GB 2004
. Regie: Marc Evans. Darsteller: Colin Firth, Mena Suvari, Naomie Harris, Dorothy Duffy, Paul Rattigan, Sean Harris

Story: Maler Ben erwacht aus dem Koma. Bruchstückhaft erinnert er sich an einen Autounfall und an den Tod seiner geliebten Frau Elisa. In einer neuen Wohnung und unter Anleitung eines Psychologen müht er sich, seine fragmentierte Gedankenwelt wieder zu ordnen, freundet sich sogar mit der hübschen Hausverwalterin Charlotte an. Doch die Puzzleteile passen nicht, immer wieder begegnen Menschen Ben mit unverständlicher Aggression – und er sieht Elisa auf der Straße. Was ist Wahrheit?

Kritik: Diesen Film hat mir die LvA in den DVD-Player gedrängt. Sie wollte wissen, ob ich ihn ihr erklären könne. Horrorfilme sind wahrlich nicht ihr Ding und trotz ihrer Bewunderung für Colin Firth hatte dieser Thriller sie mehr verwirrt als begeistert. Verständlich ist das. Den Superstar des englischen Kostümkinos in einem Film zu sehen, der hierzulande auf dem FFF lief und der aus Kostengründen auf der Isle of Man gedreht wurde (siehe auch hier), ist nicht gerade alltäglich.

„Trauma“ ist ein klassischer „slow burner“. Wir sind am Anfang ebenso verwirrt wie Ben, finden uns in der Welt des Films mit ihm zusammen zurecht, versuchen ein paar Eckpfeiler zu setzen – nur um diese dann wieder in Frage stellen zu müssen. Die Wirklichkeit durch Bens Augen zu sehen, entpuppt sich bald als Fehler – natürlich wirkt er halbwegs normal. Er sieht sich ja so. Aber ist es er auch? Ist das, was wir präsentiert bekommen, auch das, was wirklich geschieht? Warum gibt es so viele Hinweise, dass Charlotte vielleicht gar nicht existiert? Warum bekommen wir den Psychologen nie zu Gesicht?

Im Gegensatz zu vielen anderen Thrillern ist „Trauma“ sauber genug konstruiert, um am Ende mit der Entdeckung der Wirklichkeit auch die Entdeckung der Wahrheit zu liefern. Er hat Antworten, die schließlich auch das verständlich machen, was im ersten Akt desorientierend wirkt.

Visuell ist das mit viel, aber nie nervend viel Schnickschnack inszeniert, Außenwelt und Innenwelt der Figuren stimmen in ihrer Trostlosigkeit überein und immer wieder erscheinen Wärme, Liebe und funktionierender Verstand als unerreichbar. „Trauma“ gönnt dem Zuschauer in der Ödnis keine Atempause, treibt Ben durch angerissene Beziehungen, Erinnerungen, Psychosen.

Wie Colin Firth in so einem eher extremen Streifen landen konnte, ist mir ein Rätsel. Mena Suvari hingegen hatte eine klare Motivation: sie war zu diesem Zeitpunkt mit dem Kameramann des Films verheiratet. Der Rest der Besetzung rekrutiert sich auch dem britischen Charakterfach und leistet sich ebenfalls keine Schwächen.

Was „Trauma“ letztlich zum Kracher fehlt, sind Lautstärke und Tiefe. Ihm fehlt sowohl eine über das narrative Konzept hinaus gehende Komplexität wie auch die Fähigkeit, den Zuschauer zu überraschen oder wenigstens zu schockieren. Unter der Haube ist der Film sehr konventionell und seine Suspense, so sauber sie auch generiert sein mag, läuft auf nichts hinaus. So lässt uns das Ende kalt, weil es nichts betrifft, was uns berührt. Darüber hinaus stören immer wieder Nebenplots und Figuren, die seltsam abgeschottet vom eigentlichen Konflikt zu existieren scheinen und nicht selten wie mühsame Versuche wirken, ein Kammerspiel in der Breite zu öffnen.

Es ist übrigens zwecklos, „Trauma“ im englischen Original sehen zu wollen – man versteht rein gar nichts, was da zusammen genuschelt wird. Also entweder die deutsche Synchro unter dem Titel „Traumata“ oder die Untertitel von der englischen DVD.

Fazit: Ein verstörender Thriller, den ein paar Tempoprobleme und willkürliche Nebenfiguren unnötig ausbremsen.

Was mich an diesem Trailer verwirrt – er scheint gleich mehrere Szenen zu enthalten, an die ich mich im Film nicht mehr erinnern kann. Es sieht so aus, als habe man den Horror-Aspekt zu Gunsten des Psychodramas dann doch noch mal herunter gefahren:

Wer mehr wissen will, findet viel Material auf der bbci-Webseite.



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Comicfreak
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..ah, danke, das hätte sonst durchaus auch bei mir im Player (und dann direkt eim Doc) landen können..

Peroy
Peroy

Mir hat er nicht gefallen… ich bevorzuge Dario Argentos „Trauma“ (aka „Aura“)…

Peroy
Peroy

Ohne Geficke wohl nix mehr los hier…