CHINA/HONGKONG 2011 / 122 MIN / MANDARIN OMEU

REGIE TSUI HARK
DARSTELLER JET LI / ZHOU XUN / CHEN KUN / KWAI LUN MEI / YUCHUN LI / MAVIS FAN / SIU-WONG FAN

Offizielle Synopsis: Willkommen im Dragon Gate Inn, wo Gästen als Hausspezialität das Fleisch ihrer Vorgänger serviert wird! An diesen wenig einladenden Ort in der Wüste verschlägt es: eine von der Geheimpolizei gejagte Konkubine; eine sich als Rebellenführer Zhao ausgebende Unbekannte; den echten Zhao; eine Truppe wilder Tartaren; Geheimdienstchef Yu; Yus Doppelgänger Wind Blade mit kämpferischer Begleiterin – sowie die gesamte Geheimdienst-Kavallerie. Klar, dass bei diesem Zusammentreffen Schwerter schnell zu Fluggeschossen werden und Dolche, Pfeile, Felshaken, Äxte, kurz: alles, was scharf und spitz ist, scharenweise hinterhersausen.

Kritik: Ich wollte FSoDG auslassen, weil ich schon einen Screener besitze und Tsui Harks neues Epos deshalb auch zu Hause gucken kann. Aber dann kamen die Trailer, die auf der größten Leinwand Berlins und in 3D einfach derart spektakulär wirkten, dass ich gestern kurzfristig eine Essenspause dran gab, um dem großen asiatischen Kostümfilm noch einmal eine Chance zu geben.

Hätte ich mir schenken können.

Jau, die 3D ist selten, zumindest in einem Action-Kontext, besser eingesetzt worden. Die verschiedenen Ebenen sind kristallscharf, der räumliche Effekt ist phänomenal, diverse CGI-Locations wirken fast hyperreal. Es mangelt nicht an Komparsen, nicht an rauschender Musik, nicht an kindlicher Zerstörungswut.

Trotzdem enttäuscht FSoDG, weil er das Versprechen seines Prologs nicht einlöst. Mit viel Liebe wird hier der große Konflikt zwischen den gefährlichen Ost- und West-Abteilungen der kaiserlichen Eunuchen aufgebaut, der das ganze Reich ins Unglück zu stürzen droht. Es gibt Rebellen, schwangere Konkubinen, tätowierte Tartaren.

Und dann? Dann ziehen sich ein gutes Dutzend der Figuren in das „Dragon Gate Inn“ zurück, wo sie sich in Erwartung eines alle 60 Jahre wiederkehrenden Sturms gegenseitig das Leben schwer machen. Die CGI-Szenerie wird offensichtlich, die Schwächen diverser Darsteller auch. Alles ist Posing, affige Soap Opera, bis endlich der (ebenfalls in keiner Sekunde real wirkende) Sturm kommt und die resultierenden Kampfszenen endgültig ins Reich der Fantasy überdehnt werden.

Schade, schade, schade.  Wenn FSoDG ein Beispiel für den aktuellen „state of the art“ der Chinesen ist, was das Genre-Kino angeht, dann bin ich froh, mich da raus zu halten. Das ist alles nur noch Materialschlacht, die Aufarbeitung der immer gleichen Dynastien mit ihren immer gleichen Intrigen – und das Element der Martial Arts geht vor die Hunde, weil man für diesen Wirework- und CGI-Overkill endgültig keine talentierten Performer, sondern nur noch talentierte Techniker braucht. Der Wow-Faktor, wenn zwei schlecht animierte Computerfigürchen schwertschwingend auf einem Dach umher tanzen, ist gleich Null.

Tsui, Jet – von euch erwarte ich mehr! Strengt euch mal wieder ein bisschen an!

Fazit: Wirework- und CGI-Kostümspektakel, das nach einem beeindruckenden Anfang mit blitzsauberen 3D-Effekten eine Kehrtwende macht und sich in zu viel Intrigen-Hickhack verstrickt, bevor ein monströser Sandsturm die Partikel-Effekte Überstunden machen lässt wie einst bei „The Mummy“. Aufwändig, aber enttäuschend.



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DMJ

Also wie erwartet. So lecker der Trailer (in 3D) nun auch wirklich war, scheint der asiatische Kostümschlachtenfilm einfach in einer absoluten Sackgasse zu stecken.

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Ist übrigens ein Remake. Ein Remake eines Remakes sogar. (Dragon Gate Inn/New Dragon Gate Inn).

Peroy
Peroy

„Ist übrigens ein Remake. Ein Remake eines Remakes sogar. (Dragon Gate Inn/New Dragon Gate Inn).“

Mir ging beim lesen der Inhaltsangabe Harks eigener „Kung Fu Kannibalen/Wir kommen und werden Euch fressen“ durch den Kopf…

Schade, dass der nun wieder schwächelt, ich dachte eigentlich, nach Totalausfällen wie „Black Mask 2“ hätte er mit seinem „Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“ wieder zu alter Form gefunden… den fand ich famos…

Pogopuschel

Ich fand ihn gut. Aber er funktiniert wirklich nur in 3D. Obwohl ich normalerweise einen großen Bogen um Tripple D Filme mache, haben mich die Effekte hier doch stark beeindruckt. Der Film selbst ist eher mittelmäßige Standartschwertkampffilmware. Aber hier werten die Effekte ihn wirklich auf. Wie Avatar war auch dies ein rein visuelles Erlebnis.
Übrigens, der beste Film der nicht auf dem Fantasyfilmfest lief ist „Cabin in the Woods“, den ich heute in der Pressevorführung gesehen habe. Das wäre der Knaller des Festivals geworden. So was hat man nämlich noch nicht gesehen. Ein Meisterwerk, der es schafft, das Genre neu zu definieren.

flippah

Ich mochte den wirren Plot im Dragon Gate Inn.

Peroy
Peroy

„Übrigens, der beste Film der nicht auf dem Fantasyfilmfest lief ist “Cabin in the Woods”, den ich heute in der Pressevorführung gesehen habe. Das wäre der Knaller des Festivals geworden. So was hat man nämlich noch nicht gesehen. Ein Meisterwerk, der es schafft, das Genre neu zu definieren.“

Ich hab‘ mir fest vorgenommen, den zu hassen. Ich weiß worum es geht und worauf er hinausläuft.

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