretten. 1a.“

Sie zerrt das Kind wütend an mir vorbei zum Aufzug. In mir kribbelt es, der Kleinen eine Fratze zu schneiden, nur um sie zu erschrecken. Aber sie soll nicht für die Sünden der Mutter zahlen. Ich genieße einen Moment lang den Gedanken, der Ische die Freude über den „praktischen“ Parkplatz gründlich versaut zu haben – ohne auch nur einen weiteren Moment zu glauben, dass sie etwas draus lernen wird.

Schon eine knappe Minute später soll ich Gelegenheit bekommen, mich ein weiteres Mal über die nonchalante Leckmich-Mentalität potentieller Geschlechtspartnerinnen im gebährfähigen Alter zu echauffieren – als ich aus dem Parkhauses fahre und feststelle, dass ein Mercedes M-Klasse direkt vor der Ausfahrt steht. Warnblinkanlage ist an – was bei Arschlöchern signalisiert: jetzt kann ich stehen, wo ich will. In diesem Fall eine Blondine Mitte 20, die hinter dem Lenkrad sitzt und routiniert eine SMS in ihr Smartphone tippt.

Ich halte an und warte ab.

Sie fährt nicht weg. Sie tippt immer weiter, nach einem Notfall sieht es nicht aus. Eher so, als ob sie sich die Zeit bis zur Rückkehr ihres Mackers vertreibt, der noch schnell bei Edeka eine Palette Red Bull kauft. Für so eine Aktion braucht man ja keinen „richtigen“ Parkplatz zu belegen (von denen genug da sind). Vor der Ausfahrt ist schließlich Platz.

Irgendwann will ich meine Abendgestaltung nicht mehr von einer Blondine in einem Mercedes abhängig machen und hupe. Sie schaut eher gelangweilt auf, legt das Handy beiseite und will zurücksetzen, damit ich nach rechts ausfahren kann (anders geht das hier nicht). Dummerweise steht hinter ihr schon der nächste Wagen, der in das Parkhaus einfahren will. Es gelingt ihr, uns beide zu blockieren, während sie deutlich sicht- aber nicht hörbar vor sich hinflucht. Schon klar: „Blödmänner, was müssen die sich so anstellen? Scheiße, ich fahre ja schon! Boahhh, eyyyy…“

Nach ein, zwei Minuten hat sie es geschafft, den Mercedes so zwischen Ein- und Ausfahrt zu verkeilen, dass der Kollege und ich gerade so an ihr vorbei rangieren können. Als ich ihre Fahrerseite passiere, schaut sie mich stinkwütend an, wirft entnervt die Hände in die Luft.

Genau. ICH bin der Idiot.



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„Genau. ICH bin der Idiot.“

Nuja, sie kennt dich halt…

Exverlobter
Exverlobter
Peroy
Peroy

„Ischenalarm in und an der Tiefgarage“

… „Incident on and off a Mountain Road“… I see what you did there…

Kajol
Kajol

Warum jetzt explizit hervorgehoben mußte, wie sinnlos du Frauenparklätze findest, erschließlich sich mir zwar nicht, paßt aber perfekt zum restlichen Tonfall des Artikels.

„Schon eine knappe Minute später soll ich Gelegenheit bekommen, mich ein weiteres Mal über die nonchalante Leckmich-Mentalität potentieller Geschlechtspartnerinnen im gebährfähigen Alter zu echauffieren“

Man kann auch mit aller Gewalt ein sprachliches Faß aufmachen. 😉
Es ist nichts dagegen gesagt, sich über vereinzelte Personen aufzuregen, aber selbst wenn man dahinter ein System vermutet, weil es eben auf der Welt mehr als einen Idioten gibt, sollte man trotzdem nicht die Pauschalisierkeule herausholen, auch wenn zu viele Teile des Internets einen großen Spaß daran haben.

