Ich habe in den letzten Tagen einige Artikel gelesen, über die ich mich schwer geärgert habe, gerade weil sie von respektierten Autoritäten kamen, von denen ich etwas mehr Fakt und etwas weniger Fiktion erwarte. Eine besonders ausführliche Replik bereite ich dieser Tage vor, heute fangen wir mal mit einem Beitrag des Deutschlandfunks an, der auf BILDblog heute morgen verlinkt wurde.

Es geht um Presserabatte und die Frage, in wie weit man sich als Journalist damit abhängig, unglaubwürdig oder gar beeinflussbar macht. Zu weiteren Lektüre wäre es dienlich, wenn ihr den Beitrag von Brigitte Baetz mal lesen würdet.

Gelesen? Danke. Weiter im Text.

Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und habe (full disclosure) viele Presserabatte eingestrichen. Billigere Flüge von AirBerlin, 12 Prozent bei meinem Toyota Aygo, zehn Prozent bei der letzten Reise in die Türkei. Habe ich das nötig? Nein. Verlangen die Firmen eine Gegenleistung? Nein. Bin nun geneigt oder auch nur in der Position, in vorauseilendem Gehorsam positiv über die Rabattgeber zu berichten? Nö.

So ist das bei praktisch allen Kollegen, die ich kenne – Presserabatte stehen in keinem direkten oder indirekten Zusammenhang mit konkreter journalistischer Arbeit. Weil sie themenunabhängig gewährt werden und praktisch nie über die Schnittstelle des Journalisten zum Unternehmen, nämlich die Pressestelle, laufen. Die Buchung eines Fluges auf Presserabatt läuft so anonym und unpersönlich wie die über das Reisebüro.

Nun wäre das für den Deutschlandfunk keine gute Geschichte. Es muss ja (wie bei einem guten Drehbuch) Konflikt vorhanden sein. Im Idealfall ein Interessenskonflikt. Also wird der Ex-Bundespräsident bemüht, der hatte sich ja den Skoda rabattieren lassen.

„Eine Form der Vergünstigung, die sich auch viele Journalisten nicht gern entgehen lassen.“

Warum auch? Ach so, deshalb: „Während sich Christian und Bettina Wulff für Neuwagenrabatte und Upgrades bei Air Berlin rechtfertigen mussten, kam eine öffentliche Debatte über Journalistenvergünstigungen nicht so recht in Gang.“

Das soll wohl mit diesem Beitrag nachgeholt werden. Es passt nur nicht. Bei Wulff gab es keinen Journalistenrabatt und es bestand beim Ministerpräsidenten von Niedersachen ein klarer Interessenskonflikt – Skoda ist eine VW-Tochter und VW teilweise in Landesbesitz. Den recherchierenden Journalisten hier Heuchelei unterstellen zu wollen, ist an den Haaren herbei gezogen. Vor allem aber ist es widersprüchlich: würden die Presserabatte von VW die Journalisten an die Leine nehmen, wären die Rabatte für Wulff ja eher unter den Teppich gekehrt worden.

Um es ganz klar zu sagen: Ein Lokaljournalist aus Berlin, der sich einen VW per Presseausweis mit 20 Prozent rabattieren lässt, befindet sich gewöhnlich in keinem Interessenskonflikt. Man mag sich als „Normalbürger“ echauffieren oder wundern, dass er den Rabatt bekommt, aber das ist ein anderes Thema.

Als nächster Kronzeuge für die Schädlichkeit von Presserabatten wird Buchautor Götz Aly angeführt, der sich als Geschädigter sieht: „Da bestellen ganze Redaktionen meine neuesten Bücher mit einer Selbstverständlichkeit zehn Mann hoch. Wohlbestallte Chefredakteure tun das – ich lass‘ mir die Listen schicken – völlig ungeniert. Man weiß genau, die werden niemals ’ne Rezension schreiben. Die wollen einfach nur haben, haben, haben.“

Gemerkt? Der redet gar nicht von Presserabatten. Der redet von Rezensionsexemplaren. Das sind wieder zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Rezensionsexemplare werden an Redakteure und Redaktionen mit dem klaren Ziel verschickt, damit Erwähnung in den Medien zu finden. Das funktioniert oft genug, weil Redakteure, die Produktseiten bestücken, sich daran wirklich fett fressen können: DVDs, Bücher, Digitalkameras, Kleidung, Kosmetik. Alles kostenlos und es wird auch ein Auge zugedrückt, wenn die Redaktion 90 Prozent der bestellten Rezensionsexemplare nie berücksichtigt. Das ist einkalkuliert, das ist Landschaftspflege.

Auch hierüber kann man sich aufregen – aber man kann wahrlich nicht behaupten, es wäre keine Diskussion in Gang gekommen. Seit ich in den 90ern für den Gong gearbeitet habe, wurden die Spielregeln massiv verschärft. Selbst Spiele für Game-Konsolen müssen nach einem klaren Zeitplan wieder zurück gegeben werden, CDs sind numeriert, Pressereisen dürfen die Sender und Produzenten nicht mehr bezahlen, das muss die Redaktion selber übernehmen. War vor 20 Jahren noch so ziemlich jedes gewünschte Produkt nur einen Anruf entfernt (ich kenne Kollegen, die gutes Geld mit dem Weiterverkauf gemacht haben), beißt man heute oft genug auf Granit. Die produzierende Branche hat nichts mehr zu verschenken – von Kleinkram wie Büchern und CDs mal abgesehen. Und auch da wird nachgehakt, ob eine redaktionelle Berichterstattung stattfindet. Sonst fliegt man schnell wieder vom Verteiler.

Natürlich schwankt das. Je größer die Auflage, je prominenter die Redaktion, desto freigiebiger natürlich auch die Partner. Aber es entspricht meiner Erfahrung, dass sich die meisten Kollegen davon nicht kaufen lassen. Ich habe mich auch nie kaufen lassen. Es hat mich ja JEDER bestückt, da konnte gar keiner bevorzugt werden. Oft läuft es umgekehrt: Es kommt nicht in die „Neu im Handel“-Spalte, was der Verleiher dem Redakteur schickt – der Redakteur bestellt, was er selber gerne im Schrank hätte und nimmt es dafür in die Spalte. Das mag man unappetitlich und unseriös finden – es hat aber nichts mit Presserabatten zu tun. Und es ist in den letzten Jahren so massiv zurück gegangen, dass man jetzt nicht die große Empörung raushängen muss.

