Die beiden Autoren der SPIEGEL-Titelgeschichte, die Gegenstand meines Zweiteilers „SPIEGEL vs. ALDI“ war, haben gestern in meinem Gästebuch folgenden Eintrag hinterlassen:

Sehr geehrter Herr Dewi,

als Autoren freut es uns natürlich, dass Sie sich mit unserer SPIEGEL-Titelgeschichte zum Thema Aldi so intensiv auseinandersetzen. Die Vorwürfe, wir würden auf “satten zehn Seiten heiße Luft” verbreiten und “banale Fakten zurechtbiegen” möchten wir jedoch nicht unwidersprochen stehen lassen. Wir haben uns schon in der Vergangenheit mehrfach in großen Stücken mit Aldi beschäftigt und bei unseren Recherchen intensive Einblicke in das Unternehmen gewonnen ( http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72462697.html ,http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67510049.html ). Auch für unsere Titelgeschichte haben wir mit vielen Menschen gesprochen, die bei Aldi gearbeitet haben bzw. arbeiten. Sie schildern Aldi als einen Konzern im Kontrollrausch, der Kunden wie Beschäftigte überwacht und seine Lieferanten gängelt. Bedauerlicherweise können wir diese Quellen nicht nennen, weil die Betroffenen Angst vor Repressalien haben. Das ändert jedoch nichts daran, dass all unsere Vorwürfe gut belegt sind. Jede aufgestellte Behauptung wurde von unserer hausinternen Dokumentation und unserer Rechtsabteilung auf Plausibilität und Wahrheitsgehalt geprüft, bis heute hat Aldi keine dieser Behauptung juristisch angegriffen.

Dass wir mit Frau Bolut nur einen Fall geschildert haben, hat einen einfachen Grund: Sie steht exemplarisch für den Umgang mit Mitarbeitern, wie wir aus unseren Gesprächen mit Gewerkschaftern und Arbeitnehmern wissen. Das zeigen auch die vielen zustimmenden Briefe betroffener Leser. Natürlich hätten wir in unserer Geschichte viele weitere Beispiele nennen können, aber hätte das dem Leser etwas gebracht?

Noch ein Satz zu den Kamera-Überwachungen: Für Sie mag es eine Lappalie sein, wir hingegen finden es mehr als befremdlich, dass ein Unternehmen es zulässt, Kundinnen und Mitarbeiter zu filmen, die davon nichts wissen – in welcher Situation auch immer.

Mit besten Grüßen

Susanne Amann & Janko Tietz

Ich finde es lobenswert, dass die Autoren sich die Mühe machen, auf Kritik an einer Printgeschichte online zu antworten. Das ist man vom SPIEGEL nicht unbedingt gewohnt. Inhaltlich kann ich diese Replik allerdings nicht unkommentiert stehen lassen. Deshalb…

Sehr geehrte Frau Amann, sehr geehrter Herr Tietz,

mein hauptsächliches Problem mit Ihrer Replik ist dieses: Auch hier ziehen Sie sich auf das pauschale „Wir könnten das beweisen, wollen oder dürfen aber nicht“ zurück. Demnach muss ich, obwohl der SPIEGEL eben keine harten Fakten nennt, einfach mal glauben, dass ALDI kontrollwütig, paranoid und skrupellos ist. Und das ist mir zu wenig. Journalisten haben nicht nur die Aufgabe, Fakten zu recherchieren – sie müssen sie auch präsentieren, wenn ihre Geschichte überzeugen soll. Ich kann auch behaupten „Auf dem Saturn leben lila Ponys, aber die Beweise muss ich leider geheim halten, um die involvierten NASA-Forscher nicht zu gefährden“.

Es ist ja nicht nur der Mangel an Belegen und „harten“ Fakten – es ist die Kombination aus schwerem Geschütz (skrupellos, paranoid, argwöhnisch, kontrollwütig, absurd) und schwacher Munition (Perlatoren, Namensschilder, Champignons). Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Belege – was für die Parawissenschaften gilt, gilt auch für den Mainstream-Journalismus. Anders gesagt: Man muss Ross und Reiter nennen.

Sie haben Zustimmung Betroffener erhalten? Erfreulich. Oder haben Sie nur den Nerv eines beliebten Vorurteils getroffen? Das Leser-Feedback in meinen Kommentaren deutet doch darauf hin, dass ich mit meiner Kritik an Ihrem Beitrag nicht allein stehe. Zählt das nicht? Bewirkt das nichts? Alles wurscht, weil Sie der Meinung sind, sich nichts vorwerfen zu müssen?

Was die Videos angeht: Ladengeschäfte filmen ihre Kunden und Mitarbeiter. Das können Sie gerne befremdlich finden. Es ist aber legal. Diese Tatsache spezifisch ALDI mit wertenden Adjektiven wie „kritisch“ und „fragwürdig“ anhängen zu wollen, finde ich… nun ja, befremdlich.

Gleiches gilt für den Vorwurf „zu wenig Frauen in der Chefetage“, der ja nun wirklich überall angebracht werden kann (außer vielleicht bei der taz und den Grünen). Wie viele Frauen gibt es eigentlich in den Chefetagen des SPIEGEL? Zumindest, was den Posten des Chefredakteurs angeht, kann ich es Ihnen sagen: 0 Frauen bei 13 Besetzungen in 65 Jahren.

