Superman vs The Elite

USA 2012. Sprecher: George Newbern, Pauley Perrette, Robin Atkin Downes, Andrew Kishiro

Story: Superman hat nach einem verlustreichen Kampf gegen Atomic Skull Probleme, seine Grundeinstellung zu rechtfertigen: er liefert Bösewichte nur aus, er richtet sie nicht. Leider gilt dieses Credo als überholt – ganz besonders, als mit „The Elite“ eine Truppe englischer Neo-Helden auftaucht, die keine Skrupel besitzt, Mord und Machthunger als Kollateralschäden im Kampf gegen das Böse hinzunehmen. Schon bald will The Elite in angeblichen Terrorstaaten aufräumen, die Weltbevölkerung steht jubelnd dahinter – und Superman zwischen allen Fronten. Ist der „Mann aus Stahl“ ein liberal-demokratisches Auslaufmodell?

Kritik: Ich bin mittlerweile ein echter Fan der „DC animated“-Reihe. Vielleicht deshalb, weil sie meine Lesegewohnheiten bei Comics spiegelt: Ich bevorzuge längere, abgeschlossene Geschichten. Elend lang laufende Serien sind nicht mein Ding. Und die „DC animated“-Streifen sind für mich die Graphic Novels der Adaptionen – allemal besser als Serien mit 120 Folgen, für die ich eh keine Zeit habe. Klar sind manche hohl, manche kindisch – aber es finden sich auch immer wieder Perlen. Und gelangweilt habe ich mich noch bei keinem der Streifen (na ja, vielleicht bei „Wonder Woman„).

„Superman vs The Elite“ (erfreulicherweise wieder mal basierend auf einer gezeichneten Vorlage) bin ich mit einigen Bedenken angegangen, weil die Story schon vorab sehr moralinsauer roch und DC-Trickfilme dazu neigen, komplexe Themen wirklich sträflich oberflächlich abzuhandeln („All Star Superman„, ich spreche mit dir). In diesem Fall hat man sich allerdings entschieden, Eier zu zeigen und nicht gleich die große Moralkeule heraus zu holen.

Fakt ist: The Elite stehen für ein Dilemma, das Superhelden-Comics seit jeher umtreibt – angesichts der Zielgruppe und der zu vertretenden Moral müssen die Helden zwar jeden Bösewicht einknasten, töten dürfen sie ihn aber nicht. Und das wird irgendwann sehr schwer zu rechtfertigen, weil Batman z.B. beim Joker immer wieder indirekt den Verlust von Menschenleben in kauf nimmt, wenn er ihn in Arkham abliefert, statt ihn einfach mal verrecken zu lassen. Dieses Thema wurde auch in „Batman: Under the Red Hood“ bereits (unbefriedigend) thematisiert.

„Superman vs The Elite“ macht es sich nicht einfach, denn wir beginnen ja mit einem weiteren Kampf, bei dem Unschuldige sterben und ein nicht rehabilitierbarer Bösewicht in einem Knast landet, der ihn nicht halten können wird. Tatsächlich ist man als Zuschauer geneigt, Supermans sehr neutrale Einstellung als Charakter- bzw. Führungsschwäche auszulegen. Wenn man die Macht hat, die Welt zu verbessern – hat man dann nicht auch die Pflicht dazu?

The Elite beantwortet die Frage so, wie es einer Generation gefällt, die mit „Metal Gear“ und „Transformers“ aufgewachsen ist: Wer die Macht hat, hat das Recht. Und solange die Macht auf der Seite des Guten steht, ist das auch okay. But who watches the watchmen?

Der Film ist auf jeden Fall deutlich smarter und härter, als dieser hohle Actiontrailer glauben machen will:

Nicht nur auf der Dialog-Ebene nimmt sich „Superman vs The Elite“ ausreichend Zeit, sein Thema zu diskutieren, auch inhaltlich wird scharf geschossen: Atomic Skull fällt in einer beeindruckenden Sequenz seinem Henker Manchester Black, es gibt Tod & Zerstörung und Superman wird seit langer Zeit mal wieder richtig durch den Wolf gedreht, bis er selbst sehr glaubwürdig auszuklinken droht…

Leider stehen dem inhaltlichen Anspruch, der sich deutlich gegen die Angewohnheit der Amerikaner stellt, alles für richtig zu erachten, was für sie von Vorteil ist, ein paar krasse formale Schwächen entgegen: „Superman vs The Elite“ sieht eher nach dem Dreiteiler einer mittelmäßig animierten Trickserie aus, wie ein B-Produkt der „DC animated“-Reihe. Die Framerate ist gerade mal erträglich, aber längst nicht mehr zeitgemäß. CGI wird nur eingesetzt, um Geld zu sparen. Hintergründe und zeichnerische Details glänzen durch Abwesenheit.