Schauen wir mal, ob der Deutschlandfunk mit dem nächsten Kronzeugen irgendwelche bestürzenden Fakten zum Thema Presserabatt bringen kann – Dominik Stawski hat über das Thema immerhin seine Diplomarbeit geschrieben:

„Man könnte die Journalisten so als Werbefläche bezeichnen. Man weiß, dass das besonders wichtige Kunden des Konzerns sind. Es sind nämlich nicht nur Kunden, es sind auch Journalisten, die über den Konzern womöglich berichten. Die sind womöglich in ihrer Umgebung besonders glaubwürdige Menschen, das könnte sein, also ein Hersteller, ein Autohersteller hatte mir zum Beispiel geschildert: Er nimmt schon stark an, dass, wenn so ein Autojournalist jetzt das Auto dieser Marke fährt, dass das dann auch in seinem Umfeld eine Wirkung entfaltet, dass dann vielleicht der Nachbar sagt: Wow, guck mal, der fährt den und den Wagen. Das ist ein Autojournalist, der hat Ahnung, wär das nicht was für uns.“

könnte, womöglich, womöglich, könnte, nimmt an, entfaltet Wirkung, vielleicht, wäre das  – wow! Das nenne ich mal eine wasserdichte Argumentation. Presserabatte sind eventuell verwerflich, weil ein Nachbar vielleicht entscheidet, dass er womöglich den Wagen fahren möchte, den er Autojournalist von nebenan vor der Tür stehen hat. Ich bin überzeugt, dass die Unternehmen ihr ganzes Rabattsystem auf genau diese These aufgebaut haben.

Ich bemerke jetzt erstmal nur am Rande, dass hier (impliziert) wieder nicht von Presserabatten die Rede ist – die bekommt jeder Journalist. Es ist wohl die Rede von Testwagen, die spezifisch Autojournalisten zur Verfügung gestellt werden (siehe auch diesen Beitrag). Mag sein, dass ein Nachbar sich davon inspiriert fühlt. Nur: Autojournalisten haben gewöhnlich jeden Monat einen anderen Wagen vor der Tür. Was macht der Nachbar dann?

Und wenn wir mal behaupten, die Wirkung sei nicht auf Autojournalisten beschränkt: Ich habe bei meinem Aygo 12 Prozent bekommen: Darüber hinaus hatte ich (beruflich wie privat) noch nie mit Toyota zu tun. Kaufen meine Nachbarn nun reihenweise Aygos? Die wissen doch gar nicht, dass ich Journalist bin. Würde ich mir auch künftig Toyotas kaufen? Das ist keine Frage des Rabatts, sondern meiner Zufriedenheit mit dem Wagen. Was immer Toyota mit dem Presserabatt beabsichtigt – es schädigt nicht meine Reputation oder Unabhängigkeit als Journalist. Pauschal etwas anderes zu unterstellen, ist unredlich.

Der Beitrag des Deutschlandfunk wird nun immer drolliger – ein weiteres Zitat wird folgendermaßen eingeleitet: „Aber nicht nur Werbung ist das Ziel der Rabattgeber, sagt Dominik Stawski.“

Das Zitat lautet: „Natürlich will man die Journalisten auch aufmerksam machen auf die Marke. Also, wenn man jetzt zum Beispiel an die Flüge denkt, da gibt’s ja verschiedene Reiseveranstalter – Air Berlin hat da ja sehr intensiv in den letzten Jahren Presserabatte gewährt – Air Berlin war dann unter Journalisten irgendwann sehr bekannt. Weil eigentlich fast jeder Journalist wusste, bei Air Berlin kriegt er günstigere Tickets. Das heißt, ein Unternehmen wird so, vielleicht unbewusst, auch sehr bekannt unter den Journalisten, was natürlich nicht schaden kann.“

Das Ziel der Unternehmen ist also nicht nur Werbung – es ist auch Werbung? Sorry, da bin ich irgendwie ausgestiegen. Genau so wenig verstehe ich, was die Bekanntheit einer Marke mit der Beeinflussung von Journalisten zu tun haben soll. Oder mit einem Presserabatt. Aber vielleicht habe ich auch nur 20 Jahre lang die Augen zugemacht.

Und wenn wir eh schon im Kreis argumentieren, können wir uns gleich auf die Gegenfahrbahn begeben. Zur Abschaffung der Rabatte bei AirBerlin: „Eine werbewirksame Öffentlichkeitsstrategie – oder die Erkenntnis, dass die jahrelange Rabattgewährung an Journalisten mehr Aufwand als Erfolg brachte?“

Nun ist das Problem also nicht mehr, dass Journalist verführt oder manipuliert werden – sondern dass es vermutlich nicht funktioniert?!

Die Autorin des Beitrags möchte immer noch die ganze große Moralkeule schwingen: „Doch was ist mit der Selbstzensur aufgrund wirtschaftlicher Vorteilsnahme? Sind sich Journalisten des Spagats bewusst, den sie vollführen, wenn sie einerseits Vergünstigungen nutzen, andererseits aber kritisch berichten sollen?“

Interessante Fragen. Werden nur leider hier nicht beantwortet. Es wird ihnen nicht mal nachgegangen. Nicht ein einziger Fall wird berichtet, in dem ein Journalist über ein Thema berichtet hat, dem er irgendwie verpflichtet war. Kein Beispiel für einen Presserabatt, der auch nur indirekt die Berichterstattung beeinflusst hätte. Es wird die Behauptung aufgestellt, dass es so sein müsse – Beweise sind augenscheinlich unnötig, weil diese „Journalisten sind auch nicht besser als Politiker“-Nummer ja auf fruchtbaren Boden fällt. Man hat gesät, man kann ernten.

Ich möchte diese Gegenrede nicht ausufern lassen, zumal der ganze Beitrag eine erstaunliche Wende nimmt: Plötzlich ist von den Verlagen die Rede, die Spielregeln aufstellen, von Journalisten, die sich nicht kaufen lassen, von sinkenden Budgets, die zumindest einen fairen Umgang mit Partnern angemessen und notwendig erscheinen lassen. Das alles widerspricht dem Titel des Beitrags, so wie ich ihn verstanden habe: „Kritisch oder käuflich? Journalistenrabatte auf dem Prüfstand“.

Nach der vielen Recherche, den vielen Gesprächspartnern, den ausführlichen Anekdoten – ist letztlich doch alles nicht so schlimm? Muss Autorin Brigitte Baetz eingestehen, dass die Diskussion über Presserabatte unnötig, weil marginal und längst im Gange ist? Warum ende Sie dann auf diesem Zitat des DJV-Sprecher Hendrik Zörner?

„…auf lange Sicht tut sich der einzelne Journalist eher einen Gefallen damit, wenn er auf die Rabatte vollständig verzichtet.“

Warum? Es wurde nicht ein Beispiel erbracht, nicht ein Beweis, nicht mal eine logische Argumentationskette, die zum Umdenken einlädt.

Ich will die Kollegen oder gar die ganze Branche nicht von Schuld frei sprechen. Es gibt genug „parasitäre Lebensformen“ in den Redaktionen, die alles mitnehmen, was sie kriegen können und dabei keinerlei Scham empfinden. Die durchaus Seiten mit dem bestücken, was ihnen bequem hinten rein geschoben wird. PR-Texte abschreiben, Beleg-CDs verschenken, auf Ebay mit den Büchern der letzten Woche Geld machen – so geläufig wie indiskutabel. Ich habe Kolleginnen erlebt, die bei Presseterminen mit beiden Händen als Snack bereit gestellte Schokoriegel in ihre Handtaschen geschaufelt haben.