Es irritiert mich auch, dass Sie gar nicht versuchen, auf konkrete Kritikpunkte einzugehen. Was ist denn nun mit der Kündigung von Herrn Straub? Wäre es nicht angemessen gewesen, auch die Motivation der Quellen offen zu legen? Können Sie Perlator-Abmahnungen und PIN-Abfilmungen wirklich nicht belegen, ohne Unschuldige zu gefährden? Den Rückgang der Saftverkäufe auch nicht? Das mag ich nicht glauben. Und ich muss es auch nicht. Weil SPIEGEL-Leser mehr WISSEN sollen, nicht mehr GLAUBEN.

ALDI ist nicht die Mafia – zumindest diese Kirche sollte im Dorf bleiben.

Ihr Artikel versprach laut Titelbild die Aufdeckung „skrupelloser Praktiken“. Nicht nur haben Sie keine skrupellosen Praktiken aufgedeckt – Sie haben nicht einmal welche benennen können. Ihr Artikel ist lediglich eine Ansammlung von – und da kommen wir wieder zum Kern meiner Kritik – Behauptungen, es gäbe solche Praktiken. Irgendwelche. Ganz bestimmt. Schlimme Sachen. Doch doch.

Ich finde es ausnehmend schade, dass es zwar zur Reaktion auf Kritik reicht, aber nicht zur Selbstkritik oder tatsächlichen Auseinandersetzung. Letztlich lässt sich Ihre Replik auf „Wir haben nichts falsch gemacht“ reduzieren. Und wenn Sie DAS wirklich denken… tja, dann haben wir alle nichts gewonnen in diesem Austausch.

Und so lautet mein Fazit und letztlich die einzige Frage, auf die ich eine einfache Antwort haben möchte: Sind Sie WIRKLICH der Meinung, Ihr Artikel sei in der gedruckten Form geeignet, die in ihm erhobenen Vorwürfe plausibel und glaubwürdig zu belegen? Gibt es da kein Quentchen Innehalten, kein zartes „Na ja, natürlich gibt es da eine Schere zwischen Behauptung und Beleg, die nicht ideal ist“?

Ihr treuer Leser mit dem schweren Herzen,

Torsten Dewi



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Ungläubiger Hulk
Ungläubiger Hulk

Ha! Freu´! Und jetzt lesen …

Ungläubiger Hulk
Ungläubiger Hulk

Prognose: Die Autoren werde sich dem nicht stellen. Deshalb auch der Eintrag im Gästebuch und nicht im Kommentar-Strang.

Für Sie mag es eine Lappalie sein, wir hingegen finden es mehr als befremdlich, dass ein Unternehmen es zulässt, Kundinnen und Mitarbeiter zu filmen, die davon nichts wissen – in welcher Situation auch immer.

Diese Formulierung finde ich fast perfide. Man hat den Eindruck, da würde man sogar auf dem Klo gefilmt. Tatsache ist, dass ALDI in seinen Geschäften Hausrecht hat. Der Konzern darf durch Überwachung beispielsweise gegen Diebstahl vorgehen.

Dr. Acula
Dr. Acula

Vielleicht sollte man den Damen und Herren Redakteuren erklären und zeigen, dass sie z.B. auch an Tankstellen, Geldautomaten, in U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen, an Bahnhöfen und Flughäfen gefilmt werden. Ist für die Herrschaften bestimmt auch überraschend.

Rex Kramer
Rex Kramer

Sehr gute Antwort, Torsten. Touchè!

RobertP
RobertP

Das Schreiben der Spiegel-Redakteure ist in der Tat mehr als schwach. Nur eine Überlegung – in den Aldi-Filialen, die ich kenne, wird auf Videoüberwachung aufmerksam gemacht, so dass der Halbsatz „nichts wissen“ nicht zutrifft.

Mencken
Mencken

Ja, auf Videoüberwachung wird meines Wissens eigentlich immer hingewiesen, macht ja auch Sinn, weil es um Abschreckung und Verhinderung von Diebstahl und nicht um das Stellen möglichst überraschender Fallen geht.

Wortvogel
Wortvogel

@ Mencken: Es wird auch die andere Seite der Medaille gerne übersehen – gerade im Ladenbereich kann Videoüberwachung helfen, nicht ungerechtfertigt beschuldigt zu werden, wenn es z.B. zu Streitigkeiten über das Wechselgeld geht oder Versicherungsfälle. Aber laut SPIEGEL ist Videoüberwachung nur für Spanner und Polizeistaat denkbar.

VideoRaider
VideoRaider

Schlimmer finde ich die weitere mediale Verbreitung des Themas – unteranderem bei GÜNTHER JAUCH. Die Sendung dürfte noch in der ARD-Mediathek zu finden sein. http://daserste.ndr.de/guentherjauch/rueckblick/aldi125.html

Titel der Sendung: „Das Aldi-Prinzip – Billig um jeden Preis?“ Das Fragezeichen ist juristisch von enorm wichtiger Bedeutung. Da hat man von der Bild-Zeitung gelernt. „Schauspieler XYZ – Ist er in der Drogenhölle Ibizas versumpft?“, „Politiker XYZ – Ist er sexsüchtig?“, Und viel wichtiger – „Ist ALDI billig um jeden Preis?“ Was das alles suggerieren kann…

Vom investigativen Journalismus, zum suggestiven Journalismus.

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Stimmt, geht allerdings dann ja schon eher um die Frage, inwieweit das Filmen moralisch zu rechtfertigen ist, wohingegen es mir vor allem darum ging, daß zumindest in den mir bekannten Geschäften nicht die Rede davon sein kann, Kunden würden ohne ihr Wissen gefilmt werden („in welcher Situation auch immer“, nebenbei bemerkt auch eine wunderbar perfide Formulierung).

