Disclaimer: Angesichts der Erfahrungen bei meinem Essay über die Journalistenrabatte versuche ich es diesmal deutlich und vorab zu sagen, auch wenn ich bezweifeln muss, dass einige Diskutanten es verstehen: Dies ist KEIN Pro-ALDI-Artikel. Ich verteidige weder das Unternehmen noch seine Politik. Ich sehe die Notwendigkeit, kritisch über marktbeherrschende Unternehmen zu berichten. Thema des nachfolgenden Essays ist aber die journalistische Arbeit des SPIEGEL.

Ich habe den SPIEGEL seit mehr als 20 Jahren abonniert. Obwohl SPIEGEL online das Tagesgeschehen für meine Zwecke ausreichend beackert, lese ich die Printausgabe sehr gerne. Mein Fokus hat sich dabei verschoben: waren es früher die kurzen Beiträge und Sammeltassen-Seiten, die ich am ehesten konsumierte, freue ich mich heute über ausufernde Artikel, die ein Thema auf sechs, acht oder gar zehn Seiten investigativ angehen. Es ist eine inhaltliche Tiefe, die mir im Netz oft fehlt – und die sich auf Papier einfach besser verarbeiten lässt. Man kann dem SPIEGEL nicht vorwerfen, in den letzten 60 Jahren die heißen Eisen gemieden zu haben, auch wenn der bei diversen Themen (Horrorvideos, Helmut Kohl, Waldsterben) gerne mal übers Ziel hinaus geschossen ist.

Vielleicht wird der SPIEGEL fahrlässiger, vielleicht werde ich als Leser auch kritischer – aber es häufen sich die Geschichten, die ich denunziatorisch finde, faktenarm und vorwurfsvoll. Die nicht mal meinen eigenen journalistischen Maßstäben genügen – von denen, die ich an das größte Nachrichtenmagazin der Republik anlege, ganz zu schweigen. Spontan fällt mir ein Text zum Siegel „Öko-Test“ ein, der wenig mehr enthielt als üble Nachrede und verleumderisches Hörensagen.

Aber es ist die Titelstory zu ALDI, die bei mir das Fass überlaufen ließ. Nicht, weil ich als ALDI-Kunde eine besondere Loyalität zum Unternehmen habe. Es ist die Tatsache, dass hier das angeblich ganz große Ding gedreht, ins angeblich ganz große Wespennest gestochen wird – und dann satte zehn Seiten heiße Luft folgen, auf denen die verkrampfte Zurechtbiegung von banalen Fakten zur bösen Anklage fast schon realsatirische Züge trägt. Der Text liest sich, als habe ein mäßig begabter Satiriker eine Parodie auf die typische SPIEGEL-Titelgeschichte geschrieben. Leider gibt es keinen Hinweis, das Hamburger Magazin habe die Sache mit Humor genommen.

Nehmt euch Zeit, das hier ist mal wieder etwas ausführlicher…

Das Cover legt die Marschrichtung fest:

Wir halten fest: ALDI bedient sich skrupelloser Praktiken und der SPIEGEL hat die Insider, die das belegen. Schau mer mal, wie Kaiser Franz so gerne sagt…

Der Anreißer-Text konkretisiert die Vorwürfe: Kunden werden überwacht, Lieferanten gegängelt. Mehr noch: „Paranoia überall“. Da scheint ja wirklich einiges faul im Staate ALDI. Doch schon die Bildunterschrift auf Seite 62 (ein Zitat) verwirrt mich: „Letztlich ein System, das versucht, frei von Menschen zu sein“? Was soll das heißen? Will ALDI erst die Lieferanten, dann die Mitarbeiter und letztlich die Kunden abschaffen? Na ja, das wird im Text sicher genauer erklärt.

Der Artikel beginnt mit einer dramatischen Szene: Andreas Straub beendet seine Karriere bei ALDI. Den Dienstwagen muss er abgeben. Ein A4, wie der SPIEGEL verrät – hat der Redakteur einen Presserabatt von Audi kassiert, damit er die Marke nennt? Wir bekommen den ersten Eindruck vom perfiden Paranoia-System ALDI – der Ex-Mitarbeiter bekommt vom Handelskonzern die Heimfahrt mit dem Taxi bezahlt. „Selbst der Rausschmiss ist bei ALDI durchorganisiert“. Teuflisch. Konnten die den Mann nicht – gedemütigt und gebrochen – zu Fuß nach Hause schicken? Aus humanitären Gründen?

Andreas Straub hatte es ja auch wahrlich nicht einfach beim Discounter: Mit 22 angestellt, mit 23 einer der jüngsten Regionalleiter. 60.000 Euro brutto im Jahr. Was muss der Mann gelitten haben. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was ein Mann mit 23 alles tun muss, um bei ALDI 60.000 Euro zu verdienen. Außer Audi A4 zu fahren, natürlich. Wir werden es sicher erfahren. Zuerst einmal erfahren wir aber, dass Straub ein Buch über seine Zeit bei ALDI geschrieben hat. Die Titelgeschichte ist also auch und vielleicht hauptsächlich kostenlose Werbung. Mich würde aus journalistischer Neugier interessieren, wieso Straub aus dem Nähkästchen plaudern kann, wo doch Schweigeklauseln Standard in jedem Arbeitsvertrag sind. Aber mit diesem Detail hält sich der SPIEGEL nicht auf.

Zuerst einmal fährt der Artikel noch ein paar Vorwürfe auf: ALDI treibt demnach seinen Hierarchie- und Kontrollwahn bis zum Exzess, Mitarbeiter werden gemobbt und mürbe gemacht und generell – die „Discount-Religion“ (das schreiben die wirklich!) „hat ihren Preis“. Einen billigen, möchte ich annehmen.