Matthias
Matthias

Herr Dewi, ich verstehe jetzt auch nicht, wo Sie ein „frauentypisches“ Verhalten ausmachen. Es handelt sich (sowohl tatsächlich als auch in Ihrer Darstellung) um zwei Einzelfälle, die neben dem Geschlecht ja auch vieles andere (Alter?) gemeinsam haben mögen. Wenn Sie den Sexismusspoiler und von Kajol bemerkten Satz rausmachen würden, könnten Sie auch „Die Jugend von heute“ drüberschreiben 😀

Also, in Ihren wiederholten Randbemerkungen über leicht bekleidete Schauspielerinnen finde ich deutlich mehr Sexismus als in diesem Post!

dermax
dermax

@Matthias:
„Sanfte Gemüter mögen sich abwenden, es wird latent sexistisch.“
…stand eigentlich im ersten Absatz…

Und sich über Münchener Autofahrer (gerne in deutschen Nobelkarossen) aufregen ist wie sich drüber beschweren, dass es im Winter kalt wird… ist halt so…

Dietmar
Dietmar

Schöner Artikel, habe sehr gelacht. War aber allerdings klar, dass er Moralapostel anziehen würde. 🙂

Kajol
Kajol

Ein Disclaimer zu Beginn eines Artikels ist kein Freifahrtschein, insofern sollte sich nicht über entsprechende Reaktionen gewundert werden. 😉
Vor allen Dingen, wenn es in dieser Art und Weise formuliert wird.

Dietmar
Dietmar

@Kajol: Danke, dass du uns darüber belehrst, was was ist und was es nicht ist. Das haben Moralapostel so an sich. *zwinker-zwinker* (denn wir sind ja locker drauf, gell)

Matthias
Matthias

@dermax Hä? Das ist das Gegenteil von dem, was ich geschrieben habe – nämlich, dass der Post eben nicht sexistisch sei bzw. es nur durch den Disclaimer würde, weil ohne diesen gar nicht fest stünde, ob/dass aus Sicht des Wortvogels ausgerechnet das Geschlecht der beiden Kontrahentinnen ihr gemeinsamer Nenner wäre und in irgendeiner Weise mit ihrem Verhalten kausal verknüpft sein könnte.

@Dietmar Ich mag Moral. Ist angenehm.

Dietmar
Dietmar

@Matthias: Moral ist etwas Schönes. Aber „Moralapostel“ zielt auf etwas anderes. Aber das weißt du sicher. Bist ja nicht doof. Unterstelle ich mal.

Georg
Georg

Frauen… warum lässt man die überhaupt Auto fahren? Die sollen doch daheim am Herd stehen und kochen, putzen, Kinder hüten. Und wenn Mann abends nach Hause kommt, ihm die Pantoffeln hinstellen, das Bier und die Chips bringen und ihm während er fernsieht wahlweise die Schultern massieren oder sonstwie Freude bereiten.
Dann könnte man über ihre sonstigen Unzulänglichkeiten vielleicht noch großzügig hinwegsehen.
Aber im 21. Jahrhundert wissen die Frauen leider nicht mehr wo ihr Platz in der Gesellschaft ist.

Da haben Männer in Saudi-Arabien es noch einfacher…

+++++++++++++++++
Okay, war ja nicht so gemeint… ich zahle 50 EUR ins Macho-Phrasenschwein und gelobe Besserung. *schäm*

@Torsten
Es soll auch Männer geben, die sich ähnlich arschig verhalten. Und dann hättest du in einem ähnlichen Beitrag sicherlich nicht so pauschaliert.

Bei Abby auf einem ähnlichen Egotrip hättest du sicher ebenfalls ein Auge zugedrückt. 😉

Georg
Georg

Okay, aber mal im Ernst: Der Artikel war lustig zu lesen und wenn wir ehrlich sind, kann sich doch jeder in deine Lage versetzen. Geht uns doch allen manchmal so, dass wir unseren Mitmenschen unsere Werte vermitteln wollen…

Warum muss ich ausgerechnet jetzt an Michael Douglas aus „Falling Down“ denken?