Stephan
Stephan

Es mag ein wenig polemisch klingen, ist im Kern aber tatsächlich meine Meinung:

Im Lebensmittelbereich bin ich ein ungemein großer Freund größtmöglicher Überwachung der Mitarbeiter – schließlich haben die Damen und Herren mit Dingen zu tun, die ich später meinem Körper zuführe.

Als Skandal hätte ich Schlagzeilen wie „Aldi verbietet das Händewaschen um Wasser zu sparen“ oder „Gammelfleisch hat hier Methode“ empfunden – sicherlich nicht die sozial-kitschigen Beispiele des Spiegel-Artikels.

Mitarbeiter denen der Job (bei überdurchschnittlicher Bezahlung…) zu hart ist,können ja bei Lidl anfangen. Oder beim Spiegel.

Lothar
Lothar

> bis heute hat Aldi keine dieser Behauptung juristisch angegriffen.

Ist das die neue Definition korrekten journalistischen Arbeitens?

heino
heino

„Im Lebensmittelbereich bin ich ein ungemein großer Freund größtmöglicher Überwachung der Mitarbeiter – schließlich haben die Damen und Herren mit Dingen zu tun, die ich später meinem Körper zuführe“

Nach der Argumentation müsstest du dann auch die Vollüberwachung im Restaurant (wo es mit Sicherheit schlimmer zugeht als im Einzelhandel) oder beim Arzt fordern (der könnte ja die Mittel in den Injektionen vertauschen).

Stephan
Stephan

@Heino
Ich fordere gar nix. Es ist für mich nur sicherlich keine vorwerfbare Tat, es zu tun. Im übrigen bin ich strikter Gegner der Videoüberwachung in der Öffentlichkeit…

heino
heino

@Stephan:ich habe auch nicht behauptet, dass du das tust. Nur deine Argumentation weitergedacht:-) Und ich halte es z.T. auch für nachvollziehbar, dass im Einzelhandel Videoüberwachung stattfindet (ich habe selbst lange im Einzelhandel gearbeitet und weiß daher, dass das in mancher Hinsicht sinnvoll ist), aber die Grenze zur Übertreibung und zum Mißbrauch ist da halt sehr schmal.

Roman
Roman

Wird nicht grundsätzlich in ALLEN Supermarktfilialen jeglicher Ketten gefilmt, um Ladendiebe ausfindig zu machen? Das ist so ein dermaßen alter Hut – sehr befremdlich, dass die Autoren hier die Regel zur Ausnahme erklären wollen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Roman: Was anderes haben sie ja nicht anzubieten. Den Beweis, dass z.B. PIN-Zahlen abgegriffen werden können, haben sie angeblich vorliegen. Selbst wenn sie das zeigen WÜRDEN, bliebe noch die Frage: wem sollte das nutzen? Und macht es ALDI zu einem skrupellosen und paranoiden Konzern, wenn ein paar Filialleiter Betrüger sind?

Kurz gesagt: Mir fehlt das angebliche systemweite Versagen, die systemweite Korruption von ALDI, die im Artikel so stramm behauptet wird.

Zwenti
Zwenti

@Wortvogel: Musstest du das wirklich publik machen? Also wirklich die lila Pony’s hier so unverschämt zu enttarnen! Bin gespannt wenn der Spiegel darüber eine Coverstory bringt! 🙂

Tja und zu den beiden Schmierfinken kann man eigentlich nicht viel sagen außer dass sie sich scheinbar ziemlich „geil“ finden. Selbstreflexion? Wir doch nicht!

DMJ
DMJ

Bin ja auch mal gespannt, ob das hier noch weitergeht.

– Um einem möglichen Irrweg der Diskussion auszuweichen, in die wir ja auch schon mit der Ex-Aldi-Kommentatorin (man verzeihe, dass ich ihren Namen nicht nachschlage) gerieten: Es geht niemanden hier darum, Aldi an sich zu verteidigen. KANN SEIN, dass sie ein Konzern of Darkness sind, der im Hinterzimmer Babys opfert. Worum es hier geht ist, dass der Artikel diese These nicht sauber (bzw. überhaupt nicht) belegt und sich auf rhetorische Tricks und Albernheiten beschränkt.

Mencken
Mencken

@DMJ: Finde die Anmerkung gar nicht nötig, ist auch legitim, Aldi verteidigen zu wollen, wenn man ein Freund der Unschuldsvermutung ist, und die Tatsache, daß dies so ist, macht ja auch das Problem des Spiegel-Artikels aus.

hilti
hilti

Mencken

Ja, auf Videoüberwachung wird meines Wissens eigentlich immer hingewiesen, macht ja auch Sinn, weil es um Abschreckung und Verhinderung von Diebstahl und nicht um das Stellen möglichst überraschender Fallen geht.

Die weisen auf die Videoüberwachung hin, weil sie es müssen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben

dermax
dermax

Unsere Freunde vom Spiegel schaufeln nur ihr Grab noch tiefer… offenbar ist hier eher Unfaehigkeit denn Boeswilligkeit das Problem… denn alles was da an Beispielen genannt wurde, ist nun mal nicht ausreichend, fuer die ungeheuerlichen Behauptungen. Und warum die vielen Konjunktive und Worte wie „kolportiert“ oder „angeblich“, wenns doch offenbar Fakten sind?

Und wie der Hausherr schon sagte, ein Gutteil der Unterstellungen ist beweisbar, wenn man denn wollte, denn zB die Info mit dem Safteinbruch muss ja irgendwo herkommen.