Aber das hat mit Presserabatten nichts zu tun und beschränkt sich meistens auf eine bestimmte Art von Redaktion, auf eine bestimmte Art von Redakteur.

Ich habe Presserabatte genutzt und fühle mich trotzdem unabhängig. Entscheidet man sich morgen, das System ad acta zu legen, werde ich nur mit den Schultern zucken. Dann ist das halt so. Aber der gesamten Journaille mit hanebüchen zusammen gerührten Behauptungen über Presserabatte, Belegexemplare und PR-Geschenken korrupte Tendenzen unterstellen zu wollen, finde ich armselig und populistisch. Und es passt wunderbar zu einem öffentlich-rechtlichen Radiosender, der sein Geld ja nicht von Werbepartnern bekommt, sondern beim Bürger direkt eintreiben lässt – obwohl er zugeben muss, dass er bei den Presserabatten selbst inkonsequent handelt.

Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich überlegen, wie er mit Presserabatten und gesponserten Reisen künftig umgehe, sagt der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber: „Es gibt in einzelnen Häusern Überlegungen, aber eine einheitliche Linie gibt es nicht.“

Und genau darum bitte ich Frau Baetz jetzt mal um Transparenz, die doch so wertvoll und wichtig ist: Haben Sie selbst schon einmal Presserabatte in Anspruch genommen? Haben Sie sich Reisen sponsorn lassen? Behalten Sie Belegexemplare, die Sie für Ihre redaktionelle Arbeit bekommen? Fühlen Sie sich davon in ihrer Arbeit beeinflusst? Wenn ja – wie stehen Sie dazu?



Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
muellermanfred
muellermanfred

Viele Buchstaben, aber keine Antwort auf die interessante Frage: Sind Presserabatte sinnvoll?

Ich meine, sinnvoll nicht für die Nutznießer oder die Hersteller, sondern für die Allgemeinheit? Was habe ich davon, wenn ein Unternehmen Presserabatte gewährt? Nichts, außer, daß Waren und Dienstleistungen für mich dadurch teurer werden.

Da kann man mir hundertmal versichern, man lasse sich nicht kaufen. Warum soll ich mehr für meinen Aygo bezahlen, nur, weil ein Hans mit Presseausweis seine liebgewonnenen Pfründe nicht aufgeben mag?

Da stimme ich dem Autor zu: Schulterzucken und weg damit.

Wortvogel
Wortvogel

@ muellermanfred: Der Journalist ist nicht im Staatsdienst. Was du davon hast, wenn es Presserabatte gibt? Nichts. Was habe ich davon, wenn deine Frau dir einen Kasten Bier zum Geburtstag schenkt? Auch nichts. Das ist in meinen Augen nicht der richtige Maßstab.

Ich habe keine Antwort geben wollen, im Gegenteil: Ich wollte darauf hinweisen, dass diejenigen, die eine Antwort zu haben scheinen, auch nur mit leerer Luft argumentieren.

Es gibt keine spezifische Rechtfertigung für Presserabatte – wie für so vieles auf der Welt. Man könnte sie abschaffen. Wie so vieles andere. Ein Gewicht hat die Frage nur, wenn man unterstellt, mit den Rabatten sei ein sinistres Ziel verbunden. Und das sehe ich hier nicht belegt.

Warum musst du MEHR für deinen Aygo bezahlen, weil es einen Presserabatt gibt? Behauptest du ernstlich, der Wagen sei wegen des Presserabatts für Normalbürger teurer?

Marcel
Marcel

Sehe ich ähnlich wie Manfred. Auch wenn ich dem Wortvogel (oder prinzipiell jedem Journalisten) erstmal keine Käuflichkeit unterstelle, bleibt dennoch immer ein Geschmäckle. Irgendeinen Ursprung müssen Presserabatte ja haben und ich bin mir sicher, dass es sich dabei nicht um Altruismus handelt.

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcel: „Irgendeinen Ursprung müssen Presserabatte ja haben“ – und ich stelle jedem frei, diesen aufzudecken. Was hier nicht getan wurde. „Geschmäckle“ ist ein sehr denunziatorischer Begriff, denn er wertet, ohne begründen zu wollen. Der gehört für mich in eine Kiste mit übler Nachrede und Rufschädigung.

Ich weise noch mal darauf hin, dass ich kein Problem damit habe, wenn Presserabatte abgeschafft werden. Um diese Diskussion geht es nicht, da habt ihr mich auf eurer Seit. Dass diese Rabatte aber schädlich und korrumpierend wirken, ist bisher nicht mehr als Legende.

aCks
aCks

„Bei Wulff gab es keinen Journalistenrabatt und es bestand beim Ministerpräsidenten von Niedersachen ein klarer Interessenskonflikt – Skoda ist eine VW-Tochter und VW teilweise in Landesbesitz.“

So weit ich weiß gibt es in Niedersachsen für alle Landtagsabgeordneten aller Parteien diese Rabatte. Wenn es auch keinen Journalistenrabatt gab so doch wenigstens einen Politikerrabatt. Und wenn die Argumentation bei Journalisten gilt: „Die Journalistin des Radiobeispiels, zeigt keinen einzigen Fall, bei dem sich ein Journalist hat kaufen lassen.“, so gilt das beim Herrn Wulff doch genau so.

Mag ja sein, dass hier nicht unbedingt journalistisch aufs sauberste gearbeitet wurde. Aber daran haben wir uns bei politischen Skandalen und die sie begleitenden „journalistischen“ Kampagnen doch eh alle gewöhnt. Warum sollte eine Journalistin beim Journalistenbashing anders verfahren als beim sonst üblichen Politikerbashing?

Peter Krause
Peter Krause

Vorher sollten wir aber mal die Rabatte betrachten, die gewisse Fast-Food-Ketten Polizisten gewähren. Da geht es schließlich direkt um unsere Sicherheit!Einself!

Wortvogel
Wortvogel

@ aCks: „Warum sollte eine Journalistin beim Journalistenbashing anders verfahren als beim sonst üblichen Politikerbashing?“ – warum sollte das unwidersprochen bleiben?

Politiker arbeiten für das Volk, Journalisten für Firmen. Das ist ein elementarer Unterschied hinsichtlich der Frage, wem sie verpflichtet sind.

Wortvogel
Wortvogel

@ Peter Krause: Die Rabatte gibt es auch für Taxifahrer!

OnkelFilmi
OnkelFilmi

In anderen Branchen/Bereichen gibt’s auch Rabatte. Beamte kriegen günstigere Versicherungen, Polizisten Rabatte beim Autokauf, etc etc…

Und Studenten bekommen auch Rabatte (bei Computern, Software…)

Alles schädlich und korrumpierend!!! :p

Marcel
Marcel

Mag sein, dass „Geschmäckle“ ungerechtfertigte Vorwürfe impliziert, aber das ist nunmal was sich Otto-Normalbürger dabei denkt. Was erhebt derart Journalisten über den Rest, dass diese Vergünstigungen bekommen?

