Das Macbook, das ich selber gerne benutze, hat bald zwei Jahre auf dem Buckel. Kein Problem für mich – nachdem Apple als Resultat eines monatelangen Streits eingestanden hat, meinen kaputten Speicher mehrfach nicht erkannt zu haben (und ich preiswert Ersatz in das Gerät gepfriemelt habe), schnurrt die Maschine wie meine Katze. Ein solideres, stabileres und hochwertigeres Notebook habe ich noch nie gehabt – und ich habe allein aktuell vier ältere Windows-Modelle hier rum liegen. Für die Sachen, bei denen Apple softwareseitig immer noch schlampt (und es gibt genug), habe ich per Bootcamp eine Partition mit Windows 7 auf meinem Macbook installiert, was klaglos und erstaunlich flüssig funktioniert.

Angesichts der hochgelobten Neuerungen bei den Apple-Macbooks, die gestern vorgestellt wurden, dachte ich mir: schau dich mal nach einem Upgrade um. Nicht für jetzt – mein aktuelles Gerät wird noch mindestens zwei Jahre lang mehr als ausreichend sein, solange es mir nicht in die Badewanne plumpst. Ich suchte also die diversen Online-Artikel nach Details durch, was das neue/nächste Macbook so an Features bietet.

Das Problem: ich fand nichts. Augenscheinlich wurde das traditionelle Einsteiger-Macbook bei der Apple-Präsentation gar nicht erwähnt. Es drehte sich alles um Macbook Pro und Macbook Air. Wurde das Macbook keiner Sanierung unterzogen?

Ich recherchierte ein wenig und stellte fest: Das Macbook gibt es seit letzten Juli gar nicht mehr. Die Zielgruppe für Einsteiger-Macbooks soll nach dem Willen von Apple nun zum Macbook Air greifen.

Klar, das Air hat ein SSD-Laufwerk, ist schicker und schneller als das alte Macbook mit seinem Plastikgehäuse und der traditionellen Festplatte. Außerdem ist die preiswerteste Variante mit 1049 Euro zwar für ein Windows-Notebook absurd teuer, für ein Apple-Produkt aber allemal noch „Einsteiger-freundlich“.

Nur: scheiße ist das alles trotzdem. Und ich sage euch, warum.

Mein altes Macbook hat 13 Zoll und ein optisches Laufwerk. Auf die Festplatte passen 256 GB – traditionell, nicht schnell, aber zuverlässig. Ich kann darauf Filme von DVD in sehr guter Bildqualität, prima Größe und mit klarem Ton anschauen. Ich kann stundenlang Artikel schreiben (auch direkt in InDesign-Layouts), ohne dass die Augen schmerzen. Ich kann es mit mir rumschleppen, ohne mir die Schulter auszukugeln. Ich kann damit ein wenig spielen, ein wenig schauen, ein wenig surfen, ein wenig arbeiten (was für mich die Definition von „Einsteiger“ ist). Und ich muss nicht alle zwei Tage Dateien auf eine externe Platte schaufeln, damit das Macbook nicht das Schild „Wegen Überfüllung geschlossen“ raus hängt.

Mein altes Macbook hat 799 Euro gekostet.

Ist das Macbook Air wirklich die akzeptable oder gar überlegene Alternative, die Apple uns freundlicherweise aufzwingt? Vergleichen wir.

Das preiswerteste Macbook Air kostet 1049 Euro. Man könnte argumentieren, dass Einsteiger-Netbooks mit diesem Formfaktor gerade mal 400 Euro kosten, aber bleiben wir mal strikt im Haus mit dem Apfel. Auf dem 11 Zoll-Bildschirm sind doppelseitige LandIdee-Layouts unanguckbar, für spektakuläre Filme ist er auch zu klein. Egal: „Dank“ des fehlenden optischen Laufwerks kann ich sowieso keine Filme anschauen. Und mit mageren 128 GB ist die Festplatte fast voll, sobald ich beide Betriebssysteme (Lion/Windows7), die diversen von Apple ans System geklinkten Programme und meine notwendigen größeren Softwarepakete installiert habe.

Weniger ist eben nicht immer mehr.

Das aktuelle Macbook Air für 1049 Euro ist damit ein Lifestyle-Spielzeug für urbane Hipster, denen ein Netbook zu banal und billig ist und die sich unfähig zeigen, Musik auch anders auf ihr iPhone zu bekommen als über iTunes. Es scheint, als wäre DAS mittlerweile die Definition von „Einsteiger“ in Cupertino.

Will man schlicht nur das machen, was ich mit meinem Macbook bisher mache (und ich dachte immer, neue Modelle sollen FORTSCHRITTE bringen), dann muss man schon für das Privileg, weiterhin auf 13 Zoll zu arbeiten, kräftig drauflegen: 1249 Euro kostet das entsprechende Modell. Mehr Speicher bekommt man dabei nicht – wehe dem, der mehr als 128 GB braucht.

Will man das Macbook Air noch mit den 256 GB Speicher haben, die mein aktuelles Macbook mitbringt, kostet es schon 1549. Und ein unpraktisches externes DVD-Laufwerk macht die 1600 Euro voll.

Ich habe 799 Euro für mein Einsteiger-Macbook bezahlt. Jetzt müsste ich für ein technisch vergleichbares Gerät also 1600 berappen. Das Doppelte. Respekt.

Und nur, um die Maßstäbe zu verdeutlichen: ALDI bietet heute ein Windows-Notebook mit 17 Zoll an, das eine (traditionelle) 750 GB-Festplatte mitbringt. Und ein optisches Laufwerk. Für 499 Euro.

Ich finde es interessant, dass DARÜBER keiner von der versammelten Journaille schreibt. Die sabbern alle nur angesichts des 2880 x 1800-Displays der neuen Macbook Pro-Reihe, die bei schlappen 2279 Euro anfängt. Eine Auflösung übrigens, die bei den meisten dafür nicht angepassten Programmen wenig Sinn macht. Die Bedürfnisse des einfachen Users, der ja traditionell in der Mehrheit sein sollte, scheinen komplett ausgeblendet zu werden, wenn ein Produkt den Apfel auf dem Gehäuse spazieren trägt.

Apple, das hier kommt von eimem User, der sein/dein Macbook mag und den weder Trendiness noch Coolness-Faktor scheren: Leck mich. Ich zahle keinen Lifestyle-Aufschlag von 100 Prozent. Dein Pech, dass du mit dem Macbook vor zwei Jahren noch ein Gerät im Angebot hattest, das qualitativ so hochwertig ist, dass ich es noch sehr lange benutzen kann, ohne mich von dir zu einem albernen Air nötigen zu lassen.



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