USA 2011. Regie: Darsteller: Michael Clarke Duncan, Susie Abromeit, Brian Austin Green, Vinnie Jones, Tom Sizemore

Story: Callan ist Teil einer Blutlinie von Kriegern, die auserwählt ist, die Menschheit vor dem Mächten des Bösen zu schützen. Dabei hilft ihm ein magisches Amulett, durch das er Jedi-artige Kräfte erhält. Im Laufe der Zeit hat Callan eine ganze Reihe von Spezialisten um sich geschart, die ihm bei seiner hehren Aufgabe helfen – meistens, in dem sie in Swat-Ausrüstung irgendwelche Handlanger über den Haufen schießen. Aber ach, Callan ist auch ein gebrochener Mann, denn seine geliebte Rachel konnte er einst nicht vor der Kugel eines Bösewichts retten – und nun will auch noch ein zugereister unsterblicher „Wikinger“ mit dem Stab von Sakhmet Tod und Verderben über die Welt bringen. Nicht gerade der ideale Zeitpunkt für Callan, sein Amulett zu verlieren – und sich in eine Frau namens Sunshine zu verlieben…

Kritik: Bei „Cross“ war es weniger der Film selbst, der mich reizte. Es war die Kombination vieler Kleinigkeiten. Ich halte Brian Austin Green nicht erst seit den „Sarah Connor Chronicles“ für einen unterschätzten Action-Darsteller. Okkult-Kracher à la „Full Eclipse“ und „End of Days“ ist voll mein Ding. „Cross“ roch irgendwie nach dem Beginn der preiswerten Superhelden-Franchise für den DVD-Markt, die ich seit Jahren erwarte und vermisse. Und der rattenscharfe B-Cast stellte eigentlich vorab sicher, dass es nicht allzu tief in den Morast den No Budget-Trashfilms gehen würde – neben Green geben sich noch Tom Sizemore, Danny Trejo, Jake Busey, William Zabka, C. Thomas Howell, Michael Clarke Duncan und fuckin‘ Vinnie Jones die Ehre.

I think I just came.

Vielleicht ist es genau das, was mich so wütend macht. „Cross“ hat alle Zutaten und Spießgesellen beisammen, um den B-Movie-Fan zu begeistern. Es ist kein Film, der von vorne herein zum Scheittern verurteilt war. Im Gegenteil: man braucht bei dem Konzept und der Besetzung wirklich nur Dienst nach Vorschrift zu leisten, um einen halbwegs brauchbaren DVD-Kracher für den internationalen Markt zu zimmern. Solide Möglichkeiten, solide Erwartungen – fertig ist die Laube.

Leider saugt „Cross“ Eselsklöten. Wenn es schon keine besondere Leistung ist, mit diesen Rahmenbedingungen einen halbwegs brauchbaren Fantasy-Thriller zu stricken, dann ist es eine erstaunliche Leistung, ihn derart komplett zu vergeigen. Ich bin ehrlich gesagt rechtschaffen fassungslos. Das ist alles so sinn- und spannungslos zusammen gestümpert, dass es an eine besser budgetierte Version von „Kiss of the Vampire“ erinnert. Aber „Kiss of the Vampire“ war eine Low Low-Budget-Produktion aus der amerikanischen Provinz. Wenn man sowas in Los Angeles dreht, MUSS doch irgendwo ein Hansel aufzutreiben sein, der die Grundlagen von Filmdramaturgie an der UCLA studiert hat. Oder in der Volkshochschule. Oder auf Youtube.

