01
Jun 2012

Serienkritik: Continuum

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Ich muss wohl mittlerweile einsehen, dass ich nicht mehr so "up to date" wie zu den Zeiten des "SF TV Guide" bin. Es fehlt mir einfach die Zeit, alle möglichen Info-Schnippsel über neue TV-Serien zu sammeln, alle Trailer zu sichten, alle Folgen anzusehen. Vor zehn Jahren wäre mir nicht entgangen, dass eine neue Action-SF-Serie namens "Continuum" produziert wird – noch dazu mit "G.I. Joe"-Leckerchen Rachel Nichols (von der ich eigentlich dachte, dass sie sich auf ihre Kinokarriere konzentrieren würde). Die kanadische Produktion kann zudem mit einer ganzen Sackladung bekannter Gesichter aus dem Bereich des Genrefernsehens aufwarten: Tony Amendola aus "Stargate SG-1", Victor Webster aus "Mutant X", Lexa Doig aus "Andromeda", William B. Davis aus "X-Files", etc. pp.

Nun bin ich mittlerweile sehr vorsichtig geworden, was neue SF-Serien angeht, die in Kanada für den US-Markt (vornehmlich Syfy) produziert werden. Für jedes "Battlestar Galactica" gibt es drei "Tracker", "Painkiller Jane" und "Flash Gordon". Seelenlose Füllware, die von Leuten gemacht wird, denen jede tatsächliche Affinität zur Science Fiction fehlt und die vornehmlich dafür bekannt sind, dass sie 22 Folgen "on time and on budget" liefern. Qualität Nebensache.

Tatsächlich dreht auch "Continuum" inhaltlich scheinbar nicht gerade das große Rad: eine attraktive Polizistin muss mit allerlei futuristischen Gimmicks ein paar Verbrecher einfangen, die besondere Kräfte (und in diesem Fall: Informationen) haben. Eine Cop-Show mit SF-Elementen, wie sie immer wieder versucht wird, weil Produzenten glauben, auf diese Weise den Nischen-Appeal der Science Fiction mit dem breiten Zuschauerspektrum der Krimiserien verheiraten zu können. Das hatten wir schon bei "Time Trax", wirklich gut funktioniert hat es meinem Gedächtnis nach zuletzt bei "Alien Nation". Vor 20 Jahren.

Nur ein paar Worte zum konkreten Inhalt: Keira Cameron ist eine Polizistin im Jahr 2076. Große Konzerne haben die Macht übernommen, nachdem die gewählten Regierungen nach und nach pleite gegangen sind. Eine kleine Gruppe von Terroristen sprengt den "Konzern-Kongress" – doch bei der Hinrichtung der Täter flüchten diese mit bisher unbekannter Technologie in das Jahr 2012 und nehmen Keira eher unabsichtlich mit. Nun kommt es zu einem Wettrennen um die Zukunft, bei dem beide Seiten ihre Kenntnisse über den Fortgang der Geschichte nutzen, um Vorteile zu erhalten. Keira legt sich eine neue Identität zu, um weiter als Polizistin die "Liberators" zu jagen, deren Ziele verständlich, deren Methoden aber abzulehnen sind.

Oho und schau mal an – "Continuum" macht vielleicht nicht alles neu, aber verdammt viel besser als die meisten Seriengurken aus dem gleichen Genpool. Der geleistete Aufwand wird auf allen Ebenen (Darsteller, Effekte, Action) dem Anspruch gerecht, das Skript der Pilotepisode ist mit rasant noch milde umschrieben und vor allem – das Konzept ist deutlich smarter als das, was man von diesem Genre gewohnt ist und erinnert mitunter an "Total Recall 2070". In vielen liebevollen Details und gelungenen Plottwists zeigt sich, dass eben nicht nur "Dienst nach Vorschrift" auf dem Drehplan stand. Allein Keiras Uniform samt eingebauter Hardware ist ein kleines Wunderwerk der Technik, so schick wie praktisch und beeindruckend anzuschauen.

Es zahlt sich aus, dass mit Rachel Nichols und Victor Webster zwei Darsteller im Mittelpunkt stehen, die deutlich mehr leisten als die vielen austauschbaren kanadischen Seriengesichter. Sie sind es, die "Continuum" ankern und den Spirit einer Network-Serie einhauchen. Man hätte die Serie sicher auch mit Lexa Doig (hier in einer kleinen Nebenrolle) und Geraint Wyn Davis an den Start schicken können – wäre damit aber vermutlich brutal auf die Nase gefallen.