Bei einzelnen Angeboten (Bahn, Flüge) kann man es mit gutem Willen noch dadurch begründen, dass dadurch unabhängiger Journalismus unterstützt wird, weil der Journalist für Reportagen auf Reisen angewiesen ist.

Beim Rest bleibt tatsächlich nur der Gedanke, dass sich die Anbieter dadurch Vorteile in der Berichterstattung versprechen. Um es neutral zu formulieren: Wenn ich Journalisten möglichst einfachen Zugriff auf mein Produkt ermögliche, erhöhe ich meine Chancen auf mediale Erwähnung. Nur weil es mehrheitlich nicht funktioniert, kann man diese Hintergedanken auch nicht verleugnen.

Allerdings finde ich die Begründung von airberlin wegen der Wulff-Affäre die Presserabatte zu streichen auch recht heuchlerisch. „War ham’s auch nicht mehr so dicke“ wäre wohl ehrlicher gewesen.

(Disclosure: Ich habe auch schon von Presserabatten profitiert)

Paddy-o
Paddy-o

Ich denke wenn Nicht-Journalisten gegen solche Rabatte wettern, liegt es v.a. an der empfundenen Willkür mit der diese vergeben werden.

Wenn pauschal einfach Autos/Flüge/sonstwas für eine ganze Berufsgruppe verbilligt werden, für mich aber nicht, ist das schon ‚unfair‘ genug – wenn es dafür aber nicht mal einen offensichtlichen (oder zumindest befriedigenden) Grund gibt, redet man sich die ganze Geschichte (und die Beteiligten) als betroffener Aussenseiter eben recht schnell schlecht. So sind die Menschen/Deutschen halt.

Wenn man dann in so einem Beitrag allerhand Dinge zusammen wirft, die so nichts miteinander zu tun haben, das ganze aber noch unhaltbarer erscheinen lassen, ist das eben nicht gerade hilfreich.

Meiner Meinung nach sind solche Rabatte einfach Teil der von dir erwähnten „Landschaftspflege“. Man gibt Vergünstigungen und hofft, dass das ‚in irgendeiner Form‘ positive Auswirkungen hat.
Und die wird es durchaus geben, selbst wenn z.B. du jetzt nicht bei jeder Gelegenheit betonen wirst, was für tolle Autos Toyota doch baut 😉

aCks
aCks

@ Wortvogel („Politiker arbeiten für das Volk, Journalisten für Firmen. Das ist ein elementarer Unterschied hinsichtlich der Frage, wem sie verpflichtet sind.“):

Ich dachte die freie Presse wäre der Wahrheit verpflichtet. Immerhin sieht sie sich ja selber als vierte Gewalt im Staate, die den Oberaufseher spielt und dabei selbst nur unzreichend beaufsichtigt wird.

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcel: „Was erhebt derart Journalisten über den Rest, dass diese Vergünstigungen bekommen?“ – gar nichts. Das ist wie bei Rentnern, Studenten, Behinderten und Familien, die Rabatte bekommen. Ich kann jederzeit argumentieren, dass der Wagen bei meiner freiberuflichen journalistischen Arbeit notwendig ist.

„Mag sein, dass “Geschmäckle” ungerechtfertigte Vorwürfe impliziert, aber das ist nunmal was sich Otto-Normalbürger dabei denkt.“ – musst DU deshalb so denken? Wenn du es doch weißt, solltest du dann nicht vorsichtiger mit dem Begriff hantieren?

@ aCks: „Ich dachte die freie Presse wäre der Wahrheit verpflichtet.“ – die Wahrheit zahlt keine Miete. Der Verlag tut das. Die Verpflichtung ist nicht ausschließlich. Der Politiker aber wird gewählt und vom Volke bezahlt, dem er zu dienen hat.

DC
DC

Ansich logisch, dass mit diesem Artikel die Diskussion über die Berechtigung solcher Rabatte losgetreten wird, auch wenn das nicht die urspüngliche Fragestellung war….
Warum ist es für Autoversicherungen von Belang, ob man als Lehrer oder öffentlicher Angestellter arbeitet?
Warum gibt es Rabatte für Behinderte, z.B. Freifahrten bei Verkehrsverbünde? Und bevor ich hier der Diskriminierung beschuldigt werde: mir geht es genau ums Gegenteil. Diese Gelder sollten m. E. in Maßnahmen für eine echte Gleichstellung/Gleichberechtigung gesteckt werden und nicht in „Trostpreise“.
Entsprechend lassen sich doch Presserabatte sicherlich auch sinnvoller (für die Allgemeinheit) nutzen.
Ich weiß schon… nicht das Thema hier, musste ich aber trotzdem loswerden. 😉

Sven
Sven

Das Problem ist doch, dass es überall und branchenübergreifend Rabatte gibt.
Die Journallie und Studenten wurden genannt, dazu kommen aber auch verschiedenste Großunternehmen!
Als Angestellter der xx Bank bekommt man 20% bei Amazon etc…

Interessanter finde ich einfach nur die Frage warum Presserabatte sein müssen, wenn doch die Ausgaben oft genug absetzbar sind…

Natürlich ist der Artikel einseitig und stellenweise extrem populistisch ( Neidanheizer ), aber die Leitfrage ist richtig( auch wenn leider unbeantwortet )

Persönlich geht mir allerdings das Gehabe einiger Kollegen extrem auf die Nerven, zum Beispiel bei den Abend PVs, wenn ein Getränk im Saal getrunken und vier Getränke in die Tasche wandern…
Alles Einzelfälle, doch belegen diese mMn sehr gut das selbstverständliche Nehmerverhalten einiger Kollegen

aCks
aCks

@Wortvogel: Auch bei einem Politiker gilt diese Einschränkung. Auch er ist nicht ausschließlich dem Wähler gegenüber verpflichtet: Laut Grundgesetz ist er nur seinem Gewissen gegenüber verpflichtet, laut Realität hat er auch seiner Partei oder Fraktion gegenüber seine Pflicht zu erfüllen.

Little Feller
Little Feller

„Alles kostenlos und es wird auch ein Auge zugedrückt, wenn die Redaktion 90 Prozent der bestellten Belegexemplare nie berücksichtigt. Das ist einkalkuliert, das ist Landschaftspflege.“

Ich hab 0 mit Journalismus oder ähnlichem zu tun, aber vielleicht ist der Rabatt ähnlich einkalkuliert wie bei den Belegexemplaren und die Industrie hofft das vielleicht doch einer positiver über irgendwas schreibt (sehr an den Haaren, ich weiß).
Ich denke aber das der Anteil zu gering ist, als das sich das lohnen würde.
Was wieder die Frage aufwirft, was sich die Industrie davon erhofft, was ich auch ehrlich gesagt interessanter finde als die eigentliche Fragestellung.
Aber zu den Studentenrabatten:
Ich weiss es gibt auch viele Studenten die keinerlei Geldprobleme, dank elterlichen Support, haben.
Ich und viele andere hatten es aber nicht so dicke, so das ein bissl sparen schon nicht schlecht war.

faby
faby

Hab‘ ich da was falsch im Kopf, oder verwechselst du Belegexemplar und Rezensionsexemplar? Ist das Belegexempar denn nicht von dem Medium an den Autor / Verlag zu schicken, in dem die Rezension des dafür zur Verfügung gestellten Buches / sonstwas enthalten ist / sein sollte?