Die nächsten Spalten widmen sich einem kurzen Abriss dessen, was ALDI ist und vor allem, was ALDI darstellt. 57 Milliarden Euro Umsatz, Filialen auf der ganzen Welt, über 4300 davon in Deutschland (ich war schon mal in einem ALDI in Memphis/Tennessee, by the way). Dann der nächste Haudrauf: ALDI hat „ein System aufgebaut, das auch auf Einschüchterung, Kontrolle und Misstrauen basiert“. Nächste Spalte: „Billig-Darwinismus“, „Überwachungswahn“. Wir sind mittlerweile auf Seite 3 des Artikels und so langsam hätte ich gerne mal ein bisschen Butter bei die Fische. Beispiele, Belege, Beweise? Nein, es geht erstmal in dem Tenor weiter: ALDI „missachtet bisweilen die normalen Regeln des Geschäftslebens und die Grenzen des guten Geschmacks“. Dem kann ich zustimmen: Ich hatte neulich Mikrowellen-Klopse in Jägersoße von ALDI, die missachteten ALLE Grenzen des guten Geschmacks…

Jetzt aber! „In Einzelfällen einiger hessischer Filialen wurden sommerlich-leichtbekleidete Kundinnen auch gern mal rangezoomt. Die Bilder sollen dann auf CD gebrannt sogar unter der Hand im Kollegenkreis verteilt worden sein. Diese Kontrolllust pflanzt sich bei dem Billigriesen bis in die unteren Ränge fort“.

Okay, wow. Es tun sich Abgründe auf. Filialmitarbeiter schauen sich auf Überwachungskameras leichtbekleidete Kundinnen an. Perverse Dreckschweine. Und diese Bilder „sollen“ dann verteilt worden sein. Belegen kann der SPIEGEL das wohl nicht – was ihn nicht davon abhält, es zu behaupten. Ich möchte mal die These in den Raum stellen: Es müssten ganz arme Würstchen sein, die grieselige Kamerabilder sommerlich gekleideter Kundinnen als Tauschmaterial verwenden, als wäre es Pornographie aus dem Internet. Und was hat das mit „Kontrollust“ zu tun? Es wäre doch (wenn es denn stimmte) eine der harmlosesten Varianten der „Wolllust“, die mir bisher untergekommen ist – noch dazu in ein paar einzelnen hessischen Filialen, was die steile These, das pflanze sich im ganzen Unternehmen fort, für mich einen Tacken lächerlich wirken lässt.

Disclaimer: Auch ich habe mir bei ALDI schon sommerlich-leichbekleidete Kundinnen in einer Weise angesehen, die über das Normalmaß des sozialen Miteinanders hinaus ging.

Ich bin ein wenig verwundert, dass der SPIEGEL sich hier die Chance entgehen lässt, angesichts der Gründer des Unternehmens einen eleganten Bogen zum „Konzern schmutziger alter Männer“ zu schlagen. Stattdessen arbeitet man sich nun ein paar Spalten an der Firmenphilosophie ab, von der man sich nicht sicher ist, ob man sie empörend oder albern finden will. Entlarvend laut SPIEGEL schon, dass ALDI bei Mitarbeitern gerne auf Werte wie „Ehrlichkeit, Offenheit, Respekt, Fairness und Zuverlässigkeit“ setzt, „Fairness und Respekt“ dabei sogar „groß geschrieben“ werden. Wie erfrischend ehrlich sind dagegen Konzerne wie BMW und McDonalds, die (das muss ich jetzt wohl unterstellen) fairerweise gleich nach „schmierigen, verlogenen Halbkriminellen“ suchen, die „keinen Schlag tun, aber den dicken Reibach machen wollen“.

Wer auf die Masche des Discounters reinfällt und anheuert, den erwartet die Hölle, wie der SPIEGEL nun endlich enthüllt: ALDI „kontrolliert sowohl, ob in jeder Filiale ausreichend Papierrollen im Händetrockner sind, als auch das äußere Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter“. Wir befinden uns auf Seite 4 und es erscheint mir angeraten, es noch mal ganz deutlich zu sagen: Bis hier her äußern sich die Paranoia von Aldi, der Verfolgung- und Kontrollwahn, das Mobbing und die Mürbemachung durch die Kontrolle von Papierrollen und der äußeren Erscheinung der Mitarbeiter. Weil andere international agierende Großunternehmen ja gemeinhin einen Scheiß darauf geben, ob die Mitarbeiter sich auf der Toilette die Hände trocknen können und ob der Verkäufer seinen Kittel richtig rum trägt.

Als nächstes schockt ein Eberhard Fedtke mit der Enthüllung, dass ALDI-Mitarbeiter unauffällig und zurückhaltend sein sollen. Fedtke muss es wissen, er hat bei ALDI gearbeitet. Bis vor 35 Jahren. 1977 verließ er das Unternehmen. Aktueller ging’s nicht, SPIEGEL?

„Schon lackierte Fingernägel, Piercings oder ein Dreitagebart gelten als Ausdruck einer zu exzentrischen Lebensweise und sind deshalb nicht erwünscht“. Das mag 1977 so gewesen sein. Ich kann den Autoren empfehlen, mal ein paar Filialen abzuklappern. Allein in München finden sich Damen und Herren bei ALDI, die einen – sagen wir mal freundlich – eigenwilligen Stil mitbringen. Lackierte Fingernägel und Piercings sind da noch harmlos. Überhaupt – was heißt denn „sind nicht erwünscht“ genau? Werden solche Leute nicht eingestellt, werden sie gefeuert, werden sie gemobbt? Implizieren kann der Artikel bis hier her prima. Belegen? Not so much.

Dann kommt auch endlich wieder das Zitate des „menschenfreien Systems“ von der ersten Seite. Leider stammt es von einem nicht namentlich genannten „hohen Ex-Manager“, der damit irgendwelche Prinzipien charakterisiert, die wir aber auch nicht genauer erläutert bekommen. Nichts genaues weiß man nicht. Es klingt aber knackig.