Und zur ach so boesen Videoueberwachung: Man koennte ja mal recherieren, was der Spiegel so durch seinen Onlineauftritt alles von seinen Lesern weiss… Klickverhalten und so…

Die Baum
Die Baum

Yeah, ich bin echt mal froh, dass hier Wortvogel das journalistische Koordinatensystem neu justiert. Denn der SPIEGEL (und noch ein paar andere Springer VÖ) geben mit ihrem Getrommel den Takt auf der Mediengaleere vor. Und dann wird mal schnell vom Chef die Frage nach den Belegen ausgeblendet. Hauptsache die Kanone feuert und der Leser/Nutzer/Zuschauer sabbert sich zum nächsten Klick. Denn gut recherchierte Geschichten brauchen Zeit, Geld und Gespür. Das alles gibt es nicht industrieell aus der Stanze.
Eine Bemerkung der SPIEGEL-Journalisten irritiert mich besonders: „ALDI (hat) keine der Behauptungen juristisch angegriffen“. Was ist denn da los? Gehts noch? Gilt denn jetzt nur der für unschuldig, der seine Juristen mit Schild und Schwert in den Verteidigunsschlacht wirft? Kann ich jetzt zu meinem Handwerker nebenan sagen, er sei ein Abzocker? Wenn er sich nicht wehrt, Pech für ihn? Naja, ich hoffe, das in der SPIEGEL-Redaktion hoffentlich über dieses Thema diskutiert wird.
LG an alle.

Ungläubiger Hulk
Ungläubiger Hulk

@Die Baum: Es ist noch schlimmer: Egal, wie man sich verhält, es wird immer als Indiz für die Richtigkeit der Vorwürfe gesehen. Ich hab´s durch, man hat gegen solche Kampagnen keine Chance.

Anonymous
Anonymous

Ich kenne einen REWE, der, trotz mehrfacher Aufforderung (einmal durch den Landesdatenschutzbeauftragten), immer noch nicht auf die Videoüberwachung hinweist. Wie perfide.

Videoüberwachung ist IMNSHO viel zu weit verbreitet, sowohl im öffentlichen Raum (Fußgängerzonen) als auch im halb-privaten (Geschäfte).

Es wäre doch mal ein schöner Move, wenn ein Laden ein großes Schild aufhängte, daß man den Kunden und Mitarbeitern vertraue und deshalb auf Videoüberwachung verzichtet.

Wortvogel
Wortvogel

@ Anonymous: Wie ich schon ausführte – Videoüberwachung kann auch dem SCHUTZ des Kunden dienen. Und die letzten Jahre haben gezeigt, dass z.B. die Überwachung von Ubahn-Stationen immer wieder der Strafverfolgung dient.

Mir ist klar, dass Videoüberwachung, gerade im öffentlichen Raum, ein sensibles Thema ist. Es gibt keine einfache Antwort, keine einfache Lösung. Und genau darum stößt mir die so einfache (in meinen Augen mangels anderweitiger Substanz vorgeschobene) Empörung der SPIEGEL-Autoren so auf.

Statistiker
Statistiker

Tolles Argument: „bis heute hat Aldi keine dieser Behauptung juristisch angegriffen“

Natürlich macht ALDI das nicht. Und warum nicht? Weil die schlauer sind als die Spiegel-Autoren. ALDI macht eins: Den Artikel zur Kenntnis nehmen, gähnen und den Artikel wegschmeißen.

Würde ALDI gegen diese Behauptungen rechtlich vorgehen, würde dies ja gerade eine öffentliche Diskussion entfachen. Und diese würde nur dem Spiegel nutzen (der hat es ja zuerst hehauptet, also MUSS etwas dran sein un den Unterstellungen). Daher handelt ALDI wie jede gute Pressestelle: Einfach ignorieren, dann redet morgen keiner mehr drüber. Machen wir genauso: Die Lüge kann noch so diffam sein, wir ignorieren das einfach.

D.
D.

Schön ist in diesem Zusammenhang doch auch, was ich gerade auf der Spiegel.online-Seite gesehen habe, (Startseite, unten bei Anzeigen):
Da wird LIDL als „Spiegel-Online-Partner“ genannt.

Kann sein, dass nicht immer die selben „Partner“ angezeigt werden, vielleicht schaltet da ein Script immer andere ein.

Mencken
Mencken

Ich denke, die Diskussion ist vielleicht wirklich sinnlos, weil von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgegangen wird. Wer sich empört, hält (oder hielt) den Spiegel anscheinend für ein seriöses Nachrichtenmagazin, dessen Ansprüche deutlich über Bild-Niveau liegen (bei der Bild hätte man sich doch nicht so intensiv damit befasst).

Ist ja aber nicht gesagt, daß die Redakteure diesen Anspruch überhaupt haben, wobei man noch hinzufügen könnte, daß sich dann zumindest in diesem Punkt die Selbstsicht ausnahmsweise mal mit der Einschätzung vieler Beobachter decken dürfte.

teekay
teekay

Ich finde, dass sich die Titelgeschichte und Debatte viel zu sehr auf ein Unternehmen konzentriert. Anstatt zu fragen, wie unnachhaltig ‚billiger‘ Konsum ist, wie ‚teuer‘ das letztlich fuer die Umwelt/Natur/Tiere/Menschen ist oder wie ausbeuterisch viele der Wertschoepfungsketten sind wird sich an einem Unternehmen festgebissen. Und naechste Woche lesen Sie: Wie McDonald’s die Amerikaner dick macht…gaehn…

Anonymous
Anonymous

@Wortvogel: Mit „viel zu weit verbreitet“ wollte ich nicht *jede* Videoüberwachung ablehnen. Ich hätte ein paar Beispiele und Argumente, aber eine Grundsatzdiskussion ist an dieser Stelle nicht wirklich angebracht 🙂

Tatsächlich gebe ich Dir vollkommen Recht: der Spiegel wirft Aldi vor, was überall Usus ist. Aldi (Süd, zumindest) hatte bislang keinen wirklich üblen Skandal an der Backe. Vielleicht versucht der Spiegel, einen herbeizuschreiben. Zumal Aldi, im Gegensatz zu Lidl, auch nicht im Spiegel inseriert.