CS
CS

Das ganze ist ein ökonomisches Thema und daher sollte es auch Ökonomisch betrachtet werden und zwar unter dem Stichwort Externe Effekte.

Journalisten erbringen Leistungen, für die sie (oder ihr Arbeitgeber) nicht vollständig bezahlt werden. Wenn der Journalist eine Umweltsauerei aufdeckt, und diese deswegen beseitigt wird, entsteht ein Nettonutzen für die Gesellschaft.
Seine Bezahlung für diese Leistung erfolgt in Form von mehr verkauften Exemplaren der Zeitung und ist nur ein Teil des Nutzens. Solange Bezahlung < Nutzen der Gesellschaft ist die Menge an Journalismus kleiner als die optimale Menge an Nutzen. (Vergleich, wenn man nur 80% seines Gehaltes bekommt und der Rest an die Gemeinschaft geht, geht man weniger arbeiten, als wenn man 100% bekommt)
Um die Menge an erbrachten Journalistischen Leistungen zu steigern und sie an das gesellschaftliche Optimum heranzubringen müssen Journalisten besser bezahlt werden, Presserabatte sind eine Form der Subvention des Journalismus die geeignet ist dies zu erreichen.

Die wirkliche spannenden Frage ist, warum dies ohne Staat funktioniert, anscheinend gibt es einen Bedarf an Journalismus von Seiten der Industrie.

TL:DR Journalisten bekommen zuwenig Bezahlung für ihre gesellschaftlich wichtige Aufgabe über ihren Job, daher ist eine gesellschaftliche Subvention eine wohlfahrtssteigernde Maßnahme.

DC
DC

@cs:
Entschuldige bitte, aber wie begründest du dann bitte fehlende Rabatte für unterbezahlte Krankenschwestern, Erzieher,…., die täglich hohen gesellschaftlichen Nutzen erwirtschaften?
Möge ich deinen Kommentar hoffentlich zu Recht eher ironisch verstanden haben. 😉

Wortvogel
Wortvogel

@ Faby: Klar, natürlich Rezensionsexemplare. Das kommt davon, wenn man zu viel zu schnell schreibt. Und bei der „LandIdee“ muss ich mehr um Belegexemplare kümmern, da ist das falsch verdrahtet gewesen. Wird korrigiert.

CS
CS

@DC, die Frage war, ob etwas sein sollte, und ich habe erklärt warum es einen vernünftigen Grund dafür gibt Journalisten diese Rabatte zu gewären.
Die Argumentation ist 1:1 auf Krankenschwestern und andere aus gesamtwirschaftlicher Sicht deutlich unterbezahlten Berufe zu übertragen. Die sind zu schlecht bezahlt und es würde der Volkswirtschaft gut tun, dies zu ändern.

Auf eine Erklärung warum dies nicht passiert, möchte ich dich an einen regierenden Politiker deiner Wahl verweisen, der kann dir das bestimmt erklären. (gut der letzte Halbsatz, das war Ironie)

Marcel
Marcel

@Wortvogel: „Das ist wie bei Rentnern, Studenten, Behinderten und Familien, die Rabatte bekommen. Ich kann jederzeit argumentieren, dass der Wagen bei meiner freiberuflichen journalistischen Arbeit notwendig ist.“ – Bei Rentnern, Studenten, Behinderten und Familien kann man mit sozialen Gründen argumentieren, die sich mir bei Journalisten nicht erschließen. Ich möchte tatsächlich niemanden etwas unterstellen, aber wie und warum Presserabatte entstanden sind, würde mich wirklich sehr interessieren. Der in meinen Augen naheliegendende Grund ist leider ein zynischer.

Ingo Warnke>
Ingo Warnke>

> Es geht um Presserabatte und die Frage, in wie weit man sich als
> Journalist damit abhängig, unglaubwürdig oder gar beeinflussbar
> macht.

> Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und habe (full disclosure)
> viele Presserabatte eingestrichen. Billigere Flüge von AirBerlin, 12
> Prozent bei meinem Toyota Aygo, zehn Prozent bei der letzten Reise
> in die Türkei. Habe ich das nötig? Nein. Verlangen die Firmen eine
> Gegenleistung? Nein. Bin nun geneigt oder auch nur in der Position, in > vorauseilendem Gehorsam positiv über die Rabattgeber zu berichten? > Nö.

Ah ja.

Ingo Warnke
Ingo Warnke

> Es geht um Presserabatte und die Frage, in wie weit man sich als
> Journalist damit abhängig, unglaubwürdig oder gar beeinflussbar
> macht.

> Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und habe (full disclosure)
> viele Presserabatte eingestrichen. Billigere Flüge von AirBerlin, 12
> Prozent bei meinem Toyota Aygo, zehn Prozent bei der letzten Reise
> in die Türkei. Habe ich das nötig? Nein. Verlangen die Firmen eine
> Gegenleistung? Nein. Bin nun geneigt oder auch nur in der Position, in > vorauseilendem Gehorsam positiv über die Rabattgeber zu berichten? > Nö.

Ah ja. Man nimmt die Vorzüge an (würde ich wohl auch machen), aber ist *natürlich* und unter keinen Umständen beeinflussbar. Das ist wie mit der Werbung, die man sieht aber einen nicht beeinflusst.

Es ist natürlich richtig, dass Du aufzeigst, was am Artikel falsch ist (wo die Presserabatte mit anderen Vergünstigungen vermengt werden). Andererseits beantwortest Du „Cui bono?“ auch nicht. Das es die Unternehmen machen, um (bewusst oder unbewusst) die Journalisten positiv zu stimmen, scheint mir eine sehr vernünftige Arbeitshypothese zu sein.

Ob das stimmt und ob es funktioniert, ist eine andere Sache. Ob man das als „Betroffener“ selber erkennt und einschätzen kann, nochmal eine andere. Wie es auf einen ganzen Berufsstand wirkt, ist noch unklarer.

Wie es im Artikel in der Einleitung so schön heist: „Wir Journalisten haben ein entscheidendes Kriterium für uns: Das ist unsere Unabhängigkeit und es ist unsere Glaubwürdigkeit. Und die darf durch nichts erschüttert werden.“

> Warum musst du MEHR für deinen Aygo bezahlen, weil es einen
> Presserabatt gibt? Behauptest du ernstlich, der Wagen sei
> wegen des Presserabatts für Normalbürger teurer?