Als Nächstes nimmt sich der SPIEGEL knallhart das Geschäftsführer-Handbuch von ALDI. Diese „ALDI-Bibel“ liegt „in gedruckter Fassung vor“, was angesichts von 4300 Filialen in Deutschland auch vernünftiger ist, als es mit Rauchsignalen zu versuchen. Satte drei Spalten lang wundert sich der SPIEGEL, dass hier genauestens aufgeführt ist, wie ein Filialleiter seine Geschäfte zu führen hat. Der Schreibtisch soll am Ende des Tages aufgeräumt sein. Quittungen und Vordrucke haben einen festen Platz. Die Verwertung von Altpapier ist geregelt. Das ist laut SPIEGEL kein blosses Handbuch eines Großkonzern, das einheitliche und nachvollziehbare Abläufe ermöglichen soll: „Argwohn regiert“. Bei wem? Egal? Fedtke (1977 bei ALDI ausgeschieden) nennt sich und seine Ex-Kollegen „Geschäftsführer-Marionetten“. Ein wieder namentlich ungenannter „ehemaliger Top-Manager“ pflichtet bei: „ALDI wird bis heute strikt von oben nach unten durchregiert“.

Echt jetzt? Ein Großunternehmen mit 57 Milliarden Euro Umsatz wird nicht geführt wie eine basisdemokratische Hippie-Kommune? Ist ALDI etwa hierarchisch aufgebaut, mit einer allmächtigen Unternehmenszentrale, die Einheitlichkeit zum Geschäftsprinzip erhoben hat? Unfassbar! Das wäre ja dann… dann… wie Ikea, McDonalds, H&M und jeder andere Filialist auf diesem Planeten. Da muss man doch was tun! Wo bleibt denn da der Aufschrei?

Wie jedes Großunternehmen hat ALDI interne Spielregeln, in diesem Fall „ALDI Management System“ (AMS) genannt. Laut SPIEGEL ist dieses System „so banal wie verlogen“. Ich ahne schon – ach: Der Behauptung wird kein Beweis folgen. Auch nicht auf Seite 5 des Beitrags, zu der wir nun umblättern. Halbzeit! Straub (der Buchautor) kommt wieder zu Wort: „Das (…) hat nichts mit dem zu tun, was ich täglich in den Filialen abspielt“. Was spielt sich ab? Wo steht es im Widerspruch zum AMS? Wir warten. Vergebens.

Nun wird es endlich mal konkret – als Beleg für die konzernweite Paranoia muss EIN Beispiel EINER Mitarbeiterin aus EINER Filiale her halten. Eine Frau Bolut hat als Angestellte bei ALDI Elternzeit genommen. Nicht ein, nicht zwei, nicht drei Jahre – fünf Jahre. Drei Kinder hat sie bekommen, ALDI hat tatsächlich ihren Job frei gehalten. Bei anderen Unternehmen würde man das vorbildlich nennen, bei ALDI ist das nur der Einstieg zum Mobbing: „Alle Vollzeitkräfte waren durch Teilzeitkräfte und Azubis ersetzt“, berichtet Frau Bolut. Was genau daran das Problem ist, erschließt sich mir nicht, aber sie berichtet dann noch von ganz schlimmen Brüllorgien der Bezirksleiterin, die sie loswerden wollte.

Und hier ist mein Problem: Selbst der SPIEGEL gibt zu, dass es für die Darstellung von Frau Bolut keinen belastbaren unabhängigen Zeugen gibt. ALDI bestreitet den Vorgang. Stattdessen „Bolut hat den Vertrag angefochten, wenn auch ohne großen Erfolg“. Mobbing und Paranoia – bis jetzt also lediglich anekdotisch an einem unbelegten Einzelfall dargestellt. Ich warte noch auf die konzernweiten „skrupellosen Praktiken“

Statt endlich konkret zu werden, wird die Kritik des SPIEGEL am „System ALDI“ immer alberner: Nun muss der Perlator (der Siebeinsatz im Wasserhahn) als Kronzeuge dienen. Der darf nämlich laut ALDI (oder laut SPIEGEL, belegt wird diese Erwartung nicht) nicht verkalken: „Entdecke der Vorgesetzte eines Filialleiters wiederholt verkalkte Perlatoren, könne dies zu einer Abmahnung führen, erinnert sich Konzernflüchtling Straub.“

Abgesehen davon, dass ja nichts schlecht dran ist, wenn Perlatoren unverkalkt sind, kann ich mir ernsthaft keinen Vorgesetzten eines Filialleiters vorstellen, der das immer wieder kontrolliert und dann wegen der verkalkten Perlatoren eine Abmahnung ausspricht. Wäre das so, wäre es in der Tat pedantisch (wenn auch erneut ein Einzelfall und keine Konzernpolitik). Nur scheint es nicht passiert zu sein. Zwar „erinnert“ sich Straub an etwas – aber das ist ein „könnte“-Fall. Er erinnert sich demnach an etwas, das passieren könnte? Wäre nicht allenfalls „er erinnert sich daran, dass es passiert ist“ als Beleg für irgendwas akzeptabel? Die Erinnerung des 23jährigen 60.000 Euro-Verdieners zu verifizieren, dafür war auf zehn Seiten offensichtlich kein Platz.

Schreibtische, Piercings, Perlatoren – die Schikane von ALDI nimmt immer groteskere Formen an: „Verlässt ein Mitarbeiter einen Raum, muss er auf jeden Fall das Licht ausmachen“. Der Wahnsinn hat Methode: „Gelobt sei, was Kosten senkt“. Genau. Weil die Senkung von Betriebskosten durch Vermeidung von Energieverschwendung zu den Geißeln der modernen Zivilgesellschaft gehört.

Es wird schmerzhaft offensichtlich: All das, was der SPIEGEL als Beweise für die Skrupellosigkeit und Paranoia von ALDI ausbuddelt, könnte praktisch unverändert unter der Headline „Ein vorbildlicher Betrieb“ stehen. Was bei anderen lobenswert ist (klare Regeln, Energie sparen, freundlicher Umgang), ist bei ALDI eeeeevil. Wäre ALDI ein besserer, menschenfreundlicherer, sympathischerer Konzern, wenn man Energie verschwenden würde, Papier auf dem Klo nicht ersetzt und Perlatoren verkalken lässt?

