Abby ist eine sehr typische Hauskatze mit einem limitierten Satz an Interessen: essen, spielen, entleeren, schmusen, schauen und schlafen. Ser viel Zeit verbringt sie in dieser und vergleichbaren Posen:

Sie hat keinen festen Schlafplatz. Generell ist sie gerne in Sichtweite von uns, etwas erhöht darf es auch sein (Fensterbank, Stuhl, Schrank). Wenn wir uns zur Nacht betten, zieht sie sich meistens auf einen weinroten Sessel in der Diele zurück. In dem fühlt sie sich sicher, weil er eine hohe Rückenlehne hat und gegen die Wand steht. Es kann also nichts „von hinten kommen“.

Letzte Woche erlebte Abby aber ein bisher ungekanntes Abenteuer – wir haben ihr nämlich ein weiches Katzengeschirr gekauft, um zu sehen, ob ein Ausflug in unseren verwilderten Hinterhof ihr Spaß macht. Die Klettsticker „Security“ gingen dabei auf meine Kosten.

Der erste Versuch endete in einem Desaster: kaum hatten wir Abby das Geschirr angelegt, verdrehte sie die Augen, stolperte leicht zur Seite und fiel dann theatralisch um, als bliebe ihr die Luft weg. Britta befreite sie augenblicklich und kuschelte das vermeintlich traumatische Erlebnis weg.

Ein Blick in diverse Erfahrungsberichte mit Katzengeschirr belehrte mich allerdings hinterher, dass ich kein brutaler Tierquäler bin – manche Katzen spielen tatsächlich großes Drama, um das Geschirr wieder los zu werden. Es wurde erzählt, dass die Katzen nur so lange störrisch sind, bis sie im Geschirr tatsächlich was geboten bekommen.

Zweiter Versuch: Abby ist sichtlich nicht begeistert, das Geschirr angelegt zu bekommen, legt sich auf den Boden, zieht und zerrt. Britta will gleich wieder abbrechen. Ich möchte es wenigstens einmal richtig versucht haben. Mit der Katze auf dem Arm gehe ich ins Treppenhaus. Schon hier wird Abby sichtlich ruhiger, denn egal wie doof sie das Geschirr findet, die Neugier über den Ausflug scheint ihre Aufmerksamkeit in Beschlag zu nehmen.

Als wir den Hinterhof betreten und sie den Garten sieht, ist jeder Ärger verflogen – DAS riecht nach weiter Welt, wilder Natur, nach Amseln und Eichhörnchen:

Sie stakst ganz vorsichtig auf der Wiese herum, ins Gebüsch hinein, klettert in Zeitlupe auf überwachsene Findlinge, schaut Hummeln und Krähen nach, die in ihrem Blickfeld fliegen. Sie ist nicht neugierig – sie ist wie hypnotisiert. Ein Miniaturtiger in einem Miniaturdschungel. Als sie auf einen größeren Stein steigt und den Kopf hebt, erinnert sie mich an den „König der Löwen“, der von der Klippe aus über die Savanne schaut.

Ciiiiiirrcle of liiiiiife!!!

Ebenso schnell hat sie nach zehn Minuten auch wieder die Nase voll. Sie trabt zügig auf die Tür zum Treppenhaus zu, zieht an der elastischen Leine, an derem anderen Ende ich dafür sorgen muss, dass Abby nicht stiften geht. Wieder in vier sicheren Wänden, versucht sie sich zu jeder Wohnung Einlass zu verschaffen. Die Tatsache, dass nicht jede Wohnungstür in UNSERE Wohnung führt, ist bis zu ihr noch nicht durchgedrungen. Bis in den zweiten Stock geht das alberne Spiel.

Endlich – wir nehmen ihr das Geschirr ab. Sie schaut sich nach links und rechts um. Alles soweit bekannt. Gemächlich schlendert sie ins Wohnzimmer, springt auf das Fensterbrett, legt sich auf die Kissen. Nach drei Minuten ist sie eingeschlafen.

Genug Abenteuer für die Woche.



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Exverlobter
Exverlobter

Katzen an die Leine? Das gibt’s auch nur in der Großstadt. Gut, ich wohne seit 2004 selber im Moloch, bin aber davor in der tiefsten Provinz aufgewachsen. Und da hatten die Katzen stets alle freien Auslauf.

reptile
reptile

Katzen sind von Natur aus Diven

Moss

Erinnert mich stark an Sams ersten Freigang: am ersten Tag wurde der Balkon (badisches Parterre = Balkon mit ’nem Meter Luft zum Boden) begutachtet, am zweiten nochmal minutiös inspiziert, am dritten Tag begutachtete er mal die Nachbarschaft vom (breiten, gemauerten) Geländer aus, und erst am vierten Tag ging’s mal ’runter in den Garten.

Inzwischen ist er so acht bis zwölf Stunden am Tag in der Nachbarschaft unterwegs und brachte gestern seine erste (vollständig unbeschädigte, lebendige) Maus mit.

Moss

Erinnert mich stark an Sams ersten Freigang: am ersten Tag wurde der Balkon (badisches Parterre = Balkon mit ’nem Meter Luft zum Boden) begutachtet, am zweiten nochmal minutiös inspiziert, am dritten Tag begutachtete er mal die Nachbarschaft vom (breiten, gemauerten) Geländer aus, und erst am vierten Tag ging’s mal ’runter in den Garten.

Inzwischen ist er so acht bis zwölf Stunden am Tag in der Nachbarschaft unterwegs und brachte gestern seine erste (vollständig unbeschädigte, lebendige) Maus mit.

Sam trägt übrigens ein Halsband (ohne Schelle oder derlei Blødsinn) mit Telefonnummer für alle Fälle, theoretisch jedenfalls: er ist groß darin, die Dinger zu verlieren. Bisher so eines pro Woche. Geschirr haben wir (noch) nicht probiert, aber das Halsband war bei ihm genau kein Problem.

Ich hoffe mal, die Löschaktion gerade hat funktioniert, sonst müßt Ihr meinen Schmonz hier doppelt lesen … 😉

Peroy
Peroy

Kommt jetzt jede Woche ein Schwank aus dem Leben der Katze… ?

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

Hoffentlich nicht. Katzen sind Tiere für Hausfrauen. Nen Mann hat wichtigeres zu tun, als mit Katzen „gassi“ zu gehen…

Exverlobter
Exverlobter

@Andrea
Blofeld hatte auch ne Katze. Und das war keine Hausfrau.

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

„Blofeld hatte auch ne Katze. Und das war keine Hausfrau.“

Aber eine Muschi ;D

Stef
Stef

Ich les die Abby-Stories gerne.

Tyler
Tyler

Ich auch. Fand auch die Stories mit der Schildkröte toll.

Dietmar
Dietmar

„Ist das ein Pelz!“ – „Ja, und er muss oft gebürstet werden.“

Michael
Michael

Katzenstories sind okay. hab selber eine, ne Maine Coone, die kleene wäre auch für einige Stories gut, wenn ich denn schreiben könnte. aber ich, kann ja nicht mal Kommata als Mehrzahl von Kommas schreiben, ge, schweige denn sie richtig setzen…