Ist er für Journalisten billiger herzustellen? Nein, dann wird die Differenz wohl irgendwo verbucht werden, vermutlich unter Marketingkosten. Die muss irgendwer bezahlen, und es sind nicht die Jorunalisten und vermutlich auch nicht die Aktionäre, sondern (ein kleines bisschen) jeder andere.

Andrea Bianchi
Andrea Bianchi

„Ah ja. Man nimmt die Vorzüge an (würde ich wohl auch machen), aber ist *natürlich* und unter keinen Umständen beeinflussbar. Das ist wie mit der Werbung, die man sieht aber einen nicht beeinflusst.“

Korrekt. Das passiert subtil. Aber ein jeder denkt von sich natürlich dagegen resistent zu sein. Das ist menschlich.

„Ist er für Journalisten billiger herzustellen? Nein, dann wird die Differenz wohl irgendwo verbucht werden, vermutlich unter Marketingkosten. Die muss irgendwer bezahlen, und es sind nicht die Jorunalisten und vermutlich auch nicht die Aktionäre, sondern (ein kleines bisschen) jeder andere.“

Ebenfalls korrekt. Irgendwer muss blechen. Das ist doch klar!?

ColonelHeinz
ColonelHeinz

„Selbst Spiele für Game-Konsolen müssen nach einem klaren Zeitplan wieder zurück gegeben werden“
Also das ist mir bisher nicht passiert. Mein Schrank würde vor Spielen schon platzen, wenn ich nicht regelmäßig welche verkaufen müsste, um mir mein Studium leisten zu können…

Ben
Ben

Was Rezensionsexemplare anbelangt: Wenn Künstler und die Gesellschaft eine große Meinungsvielfalt haben wollen, dann geht es nicht ohne solche Freiexemplare. Ich kenne genug Redaktionen, die gute Qualität schaffen aber so geringe Einnahmen haben, dass sie auf umsonst zugeschickte Bücher/CDs/DVDs angewiesen sind. Stürzt man dieses System, monopolisiert man die Meinungsbildung im kulturellen Sektor in den Händen der „big player“, die massenkompatible Meinungen schreiben. Wirkliche Kritik ist dann nicht mehr möglich. Und nein, ich schreibe keinen Film gut, nur weil mir der Verleih den Film umsonst zeigt, ’ne Cola und ein Popcorn springen lässt. Ich finde auch keine Bücher toll, nur weil sie für lau auf meinem Schreibtisch landen.

Davon ab gibt es ja tatsächlich immer mehr Verleiher, die Rezensions-DVDs nur ausleihen – oder Screener mit fetten Wasserzeichen schicken.

Montana
Montana

Echt? Der Wortvogel bekommt 12% auf seinen Toyota, nur weil er mit dem Journalistenausweis wedelt? Sauerei! Jede Putzfrau mit Verhandlungsgeschick kriegt schließlich mehr…

Wer das bezahlt? Tja, irgendeinen Grund wird es schon geben, dass derselbe Händler, der dem Käufer eben noch generös 10,15% auf den Listenpreis geradezu aufdrängte – inkl. Finanzierungskonditionen, bei denen der griechische Finanzminister Priapismus bekäme – später ohne rot zu werden bei den Inspektionen in der angeschlossenen Vertragswerkstatt 25 Euro für den Liter Öl aufruft. Zzgl. Arbeitskosten selbstverständlich.

Nobby
Nobby

Cui bono? Journalisten sind Multiplikatoren. Wenn nur einer von zehn Journalisten aufgrund der Nutzung des Presserabatts eine wohlwollende Rezension verfasst, sind die Kosten wieder drin. Dieser eine Delinquent setzt dabei die Reputation seines ganzen Berufsstands auf’s Spiel.

Ob der Deutschlandfunk jetzt nun die falschen „Kronzeugen“ zitiert oder einen Beitrag nicht zu Ende recherchiert, ist mir dabei herzlich egal. Das Thema gehört in die öffentliche Debatte, allein schon um Bewusstsein zu schaffen. Wir reden hier vielleicht nicht von Korruption, aber mindestens von einem „Graubereich journalistischer Ethik“ (lt. Transparency International).

Spandauer
Spandauer

Könnte man nicht auch schreiben:
Politikerrabatt ≠ Bestechung ?

Gelten nicht alle angeführten Gründe auch oder gerade für Politiker?
@CS auch der „Nutzen der Gesellschaft“?

Zitat Wortvogel“Was immer Toyota mit dem Presserabatt beabsichtigt – es schädigt nicht meine Reputation oder Unabhängigkeit als Journalist. Pauschal etwas anderes zu unterstellen, ist unredlich.“

oder anders (nur weniges ersetzt): „Was immer Firma XYZ mit dem Politikerrabatt beabsichtigt – es schädigt nicht meine Reputation oder Unabhängigkeit als Politiker. Pauschal etwas anderes zu unterstellen, ist unredlich.“

Hätte sich ein früher Bundespräsident so verteidigen können? Ich denke nein.
Haben wir also höhere oder andere Ansprüche an Politiker?
Wahrscheinlich ja, aber die „vierte Gewalt“ sieht sich selber sehr oft auf einem hohen moralischen Ross (vgl. Bettina Schausten die sogar Ihren Freunden Geld für die Übernachtung bezahlen will).

Wortvogel
Wortvogel

@ Ingo: Abgesehen davon, dass du auch nur die Behauptung der Beeinflussbarkeit wiederholst, ohne sie zu belegen (was ich ja dem Radiobeitrag vorwerfe), liegst du mit dem Aygo total daneben. Die Gewinnmargen von (je nach Hersteller und Modell) 30-35 Prozent erlauben lässig den Rabatt, ohne dafür die anderen Fahrzeuge verteuern zu müssen. Den Schuh braucht sich kein Journalist anzuziehen.

Es bleibt dabei: Die These „Die würden das nicht machen, wenn das nichts bringt“ ist charmant und populistisch, aber unbewiesen.

@ Colonel Heinz: Das allerdings wäre verboten.

@ Ben: Niemand sagt etwas gegen Rezensionsexemplare – es geht in meiner Replik um deren massiven Missbrauch.

@ Nobby: Mich amüsieren deine Maßstäbe. Wenn auch nur ein Journalist wegen der Rabatte wohlwollend (nicht mal falsch) berichtet heißt es „Dieser eine Delinquent setzt dabei die Reputation seines ganzen Berufsstands auf’s Spiel“. Diese Reputation scheint aber bei bewusst irreführenden und mies recherchierten Artikeln kein Problem zu sein: „Ob der Deutschlandfunk jetzt nun die falschen “Kronzeugen” zitiert oder einen Beitrag nicht zu Ende recherchiert, ist mir dabei herzlich egal“. Schön, wenn die Empörung über journalistische Standards so fallbezogen ist.