Die Tatsache, dass „Kosten für ALDI das Schlimmste sind“, so banal und allgemeingültig diese Aussage auch sein muss, merken wir uns mal kurz für später.

Als nächstes moniert der SPIEGEL, bei ALDI gäbe es Vordrucke für Abmahnungen: „Abreißblock heißt das geflügelte Wort dafür“. Meine Mama hat mehr als 30 Jahre im Schreibwarengeschäft gearbeitet – „Abreißblock“ ist nicht das geflügelte Wort. Es ist das Wort. So nennt man an einer Seite verleimte Blöcke mit Vordrucken. Würde ich einen weltweit agierenden Konzern leiten, würde meine Rechtsabteilung mir das vermutlich auch dringlich ans Herz legen – eine Abmahnung muss nachvollziehbar und verbindlich sein. Die kann ein Filialleiter nicht handschriftlich auf eine Serviette kritzeln, auch wenn der SPIEGEL das anscheinend für die humanere Form der Betriebsführung hält.

Nun kommt mein Lieblingsabsatz: „Es kam schon vor, dass Vorgesetzte missliebigen Mitarbeitern Waren in den Spind legen wollten, um sie des vermeintlichen Diebstahls zu überführen und damit einen Kündigungsgrund zu konstruieren. So geschehen im Fall eines Filialleiters in der Regionalgesellschaft Altenstadt, der sich über fehlendes Personal beschwerte. Zu diesem Fall wollte sich ALDI Süd nicht äußern.“

Das muss man schon zwei oder dreimal lesen. Fangen wir mit dem „Es kam schon vor“ an – sagt wer? Ein Mitarbeiter? Ein interner Bericht? Und wer wollte dem Mitarbeiter Waren in den Spind legen – Karl Albrecht persönlich? Vor allem aber „WOLLTE in den Spind legen“? Es ist also gar nicht passiert, sondern blieb bei der Absicht? Woher kann der SPIEGEL aber von der bloßen Absicht wissen? Das ist wirklich perfide und faktenfrei daher behauptet. Ich glaube, es war dieser Absatz, bei dem ich mit entschied, ein paar Kilobyte Text für einen Blogbeitrag zu opfern.

Und weil es ein paar Kilobyte mehr wurden, als ich erwartet hatte, gibt es bald Teil 2.



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Proesterchen
Proesterchen

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein wöchentliches Magazin regelmäßig und unabhängig von der Nachrichtenlage einen Aufmacher produzieren muss.

Das Problem würde ich weniger in solchen windelweichen Füllergeschichten wie dieser hier sehen, die Du völlig zu Recht zerpflückst, sondern viel mehr darin, falls sich diese inhaltsleere Schreibe nach minimaler Recherche quer durch alle Themen zieht. Ich kann nicht beurteilen, ob das der Fall ist, aber überraschen würde es mich nicht.

milan8888
milan8888

Hab mein Abo wegen solcher Geschichten schon vor zwei drei Jahren gekündigt. SPON wird leider ebenfalls immer unlesbarer.

Joe P.
Joe P.

Wow. Das war eine unterhaltsame Viertelstunde.

Howie Munson
Howie Munson

das größte Nachrichtenmagazin der Republik

das heißt doch schon seit über 8 Jahren „ehemaliges Nachrichtenmagazin“ *duck*
(ältesten google-fundstellen bei der suche nach „ehemaliges Nachrichtenmagazin“)

Mencken
Mencken

Klingt für mich auch lediglich wie eine typische Spiegel-Reportage (allerdings fehlt der Hitler-Bezug), wobei ich allerdings auch niemanden kenne, der den Spiegel in den letzten zwei Jahrzehnten sonderlich ernst genommen hätte.

Tanja
Tanja

Danke für die Mühe, das ist sehr interessant!

Ich habe mein Abo auch schon vor einigen Jahren deswegen gekündigt. Wenn ich beim Lesen des SPIEGEL mehr und mehr das Gefühl habe, versehentlich BILD in der Hand zu haben, dann stimmt was nicht. SPON finde ich ganz grausam.

Mencken
Mencken

SPON ist Bodensatz (und hat Arbeitsbedingungen, die einen Spiegel Enthüllungsbericht viel eher rechtfertigen würden), allerdings fairerweise auch nicht mit dem Spiegel gleichzusetzen.

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

Toller, entlarvender Bericht! Wäre aber zu schade, wenn keiner vom Spiegel dazu Stellung bezieht. Soetwas muss irgendwie immer sein finde ich.

Volle Konfrontation mit diesem verfassten Stuss. Unglaublich, was für Redakteure „Der Spiegel“ heute einstellt…

gerrit
gerrit

Danke.

Shah
Shah

Ich habe das Printabo immer noch, weil ich selten politische Zeitschriften finde, die ihren Redakteuren wirklich viel Zeit und Platz einräumt und brauchbare Recherchen präsentiert. Der Aldi-Artikel ist mir aber auch sauer aufgestoßen. Aber sehr schön auseinandergenommen!

SPON ist wirklich unfassbar mies, tendenziös und hetzerisch. Da kann teilweise selbst Bild nicht mithalten…

HAB
HAB

Na ja, unser Wirtschaftsprofessor, der lange bei Hofer (=Aldi Österreich) gearbeitet hat, hat uns immer gesagt: „Bei Hofer sind die Anforderungen extrem hoch, aber dafür ist alles fair und gut bezahlt.“
Und das wurde mir immer wieder bestätigt und lese ich auch aus dem Artikel heraus.