Es stimmt durchaus, daß Aldi bei den Lieferanten als harter Verhandlungspartner gilt, der seine Macht durchaus ausnutzt. Das nennt man Marktwirtschaft. Daimler ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, das Selbige zu tun und ich kann mich nicht erinnern, daß der Spiegel das thematisiert hätte.

Vorsicht, Anekdote 🙂 Ich lebe auf dem Land, deshalb kenne ich einige Aldi-Mitarbeiter gut genug, um ehrliche Antworten zu bekommen. Selbst nach ein paar Bier an Kirchweih werden die Vorwürfe des Spiegel *nicht* bestätigt.

Mencken
Mencken

@hilti: Hatte ich auch so in Erinnerung, aber dann lügt der Spiegel offensichtlich und bewusst, daher ging ich davon aus, daß es eventuell doch eine Grauzone geben könne.

Wortvogel
Wortvogel

@ Mencken: „Wer sich empört, hält (oder hielt) den Spiegel anscheinend für ein seriöses Nachrichtenmagazin, dessen Ansprüche deutlich über Bild-Niveau liegen“ – ich denke, nur Polemiker können das bestreiten. Mir ist klar, dass SPIEGEL-Bashing mittlerweile eine sehr populäre Disziplin ist, aber man sollte auch diese Kirche im Dorf lassen: der SPIEGEL ist auch heute noch über weite Strecken ein hervorragendes, selbst international kaum erreichtes Nachrichtenmagazin. Ich empfehle jedem übereiligen Kritiker, mal die Bände „Deutschland im SPIEGEL“ zu konsumieren:

http://www.spiegelgruppe.de/spiegelgruppe/home.nsf/PMWeb/6F2D89FE0366ED01C125707B0054C9C0

Sicher, im Internet-Zeitalter ist der SPIEGEL nicht mehr unverzichtbar und muss sich auch kritischer analysieren lassen (wie ich das hier auch getan habe), aber zu einer retroaktiven Schlechtmachung taugen die Leistungen der Hamburger nicht.

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Da würde ich widersprechen, obwohl ich natürlich zugebe, daß ich polemisch überspitzt habe (was ich bei Blogkommentaren immer in Ordnung finde).
Der Spiegel war ein Nachrichtenmagazin der internationalen Spitzenklasse, zehrt für mein Empfinden mittlerweile aber nahezu komplett vom Ruhm vergangener Tage (der hin und wieder sicherlich auch dazu führt, daß man einige überdurchschnittliche Artikel bekommt, sei es durch gute Gastbeiträge oder Zugang zu Personen und Themen).
Wenn ich aber die heutigen Ausgaben mit anderen internationalen Nachrichtenmagazinen vergleiche, sehe ich deutliche Qualitätsunterschiede, von „international kaum erreicht“ kann schon gar nicht die Rede sein.
Der Link führt ja auch zu Artikelsammlungen, die 1947 beginnen. Die historischen Verdienste bestreite ich auch nicht, aber gerade bei einem Nachrichtenmagazin ist eben nichts so uninteressant wie die Ausgabe von Gestern.

Wortvogel
Wortvogel

@ Mencken: „gerade bei einem Nachrichtenmagazin ist eben nichts so uninteressant wie die Ausgabe von Gestern“ – die Sammelbände (ich habe sie hier stehen) beweisen das Gegenteil. Der SPIEGEL ist eben mehr als nur ein Nachrichtenmagazin. Er reflektiert und analysiert seine Zeit, er begleitet Geschichte, gestaltet sie mitunter mit. Das ist hochspannend zu lesen.

Gerade wenn mal alte SPIEGEL-Ausgaben liest, merkt man aber auch: Es war früher nicht alles Gold. Es gab Kampagnen, empörend tendenziöse Artikel, wirre Essays (gerne von Augstein selber), muffiges regionales Kleinklein.

Kurzum: Der SPIEGEL war früher nicht so toll und ist heute nicht so schlecht, wie gerne behauptet wird. Und damit sehe ich die Schere zwischen damals und heute auch nicht so dramatisch. Hinzu kommt: man kann sich heute noch leichter komplementär informieren. Das entschärft vieles.

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Gut, habe ich schlecht formuliert, natürlich sind alte Ausgaben interessant (zumindest für die historisch Interessierten), aber nicht wirklich im Hinblick auf die Hauptfunktion, nämlich eben als Nachrichtenmagazin zu fungieren.

Richtig ist auch, daß man sich heute leichter komplementär informieren kann, allerdings kann man heute noch viel mehr machen, nämlich ebenso leicht auf Alternativen aus dem Ausland zurückgreifen, die früher nur schwierig oder überhaupt nicht zugänglich waren.

