GROSSBRITANNIEN 2012 / 83 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE SID BENNETT

DARSTELLER NATASHA LORING / RICHARD DILLANE / MATT KANE / PETER BROOKE / STEPHEN JENNINGS

Offizielle Synopsis: Der berühmte Erforscher unbekannter Spezies und mythologischer Kreaturen, Marchant, bricht mit seinem Team zu einer Expedition auf: Im Kongo wurde angeblich das Seeungeheuer Ogopogo gesichtet. Noch ahnt der Wissenschaftler nicht, dass sich sein soeben aus der Schule geflogener Sohn Luke an Bord des Helikopters geschlichen hat. Die beiden haben ohnehin ein schwieriges Verhältnis, das bald auf die Probe gestellt wird. Denn gefräßige Urzeit-Dinos bevölkern die Insel und erachten Vater, Sohn und die restlichen Reisemitglieder als willkommene Aufwertung ihres Speiseplans. Als Suchtrupps später an Ort und Stelle eintreffen, um nach dem verschollenen Team zu suchen, stoßen sie auf über 100 Stunden Filmmaterial …

Kritik: Nachdem es mittlerweile Dutzende Dokumentationen mit hervorragend gemachten Dino-Trickeffekten gibt, bietet es sich an, dieses Reservoir an CGI-Modellen und Technikern auch für Spielfilme zu nutzen. Es ist eine so nahe liegende Idee, dass ich selber vor 10 Jahren schon drauf gekommen bin:

Wo bei mir in „Dino Safari“ ein paar Diamant-Schmuggler mit ihrer Cessna gegen einen Pterodactylus knallen, ist es in „Dinosaur Project“ eine TV-Crew mit ihrem Hubschrauber. Das Ergebnis ist dasselbe: die Passagiere finden sich im unwirtlichen Dschungel wieder, der überraschenderweise mit Dinos aller Couleur aufwarten kann…

Leider hat „Dinosaur Project“ obendrein noch die Idee, seine ganze (extrem magere) Story per „found footage“ zu erzählen. Und wahrlich, ich sage euch – Drecksidee. Anderthalb Stunden bombardiert uns der Film mit wackeligen, unscharfen Bildern, die wohl Spannung erzeugen sollen, aber bei vielen Zuschauern ernsthafte Übelkeit verursachten (ich spielte selbst mit dem Gedanken, Lukas um seinen Cola-Becher zu bitten). Der permanente Wechsel von Bildperspektive, Ausschnitt und Filmmaterial macht „Dinosaur Project“ trotz der soliden Dino-Effekte zu einer visuellen Folter. Es mag ja angehen, dass sich Geistergeschichten und Monsterstreifen so erzählen lassen – für einen breit angelegten Familien-Abenteuerfilm im Fahrwasser von „Congo“ und „Jurassic Park“ ist der Ansatz ein komplettes Desaster.

Hinzu kommt, dass „Dinosaur Project“ nichts mitbringt, was uns motivieren könnte, die ständig zusammen brechenden Wackelbilder zu ertragen: hier wird lediglich die erste halbe Stunde von Conan Doyle’s oft verfilmter „Lost World“ zeitgenössisch aufgebrüht. Hinweise auf Dinos, Team zieht los, Team findet Dinos, wird aufgerieben. Wäre die sexy Blondine nicht als Erste draufgegangen – ich hätte geschworen, wir treffen sie am Ende noch als „weiße Göttin“ eines Negerstamm an.

Darüber hinaus hat „Dinosaur Project“ keine Story: weder gelingt irgendwem erfolgreich die Flucht noch kann etwas erwiesen oder erreicht werden. Es gibt Dinos, die Expedition scheitert, das war es dann auch schon. Der Versuch, über die externe Gefahr hinaus noch einen menschlichen Antagonisten zu etablieren, scheitert so kläglich, dass man es in Filmschulen als perfektes „how not to do it“ zeigen sollte. Die pappigen, tausend Mal gesehenen Charaktere aus dem Abenteuerfilm-Handbuch von Disney (Ausgabe 1962) nerven so schnell und komplett, dass ich unter großem Gelächter des Publikums „Ach, Scheiße!“ gerufen habe, als der „Held“ in letzter Sekunde mal wieder vor einer Dino-Attacke gerettet wurde.

Unguckbar. Unfassbar. Örks.

Fazit: Die erste halbe Stunde von „Lost World“, auf unerträgliche 83 Minuten gestreckt als Kopfschmerz-induzierendes Wackelkamera-Debakel ohne Sinn und Verstand, bei dem man sämtlichen Beteiligten einen langsamen und schmerzhaften Tod wünscht. Paranormal Africativity.

http://www.youtube.com/watch?v=yr5JS72it64



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Trantor
Trantor

„Es ist eine so nahe liegende Idee, dass ich selber vor 10 Jahren schon drauf gekommen bin.“

Und das nur 9 Jahre nach Jurassic Park, Respekt! 😉

Bevor die Replik kommt: Ja, ich weiß, Du spielt auf die Nutzung von stock-footage an…

Pogopuschel

Um „found footage“ mache ich auf diesem Festival einen noch größeren Bogen, als um den 3D-Kram. Es ist mir ein Rätsel, wie man sich als Filmemacher selbst so einschränken kann. Das war bei ein, zwei Filme („Cloverfield“ und dieser Gruselfilm) ganz witzig, ist aber auf Dauer nur ermüdent.

Stony
Stony

mal wieder beim zählen durcheinander gekommen WV? 😉

FFF Movie Mania 2012 (25): Excision
FFF Movie Mania 2012 (25): The Dinosaur Project

flippah

Das frühzeitige Ableben der sexy Blondine ist um so unverzeihlicher, als kurz danach eine Szene kommt, die wet-T-Shirt-tauglich gewesen wäre. Wahrscheinlich hat man den Film in szenischer Reihenfolge gedreht und das Mädel hat gemerkt, was für ein Murks das wird und hat darauf bestanden, schnellstmöglich aussteigen zu können.

DMJ

Ui, dass sogar der Pteranodon-Zusammenstoss in deinem Projekt drin gewesen wäre, hattest du gar nicht erzählt. Verrückt!

Inhaltlich aber brutalstmögliche Zustimmung von mir, der war wirklich nix. Bis auf die einzelnen (himmelschreienden) Dämlichkeiten nicht aktiv scheiße, aber lau, lahm und langweilig.

http://www.weirdfiction.de/article_database/fff-2012-the-dinosaur-project/

Lukas

Bei mir inklusive der schönsten Kopfpatsch-Momente: http://www.sonderland.org/3063/fantasy-filmfest-2012-the-dinosaur-project/

John
John

Das erinnert mich mal wieder daran, dass eine Google-Image-Search-Suche nach „Dinosaur Sex“ wirklichen jeden bierverwöhnten Partyabend retten kann.

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[…] of a Zombie ♦ Starship Troopers Invasion ♣ Storage 24 ♥ Thale ♥ The Awakening ♣ The Dinosaur Project ♣ The Flying Swords of Dragon Gate ♦ The Ghostmaker ♦ The Possession ♥ The Suicide Shop […]