Und ich gehe max. einmal im Jahr zum Hofer, also sicher keine Werbung hier. 🙂

Exverlobter
Exverlobter

Über den Spiegel habe ich mich diese Woche schon wieder aufgeregt (Titel: U-Boote für Israel).
Fakten, die seit über 20 Jahren mehr als bekannt sind und auch in den letzten Monaten immer wieder in kleinen Berichten erwähnt wurden,
jetzt mit der Titel-Story als großen Skandal zu präsentieren wirkt so, als ob die sich in der Chefredaktion gedacht haben:

„Boah, alles bekannt, aber keiner regt sich darüber auf, also machen wir einen großen Print-Release damit es auch der letzte Depp endlich mitkriegt, und wir mal wieder daraus einen Skandal machen können obwohl…… das ja schon seit 1991 alles bekannt ist.

Hier geht es nicht um journalistische Berichterstattung, sondern um eine Kampagne des Spiegel (ähnlich wie der Titel „Aufhören“ aus dem Jahr 2010, da wollte der SPiegel Schwarz-GElb wegschreiben). Ich mag es nicht wenn Medien zu „preachy“ werden.

Proesterchen
Proesterchen

Ist es schon wieder Zeit für Grundsatzkritik am Konstrukt Journalismus?

Marcus
Marcus

„Dem kann ich zustimmen: Ich hatte neulich Mikrowellen-Klopse in Jägersoße von ALDI, die missachteten ALLEN Grenzen des guten Geschmacks…“

Thema verfehlt – das gehört in einen der üblichen „Torsten Dewi isst Sachen, deren Eignung zum menschlichen Verzehr noch strittig ist“-Posts…. 😈

Ansonsten sehr schöner Artikel. ALDI – Pedanten of DOOM!

Marcus
Marcus

Und hey – wieder was gelernt.

„Perlator“…. schönes Wort irgendwie…

Trantor
Trantor

Wortvogel macht Niggemeier langsam Konkurrenz. Vielleicht auch nicht schlecht, da letzterer in den letzten Wochen ja nur noch über Baku schreibt.

dermax
dermax

Mir gehts absolut ähnlich, eigentlich ist der SPIEGEL nicht so schlecht wie er heutzutage gemacht wird, gibt schönen informativen Lesestoff und ich find va die Abo-App super. Aber speziell bei den Titelgeschichten kratzt man sich mit steigender Häufigkeit am Kopf und fragt sich, wie sowas freigegeben werden konnte.
Speziell die Titelgeschichten sind zu einem Sorgenkind geworden.
Ich erinnere mich mit Schaudern, als man ja ähnliches mit der BILD vorhatte, was dann kompletter Mist war und da wär ja nun wirklich genügend Munition aufzutreiben gewesen.
Letztens ist mir die Mobbing-Story sauer aufgestossen. Keiner bezweifelt, dass dieses Problem existiert, aber die Beispiele, die der SPIEGEL da am Start hatte, waren eher kontraproduktiv, weil die „Betroffenen“ eher den Eindruck erweckt haben, dass es verständlich ist, warum deren Kollegen die los werden wollen…

Peter Krause
Peter Krause

Der Konzern Aldi.
Mhh, mir sind zwei Konzerne dieses Namens bekannt.
Alles dieselbe Baggage, keine Trennschärfe nötig?
Wobei: wenn man eh keine Fakten hat, ist es auch egal, wem man sie zuordnet …

Bei den Papierhandtüchern hab ich mich weggeschmissen. Volle Papierrollen, tss, wie menschenverachtend, sowas würde der Deutschen Bahn niemals einfallen.

Was ich nicht verstanden habe: bei Frau Bolut wird mokiert, daß sie statt einer Kündigung einen Aufhebungsvertrag erhielt, „arbeitsrechtlich kaum anfechtbar und deshalb innerhalb der Aldi-Welt sehr beliebt“ – das scheint also etwas zu sein, was man nicht haben will.
Herr Straub hingegen erhielt eine Kündigung und mußte vor Gericht einen Aufhebungsvertrag erklagen.

Karsten
Karsten

Ich bin jetzt nicht so der typische Spiegel Leser, aber von deiner Beschreibung her ist es echt ziemlich peinlich, sowas zu schreiben. Hat da niemand mehr drüber geschaut?

Aber wo hier gerade das Thema „investigativer Journalismus“ angesagt ist: Gibts irgendwelche Meinungen zu den Kurieroffenbarungen vom Wallraff, die bei Stern TV und RTL momentan so breitgetreten werden?? Ich wundere mich nur, dass man abseits der beiden kaum etwas darüber liest, obwohl es sich ja augenscheinlich um eine richtige Schweinerei zu handeln scheint.

milan8888
milan8888

Weils halt ein alter Hut ist

floham
floham

Also – ich hatte ja viel Spaß mit dem Artikel…und fand den Aldi-Beitrag im Spiegel auch etwas…hmm…substanzlos.
Aber eine Sache hab ich dann doch ein bisschen anders verstanden: Der Abschnitt zu den Abmahnungen und die Tatsache, dass es bei ALDI dafür einen vorgedruckten Block zum Abreißen gibt. In normalen Firmen ist eine Abmahnung ultima ratio. Bevor die ausgesprochen (und schriftlich übergeben) wird, muss a) was wirklich tiefgreifendes passiert sein, und b) eine ganze Reihe anderes Maßnahmen vorher stattfinden. (sogar dann, wenn es in diesem unternehmen keinen Betriebsrat gibt). und die wird dann individuell erstellt!
Wenn Abmahnungen auf einem Vordruck zum Abreißen täglich mitgeführt werden und gerne mal vor Ort von Hand ausgefüllt und verteilt werden, ist das schon eine Geschäftspraktik, die weder normal, noch besonders sympathisch ist.
just sayin’…

Wortvogel
Wortvogel

@ floham: Zuerst einmal glaube ich, dass ein 57 Milliarden-Betrieb in der Tat andere rechtliche Maßnahmen ergreift als der Mittelstand – schließlich steht die Konzernzentrale am Ende für die Abmahnungen in den Filialen gerade. Somit halte ich Vordrücke für normal – ausgefüllt werden die ja immer noch von Hand für den konkreten Fall. Müssen das Abreissblöcke sein? Nein, aber es ist allemal praktisch.