„Cross“ gibt sich keinerlei Mühe, den „Highlander“-esken Plot auch nur ansatzweise auszuspielen. Das läuft alles irgendwie im Hintergrund ab, während wir 100 Minuten lang relativ willkürlichen Szenen und Sketchen mit Green & Konsorten zuschauen dürfen. Coole Sprüche, dicke Knarren, TV-taugliche Minimalgewalt. Die okkulten Elemente sind Fassade, miserabel ausgedacht und plump erzählt – der Stab einer ägyptischen Göttin braucht also das Blut der Familien aus der griechischen Mythologie? Von wem wird Callans Amulett eigentlich gestohlen? Und der unsterbliche Bösewicht will eigentlich nur endlich sterben – weshalb versucht er dann, Callan zu besiegen? Übrigens scheint nicht nur „Gunnar“ unsterblich, sondern auch seine Lederjacke, der Kugeln nichts anhaben können…

Darüber hinaus ist „Cross“ total überbevölkert. Während Low Budget-Filme normalerweise aus Kostengründen den Cast klein halten, wird hier mit austauschbaren Nebenfiguren förmlich um sich geworfen. Beide Seiten haben mehr Kanonenfutter im Bild herum stehen als die Fussball-WM. Wollt ihr wissen, wie peinlich einfallslos „Cross“ dabei ist? Hier die Namen der Helden und Bösewichte: Trench, Ripper, Shark, Backfire, Wrath, Stone,T-Bug, Rip, Sky, Ace, Butcher, War, Saint, Wire, Brute, Ranger, Riot, Patch (trägt Augenklappe), English (ist Engländer), etc. Die sind übrigens alle irgendwie „Sniper“, „Sharp-Shooter“, „Assassin“, „Weapons Expert“, wie uns so überflüssige wie aufdringliche Einblendungen erklären. Als ob wir uns irgendeinen Namen oder irgendein Gesicht merken müssten…

Hier findet ihr „character bios“ zu den Spacken, deren gelistete tolle Eigenschaften im Film an keiner Stelle zum Tragen kommen.

Es fällt mir schwer, auch nur eine Szene zu identifizieren, die nicht zum gemurmelten „What the FUCK?“ reizt, in der die Beteiligten sich nicht wie komplette Deppen verhalten und in der man ob des „Humors“ nicht mit den Zähnen knirscht. Die Regie erweist dem miserablen Skript auch keinen Dienst, wenn sie relevante Szenen so off-screen hält, dass man ständig meint, man habe aus Versehen ein Kapitel auf der DVD übersprungen. So rumpelt „Cross“ mit einem beliebigen Lagerhaus-Shootout nach dem anderen über die Laufzeit und begnügt sich am Schluss mit einem Finale, das noch einmal das totale Desinteresse der Macher am eigentlichen Aufhänger belegt.

Während Brian Austin Green sich noch halbwegs redlich müht, ist Jones, Duncan und Sizemore offensichtlich klar, in was für einer Gurke sie hier gelandet sind. Busey will mal wieder nur spielen und Sizemore hat Dealer zu bezahlen – ihre darstellerischen „Leistungen“ müsste man eigentlich bei der Schauspielergewerkschaft als Arbeitsverweigerung anzeigen können. Geld zurück!

Die Entstehung eines solchen Debakels ist eigentlich nur schwer zu erklären. Wie kommt ein solch grandioser B-Cast in einen derart beschissenen Film? Ich kann nur vermuten, dass „Cross“ das Projekt von ein paar LA-Stuntleuten erdacht wurde, die bei diversen Schauspielern alte Gefallen eingefordert haben. Weil „schießen und hauen“ kein eigenes Genre ist, hielten sie es für eine gute Idee, auf den aktuellen Superhelden-Zug aufzuspringen, auch wenn sie keinerlei Ahnung hatten, wie Superhelden funktionieren. Weil das Ergebnis konfuser Quatsch war, holte man ein paar „Fixer“ an Bord, die mit ein paar Editing-Tricks, einem Erklärbär-Prolog und zusätzlichen Szenen mit Tom Sizemore versucht haben, zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten war. Und auch nicht gerettet wurde. Aber was lässt sich nicht alles mit einem muskulösen Actionhelden und einer dicken Wumme auf dem DVD-Cover verkaufen…

Von Green bis Jones, von Busey bis Duncan – ALLE Darsteller müssen sich vorwerfen lassen, nach der Lektüre nicht die Eier gehabt zu haben, freundlich abzuwinken. Das KONNTE nichts werden und JEDER hätte es wissen müssen. Wäre es z.B. für Green so schwer gewesen, die Autoren mal beiseite zu nehmen und zu sagen: „Jungs, das kann kein Mensch spielen, ohne sich zu blamieren. Ich rufe mal bei meinen alten Skript-Buddies aus „Sarah Connor“-Zeiten an, da kann sicher einer für ’nen Tausender noch mal drüber gehen“? Oder hat man sein Schweigen mit dem Producer-Credit erkauft? So verzweifelt KANN man die Arschbacken doch gar nicht zusammen kneifen.