Howie Munson
Howie Munson

@Moral: wenn es Männer gewesen wären würde die Überschrift Prollalarm in der Tiefgarage lauten… und der der Ausfahrt-Mann hätte telefoniert und nicht getipp und der andere hätte ’nen Hund mit gehabt… *duck*

Beide mit gebrauchten aber aufgemotzten Versionen der genannten Fahrzeuge *weg*

Dietmar
Dietmar

Wenn man in Hamburg mit dem Auto unterwegs ist, fallen manchmal Autofahrer auf, die massiv nerven. Links fahren, plötzliche Spurwechsel ohne Blinken, Erziehungsversuche etc. Aber jedes Mal, wenn soetwas passiert und das Nummernschild beginnt mit „PI“, sage ich mir, na, das war ja klar. Mittlerweile erwarte ich von Pinnebergern kein vernünftiges Verhalten mehr. Verhalten sie sich vernünftig (was sie im Prinzip ja nie tun, nicht wahr), vergesse ich das, verhalten sie sich nervig (immer), bestätigt das schön meine, natürlich richtige, Meinung über autofahrende Pinneberger. So ist das auch mit solchen Ischen. Die beiden verhalten sich doof, von vorne bis hinten. Da rollt man dann mit den Augen, sagt „blöde Ischen“ und erzählt diese Geschichten. Das ist nicht „frauenfeindlich“. Warum? Wenn meine Frau von einer „blöden Trulla“ erzählt, die sie im Straßenverkehr genervt hat, werfe ich ihr auch keine Frauenfeindlichkeit vor. Meiner Frau, nicht der blöden Trulla.

Im Plauderton erzählte Alltagsgeschichte. Aber man kann sich auch über Frauenfeindlichkeit ärgern.

Ich kenne übrigens eine (genau eine) Friseurin, die blond und ziemlich doof ist. Und zickig. Typisch …

Jojo
Jojo

Guten Morgen,
ich dachte eigentllich immer, daß Frauenparkplätze an gut beleuchteten und auch gut einsehbaren Stellen angelegt sind, damit sich keine Frau in schummrigen Ecken belästigen lassen muß und nicht, damit sie es nicht so weit zum Ausgang haben.
Aber mal davon abgesehen gibt es den von Dir geschilderten Idiotentyp in jedem Alter, jedem Geschlecht und jedem Fahrzeugtyp – manche fallen einem einfach mehr auf, weil man sich auf die betreffende „Zielgruppe“ sowieso schon eingeschossen hat.

gerrit
gerrit

In Mainz sind es die mit dem Kennzeichen mit drei Buchstaben hinter dem „MZ-„. In Köln die aus dem Erftkreis (Kennzeichen „BM“ für Bergheim). In Bonn die Swisttaler (‚SU‘ heisst Suche Unfall.)

Und in Frankfurt? Genau. Offenbacher.

klarkopf
klarkopf

Das einzig Sexistische an dem Eintrag ist es, dass du ihn als „sexistisch“ ankündigt. Das hieße ja, dass du aus dem Verhalten dieser beiden Idiotinnen eine generelle Aussage über Frauen ableitest – was du nicht wirklich tust. So ist es nur ein Eintrag über zwei idiotische Menschen weiblichen Geschlechts, die auch genauso gut Männer hätten sein können.

Meinen Feldstudien zufolge fährt der Idiotendämon gleich gerne in Männer wie in Frauen.

Exverlobter
Exverlobter

Kajol
Kajol

Nur zur Erklärung, warum ich hier überhaupt etwas geschrieben habe und damit als Moralapostel abgestempelt wurde. In sehr vielen Bereichen des Internets, in denen ich unterwegs bin, ist beiläufiger oder Holzhanmersexismus völlig normal, extremst ärgerlich, aber nicht wirklich zu ändern.
Vor fünf Jahren hätte ich über diesen Text wahrscheinlich laut gelacht wie fast jeder andere hier auch, aber es schlägt eben doch in die selbe Klischeekerbe, wie sie so oft im Internet zu finden ist und letztendlich bleibt eher der inzwischen viel zu übliche verächtliche Tonfall hängen, auch wenn das sicher nicht so gemeint war.
Und irgendwann fällt es mir schwer, zwischen Spaß und Ernst unterscheiden zu wollen, weil beides inzwischen völlig selbstverständlich fröhlich vermischt wird.

Baumi
Baumi

@Kajol:

Zitat:
“ In sehr vielen Bereichen des Internets, in denen ich unterwegs bin, ist beiläufiger oder Holzhanmersexismus völlig normal, extremst ärgerlich, aber nicht wirklich zu ändern.“

Ernst gemeinte Frage: Warum bist du in solchen Ecken des Netzes unterwegs? Bestimmte Dinge (zum Beispiel die Kommentare auf den meisten Nachrichtenseiten) tue ich mir inzwischen nicht mehr an. Ist gut für den Blutdruck.