Ob man ALDI vorwerfen kann, Abmahnungen generell schneller zu verteilen als andere Unternehmen? Keine Ahnung. Wird im Artikel weder behauptet noch belegt.

Dietmar
Dietmar

was angesichts von 4300 Filialen in Deutschland auch vernünftiger ist, als es mit Rauchsignalen zu versuchen.

Hahaha! 😀

Dietmar
Dietmar

Also Klasse! Kompliment mal wieder.

dermax
dermax

@floham: „Wenn Abmahnungen auf einem Vordruck zum Abreißen täglich mitgeführt werden und gerne mal vor Ort von Hand ausgefüllt und verteilt werden, ist das schon eine Geschäftspraktik, die weder normal, noch besonders sympathisch ist.“

Der Hausherr hats bereits erwähnt, das wird ja weder behauptet noch belegt…

jk
jk

Ich hab auch vor allem nicht verstanden, auf welchen der beiden Aldi-Konzerne sich das ganze bezieht, oder ob die einfach zusammengeworfen wurden. Ich bin letztes Jahr von Aldi-Süd-Land (mit hellen, modern aussehenden Filialen und Minijob-Aushängen >13,50€/h) nach Aldi-Nord-Land gezogen und komme mir vor wie in einer anderen Welt (mit dem halben Lohn für Aushilfen, angestaubt aussehenden Filialen und schwarzgekleideten Männern mit SECURITY auf dem Rücken). Wenn sich schon die Lohn-, Modernisierungs-, Sicherheits- und Einkaufspolitik so unterscheidet, wird das „Filialleiterhandbuch“ auch nicht identisch sein, vermute ich jetzt einfach mal …

Kai
Kai

Tja, wieder mal ein echter Spiegel. Früher las ich ihn gerne. Bis dann Artikel kamen, deren Thema (z.B. Umweltthemen) mit gut bekannt waren. Da fiel mir die Oberflächlichkeit und der Skandalhunger jenseits von Fakten auf. Seither kann ich den Montag problemlos ohne Spiegel verschmerzen.

Tim
Tim

Der „Spiegel“ möchte halt zeigen, daß er trotz der vielen bunten Anzeigen im Blatt total unternehmenskritisch ist. Aldi paßt dafür doch prima, die haben ja nie Anzeigen dort.

DJ Doena
DJ Doena

Ohne jetzt zu wissen, was genau passiert ist, aber:

Vor allem aber “WOLLTE in den Spind legen”? Es ist also gar nicht passiert, sondern blieb bei der Absicht?

könnte auch implizieren, dass es versucht wurde, aber der Spindleger auf frischer Tat ertappt wurde. Aber dank des investigativen SPIEGEL-Journalismus werden wir das wohl nie erfahren.

floham
floham

@wortvogel, @dermax: Wenn es diesen Abreißblock wirklich gibt (was ich nicht weiß und der Spiegel ja auch nicht per Foto o.ä. belegt), dann ist allein seine Existenz ausreichend für diese Behauptung. Ich probiers nochmal:
In normalen Firmen (ja, auch große) ist eine Abmahnung so selten, dass die „just-in-time“Produktion (i.e. am computer erstellen und ausdrucken) günstiger ist als die Vorproduktion von Blöcken a 20/40/50 Blatt. Wenn sich für ALDI die Produktion dieser Blöcke lohnt (und wir wissen ja, Kosten sind wichtig, Licht aus im Büro und so) kann man davon ausgehen, dass diese Zahl der Abmahnungen auch erreicht wird.
Dazu kommt: In einer normalen Firma hätte eine Führungskraft mit 20 verteilten Abmahnungen ein Problem: Offensichtlich läuft ihre Abteilung nicht, sie führt schlecht oder stellt die falschen/unfähige Leute ein.
Bei ALDI scheint das die Norm zu sein.
Mir fällt dabei eine Szene aus den frühen Staffeln von HIMYM ein: Barney schleicht sich nach einem One-night-stand aus der Wohnung der Dame und hinterlässt einen kurzen Abschiedsbrief. Den hat er vorgedruckt auf einem Abreißblock und trägt nur Namen, Datum und Unterschrift ein. Die Tatsache, dass er diesen Block dabei hat, sagt uns genauso etwas über seinen Charakter im Bezug auf Affären aus, wie der Abmahnungsblock über den Charakter von ALDI im Bezug auf seine Mitarbeiter bzw. über den Führungsstil dort.

Bevor es zu einer Abmahnung kommt, muss der Mitarbeiter natürlich erst einmal gegen eine Regel verstossen. Wie schön, dass es bei ALDI so viele Regeln gibt (und das in einem Umfeld, das ich als eher unterkomplexes Arbeitsumfeld beschreiben würde). Viele dieser Regeln (Licht angelassen, Perlator nicht entkalkt etc.) gefährden die Firma nicht, können also gerne übersehen werden – bei Bedarf findet sich aber immer etwas. Eine ähnliche Art zu führen gibt es übrigens auch beim Bund. Wir nannten das damals „Dummfick“ (Hemden auf A4 falten, Garderobenstange auch innen reinigen etc.). Wichtigstes Element: Die Strafe beruht nicht auf dem Regelbruch, sondern in der Bewertung der Führungskraft/Vorgesetzten. Diese entscheiden bewusst mal so/mal so. Der Effekt: Eine stark empfundene Abhängigkeit vom Vorgesetzten. Das mag im Krieg hilfreich sein, ob das ins Arbeitsleben gehört wage ich zu bezweifeln.

Newsbeat
Newsbeat

Wahre Worte, schoen geschrieben.