"Continuum" schielt auf Einzelepisoden, die insgesamt einem größeren Plot folgen, das scheint jetzt schon offensichtlich. Dabei ist momentan noch erfreulich unklar, wer auf der "richtigen" Seite agiert und wie diverse Figuren zueinander stehen. Wenn es der Serie gelingt, diese Ambivalenz durchzuhalten und einfache Antworten zu umschiffen, könnte sie über ihren eigenen Horizont hinaus funktionieren. Momentan hadere ich allerdings noch ein wenig damit, dass die "Terroristen", deren Anliegen im Prolog sehr empathisch vorgetragen wird, im weiteren Verlauf der Pilotepisode kaum mehr als "thugs" sind.

Ich will nicht ausschließen, dass "Continuum" nach dem aufwändigen Piloten formell wie inhaltlich auf ein schwachbrüstigeres Format eingedampft wird, um das Budget nicht zu überziehen. Die prächtigen Szenen von Vancouver 2076 werden vermutlich weniger, die CGI-Gimmicks auch. Wenn die Serie aber das Tempo in der Inszenierung und die Verästelungen im Plot hält, ohne ins Leere zu laufen, könnte sie ein neuer "sleeper hit" werden.

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Ich zumindest bleibe vorläufig dran.

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OnkelFilmi
OnkelFilmi
1. Juni, 2012 09:26

"Nun bin ich mittlerweile sehr vorsichtig geworden, was neue SF-Serien angeht, die in Kanada für den US-Markt (vornehmlich Syfy) produziert werden. Für jedes “Battlestar Galactica” gibt es drei “Tracker”, “Painkiller Jane” und “Flash Gordon”.

Die ja auch alle für den US-Markt produziert wurden. "Continuum" ist jedoch rein kanadisch, und liegt damit mehr mit "ReGenesis" oder "Todd and the Book of Pure Evil" auf einer Linie…

"Die kanadische Produktion kann zudem mit einer ganzen Sackladung bekannter Gesichter aus dem Bereich des Genrefernsehens aufwarten…"

Sowie Roger Cross (24, First Wave), Erik Knudsen (Jericho), Mike Dopud (Stargate: Universe), Stephen Lobo (Painkiller Jane), Jennifer Spence (SGU, The 4400) und Brian Markinson (Touching Evil). Und wer genau hinschaut, bekommt auch noch ein paar Cameos von SF-(TV)Lieblingen geboten, wie zB David Nykl (Zelenka aus SGA)…

"Momentan hadere ich allerdings noch ein wenig damit, dass die “Terroristen”, deren Anliegen im Prolog sehr empathisch vorgetragen wird, im weiteren Verlauf der Pilotepisode kaum mehr als “thugs” sind."

OnkelFilmi
OnkelFilmi
1. Juni, 2012 09:29

"Nun bin ich mittlerweile sehr vorsichtig geworden, was neue SF-Serien angeht, die in Kanada für den US-Markt (vornehmlich Syfy) produziert werden. Für jedes “Battlestar Galactica” gibt es drei “Tracker”, “Painkiller Jane” und “Flash Gordon”.

Die ja auch alle für den US-Markt produziert wurden. "Continuum" ist jedoch rein kanadisch, und liegt damit mehr auf einer Linie mit "ReGenesis" oder "Todd and the Book of Pure Evil"…

"Die kanadische Produktion kann zudem mit einer ganzen Sackladung bekannter Gesichter aus dem Bereich des Genrefernsehens aufwarten…"

Sowie Roger Cross (24, First Wave), Erik Knudsen (Jericho), Mike Dopud (Stargate: Universe), Stephen Lobo (Painkiller Jane), Jennifer Spence (SGU, The 4400) und Brian Markinson (Touching Evil). Und wer genau hinschaut, bekommt auch noch ein paar Cameos von SF-(TV)Lieblingen geboten, wie zB David Nykl (Zelenka aus SGA)…

"Momentan hadere ich allerdings noch ein wenig damit, dass die “Terroristen”, deren Anliegen im Prolog sehr empathisch vorgetragen wird, im weiteren Verlauf der Pilotepisode kaum mehr als “thugs” sind."

Würde ich nicht so sagen, das mit den "Thugs". Dieses Verhalten hatte ja einen Sinn und Zweck, wie Kiera und ihr neuer Kollege später feststellen müssen…

OnkelFilmi
OnkelFilmi
1. Juni, 2012 09:32

Hrhmm? Wieso steht Numero Uno hier, obwohl ich da noch nicht fertig war? (Und auch nicht auf’s Knöpfchen gedrückt habe)

Einmal löschen bitte!

Exverlobter
Exverlobter
1. Juni, 2012 09:55

"Man hätte die Serie sicher auch mit Lexa Doig (hier in einer kleinen Nebenrolle) und Geraint Wyn Davis an den Start schicken können – wäre damit aber vermutlich brutal auf die Nase gefallen."

Was hast du gegen Lexa Doig? Lexa ist cool. Sie war einer der wenigen Lichtblicke bei Andromeda.

