USA 2012. Regie: Charles Band. Darsteller: Eric Roberts, Ariana Madix, Jessica Morris, Robert Zachar, Jean Louise O’Sullivan, J. Scott u.a.

Story: Rose Pettigrew ist ein Stummfilmstar. In ihrer Hollywood-Villa veranstaltet sie rauschende Feste mit makabren Sex-Orgien in einer Höhle unter dem Pool. Als ihr Manager die Nachricht bringt, dass sie „dank“ des Tonfilms von ihrem Studio fallen gelassen wurde, reagiert sie ungehalten: sie erschießt ihre männlichen Sex-Genossen und schneidet sich die Kehle durch…

Mehr als 80 Jahre später: Zwei junge Immobilienmaklerinnen wollen das Haus von Rose Pettigrew ein wenig her richten, um es einem Käufer schmackhaft zu machen. Dummerweise sind die drei Gefährten von Rose immer noch untot auf der Suche nach Gespielinnen, die ihnen die Zeit vertreiben können…

Kritik: Es ist eigentlich ein Armutszeugnis, dass ich die treibende Kraft hinter einem Buch über Leben & Werk von Charles Band bin – und die Filme aus seiner Produktion seit 10 Jahren aufgegeben habe. Spätestens mit dem Ende der Kushner/Locke-Ära sind Bands Produktionen endgültig auf einem Niveau angelangt, das sie zu Zeitverschwendung degradiert. Zwar hat er sich aus dem Amateur-Ghetto der Tempe-Jungs wieder befreit, aber was er mittlerweile abliefert, hat keine Ambition, keinen Drive – und vor allem nicht die Mittel, eine auch nur halbwegs brauchbare Idee angemessen umzusetzen.

Denn in dieser Beziehung ist sich Band treu geblieben: Er hechelt nicht mit Mockbustern dem Zeitgeist nach, wie es Asylum macht, sondern entwickelt eigene Ideen, eigene Franchises. Und wie schon zu seligen Empire-Zeiten mangelt es ihm dann am Talent und der Ausdauer, daraus etwas zu machen. All sizzle, no steak. Business as usual. Nur mittlerweile im fünfstelligen Bereich.

So ist es auch mit „The Dead want Women“: Was ein launiger Geister-Thriller mit ein paar neckischen Spitzen gegen Hollywood hätte werden können, überzieht seinen Kredit schon beim Prolog, der fünf Minuten dauern müsste, aber über unglaubliche 25 Minuten gestreckt wird. Damit bleiben Band gerade mal 50 Minuten für den eigentlichen Film, von denen er 15 Minuten an das Setup in der Gegenwart verschenkt, das keine drei Minuten verdient hat. Weitere fünf Minuten gehen an den Nachspann.

Bleibt eine magere halbe Stunde für eine ebenso magere Geschichte, die letztlich nur daraus besteht, dass drei Untote zwei blonde Ischen fangen und… ja, was eigentlich? Was die Untoten wollen, warum sie überhaupt untot sind, was im Finale tatsächlich passiert – dafür war dann leider keine Zeit mehr. Kann Charlie vielleicht auch besser beim Bier erklären. So, wie der Film völlig falsch konstruiert ist und völlig falsche Akzente setzt, so patzt er auch auf jeder technischen Ebene: Originalton und schlechtes Dubbing wechseln sich hörbar ab, das Monster-Makeup hat zwar für die Gesichter, nicht aber für die Hände der Untoten gereicht – und es gibt Referenzen, die ins Nichts führen, weil relevante Szenen entweder nicht gedreht oder vor dem Release heraus geschnitten wurden.

Was die versprochenen „unspeakable acts of total depravity“ angeht – ein müdes bisschen Softsex-Rumbumserei beweist, dass Charlie zwar den Playboy Channel studiert hat, aber ansonsten keinerlei Risiken eingeht.