MWi
MWi

na dann kommt mal demnächst nach berlin zum auto umherkutschieren. das könnte man dann auch als antiaggressionstraining verbuchen 😉

nuja, solche egoistischen verhaltensweisen sind leider eher standard…schlimmer find ichs halt diejenigen (und darunter halt unheimlich viele alte menschen) die nicht wie beschrieben bewusst nerven, sondern probleme im straßenverkehr erzeugen, weils sie es nicht mehr besser können, weil sie die situationen nicht mehr überblicken. und da habens mich diesen sommer schon mehrmals fast vom rad runtergeholt.
ok, berliner radfahrer sind halt auch ne geschichte für sich 😀

Kajol
Kajol

Ich interessiere mich „leider“ für eine Menge Dinge, die in der Mehrheit Männer ansprechen, die in diesen Bereichen auch die lauteste Stimme haben. Und diese Stimme ist oft nicht wirklich sonderlich positiv Frauen gegenüber, bzw. stellt sie die meiste Zeit einfach als Objekt dar.
Es gibt Seiten, die das nicht tun, oder nicht so selbstverständlich, aber gerade wenn es mir um Informationen zu bestimmten Dingen geht, kann ich die anderen Seiten nicht so leicht ignorieren.

Ben

Ich bin zwar auch eher der Meinung, dass Frauen nicht nur subjektiv schlechter fahren, sondern tatsächlich objektiv (oder zumindest geht das meiste behindernde, weil übervorsichtige Verhalten bei der Fahrt oftmals von Frauen aus), aber die hier geschilderten Probleme führe ich auf eine andere Beobachtung zurück, nämlich dass die Menschen im Straßenverkehr einfach immer egoistischer werden. Rücksicht und für die Allgemeinheit verbindliche (und nützliche) Verkehrsregeln werden heute anscheinend immer häufiger als Einschränkung der persönlichen Freiheit wahrgenommen. Viele Autofahrer beiderlei Geschlechts scheinen heute zu denken, dass sie grundsätzlich, immer und überall Vorfahrt haben, dass Blinken nur was für Loser ist und das sich ein Parkplatz darüber definiert, wo man gerade parken will.

Das gilt allerdings nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radfahrer. Zwar ist das Ausmaß, mit dem die „Rambo-Radler“ in diesem Sommer durch’s Sommerloch getrieben wurden, schon ein wenig populistisch gewesen, aber dennoch steckt auch dahinter eine Wahrheit, die mir erst am vergangenen Woche wieder einmal bewusst wurde als mich beinahe ein Radfahrer im besten Mannesalter und bei bester Gesundheit beinahe auf einem sehr schmalen Bürgersteig umgefahren hätte und anschließend meinte, mich einen „Idioten“ zu nennen, weil ich ihm hinterher rief, dass er auch auf der Straße fahren könne.

Kajol
Kajol

Wobei ein Autoausflug in andere Länder schnell wieder dafür sorgt, daß Deutschland ein Himmelsreich in Sachen eingehaltene Regeln ist. 😀
In anderen Ländern wird Nichtblinken unter anderem damit begründet, daß so niemand verhindern kann, daß man in die andere Spur reinfährt.

Dietmar
Dietmar

@Kajol: Ist bei mir angekommen, nichts für ungut. (Bist trotzdem ein Moralapostel. 😉 )

Wo wir jetzt auf den Straßenverkehr allgemein kommen: Schließe mich Ben an. Ich bin/war beruflich viel mit dem Auto unterwegs (ca. 40.000 km jährlich) und beobachte, dass das, was man früher partnerschaftlich selbstverständlich gemacht hat, etwa blinken beim Spurwechsel, erheblich weniger gemacht und alle möglichen Regelungen hinterfragt werden. („Ich sehe nicht ein, warum ich aufschließen soll“, während in der Schlange weiter hinten stehende Fahrzeuge abbiegen könnten, wenn aufgeschlossen worden wäre.) Besonders schön ist auch das Nichtblinken beim Verlassen eines Kreisels. Ich benutze dann gerne zum Abreagieren unfaires Reduzieren auf wenige Merkmale. („Blöde Ische“ ist jetzt neu im Repertoir, vielen Dank!)