Darüber hinaus ist das Voice Acting wenig bemerkenswert, besonders die „voll krass englischen“ Figuren klingen meistens wie Parodien. Und der eingeflochtene Konflikt zweier Bananenrepubliken ist eine erzählerische Krücke, die nie wirklich funktioniert.

Am schlimmsten trifft es aber das Charakterdesign – ist schon The Elite eher mau und sehr manga-esk im Entwurf, muss ich die Macher schon mal fragen, was zum Teufel sie sich bei Superman gedacht haben, der mit einer albernen Tolle und dummen Gesichtsausdrücken an keiner Stelle die Gravitas mitbringt, die er in dieser Story gebraucht hätte:

Zu schade, dass DC gerade bei einer Story knausert, die über das übliche Maß hinaus etwas zum Thema Superhelden zu sagen hat.

Fazit: Eine überraschend deutliche und ausgeglichene Meditation über die Verantwortung des Übermenschen, die hauptsächlich an einem lieblosen Design und teilweise spärlicher Animation krankt.

Tron: Uprising

USA 2012. Sprecher: Elijah Wood, Emmanuelle Chriqui, Bruce Boxleitner, Mandy Moore, Nathan Corddry, Lance Henriksen, Tricia Helfer, Reginald VelJohnson

Story: Vor den Ereignissen von „Tron: Legacy“: CLU regiert, Tron ist verschwunden. Ein junges Programm namens Beck nimmt den Kampf um die Herrschaft im Grid auf und baut dabei auf die Hilfe einiger junger Programme, die ebenfalls nicht mehr in Knechtschaft leben wollen…

Kritik: „Tron: Uprising“ ist das perfekte Gegenstück zu „Superman vs The Elite“. Wo der DC-Trickfilm eigentlich eher auf dem Niveau einer TV-Serie spielt, haut das CGI-Prequel zu „Tron: Legacy“ derart edel auf die Kacke, dass man ihn sich eigentlich fürs Kino gewünscht hätte – oder wenigstens in Hochauflösung auf Silberscheibe. Tron – Silberscheibe = passt ja auch.

Die etwas hektische Mischung aus 3D-CGI uns Pseudo-2D kam mir im Trailer ja noch etwas fragwürdig vor, für die fertige Serie kann ich allerdings konstatieren: Der Look rockt die Hütte und zusammen mit dem Daft Punk-esken Soundtrack fühlt man sich sofort und bruchlos wieder in das Tron-Universum transportiert. Der Allstar-Cast hinter den Mikrofonen tut sein Übriges, um die Serie von Disney XD zur aggressivsten und intensivsten Trickserie zu machen, die ich seit langem (vielleicht sogar jemals) gesehen habe. Speed für die Augen, Koks für die Ohren. Perfekter wurde ein Kinolook nie fürs TV eingefangen:

Leider ist „Tron: Uprising“ auch inhaltlich die Kehrseite der Medaille von „Superman vs The Elite“, nämlich Magerkost. Man hat sich augenscheinlich derart auf den Style fokussiert, dass für interessante Charaktere oder wenigstens ein attraktives Charakterdesign keine Zeit mehr war. Die Figuren sind so schlank, so glatt, so austauschbar (Frisuren und Kleidung wirken immer nur wie zukaufbare Accessoires von Rollenspiel-Charakteren), als wäre ihre Einpassung in das Tron-Universum wichtiger als der Zugang des Zuschauers zu ihnen.

Über die üblichen Tron-Topoi von Diktatur und Rebellion hat „Tron: Uprising“ bisher auch keine nennenswerten Themen, an denen sich die Serie abarbeiten kann. Es fehlt nicht nur der emotionale, auch der narrative Kern, der ganz große, nicht einfach daher behauptete Konflikt.