Ansonsten ist es sicherlich subjektives Empfinden, ich sehe einen ganz klaren Qualitätsverlust in den letzten Jahren (auch wenn es sicherlich immer schlechte Artikel und Kampagnen gab), mittlerweile würde ich den Spiegel z.B. deutlich unter der Zeit (die sich auch nicht gerade positiv entwickelt hat) ansiedeln, ein internationaler Vergleich, selbst zu Magazinen, die ich nicht unbedingt in der absoluten internationalen Spitze ansiedeln würde (z.B. The Atlantic), verbietet sich sogar vollkommen.

Naja
Naja

„Wortvogel am 20. Juni, 2012 um 10:53 Uhr
@ Anonymous: Wie ich schon ausführte – Videoüberwachung kann auch dem SCHUTZ des Kunden dienen. Und die letzten Jahre haben gezeigt, dass z.B. die Überwachung von Ubahn-Stationen immer wieder der Strafverfolgung dient.“

Seltsame Logik – oder besser: Es ist die Logik derer, die den Überwachungsstaat voranbringen wollen. „Schutz des Kunden“ im Zusammenhang mit U-Bahn-Schlägern? Es schützt mich ja wohl kaum, wenn hinterher durch Videobeweise herausgefunden wird, wer mir in der U-Bahn den Schädel gebrochen hat (abschreckende Wirkung haben Kameras ja wohl auch nicht, was die Vielzahl der U-Bahn-Überfälle in den letzten Jahren belegt).

Wortvogel
Wortvogel

@ Naja: „Es ist die Logik derer, die den Überwachungsstaat voranbringen wollen.“ – und das ist die Formulierung derer, die immer noch glauben, dass Technik entweder gut oder böse sein muss (bevorzugt böse). Es ist demnach NICHT in meinem Interesse, wenn der Typ identifiziert werden kann, der mir die Fresse eingeschlagen hat? Es ist im Kaufhaus nicht in meinem Interesse, dass ich dank der Aufnahmen beweisen kann, dass mir der Kaufhausdetektiv die CDs selbst in die Tasche gesteckt hat, um seine Fangquote zu verbessern?

Dass ich das Thema durchaus differenziert sehe (siehe #25), scheint dir entgangen.

Stefan
Stefan

Ich wundere mich sehr über die Behauptung der Autoren, Aldi würde seine Lieferanten gängeln. Persönlich kenne ich jemand, der ein kleines Unternehmen für Konservenimporte von Obst und Gemüse hatte, dass er mit 65 dann fast komplett eingestellt hatte. Beliefert hat er ursprünglich alle wichtigen deutschen Supermärkte, danach nur noch Aldi, weil das sein einziger problemloser Kunde war. Die haben am Tag nach Rechnungsstellung schon bezahlt, im Gegensatz zu anderen Unternehmen wo das Wochen und Monate dauerte. Nie wurden nachträglich Preise gekürzt, wie es bei anderen Unternehmen üblich ist (Tengelmann war da ganz schlimm). Das einzige Problem mit Aldi war die geforderte Mindestmenge von Aldi auch tatsächlich zu beschaffen („Mit 20.000 Dosen Pfirsichen können wir nichts anfangen. Liefern sie 30.000 oder wir lassen es ganz“).

Wenn ich da höre, Aldi sei besonders schlimm gegenüber Lieferanten, kommt mir das wie eine Schutzbehauptung der Autoren vor, bestenfalls als einseitig herausgegriffene Mindermeinung unter den Lieferanten.

milan8888
milan8888

»Die haben am Tag nach Rechnungsstellung schon bezahlt, «

Damit wollten die ihn doch unter Zeitdruck setzen!!!

Wortvogel
Wortvogel

@ milan: Nein nein, das musst du so sehen: „schnell bezahlen“ führt zu „schnell ausgeben“. Statt treuhänderisch das Geld der Lieferanten zu verwalten, schmeißt ALDI es gleich an sie raus, ist damit vermutlich für unzählige Pleiten, Alkoholexzesse und Familientragödien verantwortlich.

Stefan
Stefan

Zum Thema Lieferanten und Gängelungen kommt ja noch ein weiterer Aspekt. Dazu gehören immer zwei. Natürlich hat Aldi eine nicht unerhebliche Marktmacht, die sie, wie jedes andere Unternehmen in dieser Position, auch ausnutzen. Aber wenn ich mich da an einen Bericht (ich meine in der ARD) erinnere in dem es um einen Eierproduzenten ging fass ich mir an den Kopf. Der gute Mann hatte eigentlich gar nicht die Produktionskapazitäten um Aldi ausreichend zu beliefern. Was macht er? Er erweitert seinen Hof auf Kredit, schliesst aber nur einen kurzfristigen Vertrag mit Aldi und wundert sich hinterher das Aldi die neuen Verträge nicht kurz vor Ostern aushandelt. Kann die von Aldi geforderten Preise nicht halten und Aldi erneurt die Veträge nicht. Der sitzt jetzt auf Kapazitäten die er nicht los wird und Schulden (für die Expansion) die er nicht tilgen kann. Wer betriebswirtschaftlich so arbeitet hat es imho nicht besser verdient. Sorry aber wenn ich mich von EINEM Kunden so abhängig mache (kurze Vertragslaufzeiten, hohe Investitionen) und ich dann hinterher im Regen stehe wegen meiner eigenen dummen Entscheidungen darf ich nicht anfangen über den „bösen, bösen Aldi“ zu jammern!
Es steht doch jedem Lieferranten frei Aldi nicht zu den geforderten Konditionen zu beliefern, oder bestimmt Aldi jetzt nicht nur den Preis sondern zwingt Aldi jetzt neuerdings die Produzenten sie zu beliefern?