@ Spandauer: Ich habe es oben in den Kommentaren schon erklärt – Politiker werden vom Volk gewählt, bezahlt und sind ihm verpflichtet. Journalisten nicht. Darum kann man Politikerrabatte und Journalistenrabatte nicht vergleichen.

Es bleibt dabei: Eine Autorin, die Presserabatte in Frage stellt (und Politikern vorwirft, eigene Rabatte nicht transparent zu machen), hätte zum Beginn des Beitrages erst mal einen Disclaimer über ihren eigenen Umgang mit Rabatten setzen müssen.

Lembke
Lembke

Dass es funktioniert, sieht man ja schon an der mehrfachen Erwähnung von Fluggesellschaft und Wagenhersteller. So dürfte das m.E. auch beabsichtigt sein.

Wortvogel
Wortvogel

@ Lembke: Das nennt man „full disclosure“.

Christoph
Christoph

Zumindest für Toyota hat sich der Rabatt schon gelohnt, so oft wie die Marke hier schon erwähnt wurde.

The Roach
The Roach

Als ebenfalls betroffener (Klein-)Journalist möchte ich hierzu etwas anmerken.

Mein Blog bespricht Spiele – Brett-, Karten- und Rollenspiele. Das ist rein hobbymäßig, und ich bespreche i.d.R. das, wovon ich Rezensionsexemplare ‚reinbekomme. Ja, das führt dazu, dass die Verlage, die eine Politik von ‚Rezensionsexemplare erst ab einer Größe von X‘ fahren, bei mir keine Rezensionen erhalten. Das sind allerdings idR die größeren Verlage, die sowieso schon bekannt sind.

Was ich mit den Rezensionsexemplaren mache, ist mit überlassen. Auch, ob die Rezension gut oder schlecht wird, ist mir überlassen (und ja, ich habe auch schon echte Verrisse geschrieben – ohne dass der Verlag mich dafür abgestraft hätte). Aber: wenn ich _keine_ Rezension schreibe, dann komme ich schnell auf die schwarzen Listen. Ich kann es mir also sowieso nicht leisten, nur wegen des ‚Haben wollen‘ Rezensionsexemplare anzufragen.

Und ähnliches gilt in noch größerem Maße für Buchmaterial, das mir als PDF zugesandt wird. Ohne Rezension kommt die schwarze Liste. Und: Wenn ich da eine PDF in ein P2P-Netzwerk einstellen würde (was ich nicht tue), wäre ich schneller ‚raus aus dem Circuit als man ‚Urheberrechtsverletzung‘ sagen kann…

Ohne Rezensionsexemplare könnte ich allerdings nur alle zwei, drei Monate ‚mal etwas rezensieren, und da hätte wohl niemand etwas von – weder der Leser, noch der Verlag, noch das Blog. Ich war aber immer offen über die Quellen – und wie soll man eine Rezension am Erstverkaufstag veröffentlichen, wenn man das Perodukt erst an dem Tag kaufen kann und noch testen muss?

stefk76@gPeter Shaw
stefk76@gPeter Shaw

Kein Unternehmen gewährt Rabatt auf seine Produkte ohne etwas damit zu bezwecken. Bei der Telekom werden Journalisten nicht als Gold-, oder Platinkunde geführt, sondern als „Meinungsmacher“. Meinungsmacher sind bei der Telekom noch höher eingestuft als Platinkunden. Dies erfolgt sicher nicht weil die Telekom so sozial eingestellt ist.

Wortvogel
Wortvogel

@ stefk76@gPeter Shaw: Ich wiederhole mich gerne:

„Die These “Die würden das nicht machen, wenn das nichts bringt” ist charmant und populistisch, aber unbewiesen.“

stefk76@gPeter Shaw
stefk76@gPeter Shaw

@Wortvogel
Natürlich ist es unbewiesen. Aber ein Unternehmen agiert immer mit einem Ziel.

Wie gesagt, ein Unternehmen hat nichts zu verschenken ansonsten könnten besagte Unternehmen den Rabatt auch an Mitarbeiter von Entsorgungsbetrieben, Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer geben.
Allerdings fehlt diesen Menschen die Möglichkeit zur Meinungsmache

Alexander
Alexander

Wortvogel schreibt: … liegst du mit dem Aygo total daneben. Die Gewinnmargen von (je nach Hersteller und Modell) 30-35 Prozent erlauben lässig den Rabatt, ohne dafür die anderen Fahrzeuge verteuern zu müssen. Den Schuh braucht sich kein Journalist anzuziehen.

Doch, der Schuh passt sehr wohl. Man merkt, dass der Wortvogel keine Ahnung von Betriebswirtschaft hat. Das Unternehmen T peilt zB. eine Marge von 35% an, um all das Geld für Marketing, Vertriebsnetz, Servicekosten, Neuinvestitionen, Dividenden, usw. zu erwirtschaften. Das ganze in einer Mischkalkulation. Wenn es nun für die Käufergruppe J einen hohen Rabatt auf den Listenpreis gibt, müssen andere mehr zahlen, damit die mittlere Marge wieder stimmt. Oder anders formuliert: ohne J-Rabatte könnte der Listenpreis niedriger liegen, oder der Rabatt für die alleinerziehende Krankenschwester höher sein.

Lars
Lars

Die meisten Mensch (zumindest in meinem Umfeld) sind davon überzeugt, dass Werbung keinerlei Einfluss auf ihr Konsumverhalten hat. Unzählige Untersuchungen, Firmenstatistiken und letztlich die jährlichen Werbeausgaben in Deutschland von 30 Milliarden Euro widerlegen diese subjektive Einschätzung. Ist es nicht möglich, dass auch die Wirkung der Presserabatte als Werbemittel von den Beworbenen falsch bewertet wird?

Nobby
Nobby

@ Nobby: Mich amüsieren deine Maßstäbe. Wenn auch nur ein Journalist wegen der Rabatte wohlwollend (nicht mal falsch) berichtet heißt es “Dieser eine Delinquent setzt dabei die Reputation seines ganzen Berufsstands auf’s Spiel”. Diese Reputation scheint aber bei bewusst irreführenden und mies recherchierten Artikeln kein Problem zu sein: “Ob der Deutschlandfunk jetzt nun die falschen “Kronzeugen” zitiert oder einen Beitrag nicht zu Ende recherchiert, ist mir dabei herzlich egal”. Schön, wenn die Empörung über journalistische Standards so fallbezogen ist.

Verwechsele bitte weder MEINE Ansicht mit der öffentlichen Meinung, noch den Vorwurf der Bestechung mit dem Vorwurf der schlechten Recherche. MIR ist es egal, ob die Reportage in diesem Einzelfall solide recherchiert ist oder nicht. Ich entscheide aber auch nicht über die Reputation des genannten Berufsstands. Dies macht die Öffentlichkeit: Sollte es wegen eines gewährten Presserabatts zu einem Wulff’schen Worst Case unter Journalisten kommen, entscheidet die öffentliche Meinung. Und die reagiert bei Korruptionsvorwürfen meist recht zimperlich.