Auto war kaputt (verursacht massiv schlechte Laune (nochmal Entschuldigung, heino)), während der Reparatur-Zeit bin ich auf´s Rennrad umgestiegen (54 km eine Strecke): Die Fahrradwege sind eine Katastrophe insbesondere, wenn man 9 bar auf den Reifen hat. Aber auf der Straße fahren ist nicht drin, weil die, die gefährlich aggressiv werden, vielleicht nicht viele sind, aber ausreichen, um eben bedrohlich zu sein. Interessanterweise schimpfen dann gerne ältere Fußgänger mit Hund, die den ganzen Fahrradweg einnehmen, wenn man vorsichtig langsamer werdend herankommt und freundlich „Entschuldigen sie bitte?“ sagt. (Klingel habe ich wieder abmontiert: Die Leute erschrecken sich und sind eher noch ärgerlicher.) Eine, ebenfalls ältere Dame, die mir auf dem Fahrradweg entgegen kam, schimpfte, dies sei ja wohl ein Fahrradweg! Äh, ja, empörend. Aber damit muss ich dann wohl leben. Vor allem, wenn das Auto bald nicht mehr finanzierbar ist.

Der Straßenverkehr: Wo ein Mann noch Mann sein darf und die Gesetze des Dschungels Schwache dezimieren! Yeah!

Nochmal @Kajol:

Wobei ein Autoausflug in andere Länder schnell wieder dafür sorgt, daß Deutschland ein Himmelsreich in Sachen eingehaltene Regeln ist.

Da hast du wieder absolut recht; ich sage nur „Spanien“…

Der große Dharma
Der große Dharma

Schönes Thema! 🙂
Hat auch nichts mit Sexismus zu tun, meine Freundin regt sich auch gerne über Frauen auf, die mit der Größe ihres SUVs nicht klarkommen und besser Smart fahren sollten.
Und ich Finde eh, dass zu den „rücksichtslosen Autofahrern“, über die immer mal wieder gerne in den Medien berichtet wird nicht nur die „Raser und Drängler“ gehören sondern auch Autofahrer die:
– 3-5 Meter Abstand an der Ampel halten, damit auch ja keiner mehr auf die freie Rechtsabbiegerspur fahren kann
– es sich anscheinend zum Ziel gesetzt haben, möglichst viele Parkplätze auf einmal zu blockieren (schöne Bilder dazu gibt es z.B. auf http://www.kunstparker.de)
– nicht wissen, dass die rechte Spur auf der Autobahn nicht nur für LKWs reserviert ist

Das sind natürlich nur einige Beispiele, diese Liste lässt sich endlos erweitern.
Im Grunde geht es um Rücksicht und vorausschauendes Fahren aber dafür sind viele Autofahrer zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder einfach mit der Situation (oder ihrem Fahrzeug..höhö..) überfordert.
Und meiner Meinung nach, kriegt man das auch nicht mit einem Tempolimit oder anderen Verkehrsregeln in den Griff. 😉

Comicfreak
Comicfreak

..ich reg mich allmorgendlich über die Eltern auf, die ihr Kind zur Schule fahren, in der extrem schmalen Einbahnstraße direkt vor der Schultür halten, aussteigen, Ranzen aus dem Kofferrauem holen, ums Auto gehen, Kind die Tür aufhalten, Ranzen aufziehen, hoch kurz kämmen, Bussi,warten, bis das Kind im Gebäude ist, Handy zücken, Telefonat anfangen, einsteigen, fertig telefonieren, anschnallen, fahren, der /die Nächste hält…

Ley

haha ich musste schon über die Überschrift lachen. 😉

Sehr gut geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

heino
heino

„Auto war kaputt (verursacht massiv schlechte Laune (nochmal Entschuldigung, heino)), während der Reparatur-Zeit bin ich auf´s Rennrad umgestiegen (54 km eine Strecke): Die Fahrradwege sind eine Katastrophe insbesondere, wenn man 9 bar auf den Reifen hat. Aber auf der Straße fahren ist nicht drin, weil die, die gefährlich aggressiv werden, vielleicht nicht viele sind, aber ausreichen, um eben bedrohlich zu sein“

Ist längst vergessen, Dietmar:-)
54 km auf dem Rennrad? Alle Achtung, das hätte ich in meiner besten Zeit nicht gemacht. Und das Leben als Radfahrer ist tatsächlich sehr gefährlich, hier in Kölle hab ich da auch genug haarsträbende Sachen erlebt, um eine ganze Romanserie darüber schreiben zu können.