Daniel
Daniel

Klasse Artikel. Ich freue mich schon auf Teil 2. Ich habe mein Spiegel-Abo schon vor längerer Zeit gekündigt. 1. Wegen der immer belangloseren Artikel, die stetig zunehmen und 2. weil der Spiegel, wenn die Entwicklung so weiterging, wie vor ca 3 Jahren, mittlerweile zu 75% aus Werbung bestehen dürfte. Schade Schade. Aber gelegentlich gibt es ja doch glücklicherweise auch noch Ausgaben mit guten Artikeln.

Klops
Klops

@Wortvogel & @Markus: warum eigentlich „ALLEN Grenzen“? Hätte nicht „ALLE Grenzen“ genügt?

Mac
Mac

Danke. Selten so gelacht.

heino
heino

@floham:schau mal hier:

http://www.karrierefreunde.de/abmahnblock/

diese vorgedruckten Blöcke gibt es heutzutage für praktisch alles und viele Firmen setzen sie tatsächlich ein, ohne sie selber herzustellen. Dass die Abmahnung trotzdem individuell sein muss, steht außer Frage und wird durch den einzutragenden Text gewährleistet. Insofern lässt sich daraus rein gar nichts über das Arbeitsklima bei Aldi ableiten.

Nobbes
Nobbes

@heino
Der von Dir verlinkte Abmahnblock ist ein ziemlich offensichtlicher Scherz. Wirf mal ein Blick auf die Abmahngründe (auf Produktfoto 8).

Thankmar
Thankmar

Das sind genau die Gedanken, die mir beim Lesen auch durch den Kopf gingen. Vielen Dank für die Übersicht!
Ich habe auch noch mein Spiegel-Abo, und bis vor zwei, drei Jahren hätte ich ihn gegen die meiste Kritik verteidigt. Das fällt mir immer schwerer. Tendenziöser Kampagnenjournalismus, oder besser zweckorientierte Verbohrtheit bei manchen Themen (Piratenpartei, Urheberrecht) kommt immer häufiger vor. Kurbjuweit, Matussek und (bis vor kurzem, der darf wohl nicht mehr) Tuma nerven mit ihren Essays. Wie oft die Koaliton nach den Vorhersagen des Spiegels schon am Ende gewesen sein müsste! Und die Titelthemen der letzten Zeit: immer wieder Erziehung, Gesundheit (inkl. Mobbing und Depression), Skandale, die keine sind, Koalitionsende. Über nen schönen Führer-Titel könnt ich mich schon wieder freuen.
Ich tu mir schwer, das Abo zu kündigen, weil mir keine Alternative einfällt. Tageszeitungen mag ich nicht wegen des Formats, und weil man sie jeden Tag mit irgendwas vollschreiben muss. Bei den Wochenmagazinen gibt es keine Alternative. Nur online? Kann (und will) ich nicht auf der Toilette lesen. Ach ach ach.

Michael
Michael

Schöner Beitrag, danke!

@Mencken: stimmt, der obligatorische Hitler-Bezug fehlt. Früher wäre so etwas dem SPIEGELnicht passiert

Floham
Floham

@heino
Ich hoffe nicht, dass irgendeine Firma diese Blöcke tatsächlich für Abmahnungen nutzt -> die Verhandlungen vom Arbeitsgericht könnten teuer werden.

Abgesehen davon: Vielleicht schließe ich auch wieder von mir auf andere. Vielleicht gibt es wirklich viele Firmen, in denen die hohe Zahl der Abmahnungen die Produktion von Abreißblöcken rechtfertigt. Dass dort kein gutes Arbeitsklima herrscht sollte aber wohl auch klar sein.

Maddin
Maddin

Vielen Dank für den außerordentlich unterhaltsamen Artikel. Hat meine Mittagspause bereichert. : )

der Rosi
der Rosi

@floham

wer sagt uns, dass der abrissblock nicht aus der zeit des herrn fedtke stammt? so ein block würde imho bei der nutzung von schreibmaschinen sogar sinn machen.

Hans
Hans

Gerade das mit dem „Abreissblock“ ist doch sehr unklar. Der Vorwurf ist im Wortlaut, daß es „Vordrucke“ gäbe. Lediglich sei das „geflügelte Wort“ dafür „Abreissblock“. Wenn es geflügelt ist, ist es gerade eben kein Abreissblock, sondern offenbar nur eine Begriffsschöpfung um den vermeintlichen oder tatsächlichen Eindruck (leichtfertiger Abmahnungen) auszudrücken.

So, was ist aber nun ein „Vordruck“? Dass muss ja keineswegs bedeuten, dass es sich um ein in einem Massendruckverfahren hergestelltes Formular handelt. Wahrscheinlich handelt es sich lediglich um ein standardisiertes Formular, was vielleicht als Word-Vorlage vorliegt, oder von dem die rumreisenden „Kontrolleure“ vielleicht ein oder mehrere ausgedruckte Blankoexemplare dabei haben.

Möglicherweise bis Wahrscheinlich reduziert sich der Vorwurf am Ende also darauf, dass man ein Formular nimmt (und dieses womöglich handschriftlich ausfüllt), statt eine individuell formulierte Abmahnung zu verfassen.

Ich bin mir sicher, dass es bei Aldi auch noch andere Formulare gibt, z.B. für die Anzeige eines Ladendiebes.

mr
mr

Stimme floham (30) zu – das komplexe, im Normalfall unüberprüfte und bei Bedarf als Kündigungsgrund bereit stehende Regelwerk erlaubt Vorgesetzten eine Willkür, die für die Untergebenen die Situation unberechenbar macht und dafür sorgt, dass unabhängig von den tatsächlichen Geschehnissen stets „die da oben“ am längeren Hebel sitzen, notfalls halt an einem anderen Hebel.

K.H.
K.H.