Allerdings muss man zur Ehrenrettung der Macher eingestehen, dass auch die beiden „Tron“-Kinofilme auf diesem Gebiet nicht gerade glänzten.

http://www.youtube.com/watch?v=wE7qsfQQGGs

Fazit: Eine wahnwitzig gut gestylte Serie mit vielen Pluspunkten, die sich in ihrer totalen Konzentration auf das Visuelle aber selbst ein Bein schießt und als DVD-Prequel zu „Tron Legacy“ besser funktioniert hätte.



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DJ Doena

Woran ich jetzt sehr Gefallen gefunden habe, ist die Serie „Young Justice“ (derzeit in der zweiten Staffel), welche die ausgewachsenen Helden oftmals beiseite lässt und die Geschichte der Sidekicks erzählt.

Dr. Acula

Supie sieht da wirklich aus wie American Dad 🙁

TimeTourist
TimeTourist

Ich freu mich auf Tron! Die Serie wird mir genauso das Hirn ficken wie die Kino-Filme! Wird ungesehen gekauft.

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

„Wenn man die Macht hat, die Welt zu verbessern – hat man dann nicht auch die Pflicht dazu?“

Nein!

Insbesondere dann nicht, wenn man dafür über Menschenleben gehen muss. Aus diesem Grunde sind auch bspw. die Drohnenangriffe des werten Herrn Obama, bei dem Terroristenführer einfach auf fremden (!) Territorium getötet werden, in keinster Weise rechtsstaatlich zu legitimieren oder gar moralisch vertretbar.

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

Klaro. Aber in Anbetracht der derzeitigen politischen Ereignisse scheint es leider für die wenigsten eine rein rhetorische Frage zu sein.

Mencken
Mencken

Das ist dann wohl das erste Mal, daß ich mich der Generation zuordnen kann, die mit Transformers und Metal Gear aufgewachsen ist.

Marcus
Marcus

Das Problem ist nur: schon den letzten Film „Justice League: Doom“ haben sie in Deutschland schlicht nicht veröffentlicht, und auch von dem hier fehlt jede Spur von einer DVD.

Woher also legal nehmen, wenn einem die NTSC-Bluray zu unsicher (weil ich keinen Schimmer habe, ob mein alter Röhrenfernseher + PS3 das abspielen kann) und zu teuer (30 Schleifen?!) ist?

Über solche VÖ-Politik könnte ich mich immer wieder aufregen. Bis auf die ersten beiden ging es doch bisher auch in Deutschland….

DMJ

Die „Elite“-Story war doch auch im „Superman“-FAZ-Band drin. Ja, die kann ich mir durchaus zum Film erweitert vorstellen.

Mich irritiert jedoch die Erwähnung von „Metal Gear“. Ich bin kein wirklicher Experte, kenne bisher nur „Solid“ und will, so der Zufall, gerade heute den zweiten Teil anfangen, aber schon jetzt scheint mir die Sache doch eher zwiespältig und moralisch grau, statt idealistisch. Als Vertreter der „Tougher Held verbessert die Welt“-Schiene sieht mir Snake zudem eher erfolglos aus, wenn er erfährt, dass er selbst von seinen Auftraggebern missbraucht wird und die wahren Schuldigen nie belangt werden.

DMJ

Ach so, um den Aspekt ging es – dann bin ich beruhigt.
Die „Transformers“, die ich nur aus den Filmen kennen hatten mich irritiert, denn die haben ja immerhin Autojesus auf ihrer Seite. 😉

Anbei: Gerade geht mir auf, wie dreist schon der „Elite“-Comic eigentlich ist, wenn er seine Schurken, die aktuelle amerikanische Politik praktizieren, zu Briten macht und den traditionellen US-Held Superman dagegen stellt.

DMJ

Ach so! Das war mir gar nicht bewusst. Ich habe es wie gesagt im FAZ-Band gelesen und nicht auf das Ursprungsdatum geachtet.
Das gibt dem Ganzen natürlich eine ebenso tragische wie ironische Note aus heutiger Sicht.

Nikolai
Nikolai

Super RTL setzt „Tron: Der Aufstand“ ab

http://www.dwdl.de/nachrichten/40328/super_rtl_setzt_tron_der_aufstand_ab/

Muss ich mir wohl doch die DVD kaufen.

trackback

[…] immer noch ein wenig zu kantig und austauschbar, wenn auch nicht ganz so einfallslos wie in “Superman vs. The Elite“. Aber dafür ist die Animationsrate sehr solide und wird in den Kampfszenen nochmal […]