Und Rachel Nichols als Kinostar zu bezeichnen ist wohl auch etwas euphemistisch. 1 Minute als Grünes Mädchen bei STar Trek? Dafür hätte Diora Baird auch schon gereicht. (wie ursprünglich geplant)

GI JOe habe ich schon wieder verdrängt.
Und Conan?? HAHAHA.

Da wären noch ein paar größere Rollen nötig, insofern verwundert mich der Fokus auf eine TV-Karriere nicht.

Howie Munson
Howie Munson
1. Juni, 2012 10:52

Wieso steht Numero Uno hier, obwohl ich da noch nicht fertig war?

ich tippe auf den Autfokus in Zusammenarbeit mit eigensinniger Maus und Enter-taste im "falschen" bzw. "richtigen" Moment…

DMJ
1. Juni, 2012 15:40

Hm, von der Serie habe ich tatsächlich noch nie was gehört… Als einer der wenigen Leute, die "Time Trax" mochten (obwohl die Folge "Der Android" vielleicht das Dümmste ist, was je gedreht wurde), sollte ich vielleicht bei Gelegenheit mal reinschauen.

Marcus
Marcus
1. Juni, 2012 17:48

@Exverlobter: ich wollte es gerade sagen, dass Rachel Nichols' Kinokarriere nicht wirklich berauschend aussieht. eine Hauptrolle im überschaubar erfolgreichen Horrorfilm "P2", Minirolle in "Star Trek", die so mini war, dass ich sie gerade googeln musste ("wie, DIE war da auch dabei?"), eine Rolle im großen Schauspielgötter-Ensemblefilm "GI Joe" – und, naja, ich mochte "Conan", und ich mochte Rachel darin, aber ganz oben in ihren CV würde ich den trotzdem nicht schreiben. 😉

Aber who the fuck ist Lexa Doig?

Exverlobter
Exverlobter
1. Juni, 2012 17:59

"Aber who the fuck ist Lexa Doig?"

Wer so masochistisch veranlagt ist, Andromeda anzusehen (und ich habe tatsächlich alle 110 Episoden gesehen, das verzeihe ich mir übrigens niemals) dem werden ausschließlich Keith Hammilton-Cobb und Lexa Doig positiv in Erinnerung bleiben.
Außerdem war Lexa noch in Stargate.
Und im Sci-Fi-Horror Kultschrott "Jason X"!
Sie ist halt ne Sci-Fi Schlampe.
(Außerdem ist sie mittlerweile mit Michael Shanks verheiratet dem großen Star aus Wortvogels "Sumuru", hüstel :-))

Exverlobter
Exverlobter
1. Juni, 2012 18:03

Und Rachel Nichols?
Wird wohl die neue Kristanna Loken.

Marcus
Marcus
1. Juni, 2012 22:03

Und im Sci-Fi-Horror Kultschrott “Jason X”!

Ach die!

Und Rachel Nichols?
Wird wohl die neue Kristanna Loken.

Zumindest sieht sie besser aus…

Wortvogel
Wortvogel
1. Juni, 2012 22:15

Oh je, es wird wieder mal bequem gelesen, was man lesen möchte – nicht was ich geschrieben habe.

Also: Ich habe nicht behauptet, Rachel Nichols habe eine Kinokarriere. Ich sprach davon, dass sie sich weiter darauf konzentrieren könnte – eine Hauptrolle in "G.I. Joe" ist kein Kleinkram. Normalerweise springen Schauspielerinnen danach nicht sofort ins TV-Programm.

Und ich habe auch nichts gegen Lexa Doig, glaube aber, dass sie nicht die Gravitas besitzt, eine Serie wie "Continuum" zu tragen – im Gegensatz zu Rachel Nichols.

Peroy
Peroy
1. Juni, 2012 22:21

"Und ich habe auch nichts gegen Lexa Doig, glaube aber, dass sie nicht die Gravitas besitzt, eine Serie wie “Continuum” zu tragen – im Gegensatz zu Rachel Nichols."

Ah, "Gravitas"… schon klar… 8)

trackback
4. Juni, 2012 01:15

[…] Serienkritik: Continuum | Wortvogel – 100 % Torsten Dewi Nur ein paar Worte zum konkreten Inhalt: Keira Cameron ist eine Polizistin im Jahr 2076. Große Konzerne haben die Macht übernommen, nachdem die gewählten Regierungen nach und nach pleite gegangen sind. Eine kleine Gruppe von Terroristen sprengt den “Konzern-Kongress” – doch bei der Hinrichtung der Täter flüchten diese mit bisher unbekannter Technologie in das Jahr 2012 und nehmen Keira eher unabsichtlich mit. Nun kommt es zu einem Wettrennen um die Zukunft, bei dem beide Seiten ihre Kenntnisse über den Fortgang der Geschichte nutzen, um Vorteile zu erhalten. […]