Joe P.
Joe P.

„Ich kann auch behaupten “Auf dem Saturn leben lila Ponys, aber die Beweise muss ich leider geheim halten, um die involvierten NASA-Forscher nicht zu gefährden”.“ 🙂
Überzogene Beispiele bringen es auf den Punkt.
In dieser Sache hier habe ich den Begriff „Perlator“ gelernt. Er wird gelegentlich von Nutzen sein.

Chrisman
Chrisman

Man sollte hier etwas die Bälle flachhalten. Zum einen ist es gesetzlich vorgeschrieben, videoüberwachte Bereiche zu kennzeichnen. Dort wo eine Videoüberwachung ohne Kennzeichnung erfolgt, wird Rechtsbruch begangen, einzige Ausnahme: Private Grundstücke ohne Öffentlichkeitsverkehr.

Bestimmte Bereiche und Aspekte dürfen z.B. in Handelsgeschäften überhaupt nicht videotechnisch überwacht werden. Dazu zählen Umkleidekabinen und der Teil eines Kassenbereiches, der die PIN-Terminals und die damit verbundenen Tastatureingaben zeigen könnte. Wer das dennoch tut, begeht auch hier einen Rechtbruch. Der Kunde selbst sieht die Kamera über der Kasse, die Einstellung selbst kann er jedoch nicht nachvollziehen.

Tatsache ist, dass Discounter wie Aldi die Erzeugerpreise drücken und ich sehe es dahingehend etwas anders: Es gehören dazu nicht zwei. Die Marktmacht alleine ist dafür ausreichend. Die Erzeuger selbst können sich dagegen nicht wehren, da es – unter anderem unter Führung von Aldi – entsprechende Marktwerte gibt, gegen die die Erzeuger nicht ankommen, ohne auf ihren – meist extra für die Discounter hergestellten – Produkte sitzen zu bleiben.

Der Umgang mit den MitarbeiterInnen der Dicounter, auch Aldi, ist auch oftmals fragwürdig. Aldi torpediert die Gründung von Betriebsräten regelmäßig, obwohl sie per Gesetz (BetrVG) aufgrund der Anzahl der Beschäftigten dazu verpflichtet wären.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorwuerfe-gegen-discounter-aldi-torpedierte-betriebsrats-wahlen-1.1345069

Ich finde den SPIEGEL-Artikel weder schlecht, noch haltlos und wenn man die Betroffenen schützt, um sie vor Repressalien zu schützen ist dies nur legitim, denn in der Regel reagieren Unternehmen äußerst ungehalten, wenn Mitarbeiter aus dem Nähkästchen plaudern und Mißstände offenlegen.
Das hier bei den Pro-ALDI-Kommentatoren ein reges Interesse an „Ross und Reiter“ besteht, ist durchaus nachvollziehbar.

Wortvogel
Wortvogel

@ Chrisman: Tscha, lesen und mitdenken müsste man können. Dass es hier um keinen PRO-ALDI-Beitrag geht, wurde mehrfach erwähnt (schon im Disclaimer des ersten Teils). Man kann es ja einfach trotzdem mal behaupten, nur um eine bequeme Front zu ziehen. Schon in Ordnung.

Hat ALDI in Umkleidekabinen (?) gefilmt? Gibt es irgendeinen Beleg für die Behauptung des SPIEGEL, es wären die PIN-Terminals gefilmt worden (also so, dass die Eintipperei lesbar wäre)? Wo gab es einen Rechtsbruch?

ALDI drückt die Erzeugerpreise. Das stimmt. Das war aber weder das Thema des SPIEGEL, noch wurde es von mir gut geheißen.

Gegen die Gründung von Betriebsräten wehren sich viele Filialisten. Das ist bedauerlich und rechtlich allemal fragwürdig. Das wurde WO bestritten? Und wo genau ist die Schnittmenge von „Umgang mit Mitarbeitern“ und „Verhinderung von Betriebsräten“? Abgesehen davon was das AUCH nicht das Thema des SPIEGELS – kurioserweise.

Thema verfehlt, fünf minus, setzen.

Chrisman
Chrisman

„@ Chrisman: Tscha, lesen und mitdenken müsste man können. “

Deswegen wird man dann auch gleich persönlich und unterstellt dem Kritiker Legasthenie und Dummheit …
Alleine das „qualifiziert“ … *Daumen hoch*

„Dass es hier um keinen PRO-ALDI-Beitrag geht, wurde mehrfach erwähnt (schon im Disclaimer des ersten Teils). Man kann es ja einfach trotzdem mal behaupten, nur um eine bequeme Front zu ziehen. Schon in Ordnung.“

Ich sehe das, wenn ich mir die Kommentare und den Beitrag selbst oben durchlesen, bei allem Respekt etwas anders.

„Hat ALDI in Umkleidekabinen (?) gefilmt? Gibt es irgendeinen Beleg für die Behauptung des SPIEGEL, es wären die PIN-Terminals gefilmt worden (also so, dass die Eintipperei lesbar wäre)?“

Ich habe nicht behauptet, dass Aldi Umkleidekabinen gefilmt hätte. Einem die Worte im Munde zu verdrehen, ist eine der maßgeblichen Eigenschaften der Desinformation. Ich habe nur gesagt, was bei Videoüberwachung gemäß Gesetz verboten ist. Ob konkret eine Aufzeichnung der PIN-Terminals erfolgt, kann der Kunde – sofern er die Kameras sehen kann – allenfalls durch Logik bzgl. der Position der Kamera im Kassenbereich – erahnen, über eine Kontrolle darüber verfügt er nicht, weder bei Aldi noch irgendwo anders in einem Geschäft. Auch hier habe ich lediglich die Rechtslage dargestellt und mich weder konkret zu Aldi noch zu einem anderen Unternehmen geäußert.

