… da finden sie bei uns in der Nachbarschaft prompt eine 250 Kilo-Bombe und lassen das halbe Viertel evakuieren. Die U-Bahnen halten auch nicht mehr an der Münchner Freiheit, sondern fahren durch. Unser Haus wurde schon geräumt, Britta übernachtet bei Freunden. Ich weiß allerdings nicht, wie die das mit unserer fast 104jährigen Nachbarin, die kaum noch was hört oder sieht, geregelt haben.

Das Problem: Abby sitzt jetzt daheim und wundert sich, dass keiner kommt.

Morgen bei Tagesanbruch wird die Bombe gesprengt. Und wer ist nicht dabei? Ich bin nicht dabei. Grrr…

Update Dienstag 9.30 Uhr: Bombe immer noch nicht gesprengt. Frühestens zum Abend. Keine Chance, zur Katze durchzudringen – das Haustier ist im Ernstfall ein Sachgegenstand. Der Evakuierungsbereich wird immer mehr vergrößert. Die Webcam des Cafés Münchner Freiheit zeigt gespenstische Leere an einem der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt.

Kein Durchkommen. Ausnahmezustand.

Update Dienstag 12.17: Die Abendzeitung München hat einen praktischen Live-Ticker eingerichtet. Demnach soll gegen 18.00 Uhr gesprengt werden. In unserer Straße verschanzen sich wohl immer noch Bewohner – kein Wunder, was soll eine 104jährige verwirrte Frau auch draußen?

Unsere Katze wird vielleicht sauer sein, wenn wir wieder kommen…

Update Dienstag 20.56: „Achtung Achtung, in Kürze erfolgt die Sprengung der Bombe.“

Update Mitternacht: „la bomba estallo“. Dächer brennen. Offiziell ist unsere Straße noch gesperrt, aber Britta hat es durch einen Nebeneingang zur Tiefgarage geschafft, in die Wohnung zu kommen. Die Katze ist erwartungsgemäß hungrig und überdreht, hat aber weder was kaputt gemacht noch irgendwo hin gepieselt. Respekt. Draußen hört man Hubschrauber, Menschen diskutieren lautstark mit den Polizisten, dass sie endlich in ihre Wohnungen wollen. Verständlich ist das. Es hat was von Apokalypse und den Erzählungen der Großmütter. Auf dem Anrufbeantworter: viele besorgte Anrufe von Freunden, die Unterkunft anbieten. Wir bedanken uns morgen.



14 “ Einmal, einmal bin ich nicht in München… (Updates) ”

  1. 2

    Uhhja. Das hatte ich neulich auch. Gerade als unsere Firma Betriebsurlaub gemacht hat, fanden die auf der Kreuzung davor eine Bombe und haben alles im Umkreis von mehreren Kilometern geräumt. Einen ganz Tag hätte ich zusätzlich frei gehabt… Menno 😀

  2. 5

    Vor Jahren war ich auch von einer Sperrung betroffen. War etwas überraschend, da ich eine Woche nicht da war. Wieder in die Wohnung gekommen, ohne in den Briefkasten zu schauen, einkaufen gefahren und auf dem Rückweg war die Straße gesperrt. Da war ich dann mehrere Stunden am Rhein Zeitung lesen und alle halbe Stunde zum Auto, Radio hören.
    In meiner Stadt gab es in den letzten Jahren mehrere Evakuierungen wegen Bombenfunden, da existieren mittlerweile Pläne, und die Evakuierungen klappten immer recht problemlos.
    Bspw. im Dezember 2011, ca. 45.000 Menschen, Altersheime, Krankenhäuser und Gefängnis:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1570236/Die-Rhein-Bombe#/beitrag/video/1570236/Die-Rhein-Bombe

    Und das Gebiet wird eh so weit abgesperrt, dass du nichts von der Entschärfung sehen wirst, du verpasst nichts.

  3. 6

    Ich wohne in einem Stadtteil Hamburgs südlich der Elbe, in dem ständig WK2-Bomben gefunden werden. In einem Fall haben sie bei Umbauarbeiten eine Bombe unter einem Sandkasten auf einem Schulgelände gefunden…

  4. 9

    Glaub mir selbst, bei einer Sprengung ist es nicht aufregend. Bei uns in der Firma werden dauernd irgendwelche Kampfmittel gefunden, Bahnstrecken waren halt ein begehrtes Angriffsziel. Für die Kollegen vom Baudienst ist das schon (nervige) Routine.
    Wenn gesprengt wird, meist so dass das Trum zerstört wird, aber nicht zwangsläufig selbst detoniert. Und dann es ja meist noch abgeschirmt usw. das man nicht „viel“ mitbekommt.

  5. 11

    Junge junge ist das aufregend. Mach dir mal Notizen, Torsten, vielleicht springt da ja noch ein Event-Movie bei raus. Die Sache mit der Katze ist doch genau der emotionale Touch, den es dafür braucht.

  6. 12

    „Die Sprengung ist um 21:54 Uhr erfolgt. Der Knall war bis nach Berg am Laim zu hören. Im Englischen Garten habe man eine orange Wolke gesehen, meldet ein Kollege. Nun sieht es so aus, als ob es brennen würde. Sirenen seien zu hören.“

    Arme Abby, hoffentlich hat sie sich nicht zu sehr erschreckt. Der Live Ticker war in der Tat spannend wie ein Krimi.



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