Ich gönne Eric Roberts den Spass, nackte Mädels ausgiebig zu begrapschen und diversen Porno-Aktricen das Glück, dem Soundtrack auch mal mehr zu schenken als wollüstige Stöhnereien. Den Hauptdarstellerinnen hat der Film zumindest ein Magazin-Cover eingebracht, hurra: Aber letztlich lähmt „The Dead want Women“ die Notwendigkeit, aus Kostengründen jede Szene doppelt so lange spielen zu lassen, wie zulässig wäre und jeden Dialog zu strecken, bis der Zeigefinger zur Vorspultaste wandert. 70 Minuten ohne Suspense, ohne Schocks, ohne Überraschungen, letztlich sogar ohne Finale – das ist einfach zu wenig.

Filmfans mit zuviel Geld in der Tasche können die Original-Maske des „Comedian“ diese Woche übrigens bei Ebay in den USA kaufen.

Fazit: Eine nicht uncharmante Idee, die an der völligen Lustlosigkeit aller Beteiligten und den mangelnden Mitteln scheitert.

http://www.youtube.com/watch?v=1RVdtVXROC8

P.S.: Wenn es euch interessiert – so wird ein Film wie „The Dead want Women“ potentiellen Käufern aus der Industrie schmackhaft gemacht:

Und das von dem Mann, der uns „Trancers“, „Re-Animator“, „Dolls“, „RobotJox“, „Arena“, „From Beyond“ und „The Exotic Time Machine II: Forbidden Encounters“ geschenkt hat…



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Mic
Mic

Na, da schonst du dich aber nicht, wenn DAS der Einstieg in die Movie Mania war. Ich sag schon mal vielen Dank fürs Durchsitzen dieses Films und habe irgendwie die vage Befürchtung, dass ich ähnlichen Dank noch bei ein paar der kommenden Beiträge spenden könnte …

Und geht es nur mir so, oder sieht das Zeitschriftencover so aus, als ob irgendeine Geisterbahn jetzt T&A ins Sortiment aufgenommen hat, weil man mit Live-Erschreckern niemanden mehr hinterm Pappmaché hervorlockt?

Lukas
Lukas

Ach guck mal an, die Girls And Corpses gibt’s noch? Ich hätte gedacht, dass so ein One-Trick-Pony nach ein paar Heften totgeritten wäre.

Wortvogel
Wortvogel

@ Mic: Leider stellt sich heraus, dass das erste Dutzend Filme für die Movie Mania nicht gerade viele Highlights bereit hielt (wie gesagt, ich habe die Filme ja alle vorher nicht gesehen). Wenn es zweistellig wird, habe ich bewusster gemischt, um auch mal ein Lob loszuwerden.

@ Lukas: Weiß der Geier, wer für was wie „Girls and Corpses“ Geld ausgibt.

DMJ
DMJ

Ich muss ja gestehen, dass ich auf Charles Band selbst erst über Kushner/Locke aufmerksam geworden bin – insofern fiel mir der Abstieg da wenig auf, sondern vielmehr wunderte ich mich dann, wieviel größeres er zuweilen gemacht hat. 😉

Wortvogel
Wortvogel

@ DMJ: Dann dürfte unser Buch genau richtig für dich sein – Band 1 behandelt ja nur die Werke bis 1990. Da sind alle Knaller mit drin.

Zumindest „Trancers“, „Dolls“, „Re-Animator“ und „RobotJox“ hast du aber gesehen, oder?

DMJ
DMJ

Erschreckenderweise kenne ich gerade mal „Re-Animator“ aus jener Aufzählung. Wieviele Klassiker da fehlen, beschämt mich selbst (insbesondere „Trancers“… und aus unerfindlichen Gründen habe ich auch das Gefühl, unbedingt mal „Dollman“ sehen zu müssen).

Aber auf das Buch bin ich natürlich auch unabhängig davon begierig. 😉

Peroy
Peroy

„Trancers“ muss niemand sehen… und „Dollman“ ist auch Gullykack.

Pascal
Pascal

Aber als alten BattleTech-Spieler hat mir damals „RobotJox“ unglaublich gut gefallen. Kann man, mit etwas Fan-Sicht, heute noch angucken. Wer sich damit auskennt, das erinnert etwas an Solaris VII. Über „RobotJox II“ ff. wird besser nicht geredet.

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