Das Thema habe ich im Übrigen nicht verfehlt. Die Schnittmenge ist bei einem Unternehmen dort, wo es sich versucht, einer Kontrolle durch Betriebsräte im Umgang mit Mitarbeitern zu entziehen. Dazu zählt dann nämlich auch die Überwachung der MitarbeiterInnen mit Videokameras. Das wäre nämlich bei einem funktionierenden Betriebsrat mitbestimmungspflichtig. Das Thema ist also auch hier nicht verfehlt. Aber man kann ja immer unterschiedlicher Meinung sein, das wiederum nennt man Meinungsfreiheit.

Peroy
Peroy

„Ich finde den SPIEGEL-Artikel weder schlecht, noch haltlos“

Honk.

„Deswegen wird man dann auch gleich persönlich und unterstellt dem Kritiker Legasthenie und Dummheit …
Alleine das “qualifiziert” … *Daumen hoch*“

Vollhonk.

Wortvogel
Wortvogel

@ Chrisman: Jau, wenn man hier nicht aufpasst und nur seine Thesen reindrücken will, wird das schnell persönlich.

Abgesehen davon, dass du schwerlich auf der einen Seite behaupten kannst, der Artikel sei gar nicht haltlos, nur um dann auf der anderen Seite zu behaupten, es ginge dir nicht darum, Stellung zu beziehen – auch wenn ALDI drei Betriebsräte parallel hätte, dürften die Mitarbeiter nicht über die Überwachung der Ladengeschäfte abstimmen. Warum auch? Eine zusätzliche Überwachung im reinen Mitarbeiter-Bereich „hinter den Kulissen“ ist zulässig, wenn konkreter Tatverdacht besteht. Steht alles im SPIEGEL-Artikel, muss man nur lesen.

Und der Entzug einer Kontrolle des Umgangs mit den Mitarbeitern entspricht immer nicht einem bewiesenen SCHLECHTEN Umgang mit den Mitarbeitern. Aber fünf Jahre Mutterschutz und Zahlungen über Tarif zeigen ja deutlich, wie dringend ALDI einen Betriebsrat braucht.

Stefan K.
Stefan K.

@chrisman Aldi drückt nicht die Erzeugerpreise, jedenfalls weniger als andere Handelsunternehmen. Natürlich ist Aldi genauso dran interessiert wie jedes andere Unternehmen (oder jeder Kunde) nicht zu viel zu bezahlen. Im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen pflegt Aldi aber langfristige Beziehungen, bei denen Zuverlässigkeit in der Belieferung und Qualität vor den Einkaufspreisen kommt. Die meisten der Lieferanten sind bei Aldi schon seit Jahrzehnten im Geschäft und das geschieht auf Dauer nur, wenn beide Partner einen Vorteil davon haben. Die günstigen Discounterpreise kommen nicht von geringeren Einkaufspreisen (oder geringeren Löhnen), sondern durch konsequente Beschränkung auf ein kleines Sortiment (Aldi 600-700; Supermarkt >3.000) und einfache, komfortlose Prozessabläufe (kaum Regale, Barcode auf allen Seiten des Produktes etc.).

PabloD
PabloD

@Stefan: Aufgrund der erhöhten Eiernachfrage zu Ostern kann man sowieso davon ausgehen, dass es sich dabei um eine jährlich-temporäre Einmal-Aktionen handelt. Längerfristige und regelmäßige Lieferungen (= Listungsgeschäfte) sind bei Saisonartikeln ja auch Blödsinn (was soll ALDI ganzjährig mit so viel Eiern oder z.B. riesigen Mengen Schokoweihnachtsmännern im Mai? :-D). Und diese Einmal-Aktionen werden normalerweise mehrere Monate im Voraus sehr detailliert vereinbart. Allerdings entsteht daraus natürlich keine Abnahmepflicht seitens ALDI für das folgende Jahr, sondern es werden vielmehr erneut ganz normale Auschreibungen ausgegeben. Die Verwunderung des Hühnerwirts „Huch, in drei Wochen ist Ostern und ich bekomme meine Eier diesmal gar nicht los…“ kann man also schlecht ALDI ankreiden. Auch diktiert ALDI im Vorfeld keine Preise, sondern bittet ggf. um Nachjustierung (oder lehnt halt gleich ab :-D).

Dies sind zumindest meine Erfahrungen mit einer bestimmten Warengruppe, bei anderen Lebensmitteln oder anderen Discountern mag es anders aussehen.

Carl Kreathers
Carl Kreathers

Was die Aldi Brüder da aufgezogen haben, ist doch nicht schlecht. Und mal ehrlich: Wer würde an deren Stelle anders handeln? Idealismus ist heutzutage doch fast schon mit Naivität gleichzusetzen. Die Familie und das eigene Wohl. Mehr braucht einen nicht zu interessieren. Man hat nur das eine Leben. Und wenn man die Chance hat den dicken Reibach zu machen, warum nicht?

Und bevor gleich wieder Posts a la „Du bist ein Arschloch, Egomane oder gar Zyniker“ kommen: So gut wie jeder Welt handelt so. Das ist nun einmal die Gesellschaftsmentaliät in der wir leben: Immer mehr haben wollen. Vielleicht ändert sich das irgendwann mal, aber momentan ist es nun einmal der Stand der Dinge.

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