USA 2012 / 89 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE AMY HECKERLING
DARSTELLER KRYSTEN RITTER / SIGOURNEY WEAVER / ALICIA SILVERSTONE / RICHARD LEWIS / MALCOLM MCDOWELL / KRISTEN JOHNSTON / WALLACE SHAWN / JUSTIN KIRK / DAN STEVENS

Offizielle Synopsis: Goody wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zum Vampir gebissen und hat den Anschluss ans digitale Zeitalter verpasst. E-Mails, Facetime – alles ganz schön nervig. Warum gehen die Menschen überhaupt noch vor die Tür, wenn sie sowieso nur mit ihren iPhones und Technik-Firlefanz herumspielen? Goodys beste Freundin, Jung-Vampirin Stacy, nimmt es lockerer, besucht fleißig die Abendschule und verknallt sich ausgerechnet in ihren Sitznachbarn namens ‚van Helsing‘. Nicht zu vergessen Vlad Tepes, der das Pfählen glasierter Äpfel als Alternative zu menschlichem Blutvergießen propagiert und die wöchentlichen Treffen der ELFs (Extented Life Forms) eröffnet…

Kritik: Den hatte ich gar nicht auf dem Radar. 17 Jahre nach „Clueless“ sehen sich Regisseurin Amy Heckerling und Star Alicia Silverstone (die beide in Hollywood kaum noch was reißen können) wohl gezwungen, es noch mal gemeinsam zu versuchen. Zur Seite steht ihnen dabei ein gut aufgelegter Cast, bei dem Sigourney Weaver die Sau raus lässt und ausgerechnet „Matthew“ aus „Downton Abbey“ den nicht gerade intellektuell gesegneten jüngsten Sprössling der van Helsings gibt.

Machen wir uns nichts vor: Die ganze Vampir-Plotte ist ein Gimmick, breit gewalzt für visuellen Schnickschnack, Wortspiele und Running Gags. Im Grunde ist „Vamps“ die Geschichte zweiter bester Freundinnen, die nicht erwachsen werden wollen (in diesem Fall auch nicht können) und die irgendwann realisieren, dass es noch mehr im Leben gibt als Girl-WGs und Club-Ausflüge. Das wohl bekannte Heckerling/Silverstone-Territorium also.

Es lässt sich allerdings auch nicht bestreiten, dass das Konzept immer noch prima funktioniert. Krysten Ritter und Alicia Silverstone haben eine sehr glaubwürdige Chemie, die Gags und Szenenwechsel sind flott getaktet, alles ist bunt und griffig ausgestattet. Eine Parade kurioser Nebenfiguren hampelt vor dem Vorhang, wenn die Hauptdarstellerinnen sich mal eine kurze Auszeit nehmen. Zeit, den Zuschauer zu langweilen, erlaubt sich „Vamps“ nicht.

Aber da liegt auch mein Problem: Im Grunde ist die Aufteilung der Akte in Gag-Miniaturen ohne größeres Handlungsgerüst die Domäne der klassischen Sitcom. Und manchmal fühlt sich „Vamps“ auch genau so an – wie eine recht gelungene Vampir-Sitcom, die mit Gaststars und Außendrehs auf 90 Minuten gestreckt wurde. Starke emotionale Bögen fehlen, es zählen nur Tempo, Sprüche und einige wenige sentimentale Momente, damit das Publikum mal „aaahhh…“ seufzen kann. Auch das kennen wir von „Clueless“, einem Film, der dementsprechend nahtlos in eine tatsächliche Sitcom überleitete, die es auf immerhin 62 Folgen brachte.

Nun kann man sich darüber aufregen, dass ein Kinofilm sich nicht die Mühe macht, seine (magere) Geschichte im Kinoformat zu erzählen – oder man genießt die Tatsache, dass er trotzdem kurzweilig unterhält und Heiterkeit hervor ruft, ohne irgend jemandem dabei auf die Füße zu treten. Daran scheitern wahrlich genug.

Mir ist das in diesem Fall genug. Ich würde auch eine TV-Serie „Vamps“ gucken.

Fazit: Launige Vampirkomödie für trendy Mädchen mit einem bezaubernden Cast auch in den Nebenrollen, die sich allerdings zuviel in Sitcom-Standards verliert und keine wirklich nennenswerte Story mitbringt. Vielleicht wird ja wieder eine TV-Serie draus, wie bei „Clueless“.

Kein Trailer, sorry.

P.S.: Angemerkt sei noch ein ungeheurer Smartphone-Fetisch der Figuren, der bis zu den Komparsen im Hintergrund reicht. Entweder ist das ein Gag, den ich nicht verstanden habe, oder eine bizarr fehlgeleitete Form von Product Placement.



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Snyder
Snyder

Meine Güte ist der Screencap creepy.

DMJ

Ah, das wäre wohl dieses Jahr die Entsprechung zu „Timer“, den ich 2010 gesehen habe, obwohl ich das Gefühl hatte, er sei so unauffällig und unaufregend, dass er kaum auf ein Festival passe, der aber dennoch recht unterhaltsam war. Nun gut… nur eben mit dem Unterschied, dass der die menschliche Tiefe hatte, die „Vamps“ offenbar fehlt.

Marcus
Marcus

„Launig“ ist das richtige Wort. „Charmant“ auch. Anspruchslose leichte Unterhaltung geht kaum besser. 8/10.

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[…] ♦ The Possession ♥ The Suicide Shop 3D ♦ Universal Soldier: Day of Reckoning ♦ Vamps ♥ Violet & Daisy ♣ When the lights went […]

heino
heino

Mit reichlich Verspätung jetzt auch mal gesehen und ich kann nur sagen, dass ich den Streifen wirklich grottenlangweilig und an keiner Stelle witzig finde. Schade, Silverstone wäre ein Comeback zu gönnen, aber mit so einer öden Gurke wird das wohl nix.