Ebenso die Erfahrungen auf der Autobahn. Es wird gedrängelt und bedrängt, munter ohne jegliche Warnung im Zickzack über alle Spuren gewechselt und die recht Spur nur ebnutzt, um bei Stau überholen zu können (mein Feindbild sind BMW- und Mercedes-Fahrer). Und in Berlin mit dme Auto zu fahren, ist Survivaltraining pur. Da steht wirklich jeder mitd em Fuß auf der Hupe…….

DMJ

Es wäre aber wirklich interessant, einen Blick in das Paralleluniversum zu werfen, in dem der Artikel ohne die „Warnung“ veröffentlicht worden wäre. Denn in der Tat ist an ihm nichts sexistisches, doch ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass es auch dann vermutet worden wäre, einach weil die Kombination von weiblichen Antagonisten und Straßenverkehr soviele Assoziationen weckt, über die dann eher diskutiert wird, als das eigentlich gesagte. 😉

reptile
reptile

Großartig! Spricht mir aus der Seele.
Dass wirklich schlimme ist ja die sich völlig normale „Leckt mich doch alle am Arsch“ Einstellung die sich leider immer mit der „Nicht mein Problem“ kombiniert.
Aber ich finde Wvogels Ansprache an Dame Nummer 1 genial. Ich denke mir dass immer nur, traue mich aber selten es auch zu sagen.

Baumi
Baumi

@Wortvogel:

Ich glaub‘ auch, dass der Disclaimer hier eher nach hinten losgegangen ist. Meine Toleranzschwelle für gefühlten Sexismus liegt im Vergleich wahrscheinlich auch eher niedrig, aber das hier find‘ selbst ich harmlos.

(Aber das mit den Frauenparkplätzen hat tatsächlich i.d.R. mehr mit Sicherheitsgefühl zu tun: Gut beleuchtet, nahe an Ausgang und Alarmmeldern. Lt. Wikipedia lässt sich ihre Notwendigkeit allerdings kriminalstatistisch nicht belegen. Ist also wirklich mehr gefühlte Sicherheit als irgendwas.)

Earonn
Earonn

Sexistisch fand ich den jetzt auch nicht. Wir Frauen haben uns halt gleichberechtigt und bringen nun genausoviele Arschlöcher hervor wie die Kerle… ^^

Über derlei Verhalten, weiblich wie männlich, kann ich mich auch prima aufregen. Und doch, ich finde, man sollte was sagen – ein Kommentar alleine wird diese Spacken nicht ändern, aber wenn sie immer Gegenwind bekommen, hört das bestimmt mal auf.

@heino
Ich hab erst in Köln gelernt, am Zebrastreifen (An den Dominikanern) besonders auf Radfahrer zu achten, weil die nicht halten…
Allerdings: nach drei Tagen weiß man das, guckt und ‚arrangiert‘ sich mit dem Zweiradler. Geht alles.

heino
heino

@Earonn:ich hab das Autofahren in der Stadt schon vor langem – von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen – aufgegeben. Macht mich nur aggressiv und mordlüstern. A*****geigen gibt es bei allen Verkehrsteilnehmern, Autofahrer sind nur etwas besser geschützt:-)

Earonn
Earonn

@heino
Ich bin Fussgängerin 🙂

Georg
Georg

„Frauenparkplätze sind albern“

Sind sie eben nicht, sie sind im Gegenteil sehr sinnvoll.
Ich parke immer möglichst weit von den Frauenparkplätzen weg, dann ist das Risiko, dass mein Auto seitlich verkratzt wird wesentlich geringer.

Endstille
Endstille

Ebenso traurig ist die regelmäßige Zerstörung des Parkscheinautomaten in der 2. Unteretage, aber nun wird ja kräftig renoviert.

Peroy
Peroy

@Endstille: Du hast nicht zufällig irgendwas mit der Band zu tun… ?