Es bleibt dabei: Die These “Die würden das nicht machen, wenn das nichts bringt” ist charmant und populistisch, aber unbewiesen.

Sie bleibt ebenfalls unwiderlegt. Die hier geschilderten Einzelfälle („Beeinflussbar? Ich nicht!“) reichen jedenfalls nicht für eine geschlossene Beweisführung aus. Derweil bezweifele ich, dass Unternehmen Rabatte aus reiner Nächstenliebe gegenüber der Presse gewähren.

Wortvogel
Wortvogel

@ stefk76@gPeter Shaw: Du wiederholst nur erneut die unbewiesene Behauptung.

@ Alexander: Ich bitte jegliche Beleidigungen zu unterlassen („keine Ahnung von Betriebswirtschaft“). Und es wird trotzdem kein Schuh draus, weil ich von einer Gewinnmarge rede. Die wird eben nicht in Marketing, Vertriebsnetz etc. investiert. Rabatte gibt es für Dutzende von Berufs- und Bevölkerungsgruppen – und jetzt soll der J-Rabatt den kleinen Aygo für die alleinerziehende Krankenschwester verteuern? So eine grandiose Behauptung hätte 1a in den von mir kritisierten Artikel gepasst!

Ich halte es da mit DC (Kommentar 14): Man kann gerne über die generelle Abschaffung von Rabatten sprechen, um das gesparte Geld konkreten Projekten zufließen zu lassen. Es ist aber albern, sich jetzt die Journalisten raus zu suchen, deren Anteil im Promille-Bereich liegt.

Wilz
Wilz

Ich sehe in Deiner Gegenrede nichts, was die Kritikpunkte des Artikels widerlegen würde. Ein anekdotisches „Also ich bin ja nicht käuflich“ ist jedenfalls kein Argument.

Richtig ist natürlich, dass die Autorin des Artikel keine konkreten Beispiele nennt. (Allerdings muss sie das auch nicht, denn für dich wären das eh nur bedauerliche Einzelfälle. Siehe Schokoriegel.) Das liegt möglicherweise daran, dass der Sinn des Artikel nicht darin besteht, einzelne Personen anzuprangern, sondern eine (natürlich überflüssige!) Diskussion in Gang zu bringen.

Du jedenfalls möchtest dich gar nicht erst mit der Kritik auseinandersetzen. Daher auch die Haarspaltereien. Ein Rezensionsexemplar (bzw. gleich 10 Stück) ist natürlich auch ein Rabatt. Und die von dir bemängelte Werbung bei Air Berlin ist selbstverständlich als PR zu verstehen. Dazu dann Angriffe auf die Autorin und den ÖR an sich und schon ist die heile Rabatt-Welt wieder in Ordnung.

Du hast übrigens gleich vier Mal Toyota erwähnt. Aber natürlich wäre es unredlich zu unterstellen, dass der Rabatt beim Autokauf dich irgendwie beeinflusst. Sei es direkt oder eben indirekt.

Helmut
Helmut

Wenn es nichts bringen würde, dann würden die Unternehmen keine Rabatte für Journalisten gewähren. Ich denke die Unternehmen, nehmen die Streuverluste für Journalisten wie dich in Kauf, gehen aber davon aus das es sich letztendlich bezahlt macht Multiplikatoren grundsätzlich ihrer Marke/Produkt/Unternehmen gegenüber positiv zu stimmen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Nobby: Es werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Hier geht es nicht um eine konkrete Person, die ein Rabatt-System massiv missbraucht hat. Es geht gar nicht um Missbrauch. Es geht um Gebrauch. Legalen. Warum daraus eine gesellschaftliche Debatte werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und die Tatsache, dass „das Volk“ mitunter heuchlerisch, neidisch und hysterisch reagiert, macht aus der Inanspruchnahme eines Rabatt kaum die Gefährdung eines Berufsstandes. Bitte mal die Kirche im Dorf lassen.

Zweiter Punkt: Die These ist auch nicht widerlegbar. Proving a negative. Aber sie wäre belegbar, wenn sie denn stimmen würde.

Ich kann es gerne sagen, bis ich am Mund fusselig werde: Ich rechtfertige J-Rabatte nicht. Ich behaupte weder, sie seien angemessen noch folgenlos. Will man sie abschaffen, soll man sie abschaffen. Aber der Beitrag des Deutschlandfunk stellt Behauptungen in den Raum, die er nicht belegen kann. Das ist unredlich. Und er vermischt Dinge, die nichts miteinander zu tun haben (Politik/Journalismus, Rezensionsexemplar/Presserabatt, etc.), um populistisch Stimmung zu machen. DARUM geht es mir.

Karlo
Karlo

„die Wahrheit zahlt keine Miete.“

–Uff.

Wortvogel
Wortvogel

@ Helmut: Auch für dich gerne zum umfzigsten Mal:

„Die These “Die würden das nicht machen, wenn das nichts bringt” ist charmant und populistisch, aber unbewiesen.“

@ Wilz: Auch hier wiederhole ich mich: Ich habe nie behauptet, den Artikel widerlegen zu wollen, weil das nicht möglich ist (siehe Kommentar 46). Wie andere Leser/Rezensenten bereits angeführt haben: Ein Rezensionsexemplar hat mir einem Rabatt gar nichts zu tun. Ich werde mir nicht die Mühe machen, das jemandem zu erklären, der es augenscheinlich nicht verstehen will.

Und Toyota wird sich sicher bei mir bedanken, dass sie ich sie in einem Beitrag über die Fragwürdigkeit von J-Rabatten mehrfach genannt habe.

Alexander
Alexander

Hallo Wortvogel, das war keine Beleidigung sondern eine Feststellung, die du gleich noch einmal bestätigt hast. Es gibt bei Autos keine „Gewinnmarge“. Es gibt Absatzziele: 250.000 Stück zum mittleren Preis X. Und wenn für Gruppe J die Rabatte höher sind, müssen sie für Gruppe K eben niedriger sein, damit die Firma Gewinn macht (neben 100 anderen Einflußfaktoren). Und das mag jetzt von Firma zu Firma unterschiedlich sein, wie das Controlling ist, aber der Autoverkäufer hat im Prinzip auch seine Vorgaben der Art: X Autos pro Monat bei einem mittleren Rabatt von maximal Y %.
Das mit der „alleinerziehenden Krankenschwester“ war gemein, das nehme ich zurück, bzw. erweitere es auf den verheirateten Polizisten, den in eingetragener Partnerschaft lebenden Müllwerker usw.

diderot
diderot

Interessante Verteidigungsstrategie: ich bin nicht käuflich, weil ich es nicht bin.
Nebenbei sind Sie wenigstens ehrlich, dass Sie Vorteile einfach mitnehmen, wo es geht. Man müsste ja Rabatte auch nicht annehmen, wenn man „es nicht nötig hat“. Charaktersache…

wpDiscuz