@16 (Trantor):
>>“Wortvogel macht Niggemeier langsam Konkurrenz.“

Das Traurige in diesem Zusammenhang ist: Niggemeier arbeitet ja mittlerweile für den Spiegel. Der IST die Konkurrenz. Solch einen Artikel könnte er wahrscheinlich aus vertraglichen Gründen gar nicht mehr schreiben.

heino
heino

@floham:da hab ich nicht aufgepasst. Kommt davon, wenn man mehrere Sachen gleichzeitig macht. Das ändert aber nichts daran, dass viele Firmen sowas oder´- wie Hans das so treffen schilderte – selbsterstellte Vordrucke nutzen, um den Verwaltungsaufwand klein zu halten. Und wenn die Abmahnungen berechtigt sind, wird kein Arbeitsgericht was dagegen sagen. Damit will ich solchen Praktiken nicht das Woirt reden, aber es kommt eben schon sehr häufig vor und ob es illegal ist, ist zumindest strittig.

Ganzehrlich
Ganzehrlich

Wer denkt, bei Aldi gehts schlimm zu, der sollte mal bei Kaufland nachforschen. Und zwar nicht nur in der Führungsetage.

Wortvogel
Wortvogel

@ mr: Das ist aber kein ALDI-typisches Problem – und wäre es eines, müsste der Artikel das erstmal faktisch belegen.

Jeff Kelly
Jeff Kelly

@floham im speziellen.

Was Spiegel hier Aldi vorwirft nennt sich im bösen Sprachgebrauch der Industrie ISO 9001 ist also letztendlich nichts anderes als ein verbindlicher Qualitätsprüf- und Nanagementprozess.

Dazu gehören verbindliche Vorgaben die in Handbüchern beschrieben sind und deren Einhaltung geprüft wird. Anders ist eine gleichbleibende Qualität ALLER Prozesse auch der geschäftsinternen (z.B. Beförderung, Abmahnung, Weiterbildung, Dresscode etc.) kaum möglich.

Qualitätshandbücher und Bedienungsanleitungen für alle Geschäftsprozesse sind heute Standard in jedem Laden, selbst in Arztpraxen und kleinen und mittelständischen Betrieben. Eigentlich bei jedem der eine schöne „Zertifiziert nach ISO 9001“ Urkunde irgendwo rumhängen hat.

Es ist insbesondere DANN unverzichtbar, wenn man bei der Nichteinhaltung bestimmter Dinge regress- oder haftungspflichtig ist oder es sogar strafrechtlich oder sontwie zivilrechtlich relevant ist (Produkthaftung, Arbeitsrecht, Schadenersatzpflichten, Geschäftsführerhaftung etc.)

Deshalb bekomme ich auch überall auf der Welt bei MC Donalds den Burger in der gleichen Qualität und weiß, dass es auch in von den Sanitätsbedingungen nicht so tollen Ländern ein Laden ist wo man mal aufs Klo gehen kann. Das mag man jetzt furchtbar finden ist aber erstmal noch nicht schlimm.

Keine Piercings? Bei der Sparkasse muss ich sogar Anzug tragen, da sollten die mal erst die furchtbaren Bedingungen recherchieren.

Da die Spiegel-Redaktion in Hamburg ist würde ich mal von Aldi Nord ausgehen. Die Tatsache, dass der Artikel anscheinend ncht mal zwischen Aldi Nord und Aldi Süd differenzieren mag (das wäre als würde man Adidas und Puma als selbe Firma behandeln) lässt den restlichen Bericht aber als ziemlich armselig dastehen.

Jeff Kelly
Jeff Kelly

An alle, die wegen der Regeln meckern. In der Regel (hah!), es ist zumindest eine Vorgabe der entsprechenden Normen, muss ein solches Handbuch jedem Mitarbeiter ausgehändigt werden.

Bei Themen die absurd klingen (Perlator z.B.) muss nicht nur angegeben sein, dass etwas zu tun ist sondern auch in welchen Intervallen.

Ich gehe mal davon aus das die Mitarbeiter bei Aldi lesen können.

Wer das schon furchtbar findet, der muss sich dann auch z.B. über die Unterschriftenlisten aufregen, die in fast allen Firmen in den Waschräumen hängen und wo die Reinigungskraft eintragen muss, wann sie den Raum geputzt hat.

Lukas Graf
Lukas Graf

Ich hatte mir von dem ALDI-Artikel auch mehr versprochen und auch mir fällt eine gelegentliche Sensationsheischerei beim SPIEGEL auf, allerdings in erster Linie bei den Titelthemen. Große Teile des Heftes sind aber qualitativ immer noch überdurchschnittlich – leider mittlerweile einschließlich des Werbeanteils, aber lassen wir das.

Ich habe allerdings als Jurist auch noch eine etwas andere Sichtweise: Ich vermute, der SPIEGEL hat handfeste Hinweise, aber eben keine Beweise. Da ein Konzern wie ALDI (beide, Nord und Süd) eine solche Berichterstattung ohne Frage rechtlich bewerten lassen wird, muss im Text deutlich werden, dass es letztlich unbewiesen ist. Wären es reine Behauptungen oder Erfindungen, wäre es gar nicht vorgekommen.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Sache mit dem untergeschobenen Diebstahl: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so etwas passiert. Nicht nur der Fall „Emmely“ zeigt, dass Arbeitgeber manchmal gerne versuchen, Mitarbeiter zu kriminalisieren um kündigen zu können; mir ist genau der Fall mit den untergeschobenen Sachen im Spind aus dem Bekanntenkreis bekannt, allerdings war das nicht Aldi (sondern Rewe, Kaisers oder Edeka, ich weiß es nicht mehr ganz und will auch nichts falsches behaupten, aber es ist genau so passiert: Plötzlich und überraschend am Ausgang Rucksackkontrolle und abgelaufenes (!) Fleisch (!) entdeckt; der Bekannte war Vegetarier…).

Und auch die Sache mit den Perlatoren etc.: Es ist sicherlich nicht negativ, wenn auf sowas geachtet wird, aber es ist merkwürdig, wenn die Chefs angehalten werden, sowas zu kontrollieren und für solchen Kram ernsthaft Abmahnungen verteilt werden.

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