Nur eine Theorie. Aber eine plausible.

Ich möchte allerdings nicht verschweigen, dass die zum Gröhlen und Popcorn werfen reizende Debilität des Films ihn zu einem idealen Kandidaten für das nächste Badmovies-Festival macht. Auf der großen Leinwand und in passender (= angetrunkener) Gesellschaft könnte das funktionieren.

Fazit: Satte 100 Minuten „Austauschbare Spacken stürmen alte Lagerhäuser, hauen und beschießen sich mit anderen austauschbaren Spacken, während arrivierte B-Movie-Darsteller daneben stehen und sich eine Runde schämen“.



avatar
7 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
KajolHowie MunsonMarcusPeroyComicfreak Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Lutz
Lutz

Ich glaube, Tom Sizemore nimmt seit 10 Jahren einfach jede verdammte noch so kleine Rolle an, damit er zeigen kann, dass er noch am leben ist. Der hofft einfach, dass ihn irgendwann doch mal wieder ein größerer Regisseur sieht und sich traut, für eine Rolle zu engagieren, die dann als großes Comeback gefeiert werden kann.

Der Mann ist in den USA einfach unten durch und wird auch so schnell kein Bein mehr auf die Erde bekommen. B-Filmer schmücken sich gern mal mit seinem Namen, weil der halt bekannt klingt, aber in größeren Produktionen will einfach keiner mit der Last, die er mit sich bringt, sein Projekt zusätzlich gefährden. Ich habe keine Ahnung, wie stabil Sizemore als Schauspieler ist und ob man ihn problemlos engagieren könnte, unabhängig davon hat er aber einfach den Fehler gemacht, die Dinge, für die er vor Gericht kam und die ihm sonst so anhängen auch noch im Nachhinein zu zulebrieren anstatt sich als reuiger Sünder zu präsentieren.

Howie Munson
Howie Munson

also die „charakter bios“ kann man auch schöner präsentieren…
Freiheit für Arulco!
(wäre wohl auch ein besserer Film geworden *g*)

Comicfreak
Comicfreak

..dein Fazit könnte sich der Doc gestickt über seine Filmsammlung hängen

😀

Peroy
Peroy

„Wäre es z.B. für Green so schwer gewesen, die Autoren mal beiseite zu nehmen und zu sagen: “Jungs, das kann kein Mensch spielen, ohne sich zu blamieren. Ich rufe mal bei meinen alten Skript-Buddies aus “Sarah Connor”-Zeiten an, da kann sicher einer für ‘nen Tausender noch mal drüber gehen”?“

Das ist ein rührender Gedanke…

Marcus
Marcus

Musstest du die Character-Bios verlinken?

Da stieß ich auf den Satz bzgl. eines Auftragskillers: „He kills with no regard for life.“

Erstens: 😯 😯 😯 😯 😯 😯

Zweitens: jetzt muss ich andauernd über Sinn und Unsinn dieser Formulierung nachzugrübeln, vermutlich, bis mein Gehirn abstürzt.

Howie Munson
Howie Munson

Ich sag ja, die Biographien hätten schöner sein können. *g*

Naja vielelciht geht ja auch der Produzent pleite ohne Rücksicht auf Verluste… *gg*

Kajol
Kajol

Ich hatte nach Sichtung des Films ja das akute Bedürfnis, mir noch ein paar Hirnzellen mehr rauszuschießen, weil…es waren bestimmt noch nicht genug gestorben.
Fassungslosigkeit trifft es übrigens perfekt, ich hatte das Gefühl, in einem B-Movie-Paralleluniversum gelandet zu sein.
Jammerschade, der hatte echt das Zeug, zu einem großartigschlechten Film zu werden, der von A-Z einfach nur Spaß macht.